Kydexholster innen mit Leder beschichten ??

Brunk

Mitglied
Mich stört immer, daß bei der Verwendung von Kydex-Holstern über Kurz oder Lang die Klingen so verkratzen :mad:.

Bei taktischen Waffenholstern aus Kydex, von z.B. Safariland, ist das Kydex von innen mit Wildleder beschichtet wodurch die Waffe nicht verkratzt und vor allem auch etwas lautloser gezogen werden kann.


SafarilandHolster.jpg



Jetzt meine Frage an die Messermacher und Kydexverarbeiter: Hat schon mal jemand mit sowas rumexperimentiert ??


Ich könnte mir vorstellen, wenn man vor dem Verarbeiten des Kydex eine dünne Schicht Wild-Leder mit z.B. Kövulfix aufklebt und gut verpreßt, daß sich das Kydex dann wie gewohnt verarbeiten und formen läßt - zumindest scheint es Safariland so oder so ähnlich auch zu machen (siehe obiges Foto - taktisches Oberschenkelholster, wie sie von SWAT Teams verwendet werden und die haben ja bekanntlich hohe Ansprüche an die Ausrüstung).


Was spricht dafür und was dagegen - oder wo sind meine Denkfehler :confused:.


Ciao

Torsten
 

kanji

Super Moderator
hi thorsten,

das problem wird das verkleben sein, kydex wir zum verformen erhitzt, welcher kleber hält 150°C aus und ist auch noch elastisch
 

Brunk

Mitglied
Hi kanji,

ich erhitze das Kydex nur auf ca. 60-80°, da ich es ja zum Verarbeiten noch anfassen möchte :steirer:.

Der Lederkleber Kövulfix ist sehr elastisch, ich werde mal beim Hersteller anfragen, bis zu welchen Temperaturen er verabeitet/erhitzt werden darf.

Ciao

Torsten
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Die werden aber fertige Formen haben, ueber die sie das warme Kydex pressen. Und mit diesen Formen kann man auch das Leder vorab zuschneiden und nähen/kleben und dann in die fertige Scheide einkleben. Wenn man das Leder vor dem Umformen draufpappt, wird das nix, das dehnt und biegt sich ja nicht so wie das Kydex.

Gruesse
Pitter
 

kanji

Super Moderator
ich glaub auch nicht das eine Pistole so fest im Holster sitzt wie ein Messer, das Leder würde sich mit der Zeit sicher lösen
 

Flaming-Moe

Mitglied
Hat nicht auch mal jemand von ner Kydex-Scheide berichtet, die innen mit Samt ausgeschlagen war?

Das wäre doch mal einen Versuch wert.

Wobei sich Schmutz, der eine Klinge zerkratzt in Samt genauso fessetzen kann. Fragt sich, ob sich der Aufwand bei nem User überhaupt lohnt...
 

Brunk

Mitglied
Ich habe gerade bei so einem schändlichen Auktionshaus :steirer: in einer Beschreibung von einem taktischen Holster von Safariland folgende Beschreibung zum Aufbau gefunden:

Die Aussenseite besteht aus einem sehr stabilen Oberflächenmaterial namens PORVAIR(verwenden die Amis übrigens für ihre Baseballs), danach folgt eine KYDEX-Schicht. Diese sorgt für absolute Passgenauigkeit, da dieser thermoplastische Kunststoff um die Waffe gelegt und angepresst wird.Zur Waffenseite hin, ist das Holster mit einem Elchwildleder ausgeschlagen. Dieses absorbiert von der Waffe entstehende Feuchtigkeit( z.B. Kondenswasserbildung bei Temperaturwechsel)und sorgt für die Abtrocknung. Empfehlenswert ist übrigens auch das einsprühen des Leders mit einem Waffenpflegeöl, dadurch wird das Finnish der Waffenoberfläche beim ziehen und reholstern der Waffe jedesmal einem kleinen Pflegegang unterzogen.

Wenn man sich die äußere Schicht aus PORVAIR wegdenkt, wäre es genau der Aufbau an den ich gedacht hatte und der Tip mit der Pflege ist ja auch ganz interessant.

@kanji, ein Messer muß ja auch nicht auf der gesamten Länge fest im Holster sitzen - ich fixiere es eigentlich immer nur an einem Punkt, dann ist der Widerstand beim Ziehen nicht so groß.

Ich habe jetzt mal in meiner Restekiste gewühlt und ein Stück Leder mit Kydex verklebt, werde morgen, wenn alles richtig getrocknet ist, schauen, wie es sich verarbeiten läßt :irre:.

Ciao

Torsten
 

kanji

Super Moderator
hi thorsten

mit was hast du denn das leder geklebt?
bin mir auch schon länger sowas am überlegen, hab aber aus zeitmangel noch keinen versuch starten können
 

Brunk

Mitglied
Original geschrieben von kanji
hi thorsten

mit was hast du denn das leder geklebt?
bin mir auch schon länger sowas am überlegen, hab aber aus zeitmangel noch keinen versuch starten können

@kanji, wie ich oben schon erwähnt hatte, habe ich dafür KÖVULFIX genommen, das ist ein spezieller Lederkleber für elastische und wasserbeständige Verbindungen. Er wird beidseitig aufgetragen, dann läßt man beide Seiten 10-30 Minuten ablüften und anschließend werden sie mit hohem Druck kräftig zusammengedrückt, wobei nicht die Dauer sondern die Stärke des Drucks für die Festigkeit ausschlaggebend ist.
Von der Verarbeitung sehr ähnlich zu Pattex, aber von der Elastizität und Qualität NICHT zu vergleichen.

Ciao

Torsten
 

Tobse

Mitglied
An den Klebergebnissen bin ich sehr interessiert, möchte Kydex demnächst gern außen mit 'nem Lederoverlay bekleben, um es zu verschönern. Chris Hatin macht Kydex-Scheiden mit einer Innenlage aus Stoff, siehe diesen Review eines Hatin Fighters
Leider ist seine Webseite (www.hatintec.com) momentan offline!

Munter bleiben,
Tobse!
 

Brunk

Mitglied
Also, ich habe heute mein gestern mit Leder beklebtes Kydexstück erhitzt und verformt. Abgesehen davon, daß mein Reststück für eine brauchbare Scheide zu klein war, hat es sehr gut geklappt.

Ich habe das Kydex auf der dem Leder abgewandten Seite mit der Heißluftpistole (Stufe 1 / 375°C) vorsichtig erhitzt, dann habe ich die Kydex-Leder-Kombination um meinen Assault Shaker geformt und verpreßt - nicht zu hoher Druck, da das Leder ja auch noch nachgibt, sonst bekommt man das Messer nicht mehr raus :steirer:.

Die Klebung mit Kövulfix hat sehr gut gehalten und auch das Leder hat die Erhitzung und Verformung klaglos mitgemacht (@Andreas, kein schwitzen oder schrumpeln !!) - allerdings sollte man die Scheide, da wo das Messer eingeführt wird, etwas nach außen biegen, damit das Leder nicht mit hinein- oder abgerissen wird. Dieser Punkt sollte sehr sorgfälltig verklebt werden und anschließend vielleicht noch so angefast werden, daß das Messer kaum eine Angriffsfläche hat zum Abreissen. Ich hatte schon den Gedanken, an dieser Stelle das Leder etwas mit z.B. Sekundenkleber zu tränken und dann sauber flach zu schleifen, um eine Einheit mit dem Kydex an der Kante zu bilden !??

Da mein Versuchsmuster zu klein war (8x10cm) werde ich mich jetzt mal an ein größeres Exemplar, mit etwas dünnerem Leder ranwagen.

Ciao

Torsten
 

Floppi

Mitglied
Idee

Erm eine bescheidene Frage: Warum nicht erst formen und dann das Leder einsetzen? Das funktioniert natürlich nur, wenn man die Scheide oder den Holster aus 2 Kydexstücken baut und dann anschließend vernietet/verschraubt. Damit nachher genügend Platz ist, legt man um den zu formenden Gegenstand z.B. eine Lage dicken Filz. Leichtes nachformen mit bereits eingeklebten Leder sollte kein Problem sein.

Bzgl. Leder mit Kydex verkleben hatten wir hier schonmal was zugeschrieben: 3M VHB Tape
 

Andreas

Mitglied
leder mit kydex verkleben funktioniert auch mit den "lederklebern" ala kövulfix und ähnlichem. im bladeforum war neulich ein bericht darüber, ich finde nur den link nicht.
so wie es floppi gerade beschrieben hat, erst das kydex formen und dann das leder einkleben, funktioniert ohne probleme. würde auch gleich verhindern, dass das leder "falten schlägt" wenn man es vor dem formen auf das glatte kydex klebt.
 

HankEr

Super Moderator
Ich hatte schon den Gedanken, an dieser Stelle das Leder etwas mit z.B. Sekundenkleber zu tränken und dann sauber flach zu schleifen, um eine Einheit mit dem Kydex an der Kante zu bilden !??
Halte ich für eine sehr gute Idee, habe ich mit Epoxydharz auch schon gemacht und es hat sich bewährt. Vorschneiden, Tränken und, trocknen lassen, in Form schleifen und fein überschleifen. Flexibel darf der behandelte Bereich natürlich nicht mehr sein, also ein paar Ausgleichsstellen aussparen.
 

Brunk

Mitglied
@Floppi, das mit dem erst Formen und dann verkleben hört sich simpel an, könnte aber beim Kleben mit dem Kontaktkleber zu Problemen führen, da die beiden Klebeobjekte durch einen kurzen aber hohen Druck miteinander verbunden werden müssen - zumindest bei Kövulfix. Das ist dann nur was für eine Serienfertigung, bei der man sich vorher Formen baut (positiv UND negativ).

@Andreas, bei mir hat das Leder beim Verformen keinerlei Falten geschlagen, Du mußt halt nur vor dem Verkleben das Kydex mit Schleifpapier anrauhen, dann beide Seiten mit Kleber einstreichen und nach ausreichender Ablüftzeit mit hohem Druck miteinander verpressen, wobei ich das Leder erst mit kräftigen Hammerschlägen (hoher kurzer Druck) "angedrückt" habe und anschließend alles für einige Stunden zwischen zwei Holzplatten gepreßt habe.
Falls Du den Bericht im bladeforum noch einmal findest, dann setz doch bitte einen Link hier herein - die haben leider die Suchfunktion deaktiviert :(.

@HankEr, freut mich zu hören, daß ich mich da gedanklich auf dem richtigen Wege zu bewegen scheine, an Epoxydharz hatte ich auch schon gedacht, aber bisher noch keine Erfahrungen gesammelt :ahaa:.

Ciao

Torsten
 

Floppi

Mitglied
Original geschrieben von Brunk
könnte aber beim Kleben mit dem Kontaktkleber zu Problemen führen, da die beiden Klebeobjekte durch einen kurzen aber hohen Druck miteinander verbunden werden müssen - zumindest bei Kövulfix. Das ist dann nur was für eine Serienfertigung, bei der man sich vorher Formen baut (positiv UND negativ).

Kein Problem: Du hast doch das Messer mit dem Du Druck ausüben kannst. Außerdem (siehe mein Link oben) kann man Leder und Kydex auch mit Fixogum verkleben. Pattex vermutlich ist auch möglich. Also kann man das mit dem Pressdruck evtl. umgehen. Mit 'ner Kydexpresse (so'n Isomatten-Konstrukt) erzeugst Du übrigens auch keine gewaltigen Drücke.
 

Moppekopp

Mitglied
Hi!

Wäre nicht Tiefziehen ein Möglichkeit einen gleichmäßigen Anpressdruck zwischen Leder und dem schon geformten Kydex zu erzeugen?
Wenn man schnell genug evakuieren kann sollte sogar das Arbeiten mit einem Kontaktkleber möglich sein. Für Versuche sollte aber Patex oder Ähnliches, relativ starkwandige Gefrierbeutel und eine Wasserstrahlpumpe genügen.

Gruß Tobi
 

Brunk

Mitglied
Original geschrieben von Floppi
Kein Problem: Du hast doch das Messer mit dem Du Druck ausüben kannst. Außerdem (siehe mein Link oben) kann man Leder und Kydex auch mit Fixogum verkleben. Pattex vermutlich ist auch möglich. Also kann man das mit dem Pressdruck evtl. umgehen. Mit 'ner Kydexpresse (so'n Isomatten-Konstrukt) erzeugst Du übrigens auch keine gewaltigen Drücke.

@Floppi, Fixogum würde ich nicht als Kleber bezeichnen, den benutze ich bei Arbeitsmodellen in der Architektur um Teile temporär zu fixieren, da würde sich das Leder recht schnell vom Kydex lösen und rumflattern. Pattex hat ähnliche Verklebeeigenschaften wie Kövulfix, aber es fehlt die Elastizität und es wird im Alter hart und spröde. Und da sich eine Kydexscheide doch immer etwas "bewegt", beim rein- und rausziehen des Messers ist die Elastizität vom Kleber eine wichtige Eigenschaft.

Deine Methode mit dem vorher Formen ist bei zweiteiligen Kydexscheiden sicher machbar, insbesondere bei Verwendung einer "Kydexpresse" dürfte die Verklebung mit Kövulfix gut halten :super:.

@Moppekopp, das hört sich ja schon richtig professionell und gut an, aber ich glaube für den Heimgebrauch doch etwas aufwendig. Meine Freundin hat mal was erzählt von Wasserschlachten mit Wasserstrahlpumpen im Labor, aber in normalen Haushalten ist mir so ein Teil noch nicht über den Weg gelaufen :staaun:.

Ciao

Torsten
 

Floppi

Mitglied
Original geschrieben von Brunk
Fixogum würde ich nicht als Kleber bezeichnen, den benutze ich bei Arbeitsmodellen in der Architektur um Teile temporär zu fixieren, da würde sich das Leder recht schnell vom Kydex lösen und rumflattern

Das sieht Jens Anso (www.ansoknives.com) scheinbar ganz anders. Der klebt mit Rubbercement (also Fixogum) Leder auf die Aussenseite des Kydex - und das scheint tadellos zu halten. Wie groß da die Belastung ist liegt im Auge des Betrachters. Punktuell mögen die mechanischen Belastungen geringer sein. Aber auf die Fläche gesehen? Vielleicht sollte ich erwähnen, daß der die Ränder mit einem Sekundenkleber fixiert, damit die sich nicht ablösen. Das hatte ich vorhin leider vergessen zu erwähnen.