Kleines Bronze Guss Tutorial!

sanjuro

Mitglied
Kleines Bronzeguss-Tutorial

BRONZEGIESSEN: Kleiner Leitfaden für die eigene Sicherheit.

1. Weit weg von allem Brennbaren, Arbeitsplatz gründlich vorbereiten!

2. Ein Wassereimer hat hier nichts zu suchen, das heiße Material verwandelt ihn in eine Bombe bei Kontakt. Ein paar Eimer trockenen Quarzsands sollten zum Abkühlen, Löschen, Weg versperren etc. bereit stehen.

3. Den Tiegel z.B. beim Umgreifen niemals auf Betonboden abstellen (Abplatzen ganzer Brocken, die unkontrollierbar durch den Raum fliegen, sind die Folge!)
- niemals auf entzündlichen Böden wie Teer, Holz, Kunststoff etc. abstellen.
- niemals auf feuchten Unterlagen abstellen.

Ideal zum Abstellen ist ein Podest aus Steinen oder zumindest ein Schamottestein.

4. Persönliche Sicherheitsaussrüstung, Gesichtsschutz, schwer entflammbare Kleidung, hitzefeste Handschuhe mit Stulpen, schwere Lederschürze.

5. Konzentriert, ruhig und zügig arbeiten.

6. Nur mit dem absolut richtigen Material arbeiten: echter Schmelztiegel in gutem Zustand, keine Wasserrohrtiegel. Zangen müssen passen und dürfen weder den Tiegel verletzen noch kritisch in ihrer Handhabung sein.

7. Bitte im Freien gießen (regnen sollte es nicht!) oder in einer wirklich großen, gut belüfteten Werkstatt. Gerade beim Guss in den Ölsand nebelt es heftig, und das ist sehr ungesund.

8. Nehmt bitte sauberes Rohmaterial. Teile vom Schrott enthalten Verunreinigungen in Bohrungen, Gewinden, Rissen usw. Wenn der Dreck unter die Oberfläche der Schmelze gerät, gibt es eine Explosion und die Schmelze lernt das Fliegen.

9. Gebt NIE ein kaltes Stück Bronze in die Schmelze! Da kann sich der Tiegel explosionsartig entleeren und die Decke ist mit Bronze beschichtet. Wenn man Material in die Schmelze gibt, muss man dieses ordentlich vorheizen.

Falls ich etwas vergessen haben sollte, kopiert bitte diese Liste und fügt Eure Beiträge hinzu.
 

natto

Mitglied
9. Gebt NIE ein kaltes Stück Bronze in die Schmelze! Da kann sich der Tiegel explosionsartig entleeren und die Decke ist mit Bronze beschichtet. Wenn man Material in die Schmelze gibt, muss man dieses ordentlich vorheizen.

Warum entleert sich der Tiegel explosionsartig wenn man kaltes Material nachlegt? Mit einer Begründung würde das zu Nr 8 passen.

Dass die Schmelze an der Decke kleben bleibt, ist reines Wuschdenken! Ich hab mal ein paar Fotos gesehen ... Falls das eine Beobachtung war wäre es natürlich interessant zu wissen, was für eine Decke das war, die ist als Sicherheitsausstattung zu gebrauchen. ;)

@ all
Bei David Reid gibt es im Absatz The Method in Brief einen interessanten Vorschlag für den Bau kleiner verlorener Formen. Er verbindet die Form mit dem Tiegel und stellt das Ganze nach dem Schmelzen auf den Kopf, so daß die Schmelze aus dem Tiegel in die heiße Form läuft. Auf seiner Seite findet man auch andere interessante Sachen. ZB einen kleinen Schmelzofen mit allem Zubehör und Ideen zum Gießen und Formen.

Das von David Reid behandelte Schmelzen in der Mikrowelle gibt es auch in diesem Thread.

Liebe Grüße, natto
 

AchimW

Mitglied
Stahlrahmen geht zwar auch hat aber irgendwie keinen Stil:D!

Allu ist angesagt!

Schönes Tuto, aber .....

STAHL hat keinen Stil aber fucking Aluminium hat welchen? Nun, mein Freund, über DIESE Aussage werden wir mal ein ernstes, ernstes Wörtchen reden müssen!

:D

Ah, und dann noch ein optischer Hinweis zu den angeblich erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen. SO macht man das beim Messing- und Bronzeguss:

RIMG00123.JPG


Man beachte die Sicherheitskleidung, insbesondere die Schuhe.

Ach ja: der Kerl lebt vom Bronzeguss und macht seit vielen Jahren phantastische Sachen. Und .... Zinknebel? Pah, da ist man doch immmun gegen! :D
 
Zuletzt bearbeitet:

Bernhard1984

Mitglied
Wenn man annimmt, dass es sich hierbei um einen Mitteleuropäer handelt, dann sieht seine Haut schon etwas verbrannt aus.

Ich plädiere daher auch zur Schutzkleidung!
 

keltoi

Mitglied
Zitat von Natto
Warum entleert sich der Tiegel explosionsartig wenn man kaltes Material nachlegt? Mit einer Begründung würde das zu Nr 8 passen.

Dass die Schmelze an der Decke kleben bleibt, ist reines Wuschdenken! Ich hab mal ein paar Fotos gesehen ... Falls das eine Beobachtung war wäre es natürlich interessant zu wissen, was für eine Decke das war, die ist als Sicherheitsausstattung zu gebrauchen.

Erklären kann ich das nicht, aber beim Alu ist es so! Ich durfte mal einem Kolegen zuschauen beim giessen von Alu, und da hatte es über dem Schmelzofen einen riesen Splash Alu an der Betondecke kleben.
Auf meine Frage hin erklährte mir der Meister, dass da ein Arbeiter einen kalten Alubaren in die Schmelze gab und man das NIE machen dürfe.
Ob sich da die Bronze gleich verhält, weis ich nicht aber ausprobieren würde ich das nicht.
Da es sich dabei um sauberes Material handelte passt es meiner Meinung nach nicht zu 8. .
 

natto

Mitglied
Hallo Keltoi, danke für die Erkäuterung. Vielleicht findet sich ja noch der Grund für das Phänomen. Wir haben allerdings auch kein kaltes Material in die Schmelze gegeben.

Ach ja: der Kerl lebt vom Bronzeguss und macht seit vielen Jahren phantastische Sachen. Und .... Zinknebel? Pah, da ist man doch immmun gegen!

Der Mann ist auf jeden Fall ein Künstler mit dem Tiegel und der Zange.
 

keltoi

Mitglied
Es gibt Sonderbronzen, die mit Beryllium legiert sind, die sind hochgradig geundheitsschädigend in der Verarbeitung, besonders beim Giessen, Schweissen, Erodieren und Schleifen.


Onkel Wiki meint dazu:

Beryllium, Berylliumoxid und Berylliumsalze sind giftig und karzinogen. Beryllium kann zu Haut-, Lungen-, Milz- und Leberschäden führen.

Beryllium akkumuliert sich im menschlichen Körper und führt nach jahrelanger Latenzzeit zur Bildung von Tumoren. Gefährlich ist vor allem inhaliertes Beryllium, es führt zur Berylliose. Hierbei kommt es in der Lunge zur Bildung von charakteristischen Epitheloidzellgranulomen. Verschlucktes Beryllium ist relativ ungefährlich, da es überwiegend wieder ausgeschieden wird. Bei der Berylliumverarbeitung ist Absaugung und Abkapselung bei der Spanabnahme unbedingt erforderlich. Bei der Zerstörung berylliumoxidhaltiger elektronischer Bauteile kann Berylliumoxid freigesetzt werden, sie müssen daher entsprechend gekennzeichnet sein.
 

AchimW

Mitglied
Messing besteht aus Kupfer und Zink, Bronze aus Kupfer und Zinn.

In Rotguss ist Kupfer, Zink, Zinn und Blei.

Das ist aber eine sehr eingeschränkte Definition und technisch nicht richtig. Da das Thema aber sehr vielschichtig ist und anderswo ausgebreitet nachgelesen werden kann, hier nur ein paar Beispiele:

- Guss-Zinnbronze wird aus Kupfer und Zinn legiert (z.B. Glockenbronze mit bis zu 24 % Sn)
- Schmiedebronze wird aus Kupfer und Zink legiert (z.B. CuZn40Mn2)
- Aluminiumbronze wird aus Kupfer und Aluminium legiert. Unsere 10, 20 und 50 Cent Stücke sind aus Nordic Gold, einer Aluminiumbronze.
- Bleibronze wird aus Kupfer und bis zu 24 % Pb legiert (für Gleitlager)
- Manganbronze wird aus Kupfer und ca. 10 % Mangan legiert
- Siliziumbronze wird aus Kupfer und ca. 2 % Silizium legiert
- Phosphorbronze wird aus Kupfer und ca. 2 % Phosphor legiert (z.B. für Gleitscheiben in Klappmessern, aber auch zum Desoxidieren im Kupfer- und Silberguss)
- Berylliumbronze wurde oben schon erwähnt
- Neusilber ist eine Bronze mit Nickel- und Zinkanteilen
- auch die japanischen Legierungen Shibuichi und Shakudo sind Bronzen, mit Silber- bzw. Goldanteil.
 

Chrigu

Mitglied
Hi Achim,

@Chris: also erstens war's im Foto tatsächlich ein Messingguss. Und zweitens ist auch Messing eine Bronze.

glaub ich dir, aber konnt ich ja nicht wissen...:D

Ich bin sicherlich Werkstoffkundlich nicht so belesen wie du, habe das in der Schule jedoch so gelernt. Das es auch zinnfreie Bronzen, wie die schon genannte Beryllium- oder Bleibronze gibt, wusste ich auch.
Nach meinem Wissen sind Messinge jedoch Kupfer-Zink Legierungen und Bronzen Kupfer-Zinn Legierungen.

... Da das Thema aber sehr vielschichtig ist und anderswo ausgebreitet nachgelesen werden kann,...

Eben.
Ich habe halt nach bestem Wissen und Gewissen meinen Senf dazu gegeben...:steirer:

- Schmiedebronze wird aus Kupfer und Zink legiert (z.B. CuZn40Mn2)
- Aluminiumbronze wird aus Kupfer und Aluminium legiert. Unsere 10, 20 und 50 Cent Stücke sind aus Nordic Gold, einer Aluminiumbronze.
Diese Legierungen habe ich nur als Schmiedemessing bzw Sondermessing gefunden?

Versteh mich bitte nicht falsch, ich will weder klugsch...n noch irgendjemanden belehren, aber ich hab das anders gelernt
und finde nur Informationen die dem gelernten entsprechen...:confused:
Was ja nicht heißen muß, dass es stimmt.
Wenn du da irgenwie Licht in mein Dunkel bringen kannst, gerne!

BTT:
AchimW schrieb:
Und .... Zinknebel? Pah, da ist man doch immmun gegen!
Bezieht sich auf das sog. Metalldampffieber, besser bekannt als Zink- oder Gießerfieber. Verursacher sind Metalloxide, meist Zinkoxid, welches als Aerosol oder Rauch eingeatmet wird und zu Fieber, Kopfweh, Übelkeit, Müdigkeit und Atembeschwerden führt. Die Symptome entwickeln sich drei bis zehn Stunden nach der Exposition und klingen meist innerhalb von 24 Stunden spontan ab. Der genaue Wirkmechanismus ist immernoch unklar, aber wahrscheinlich sind toxische Effekte der Grund. Es tritt bei regelmäßiger Belastung oft eine Gewöhnung auf, d.h. die Symptome werden schwächer oder treten erst bei höheren Belastungen mit Metalloxid-Rauchen auf. Berichte über Langzeitfolgen gibt es nicht.

MfG Chris

PS:
Quellen:
Metalldampffieber, englisch
Deutsches Kupfer-Institut