Langzeittest Busse Basic #3

porcupine

Super Moderator
Hallo!
Natürlich bin ich kein Messer-Tester. Daher sind meine Ergebnisse auch eher subjektive Erfahrungen. So brachiale Sachen wie Cliff Stamp (Autodächer durchlöchern, Armierungseisen durchhacken,...)mach ich schon gar nicht.
Aber mein Busse Basic 3 hat mich jetzt 2 Jahre ganz oft begleitet, und wird es wohl auch weiterhin tun, auch wenn andere aus der INFI-Familie dazugekommen sind.
Ich wurde auf Busse im Internet aufmerksam, sah diese Videos mit den Testergebnissen,und als die dann auch in Deutschland zu haben waren, sagte ich meinem Messerhändler hier am Ort "besorg mir mal so ein Busse". Er hatte als erstes das Basic 3, und so wurde es meins. Es hat den bekannten Resiprene C Griff und eine Lederscheide. Die habe ich als erstes umbauen müssen, das Messer paßte mit dem gelochten Handschutz-Klingenhöcker nicht tief genug hinein: Scheide auftrennen, Einlage anpassen, neu verkleben und vernähen - fertig. Paßt gut, sitzt fest.
Ich habe dann mal eine Stunde lang ein Vergleichs-Griff-Anfassen gemacht mit anderen Gummi-oder Kratongriffen: Zu Hause mit einem Buck Nighthawk, Iron Eagle Bowie, Linder Superedge, Ka-Bar next Generation, Gerber LMF. Im Laden bei einem Fällkniven A-1. Keiner paßte so gut wie der Busse-Griff, auch wenn der ein bißchen größer sein könnte.
Nach werweißwiviel tausend mal rein und raus ist der Griff von der rauhen Lederscheide vorn etwas abgenutzt, man kann statt BUSSE COMBAT jetzt nur noch USSE COMBA lesen. Da der Griff vorn rechteckig war, nähert er sich allmählich einer ovalen Form an.
Die Klinge: Kurz und fett. Anders kann man 6,3 mm ja kaum nennen. Wenn man das Messer locker am Griff hält und auf eine Tischplatte federn läßt, zeigt sich Erstaunliches: Es federt wie sonst nur ein viel dünneres Messer. Das liegt am Stahl, natürlich, aber auch daran, daß die Angel im Griff mitfedert. Bei meinen Modellen mit Micartagriffen federt's nicht so stark.
Der Schliff: Rasierscharf, bekannt einseitig konvex. Der konvexe Schliff ist so leicht, daß man genau hinsehen muß, um ihn als solchen wahrzunehmen.
Die erste Bewährungsprobe kam bei einem Ausflug zum Grillen: Wir waren eine große Gruppe, hatten jede Menge Holzkohle, Grillgut - und keine Grillanzünder. Der erfahrene Outdoorler macht in solchem Falle ein Holzfeuerchen, um die Kohlen in Gang zu kriegen. Es regnete, alles war naß. Einziges trockenes Holz war ein Stück Baumstamm, das unter dem Schutzdach lag und schon vielen Leuten als Sitz oder Hackklotz gedient hatte. Voller Sand und Dreck, aber knochentrocken. Ich zögerte, denn ich wußte, was meinem Messer blühte, wenn ich diesen Klotz zerkleinern wollte. Aber dann blieb mir nichts anderes übrig, ist ja ein robuster User, dachte ich. Ungläubige Blicke, als ich mein Messer aus dem Rucksack nahm, sie sagten "armer Irrer" oder so, und fragten "ist das 'ne Anti-Haft-Beschichtung?". Als ich das Messer mit einem im Wald aufgelesenen Knüppel, 6 cm dick und 50 cm lang, in den Holzklotz trieb, hörte ich aus dem Hintergrund "gleich ist es hin". Ich schlug die Klinge in den Klotz und wuchtete sie zur Seite, und spaltete so den Klotz nach und nach zu Anzünd-Spänen.
Als das Feuerchen brannte, nahm ich das Messer in Augenschein: Die Beschichtung war reichlich zerkratzt und geglättet, aber nicht runter. Als ich das Messer auf den Unterarm setzte und mich zu rasieren anfing, trauten die Zuschauer ihren Augen kaum, kamen aber dann doch aus dem Staunen nicht heraus ob dieses Messers.
Soviel dazu. Danach habe ich das Messer zu allen möglichen Aufgaben im Haushalt, in der Werkstatt, im Garten usw. benutzt. Feuerspäne machen zum Beispiel, Zwiebeln schneiden (ja, die Klinge ist zu dick dafür, aber es geht, kleine Äste abschlagen, einen zugefrorenen Schaukasten aufhebeln, Eis (DICKES Eis) von der Windschutzscheibe kratzen, alles außer Graben, Nägel oder Knochen durchhacken eigentlich. Die Schärfe wurde irgendwann ein bißchen weniger. Von Cliff Stamp's Tests wußte ich schon, daß die Schneide sich eher umbiegt als ausbricht und mit einem Stahl leicht wieder hergestellt werden kann. So habe ich es dann auch gemacht. Fast immer genügen ein paar Striche mit dem Wetzstahl. Bisher mußte ich nur einmal schleifen, mit einen sehr feinen Sandstein. Es geht nicht schwerer als bei einem 4034-Stahl.
Der Klingenhöcker vor dem Handschutz, busse-typisch, war mir irgendwie im Weg. Ich dachte: Dieses Messer könnte noch handlicher und vielseitiger sein. Bei Cliff Stamp las ich, daß er bei seinem Basic 7, das früher wohl auch keine Fingermulde hatte, eine hineingearbeitet hat. So nahm ich Dremel und Rundfeilen, und los gings, ich fertigte mit eine Fingermulde direkt vor dem Griff. Das Feilen war nahe dem Griff einfacher, da dürfte die Härte unter 58 HRC liegen, zur Schneide hin wurde es immer schwerer bis ganz unmöglich, da nimmt die Härte also zu auf 59-60 HRC. Jetzt war das Messer absolut handlich, erlaubte diverse verschiedene Handhaltungen.
Die stark abgewetzte Beschichtung störte mich nun noch, rein optisch. So nahm ich Feile und Schleifband und schliff sie ab. Dabei hab ich die Erkenntnis gewonnen, daß sie trotz allem sehr schwer runtergeht.
So konnte ich nun auch die Rostträgheit des M-INFI testen, nachdem er blank war. Ich habe weiterhin Zwiebeln und Obst geschnitten oder besser "zerwirkt", weil die Klinge dazu ja zu dick ist. Das Messer war zum Paddeln mit, lag im feuchten Gras, hatte Schweißflecken auf der Schneide usw. Keine Rostspuren bis jetzt. Ich habe es allerdings noch nicht tagelang im Regen liegen gelassen, der Test fehlt noch.
In Bladeforums kam mal die Frage auf, ob Messer eine Seele haben können. Ich dachte dann gleich an dieses Messer. Es ist nicht schön, aber es will irgendwie nie aus meiner Hand - allenfalls um einem seiner INFI-Geschwister Platz zu machen.
Fazit: Mit einem so kleinen Messer geht man natürlich nicht derart an die Grenzen wie mit einem größeren Haumesser. Meiner Meinung nach ist Busse mit dem INFI aber etwas gelungen, was man sich als Messerbenutzer eigentlich als den Idealzustand vorstellt: Hohe Härte, Hohe Elastizität, hohe Standfestigkeit und leichte Schärfbarkeit. Seit ich Busse Messer benutze, sind alle meine anderen Outdoormesser zu einem Dasein in der Kiste verurteilt bzw. schon verkauft. Das sagt doch alles, oder...

Ich werde Dirk bitten, ein Foto dazuzubasteln. Ist nicht toll, habe es mit dem Scanner gemacht, aber man sieht, was ich an dem Messer modifiziert habe.
Das Basic #3 ist ja nicht mehr in Produktion, aber #4 gibts noch.
arno
 

florian

Mitglied
hallo!
ich kann mich arnos meinung bezüglich des zu kleinen(schmalen) griffs nur anschließen. bei mir handelt es sich aber um ein basic#4. das messer als keil zu benutzen und mit einem knüppel draufzudreschen is mir noch nicht in den sinn gekommen, aber geschont wird mein messer auch nicht.die rasierschärfe war bei meinem #4 allerdings schon nach den ersten armdicken treibholzästen flöten, und minimale rostspuren konnte ich an der schneide auch ausmachen.
aber alles keine probleme die man nicht beseitigen könnte!

p.s.: von zu schmalen griffen bei den busses hab ich schon mal was gelesen, weiß aber nicht mehr wo!? ich glaube dickere griffe würden nicht nur mir besser in der hand liegen!

gruß, flo!
 

Fugazi

Mitglied
ein netter Bericht über die Alltagsgeschäfte, die ein Busse problemlos erledigt, und mit dem Zwiebelschälen gebe ich Dir recht, -es geht doch, sogar mit NO und BA, ohne großen Aufwand und "Arm verdrehen"-.
Besonders interessant fand ich das Abschleifen der Beschichtung...

Fugazi
 

shindendojo

Mitglied
Hier Arnos Basic #3
b3fey_min.jpg
 

Nidan

Mitglied
Hi Arno, wirklich interssanter Bericht und v.a. praxisnah !!

Und es ist wirklich erstaunlich was man mit den fetten Busse und Rattenklingen machen kann. Ich hab sogar mal Tomaten mit meinem Battle-Ratzen geschnitten, weil ich es wissen wollte. Ging echt ganz gut :D
 

Ritschratsch

Mitglied
Nachtrag

....und natürlich bist du ein Messer-Tester!!!
Jedenfalls in meinen Augen ein glaubwürdigerer als so ein staubtrockener Theoretiker:hehe:
Vielleicht brauchen wir ja mehr subjektive Meinungen......denn in der
Summe kommen sie der Wahrheit viel, viel näher!
......und selbstverständlich haben Messer eine Seele.....das kommt daher weil in meinen Augen alles "beseelt" ist....und je länger man
Umgang mit erfreulichen Menschen, Tieren, Dingen etc. hat, umso größer wird die Seelenverwandtschaft:cool:
 
G

gast

Gast
Beschichtung runter kriegen

Im Ami-Forum haben die wohl ganz gute Erfolge mit Abbeize (paint remover). Würds auch gern mal versuchen, trau mich bei meinem steel heart aber nicht so recht. Hat hier bei uns es vieleicht schon mal jemand damit probiert? Dann bitte Bericht!!!!!!!

Gruß

Nim