Leder färben, punzieren,finishen.... ??

Nidan

Mitglied
Hallo zusammen,

ich muß in absehbarer Zeit wieder ein paar Lederscheiden bauen, und weil es mir letztes Mal tierisch Spaß gemacht hat, will ich sie diesmal ein bißchen aufwendiger machen.

Deshalb ein paar Fragen :

1) Wie und mit was färbt man Leder ? Ich will die Scheiden wieder naßformen, dann kann ich erst nach dem Formen färben, oder ?
Und kennt jemand nen Trick wie ich vermeiden kann daß die Fäden mitgefärbt werden ? Bei dem weißen Faden den ich letztes Mal verwendet hatte (ich hab in gefärbtem Leder von Borger genäht) hat sich durch das Durchziehen Farbe drauf abgerieben und auch wenn ich erst nach dem Nähen färb hab ich das Problem doch auch wieder weil ich dann doch die Fäden mit einfärb.
:ack:
Und was ist denn eigentlich das Antique-Finish, sind das auch Farben ?

2) Ich würd auch gerne kleine Punzierungen an den Nahtrand machen, kann man das auch noch wenn die Scheide schon zusammen gebaut ist und die Naht schon genäht ist, oder muß man das vorher machen ?

3) Und dann wüßte ich noch gerne wie man so ein schönes mattes Finish machen kann.
 

Tierlieb

Mitglied
1) Ich kenne auch nur das Bemalen nach dem Wässern. Klappt auch am Besten. Vermeiden kannst Du das einfären der Fädaen am besten, in dem Du nochmals nähst... *g*
Ansonsten würde ich einfach mal probieren, den Faden durch Bienenwachs zu ziehen.
2) Punzieren klappt am besten bei gewässertem Leder. Wenn die Punze nicht zu scharfkantig ist, kannst Du das auch auf der Naht machen. Hauptsache, Du schneidest Die Nähte nicht an.
3) Auf dem Leder? Ich würde mal sagen: Einfach nicht polieren und fetten, Nubuk-Leder nehmen oder die Oberfläche aufrauhen.

MfG, Tierlieb
 

Nidan

Mitglied
Hi tierlieb,

thx für die Anwort, aaaaber

1) Nochmal nähen ist echt keine Alternative ;) Das mit dem Bienenwachs wär nen Versuch wert.

2) Also ich will natürlich nicht die Nähte punzen sondern nur den Rand :D Ich weiß nur nicht ob man das noch machen kann wenn die Scheide schon zusammengebaut ist, wegen Planlage und so.

3) neee Nubuk oder so ist keine Alternative, die Scheide soll schon glatt sein, nur glänzen soll sie net zumindest nicht stark.
Und irgendwie muß ich das Leder nach dem Färben doch versiegeln, oder ??
 

Tierlieb

Mitglied
zu 3) Hmmm. Probier doch mal, kochendes Wasser über das Leder zu pinseln. Macht das Leder auch unanfällig gegen äußere Einflüsse und wirkt im Normalfall sehr stumpf.

zu 2) Keine Ahnung, ob sich da gravierend was ändert, aber aus dem Bauch heraus würde ich dagegen wetten.

MfG, Tierlieb
 

Andreas

Mitglied
zu 1) zum färben des leders benutze ich die oil dyes von fiebings.
reihenfolge dabei ist bei mir folgende:
* lederscheide ausschneiden, formen und verkleben
* nach dem verkleben kanten schleifen und glätten
* nahtversenkung schneiden
* jetzt färben (2x nacheinander)!!!!
* farbe trocknen lassen, evtl. auspolieren (überschüßige farbpartikel entfernen)
* anschließend löcher bohren (wenn die löcher nach dem färben ins leder gebohrt oder gestochen werden, bleiben auch weiße fäden weiß. andernfalls nimmt der faden die farbe aus den löchern beim durchziehen auf)
* lederscheide vernähen

antik-finish ist auch nix anderes als farbe. allerdings sind der braunen farbe dann kleine dunklere farbpartikel beigemischt. die bleiben dann in den "lederporen" und verleihen dem leder das antike aussehen (so ist es wenigstens angedacht). mir gefallen diese farben allerdings nicht so gut.

zu 2) du kannst nach dem "nahtversenkung schneiden oder nach dem nähen die punzierung entlang der naht anbringen, wenn du die zwischenlage (den keder) etwas "breiter" auslegst. Ansonsten müßtest du für dem verkleben die punzierung anbringen

zu3) fällt mir jetzt auch nix anderes ein, als nach dem fetten/wachsen des leders eben nicht zu polieren.
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Andreas!

Danke für Deine wie immer guten Tips zur Lederverarbeitung. Mit der Reihenfolge kann ich wirklich was anfangen.

Ich habe mal probeweise mit einer schwarzen Lederfarbe auf braunes ungefärbtes Leder gemalt. Die Eindringtiefe war sehr gering, man könnte meinen, dass die Farbe nur an der Oberfläche verblieben ist.
Allerdings hatte ich das Leder auch mit Alkohol getränkt, um sie zu formen und nicht mit Wasser.

Außerdem forme ich das Leder nach dem Vernähen nochmals ganz genau um das Messer, damit die Form möglichst mit der des Messers übereinstimmt. Wenn ich versuche vorher zu formen, dann macht der Kleber Probleme, denn unter Alkoholeinwirkung arbeitet er nicht so gut (wie sicherlich auch viele Menschen ;) ). Dann geht die Verklebung wieder auf, wenn ich das Leder an das Messer anpasse.

Eine Frage noch zu den Lederfarben: färben die ab, wenn die Scheide feucht wird? Wäre ja übel, wenn man sich auf ein weißes Ledersofa setzt und die Farbe bleibt ewig da.

Es grüßt Euch der Leo.
 

Andreas

Mitglied
zur eindringtiefe:
Al Stohlmann (Lederguru aus den USA) schreibt in seinen Heften/Büchern, dass die farbe bei häufigerem färben (deswegen mache ich das auch 2x) tiefer in das leder einzieht. er färbt sogar 3x.
ich selber habe die erfahrung gemacht, das erst nach dem 2x färben das leder wirklich eine gleichmäßige farbe hat. nach dem ersten durchgang sieht man, dass die farbe noch nicht richtig deckt (bei sehr hellem leder).

kleber und alkohol:
das ist einer der gründe, warum ich den speziellen lederkleber und wasser zum formen nehme :D

leder, farbe und abfärben:
wird das leder nach dem färben nicht auspoliert (damit werden "überschüßige" farbpartikel wieder vom leder abgenommen), färbt das leder, wenn es naß wird. ich poliere das leder nach dem färben mit einem baumwoll-lappen (leicht angefeuchtet) bis fast keine farbe mehr am lappen bleibt. anschließend verwende ich entweder "resolene" oder "satin shene" um das leder zu versiegeln und unempfindlich gegen feuchtigkeit zu machen. danach färbt nix mehr. es gibt allerdings eine ausnahme, die sich selbst die leute von der "bear gallery" nicht erklären können. die oil dye in der farbe "sattle tan" färbt extrem bei feuchtigkeit nach. trotz polieren wie "ein wilder" und manchmal sogar nach dem versiegeln.

weißes ledersofa:
da fällt mir ja nu nix mehr zu ein :D
ausser vielleicht ein kanister mit oil dye in schwatt :p
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Andreas!

Mir gefällt das Ledersofa auch nicht, aber die Eltern meiner Freundin haben sich so ein Teil gekauft. Ich könnte mir ja bei Besuchen immer eine Sitzauflage unterlegen, wie es sie für Katzen oder Hunde gibt, damit sie nicht den Lieblingssessel vollhaaren ;).
Wenn es keinen Kanister in schwarz gibt, dann könnten ein paar kleine Fläschchen auch reichen, dann gibt es halt einen Kuhlook ;).

Nochmal zum Formen: Formst Du Dein Leder gar nicht mehr nach dem Nähen? darauf würde ich ehrlich gesagt nicht verzichten wollen, aber vielleicht liegt es auch nur am Kleben.

Gruß Leo.
 

Andreas

Mitglied
ob ich nach dem nähen noch mal nachforme hängt einfach vom sitz des messers ab. wenn's paßt, dann nich, wenn ich der meinung bin, "da geht noch was besser" dann natürlich schon.
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Andreas!

Aber was passiert mit der Farbe, wenn Du nachformst, Du musst ja das Leder wieder nassmachen und wenn die Farbe wasserlöslich ist, dann geht sie doch bestimmt mit ab, oder? Hast Du dann die ganze Schweinerei nicht an den Händen?
Oder machst Du das zweite Nachformen mit Alkohol, weil das die Farbe eventuell nicht löst?

Gruß Leo.
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Leo, ist genau umgekehrt: diese Beizen sind alkoholgelöst und trocknen deshalb auch recht schnell. Wenn Du nach dem beizen mit Spiritus drauf gehst, löst Du die Beize zum großen Teil wieder an. Macht sich aber eigentlich nur bei Schwarz störend bemerkbar.
Du darfst dies Beizen (=dye) nicht mit Lederfarbe verwechseln, wie sie beim Färben von Schuhen benutzt wird. Die Beize zieht schon recht tief ins Leder ein und läßt die Poren offen, während die dickere Farbe an der Oberfläche deckend stehen bleibt und die Lederporen versiegelt. Die Farben sind auch teilweise wasserlöslich, weshalb sie eine Schutzbeschichtung brauchen (Klarlack oder Wachs).
Was sich bei den Beizen nachträglich abreibt, ist nur der überflüssige Pigmentanteil, der an der Oberfläche ungebunden stehen bleibt.
Eine matte Oberfläche kannst Du auch erzielen, wenn Du die Scheide nach dem Beizen nur mit Silikonspray schützt.
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Guenter!

Jetzt habe ich den Unterschied endlich kapiert, das Zeug was ich habe ist dann wohl eine Farbe und keine Beize. Allerdings ist es so dünnflüssig, dass ich annahm, es würde tiefer einziehen.

Mal wieder ein wunderbar erleuchtender Beitrag von Dir,

es grüßt Dich der Leo.
 
Zuletzt bearbeitet:
G

gast

Gast
Beinah alles gesagt aber..

- zu den Antik-Finish- Produkten, z.B. von Tandy. Die werden in erster Linie eingesetzt um geformtes oder punziertes Leder mit der Färbung plastischer erscheinen zu lassen. Auftragen, einziehen lassen und mit feuchtem Schwamm abwischen, so dass dunklere Stellen in Vertiefungen bleiben. Anschließend muss versiegelt werden, dazu gibt es Satin Sheen in Glanz oder Matt-Version. Diese Art der Einfärbung kann recht rustikal und gut wirken, ist aber nicht sehr tief, also etwas empfindlicher. Allerdings trage ich einen Gürtel, den ich so gemacht habe schon ein Jahr, ohne Probleme. Färbt nichts ab und ist sehr strapazierfähig.

- Ich forme die Scheide inzwischen grundsätzlich naß nach. Einweichen in lauwarmem Wasser, um das Messer formen, ggf. noch weitere Konturen, Punzen etc. einprägen, Messer raus und über Nacht trocknen lassen. Ergibt eine sehr gute Passform.

- zur Tiefenimprägnierung habe ich eine andere Variante ausprobiert:
Dazu setze ich eine Mischung aus Lederöl getunt mit Bienenwachs an. Öl erwärmen und echtes Bienenwachs darin lösen. Menge ??? nach Gefühl, meine erkaltete Mischung ist leicht kremig. Die fertige Scheide tauche ich kurz in das heiße Gebräu...man kann auch noch Oil Dye zumischen... dann raus und rasch ausgekippt, noch etwas ausgewischt und abgerieben, dann erkalten lassen und nachreiben. Das ergibt eine rundum gut imprägnierte Scheide. Auch die Gerbsäuren sind gebunden. Helles Leder wird etwa Rehbraun. Helle Nähte bleiben recht hell und es riecht auch nicht übel.

Gruß

Volker
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Und wenn Du die Scheide nach dem Bad im Wachs noch eine Nacht bei ca. 70° im Backofen oder einer speziellen Heizkiste ziehen läßt, dann ist die Impregnierung noch tiefer.
 
G

gast

Gast
Guter Tipp....

sag mal, du sollst Messer machen und nicht immer vor der Kiste sitzen, das ist ja richtig unheimlich mit deinen schnellen Antworten,

ich habe am verregneten Wochenende gerade wieder ein Messer fertig (bis auf die Scheide)...kommt bald als kleine Angeberei auf meine Seite....die Holde sagt, sie werden immer besser und will es haben.

Gruß aus dem kalten Norden

Volker
 

Leonardo75

Mitglied
Danke

Mensch o.technikus und Guenter!

Danke für die vielen Tips!

Da habt Ihr einem aber verdammt viel zum Ausprobieren gegeben, bei der nächsten Scheide werde ich mal schauen, ob ich an die Beize rankomme. Heisst denn das dye was Andreas anwendet im deutschen Beize?

Viele Grüße sendet Euch der Leo.
 

luftauge

Mitglied
Mal ne Frage zum Leder selbst :
Ich hab in SG von Leo, Camig, Rolage und Herbert einige sehr gute Scheiden gesehen.
Welches Leder benutzt Ihr eigentlich, Sattelleder ?
Das war richtig dick, mindestens 4mm,
und wo bekommt man es ?
(ich werde in Nachbars Reithalle schon mal sondieren).

Mein Eigenbau aus Schuhleder kam mir richtig lächerlich vor :waaah:

Gruß Andreas/L
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo luftauge!

Ich habe für meine Messerscheiden lohgar gegerbtes Leder vom Lederhändler besorgt, in leider nur 3,2mm.
Vom Hals ist das Leder besonders schön. Frag doch mal Andreas (nicht Dich selbst), wie das mit dem Bestellen von Leder bei der Beargallery ausschaut. Mit den Werkzeugen von denen habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht.

Wenn Du mal einen guten Mittelaltermarkt besuchst, dann kannst Du Dir ja mal das Leder vom Gerber, so denn einer dort ist, anschauen. Da habe ich auch schon einiges gefunden.

Guenter hatte auch immer sehr dickes Leder, vielleicht kann er auch eine Bezugsquelle dafür nennen.

Viele Grüße und viel Erfolg bei Deinen interessanten Messerprojekten
wünscht Dir der Leo.
 

Andreas

Mitglied
ich bestelle das leder immer in der bear gallery in deisenhofen: Homepage
da gibt es ungefärbtes leder als hals (ca. 1,2 -1,3 qm)in den stärken:
1,3-1,5mm; 1,8-2,0mm; 2,0-2,5mm; 2,8-3,0mm; 3,0-3,3mm
je 76,50 Euro pro qm
aus so einem hals (super qualität!) bekommt man so ca. 20 -30 lederscheiden je nach größe.
ich verwende für lederscheiden für feststehende messer meistens 3,0-3,3mm starkes leder. lederholster für klappmesser sind aus 2,5mm leder. das leder wird nach dem vollständigen trocknen nach dem formen und färben knüppelhart.

kleinere mengen gibt es auch, die sind dann allerdings etwas teurer.

die oil dyes von fiebings liegen bei ca. 6,00 Euro für 4oz (118ml). so eine flasche reicht dann für ca. 10-15 lederscheiden.

sehr zu empfehlen ist der nylon-faden (Nylongarn gewachst Bear Gallery Special, 4oz, 170 meter, 7,25 Euro)!!!!! das zeug ist absolut reissfest und verwittert nicht.

telefonisch bestellen ist kein problem (einen schönen gruß von mir nicht vergessen). Lieferung erfolgt umgehend per nachnahme oder rechnung.
ich habe mit der "chefin" auch schon mal über ein "einsteiger-paket" für messer-leute gesprochen. wenn hier bedarf besteht, kann ich das thema gerne noch mal aufgreifen. bin mir nur nicht ganz sicher, was da so drin sein sollte.

mindestbestellwert 25 Euro (sonst kostet das 10% zuschlag).
ab 250 euro gibt es 10%, ab 500 Euro bestellwert 20% nachlass. vielleicht lohnt sich ja eine sammelbestellung.

kleine mengen leder und garn kann ich auch gerne abgeben. ich berechne dann das leder nach dem oben genannten preis. garn für eine lederscheide lege ich so bei. käme noch versand dazu (kommt dann auf die größe des lederstücks an)