Leistungsdamast ohne Borax

JostS

Mitglied
Liebe Messerschmiedefreunde -
neu bin ich hier nicht. Ich lese hier seit ca. 3 Jahren mit, und habe eine Menge gelernt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die vielen interessanten Tutorials und Diskussionen!

Jetzt möchte ich auch einmal einen Beitrag leisten:
(das ist für mich auch ein Experiment ... hoffe, es funktioniert ...)

Mein Hauptinteresse liegt zur Zeit im Schmieden von Küchenmessern aus Leistungs-Damast.
Ich habe im lauf der letzten Jahre meine Herstellungstechnik der mir zur Verfügung stehenden Ausrüstung angepasst, wobei mir das MF eine große Hilfe und Inspiration waren.
Meine Klingen schmiede ich boraxfrei unter Luftabschluss (auf die Idee kam ich durch den Monsterbarren von AchimW ;) ...).

Die letzte Messerserie habe ich mal mit vielen Bildern Schritt für Schritt dokumentiert.
Pitter (Vielen Dank für die tolle Unterstützung!) hat mir die Doku als PDF im Bereich Downloads
unter "Küchenmesser aus Leistungsdamast" abgelegt.
Oder direkt:

http://messerforum.net/_sonstiges/download/KuechenmesserDokuJS.pdf

Damit Ihr seht, worum es geht, habe ich ein paar Bilder angehängt.

Über Kommentare, konstruktive Kritik, Anregungen ... würde ich mich sehr freuen!
Viel Spaß beim Anschauen,
Jost
 

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bullet101

Mitglied
Die Messer durfte ich neulich schon im Original bewundern, sind echt schön und liegen gut in der Hand. Auch der Kontrast ist wirklich gut. Hab heute gleich mal den guten Löskaffee bei Lidl geholt ;).

Der Bericht ist in groß und in Farbe auch nochmal ne Nummer besser.

Hut ab, dass Du das alles von Hand schmiedest. Bin gespannt auf weitere Werke.

Viele Grüße

Marcus

P.S.: Morgen ist wieder Mini Hammer-In mit Tanz um den Lufthammer. Mehr dazu per Mail ;).
 

derPeter

Mitglied
Hallo Jost
Nach dem ich mir deine PDF-Doku 3x angesehen habe bin ich immer noch völlig platt.
Das ist eine der präzisesten und verständlichsten Dokus, die ich bisher sehen durfte. Vielen Dank für den Einbilck in deine Techniken.
Fragen? Nö, keine Fragen mehr!
Deine Vorgehensweise, vom Stahl und Holz, zum fertigen Messer ist ziemlich ausgefuchst und von Anfang bis Ende gut durchdacht.
Qualität in jedem Arbeitsschritt, angefangen beim Verschweißen, Wärmebehandlung bis zum Sandstrahlen der Pins zwecks besserer Verklebung.
Lach jetzt nicht, aber mit am besten fand ich den Kniff, die Griffschalen spiegelbildich auf ein Trägerholz zu kleben um beim Schleifen eine gute Symetrie zu erreichen. Das werde ich mir merken.
Nebenbei gesagt bist du technisch sehr gut ausgerüstet und setzt alles optimal ein.
Vielen Dank nochmal für diese interessante und spannende Dokumentation.
 

Schlosser

Mitglied
Alle Achtung! Sehr schön zusammengefaßt. Da sollten einige Fragen, die hier immer wieder auftauchen, einfach mit dem Verweis auf Dein PDF beantwortet sein. Klasse!
 

Ademos

Mitglied
Hallo

Das ist eine sehr schöne Doku. Alle Achtung und Danke das du dir die Zeit genommen hast. Ich weiß wie viel Arbeit in so einer Doku steckt.

Weiter so und

ein dreifaches :super::super::super:

Gruß Uwe
 

AchimW

Mitglied
Ich hatte ja die Ehre, das tutorial schon vor der Veröffentlichung zu sehen und wiederhole gerne, was ich dazu gesagt habe: das ist top!

Danke, Jost!
 

KlausK

Mitglied
Hallo,

alle Achtung, sehr schöne Messer und eine wunderschöne Beschreibung bis ins Detail:super:

Klaus
 

less

Mitglied
Hallo Jost,
danke für das anschauliche Tutorial.

Ich bin sehr beeindruckt von der sauberen und schönen Arbeit!
Hier wurde mir erst klar wieviel Arbeit in so einer handgemachten Damastklinge steckt.

Hut ab, und hoffentlich noch viele weitere schöne Messer!

Grüße
less
 
Kritik,ja gerne.
Habe es erst mal nur Überflogen.

Du hast doch bestimmt Roman´s Buch,dort ist unter Leistung's-Damast ein Messer von J.Tritz,er hat für den Schneidenbereich bessere Hochleistungs-Stähle verwendet als in den Außenlagen.
Bei dir ist die Zusammenstellung so,du hast zwar zähere Stähle für die Deckschichten verwendet aber auch für weniger Kontrast gesorgt als bei dem Schneidenkern.
Laut Ulrich(Er kann gerne berichtigen) hast du aber auch nicht unbedingt eine Hochleistungs-Variante für die Schneidenzone gewählt(Kochmesserbereich),wenn man dann noch die Diffusion des Kohlenstoff´s dazu nimmt??.

Ich hätte 75Ni8 und 2842 für die Außenlagen gewählt und z.B. 2516 mit ein bisschen 75Ni8 für denn Schneidenkern verwendet aber da gibt es sooo viele Kombi-Möglichkeiten.

Ich hätte auch nicht die Bleche zuerst verschweißt,sondern sie in eine Hülle gepresst,auch von Ulrich oft erwähnt.
 

JostS

Mitglied
Hallo allerseits -
herzlichen Dank für die Blumen!
Es freut mich, wenn Ihr was mit der Arbeit anfangen könnt.
... und besonders, wenn ich Lob von den Profies bekomme:)

@ Urgestein:
Vielen Dank für die Anregungen!
Mit der Stahlauswahl hast Du natürlich vollkommen Recht - es gibt die Ferraris ... aber die nützen mir nichts, wenn ich nicht damit fahren kann.
Desshalb spreche ich ja nicht von Hochleistungs-Damast.

Ich habe mit einfachen Materialien angefangen, bis ich die technisch (Verarbeitung, WB, etc.) im Griff hatte (denke ich mal) und dann habe ich begonnen damit zu experimentieren. Die Doku ist mein jetziger Stand - aber da will ich ja nicht rumhängen.;)
Ich habe auch schon einiges an 100Cr6 und C145SC rumliegen - da stehen weitere WBversuche an und dann schaumermal ... Was mir noch fehlt ist ein Härteprüfer - bin gerade auf der Suche - dann wirds für mich richtig spannend. Erste Klingen aus 100Cr6 funktionieren bereits ganz gut.
TK ist auch noch ein Thema für weitere Geschichten wie Niolox etc.
So schnell wird mir nicht lanweilig werden.

Mit Profilen als Hülle hab ich auch schon gearbeitet, aber das fest Pressen, verschweißen und dann einpacken finde ich komfortabler -
die Schweißnähte fallen eh bei der Weiterverarbeitung weg und waren mal im Rücken der Klinge.
Und in der Zusammenstellung meiner Pakete bin ich flexiebler, weil ich in der Pakethöhe nicht eingeschränkt bin.

Dass der Kontrast in den Flanken nicht so krass ist wie in der Schneide finde ich gerade gut - sonst wären es keine Black Clouds - oder?
Mir ist beim ätzen wichtig, dass man den Klingenaufbau sieht.


Viele Grüße,
Jost
 
Leistungsdamast ok wenn es im Jagdmesserbereich ist,für den Küchenmesserbereich ist bei mir Leistungs-Hochleistungs-Damast eigentlich das selbe anstreben.
Was der Bereich Stern-Pferd ist,da kommt es auch auf Vorlieben an.

Klar sieht man im Schneidenaufbau die Schichtung,aber da scheint der 75Ni8 auch zu dominieren.

Mich würde bei deinem Verfahren interessieren wie deine Schweißung auf Biege/Bruchtest reagiert.
 

Koraat

Moderator Forum Koraat-Knives
Hallo Jost,

du hast mir ja am Kamft schon von der Doku erzählt wenn ich mich recht erninnere.
Hast du wirklich toll gemacht!
So ein Aufwand, das ist bisher sicher die aufwändigste Doku hier im Forum.
Und die Messer sind optisch eine Wucht :super:

Ein paar Anregungen hätte ich aber noch für dich.
Du kannst dir die WB nach dem groben ausschmieden sparen, da passiert noch so viel an Umformung/Erhitzung.....
Die Wb am Schluss reicht da völlig.
Allerdings würde ich nicht auf 860 Grad gehen sondern eher max bis 830 eher nur 800 Grad. Und vielleicht nicht nur mit Pressluft arbeiten sonder zumindesdt zweimal auch in Öl abschrecken.
Du kannst auch durchaus bis hin zu tieferen temperaturen Schmieden/Walzen. Gerade das Walzen bis an die 700 Grad erzeugt bei mir schon vor der Wb ein sehr feines Gefüge. Natürlich geht das nicht bei jedem Stahl, und man muss wissen was man tut, da sonst schon die Gefahr von Rissbildung besteht.
Zum Thema Leistungs bzw. Hochleistungsdamast.
Ich bin mir sicher, dass die Klingen ihren Dienst gut versehen werden.
Allerdings würde auch ich in der Schneidlage den 75Ni8 eher weglassen und nur den 2842 nehmen oder 75Ni8 durch zb. den 100Cr6 ersetzen.
Vor der Wb des 100Cr6 brauchst du dich nicht zu fürchten, du hast schließlich einen perfekt gesteuerten ofen :steirer:
Wenn du dich an die datenblätter hältst und immer eher die unteren Temperaturen anstrebst kann gar nichts schief gehen, also nur Mut!

Wäre der Damast höherlagig wäre es nicht so problematisch mit dem 75Ni8, durch die wenigen Lagen können sich aber recht große Zonen in der Schneide ergeben in denen einmal nur Ni8 und einmal nur 1.2842 ist, da wird man auf Dauer schon einen gewissen Leistungsunterschied bemerken.

mfg
Ulrik
 

yaammoo

Mitglied
Das ist ein Einstand in das MF!! Allererste Sahne - die Dokumentation, wie auch die Messer.
Ist das deine private Werkstatt? Wenn ja, dann bist du gnz ordentlich ausgestattet.

Thorsten
 
G

Gast

Gast
So jetzt noch die Doku zum Buch binden und fertig....... Danke das du uns es kostenfrei zur Verfügung stellst. Super Doku und richtig schöne Messer. Weiter so und Hut ab.




gruss brady
 

schakaa

Mitglied
Schade ich kann die Doku nicht sehen, bekomme immer die Meldung dass die Datei beschädigt ist.
Gruss schakaa
 

JostS

Mitglied
Guten Abend miteinander -
ich freu mich riesig über die positive Resonanz - Danke!

@ Peter: die Schalen mach ich zunächst symmetrisch, aber für Rechtshänder wird die rechte Schale an der hinteren Griffecke etwas stärker abgerundet - beim längeren Schneiden hat mich die Ecke etwas gestört.

@ Urgestein: im Schneidenbereich ist 1.2842 und 75Ni8 zu gleichen Teilen verarbeitet - Biegetest am weichgeglühten TeilS.19 da passiert selbst sägerauh nichts bei 2 x 90°. Bruchtest bei 45° voll im elastischen Bereich, Bruch bei irgendwo zwischen 70 und 80° an einem 8 cm Reststück grob klingenförmig geschliffen, gehärtet, auf die Schnelle angelassen und zwischen normalen Schraubstockbacken misshandelt ... die Klingen werden wesentlich besser verarbeitet. Auf S. 20 siehst Du die Restverformung - am Bruch kann man ein samtig feines Gefüge in der Schneide sehen, die Baustahllagen treten in Erscheinung, sehen aber nicht irgendwie grobkörnig aus - bei konventionell mit Borax geschweißten Barren hatte ich nie so ein homogenes Gefüge - weder im weichen noch im harten Zustand.
In der Küche macht sich die Kombi nicht schlecht - 100Cr6 ist aufwändiger behandelt besser - da arbeite ich wie gesagt noch an der richtigen Rezeptur.

@ Ulrik: die WB fällt so zu sagen gegen Ende der einzelnen Schmiedezyklen fast automatisch an - evtl reicht es schon, die Temperatur sinken zu lassen und bis auf die untere Temperatur umzuformen - das erzeugt im Gefüge Störungen, an denen wieder neue "Kristallisationskeime" entstehen - also feineres Korn. Das machst Du mit Walzen bis 700°. Meine Elektrowalze wollte ich eigentlich für Silberschmiedegeschichten schonen und die Handwalze muss ich mal am Boden festschrauben - die spaziert immer mit mir durch die Werkstatt ... Druckluft nehme ich offengestanden aus Bequemlichkeit, weil das Öl erst beim Härten vor den Ofen kommt - ist mir sonst im Weg ;)
Wenn die Rohlinge dünn sind, könnte ich die auch mit Druckluft härten - Problem: Verzug. Die Temeratur fahre ich so hoch, weil ich möglichst schnell kurz über HT will - kann ich mal Versuche mit Reststücken machen, obs auch weniger tut.
Weich brauche ich die Rohling, wenn ich mit der Bandsäge dran will - ich habe super Sägebänder, aber die haben auch ihre Grenzen.
Zur Schneidenkombi: ich hab im Kücheneinsatz noch keine Unterschiede zwischen den Stählen festgestellt (schau mal in mein Fotoalbum ...) aber feinere Schneidlagen und mit mehr C ... stehen schon auf dem Programm - s.o.

@ Torsten: Das ist leider nur teilweise meine private Werkstatteinrichtung :jammer:
- zum Glück kann ich meinen Arbeitsplatz aber auch für meine Zwecke nutzen ...

@ Chris: ich hab extra einen Italiener genommen - ein Porsche finde ich viel schöner - der ist aber nicht so zickig;)

Viele Grüße
Jost