Japanische Schwerter: Originale vs. Fälschungen

Ookami

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Japanische Schwerter erfreuen sich schon seit langer Zeit großer Beliebtheit und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass neben den seltenen und teuren Originalen immer wieder Fälschungen im Forum auftauchen. Für Laien ist es oft nicht leicht, Originale zu erkennen - schon die japanische Nomenklatur bzw. Terminologie wirkt abschreckend.

Deshalb möchte ich ein paar einfache Hinweise geben, mit denen man grob die Spreu vom Weizen trennen kann. Ich habe mich auch bemüht, soweit es möglich ist, deutsche Begriffe zu verwenden. Die japanischen Begriffe werden ebenfalls genannt - nicht zur Verwirrung, sondern um die selbständige Recherche zu erleichtern. Die folgende Systematisierung soll dazu dienen einen Überblick zu gewinnen, damit man gezielt nach den jeweils relevanten Informationen fahnden kann.

+++Warnhinweis+++
Bevor man das Schwert aus der Scheide nimmt oder gar versucht, es auseinanderzubauen, sollte man sich über die sichere Handhabung informieren. Nicht nur kann man leicht Schaden am Schwert machen, wenn es bspw. herunterfällt, man kann sich auch schwer verletzen.
Apropos Schaden, niemals sollte man eigene Reparaturversuche unternehmen. Auch wenn etwas klemmt und bspw. die Klinge nicht aus dem Griff kommen will, dann sollte man sie eben im Griff lassen. Eine dünne[!] Schicht harz- und säurefreies Öl mit einem weichen Zellstofftaschentuch auf die Klinge aufgetragen ist das Einzige, was man als Laie tun sollte - die Angel bleibt wie sie ist, auch kein Öl!
(Siehe: http://japaneseswordindex.com/care.htm und http://japaneseswordindex.com/care/handling.htm)
+++ +++ +++ +++


1. Allgemeines

Zuerst sollte man sich den allgemeinen Aufbau eines japanischen Schwertes anschauen und sich mit den grundlegenden Bestandteilen vertraut machen. Dazu gibt es mehrere Schaubilder im Internet, bspw. bei der guten, alten Wikipedia (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6d/Katana_(shema).png)

1.1 Klinge
Der wichtigste Teil ist die Klinge - es gibt viele Sammler, die ausschließlich Klingen sammeln. Anhand der Klingenlänge und -form bestimmt man den Schwerttyp. Der Rest, also Griff und Scheide, wird als Montierung bezeichnet.

1.1.1 Klingenlänge

Die Klingenlänge wird traditionell in shaku und sun (1shaku= 10sun) gemessen; ein Shaku ist circa 30,3cm. Die Schwertarten werden nach Klingenlänge eingeteilt:
  • Klingen bis 1shaku - Dolchmesser (tantô)
  • Klingen von 1-2shaku - Kurzschwerter (wakizashi)
  • Klingen über 2shaku - Langschwerter (daitô, d.h. katana und tachi)
Es gibt auch Ausnahmen, aber so lautet die grobe Einteilung. Lanzen (yari) und Schwertlanzen (naginata) gehören ebenfalls zu den japanischen Schwertern. Sie wurden der Einfachheit halber ausgeklammert, weil sie - ebenso wie ältere Schwertarten - kaum den Weg ins Forum finden.

1.1.2 Klingenform
Zu jeder der o.g. Schwertarten gibt es typische Klingenformen (sugata).
  • Dolchmesser: hira-zukuri (rückenspitz, Flachschliff); shôbu-zukuri (einschneidig, Mittelgrat, ohne abgesetzte Spitze)
  • Kurzschwerter: shinogi-zukuri (einschneidig, Mittelgrat, abgesetzte Spitze)
  • Langschwerter: shinogi-zukuri (einschneidig, Mittelgrat, abgesetzte Spitze)

Es gibt natürlich noch andere Klingenformen, die bei den einzelnen Schwertarten Verwendung finden, bspw. moroha-zukuri (rückenspitz, zweischneidig) oder unokubi-zukuri (shinogi-zukuri mit langgezogener falscher Schneide) u.a. Wenn eine andere Klingenform als die o.g. vorliegt, sollte man schauen, ob es historische Referenzen gibt, die eine derartige Verwendung belegen; unokubi-zukuri beispielsweise tritt normalerweise nur bei Dolchmessern und Kurzschwertern auf.

1.1.3 Weitere Klingenmerkmale
Auch das Profil bzw. die Proportionen und die Krümmung (sori) der Klinge spielen eine wichtige Rolle in der Bestimmung eines Schwertes. Für diesen kleinen Überblick sollte die Feststellung reichen, dass japanische Schwerter (bis auf Dolchmesser) meist eine deutliche Krümmung haben.

Desweiteren kann man die Angel (nakago) zu betrachten. Hier gibt es neben typische Formen noch die Feilmarken (yasuri-me) und evtl. eine Signatur (mei); diese drei Merkmale sind wiederum eher für Experten interessant. Als Laie sollte man vorerst darauf achten, dass die Angel eine der typischen Formen aufweist und dass es Feilmarken gibt. Eine Signatur ist nicht zwingend, auch dient sie nicht primär der Bestimmung - aufgrund der vielen gefälschten Signaturen schauen Experten sie meist als letztes an, um zu prüfen, ob sie mit den anderen Merkmalen übereinstimmt.

1.1.4 Stahl
Japanische Schwerter haben in der Regel eine sichtbare Härtelinie (hamon), die verschiedene Muster aufweisen kann. Die Muster, bspw. "Drei Zedern" (sanbon sugi), spielen bei der genaueren Einordnung eine Rolle, hier werden wir sie nicht weiter ausführen - allerdings können sehr unregelmäßige und/oder ausufernde Härtelinien ein Zeichen für eine Fälschung sein.

Der Stahl oberhalb der Härtelinie weist ebenfalls eine sichtbare Struktur (jihada) auf. Hierbei gibt es wieder verschiedene Strukturen, die für Experten interessant sind; eine unregelmäßige Struktur kann wiederum ein Hinweis auf eine Fälschung sein.

Schmiedefehler, Reparaturen und Beschädigungen werden unter dem Oberbegriff "Makel" (kizu) zusammengefasst. Hierbei handelt es sich wieder um ein Thema für Fortgeschrittene, deshalb hier nur soviel: nicht alle Makel mindern den Wert des Schwertes, es gibt jedoch eine Reihe von Makeln, die ein Schwert quasi wertlos machen.

Sämtliche den Stahl betreffende Beobachtungen sind natürlich nur bei einem einigermaßen guten Erhaltungszustand möglich. Wenn zweifelsfrei festgestellt wurde, dass es sich um ein echtes Schwert handelt, kann man bei einem Schwertschleifer einen kleinen Bereich der Klinge anschleifen lassen, um zu sehen, ob eine komplette Politur sinnvoll ist.

1.2 Montierungen
Traditionell wurden Klinge und Kampfmontierung getrennt gelagert, weil sie unterschiedliche Anforderungen haben: die Klinge muss zum Schutz vor Rost trocken lagern und die Kampfmontierung muss etwas feuchter gelagert werden, damit der Lack nicht austrocknet. Deshalb gibt es neben der Kampfmontierung auch eine einfache Montierung (shirasaya) aus unlackiertem Holz, die zur Lagerung dient. Es kann vorkommen, dass einzelne Teile der Kampfmontierung nicht zueinander passen; insbesondere die Schwertstichblätter (tsuba) wurden zuweilen getauscht.

1.2.1 Typische Kampfmontierungen
Ähnlich wie es für die verschiedenen Schwertarten bestimmte Klingenformen gibt, so gibt es auch typische Montierungen (koshirae):
  • Dolchmesser: hamidashi (Stichblatt nur wenig größer als der Griffdurchmesser); aikuchi (kein Stichblatt, oft ohne Griffwicklung)
  • Kurzschwerter: meist mit katana abgestimmt; Scheide (und Stichblatt) hat oft zwei zusätzliche Öffnungen, um Beimesser (kogatana bzw. kozuka) und Schwertnadel (kôgai) zu verstauen
  • Katana: uchigatana bzw. buke-koshirae (lackierte Scheide ohne zusätzliche Öffnungen, Griffwicklung)
  • Tachi: größere Vielfalt, oft ist der obere Teil der Scheide ebenfalls mit einer Wicklung versehen (ito-maki tachi) und es gibt mehr Beschlagteile; wichtigstes Merkmal ist das an der Scheide befestigte Gehänge - tachi werden nicht durch den Gürtel gesteckt, sondern mit der Schneide nach unten an der Seite getragen

Kampfmontierungen gibt es zuweilen auch einzeln zu kaufen. Diese werden durch eine Platzhalterklinge aus Bambus zusammengehalten. Beliebt sind auch einzelne Beschlagteile, insbesondere Stichblätter und Beimesser bzw. deren verzierte Griffe sind gesuchte Sammlerstücke.

1.2.2 Shirasaya
Shirasaya dienen, wie oben erwähnt, der Aufbewahrung. Die Scheide ist normalerweise nicht dauerhaft verklebt, damit sie innen gereinigt werden kann - neben Rost und Staub sammelt sich auch altes Öl in einem speziellen Reservoir in der Scheide. Oft werden Angaben zur Klinge auf dieser Scheide notiert. Bei vielen Schwertern ist die originale Kampfmontierung nicht mehr erhalten und sie werden nur noch in shirasaya aufbewahrt und gehandelt.

1.2.3 Sonstige Teile der Montierungen
Montierungen haben noch weitere Einzelteile. Die Zwinge (fuchi) und die Endkappe (kashira) sowie der Zierbeschlag (menuki) des Griffs sind meist mit dem Stichblatt abgestimmt, was das Motiv angeht. desweiteren gibt es noch eine Zwinge an der Klinge (habaki) und Unterlegscheiben für das Stichblatt (seppa). Die Klinge wird durch einen Stift (mekugi) im Griff gehalten.


2. Warnsignale

Bei historischen Blankwaffen gibt es oft Fälschungen, ob es sich nun um japanische Schwerter oder arabische Dolche handelt. Die meisten Fälschungen haben eines gemeinsam: sie sind billig gemacht. Ansonsten könnte man sie als Repliken verkaufen. Je aufwändiger die Fälschung desto geringer der mögliche Gewinn, deshalb wird an allen Ecken und Enden gespart, insbesondere am Material und an zeitaufwändigen Arbeitsschritten.

2.1 Verarbeitung
Japanische Schwerter waren nicht nur schnöde Waffen sondern auch Statussymbole. Die meisten heute noch erhaltenen Schwerter haben daher einen gewissen Standard an Verarbeitungsqualität, der auch bei einem schlechten Erhaltungszustand oft noch zu erkennen ist.

Die Proportionen der Klinge an sich, aber auch im Verhältnis zur Montierung sollten stimmig sein. Bei Fälschungen sieht man häufig "Knicke" in der Krümmung der Klinge oder einen "Knick" am Übergang zwischen Klinge und Griff. Zudem hat die Klinge meist keinen klar definierten Mittelgrat; die Kanten, falls es überhaupt welche gibt, sind verrundet. Generell sollten Passungen exakt sein, obwohl es bei schlecht erhaltenen Schwertern auch manchmal zu klappern anfängt.

2.2 Verzierungen
Verzierungen an den Beschlagteilen von Fälschungen sind oft lieblos gemacht und ungleichmäßig. Bekannte Symbole wie das Malvenwappen der Tokugawa oder die kaiserliche Chrysantheme werden häufig inflationär verwendet oder auch zusammengewürfelt. Oft gibt es keine einheitliche Bildsprache oder ein Leitmotiv. Hinzu kommen atypische Stilelemente, bspw. Menschen in chinesischer Tracht. Außerdem werden atypische, billige Materialien verwendet, wie beispielsweise Messing.

2.3 Aufbau
Ein weiterer Hinweis auf eine Fälschung ist das Fehlen typischer Bauteile - so fehlt häufig die Zwinge am Klingenansatz (habaki), weil diese schwer herzustellen ist oder die Distanzscheiben für das Stichblatt (seppa) fehlen. Ebenso verdächtig ist ein Zuviel von Bauteilen, beispielsweise zwei Eisennieten anstatt eines herausnehmbaren Stiftes (mekugi) zur Fixierung der Klinge.

Geschnitzte Knochengriffe und -scheiden wurden in Japan traditionell nicht verwendet. Meist werden diese Teile auch noch als "Elfenbein" verkauft, weil kaum jemand heutzutage schon einmal richtiges Elfenbein gesehen hat. Elfenbein hat eine sehr markante Struktur, wenn man davon nichts sieht, ist es mit ziemlicher Sicherheit Knochen. Es gibt ebenso keine Belege für Ninja-Schwerter; auch kann man in Stockschwertern (mal abgesehen von den legalen Problemen in D) gewöhnlich keine guten Klingen finden.


3. Hilfe im Forum

Nun kommt man mit der eigenen Suche oft an einen Punkt, wo man sich nicht sicher ist, ob oder ob nicht. Dann kann man das Forum befragen - damit die Forumiten aber helfen können, braucht es nützliche Informationen über das gute Stück.

3.1 Fotos
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Hierbei ist es wichtig, relevante Details (siehe unten) zu fotografieren. Die Fotos sollten scharf und das jeweilige Detail deutlich erkennbar sein; Makro-Aufnahmen von kleineren Details sind sinnvoll. Man sollte insbesondere Folgendes fotografieren:
  • Gesamtaufnahme des Schwertes mit und ohne Scheide
  • Detailaufnahme der letzten 10cm der Klinge einschließlich Spitze (zeigt Härtelinie, Struktur des Stahls und Form der Spitze)
  • Detailaufnahme von Stichblatt/habaki (und Gravuren auf der Klinge, falls vorhanden)
  • Detailaufnahme des Griffs (und Beimesser/Schwertnadel, falls vorhanden)
  • Gesamtaufnahme der Klinge ohne Griff
  • Detailaufnahme der Angel und eventueller Signaturen

Es ist auch sinnvoll, die Maße anzugeben und Referenzobjekte (Zollstock oder Einwegfeuerzeug) mit abzulichten. Damit sollte schon eine gute Einschätzung möglich sein.

3.2 Sonstige Informationen
Wenn es eine belegbare Fundgeschichte oder eventuell sogar Dokumente gibt, so sind diese ebenfalls interessant. Geschichten wie "Ich glaube mich zu erinnern, dass mein Großonkel mal erzählt hat, dass Großvater gesagt hätte, dass es sich um ein echtes Schwert handelt." sind zwar rührend, helfen aber meist nicht weiter, zumal es diese Fälschungen/Touristenstücke schon seit der Landesöffnung Japans Ende des 19.Jh. gibt. Auch die Chinesen haben sich nicht unbedingt zurückgehalten, solchen Tand zu produzieren und spätestens mit dem Boxeraufstand ist das Zeug auch nach Deutschland gekommen.

3.3 Realistische Erwartungen
Gern wird nach dem eventuellen Wert gefragt, aber eine Einschätzung auf Heller und Pfennig kann hier keiner leisten.

Wenn es sich vermutlich um ein Original handelt, ist eine grobe Zuordnung zu Epoche oder sogar zu einer bestimmten Schwertschmiedetradition anhand von guten Fotos sicher möglich, jedoch kann diese Einschätzung nur cum grano salis gelten. Es gibt einfach zuviel, was man auf Fotos (insbesondere wenn diese von einem Laien geschossen wurden) unmöglich entdecken kann, bspw. einige Makel wie kleine Risse in der Schneide. Für eine exakte Bestimmung muss man es einem Experten in die Hand geben und der kann dann auch Vermutungen über den Wert anstellen. Eine offizielle Bestimmung durch die NBTHK in Japan kostet eine Stange Geld und lohnt sich nur bei potentiell wertvollen Originalen.

Wenn es sich andererseits um eine Fälschung handelt, ist der Wert recht leicht zu schätzen: er entspricht dem Materialwert bzw. dem evtl. mit dem Stück verbundenen emotionalen Wert. Fälschung bezieht sich hierbei auf die Touristenware, die regelmäßig im Forum auftaucht. Diese Fälschungen (und auch die massenweise produzierten modernen Militärschwerter) werden in Japan von Rechts wegen zerstört, d.h. in Stücke <15cm gebrochen, man sollte also nicht versuchen, sowas zur Politur oder Bestimmung nach Japan zu schicken - zumal das evtl. auch Scherereien für den japanischen Experten/Polierer bedeuten kann.

Aufwändige historische Fälschungen hingegen können nur Experten erkennen - auch handelt es sich bei diesen Fälschungen meist um original japanische Schwerter, bei denen man versucht hat, den Wert durch eine falsche Signatur o.ä. zu steigern.


4. Abschließende Anmerkungen

Die Ausführungen oben sollen nur eine grobe Richtlinie als Ausgangspunkt für die eigene Suche sein. Sie sind nicht der Weisheit letzter Schluss, so gibt es Ausnahmen zu den o.g. Faustregeln bspw. traditionelle Klingen ohne sichtbare Struktur (jihada) oder Klingen mit mehr als einem Stift (mekugi). Jedoch ist es eher unwahrscheinlich, dass es sich um ein seltenes Schwert handelt, wenn eins (oder mehr) der unter 2. genannten Warnsignale zutrifft.

Die Montierung lässt keine Rückschlüsse auf die Klinge zu; sie muss einzeln betrachtet werden. Es gibt Betrüger, die gefälschte Klingen in authentische Montierungen stecken, um die Käufer zu täuschen. Umgekehrt gibt es höchst selten auch historische Klingen von katana oder tachi in japanischen Militärmontierungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Japanische Militärschwerter (guntô) sind jedoch ein eigenes Thema.

Bevor man Geld auf den Tisch legt, sollte man sich erst einmal eingehend - mit Hilfe der einschlägigen Fachliteratur - informieren und wenn möglich auch ein paar echte Schwerter ansehen oder gar in die Hand nehmen.

Ich persönlich habe schon viel zum Thema gelesen und auch schon mehrere Museen in Japan besucht und auch ein paar wenige Schwerter in der Hand gehabt, aber ich würde mir immer noch nicht zutrauen, den Wert eines echten Schwertes zu bestimmen. Während es zumeist relativ einfach ist, Fälschungen zu entlarven, so ist die Bewertung eines echten Schwertes eine echte Wissenschaft, deren Meisterschaft man weder schnell noch einfach erlangen kann.

Daher sollte man erst mit einem soliden Grundwissen von vertrauenswürdigen Händlern (idealerweise mit offiziellen Papieren, die den Wert des Schwertes bestätigen) kaufen. Dabei sollte man immer noch darauf achten, nicht die Katze im Sack zu kaufen und das Schwert vorher persönlich zu begutachten.


5. Links
http://www.nbthk.net/NBTHK/NBTHK.html
http://japaneseswordindex.com
http://touken.or.jp/


Ookami
 
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KAJI

Mitglied
Anmerkung II
Man erhält aus Japan keine Wertgutachten, sondern lediglich Expertenmeinungen ohne Wertangabe, die aber meistens recht brauchbar sind. jedenfalls bei der NBTHK und NTHK. Es schwirren allerdings auch von Händlern Papiere durch die Gegend. ihr Wertgehalt, was soll man wohl vermuten ?

Anmerkung III
Wer glaubt original sei automatisch gut, weit gefehlt. Schwerter waren eben zum größten Teil Gebrauchsgegenstände. Da wurde auch ziemlich grobes Zeug geschmiedet.
Womit wir beim Alter sind.
Es spielt nur teilweise eine Rolle.
Eine runtergeschliffene Klinge aus dem 15 Jhdt von mieser Qualität ist eben weniger wert als eine brauchbare aus dem 19 Jhdt. Dazu sei gesagt das im 15. und 16 Jhdt massenweise miese Klinge, sog Bündelschwerter geschmiedet wurden. Die Qualität ist so gruselig partial, das selbst halbhandgeschmiedete Klingen aus dem Kaiserreich unter Hirohito ( WWII ) dagegen brillante Arbeiten sind.

Das waren nur einige zusätzliche Gedanken dazu.
 
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KAJI

Mitglied
Ich probiere gerade mit Pitters Hilfe das Problem mit Anm. I zu lösen, bitte aber um Verständnis, daß ich mich weigere seitenweise nochmals zu tippen.
Übrigens bei Wiki sind diverse Fehler drin.
 

D.Kraft

MF Ehrenmitglied
@Okami

Schöner Artikel .

Mit Wertgutachten meint Okami die Papiere welche von Gesellschaften (NBTHK und NTHK)in Japan für Schwertklingen und Zierrate vergeben werden.

Es wird hier unterschieden in in verschiedenen Stufen welche die Bedeutung des beurteilten Objektes in der japanischen Kunst und Kultur versuchen dar zustellen.

Das ganze ist also eine Meinung einer Kommision welche aus spezialisierten Kunstsachverständigen besteht.

Bei der NBTHK sind das die Stufen:
Hozon = Bewahrenswert
Tokubetsu Hozon = besonders Bewahrenswert
Juyo = Wichtiges Okjekt
Tokubetsu Juyo = besonders wichtiges Objekt



Die NTHK hat ein Punktesystem. Je mehr Punkte desdo höher die Einschätzung.

Diese Stufen stellen also den Kunstwert eines beurteilten Objektes dar .

Das hat nichts mit Geld zu tun. Diese Papiere stellen keine Einstufung in Preistaffelungen für Kauf oder Verkauf dar.
 
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Ookami

Mitglied
@Kaji
Danke für Deine Anmerkungen. Mir ging es in dem Artikel erst einmal darum, ob es sich überhaupt um ein Original, d.h. in Japan als Schwert (und nicht als Touristenware) hergestellt, handelt. Die weitere Einschätzung ist dann sehr viel schwieriger und mit eben den Problemen (Periode, Erhaltungszustand, Schule, etc.) verbunden, die Du angesprochen hast.
Die Überlegung hinter dem Artikel war, dass ein echtes Bizen Schwert wohl kaum den Weg in Opas Scheune gefunden hat. Viel wahrscheinlicher und das deckt sich auch mit den Erfahrungen im Forum, ist die Entdeckung von mehr oder weniger alten Andenken, die dann für echt gehalten werden.
Ich finde ein echtes Schwert und sei es nur ein Massenprodukt aus der Sengoku-Periode oder das verschliffene Erstlingswerk von Teilzeitschwertschmied Suzukis ungeschicktem Schwiegersohn, wäre schon etwas Sehenswertes und damit auch interessant fürs Forum. Damit hat man zwar kein Vermögen, aber immerhin ein Stück Geschichte in der Hand.
PS: Fehler bei Wikipedia kannst Du doch korrigieren.

@D.Kraft
Danke auch für Deine Anmerkungen. Genauso war es gemeint: die Papiere belegen die Echtheit und den historischen/künstlerischen Wert. Das schlägt sich natürlich auch im potentiellen Verkaufswert nieder, weil Sammler/Händler auf diese Einschätzung vertrauen können. Mit Papieren kann man in den meisten Fällen einen höheren Preis erzielen, die Frage ist, ob sich die Kosten für die kantei durch die NBTHK bzw. NTHK amortisieren.

@alle anderen
Danke für das Lob, schön dass es euch gefallen hat.


Ookami
 

KAJI

Mitglied
Meiner Kenntnis nach gehen die NBTHK Papiere nur bis Tokubetsu Juyo. Die nächst höheren Bunkazai / Bijutshin und Kokuho werden meiner Kennntnis nach vom Kultusministerium vergeben.
 

KAJI

Mitglied
Ich glaube Formveränderungen sind eine Kleinigkeit die man ebenfalls immer mit in das Kalkül ziehen sollte.
Hier mal einige Kleinigkeit dazu die ich vor zig Jahren dazu geschrieben habe.


Zum Abschluss noch einige kurze Kommentierungen zur Veraenderung der Klingenform.

Die Veränderungen die an den Schwertklingen vorgenomen wurden, stellen mit das wichtigste Problem bei der korrekten Beurteilung des JIDAI dar.
Diese Veränderungen lassen sich auf verschieden Ursachen zurückführen :

Als Erstes ist selbstverständlich der Gebrauch der Klinge im Gefecht zu sehen. Hierbei konnte die Klinge verbiegen, die Spitze abbrechen oder das Schwert Scharten bekommen. All diese Defekte wurden logischerweise behoben, um das Schwert wieder einsatzfähig zu machen. Das Resultat war häufig eine Klinge die einen anderen Anblick bot als vorher :
Aus einem IKUBI-KISSAKI konnte dabei z.B: ein Chu-KISSAKI werden.
Aus diesem Grunde möchte ich an dieser Stelle auf die Veränderungen des TOSHIN eingehen, indem ich die intakte Klinge der "deformierten" gegenueberstelle.
Intakte Klinge
1.)
Der Körper weist im MUNE und in der Schneide eine Sori auf, die miteinander harmonisieren.
2. )
Die KISSAKI hat die für die restliche Klinge korrekte Form.
3.)
Der SHINOGI bildet eine Kurve mit dem SHINOGI der NAKAGO.
4.)
Das Breitenverhältnis SHINOGI-JI / JI ist in der NAKAGO und dem Rest der Klinge gleich.
5.)
Das NIKU der NAKAGO passt zum NIKU der restlichen Klinge.
6. )
Die SORI macht einen kompletten Eindruck.
7. )
Der Hamon läuft über die gesammte Klinge in einer akzeptablen Breite.
8. )
Der BOSHI ist intakt.

Veränderte Klinge
1.)
Die SORI der Schneide passt nicht zur SORI des MUNE.
2.)
Die Ausformung der KISSAKi stimmt nicht.
3.)
Die Linie des SHINOGI ist gebrochen und unharmonisch.
4.)
Die Breitenverhältnisse SHINOGI-JI / JI stimmen nicht mehr.
5.)
Die NAKAGO hat z.B. ein kräftiges NIKU, die restliche Klinge ist OCHITE.
6 .)
Die SORI wirkt abgehackt, z.B.nach Klingenkürzungen (SURIAGE ).
7. )
Der HAMON wird an einigen Stellen zu schmal.
8.)
Der Verlauf des BOSHI im Vergleich zur FUKURA stimmt nicht mehr.

Bei den Reparaturen an der Klinge wurde natürlich immer versucht die originale Form zu erhalten. Häufig genug war dieses aber nicht möglich, da das Schwert sonst zu viel Material verloren hätte. ( Jede Politur schwächt das Schwert ! ) Ein nicht unerheblicher Teil unschöner Formen haben wir aber auch Hobby Bastlern zu verdanken, die mit ihren Schleifversuchen den Schwertern durchaus interessante Formen verpassen.
Die Sori konnte aber auch noch aus einem anderen Grund veraendert werden : Einige sehr alte Klingen mit einem sehr ausgeprägten z. B. KOSHI-SORI sollten in eine Katana-Koshirae montiert weren. Da aber eine KATANA mit TACHI-Form z.B. recht albern ausgesehen haette,wurde das Schwert kurzerhand gerade gebogen.
Ein weiterer Grund für die Änderung der SORI ist das SAIHA das Neuhaerten der Klinge. Nur weil ein ansonsten gutes Schwert seinen HAMON verloren hatte wurde es nicht weggeworfen. Es wurde neu gehärtet. Dadurch veränderte sich die SORI natürlich massiv.( Logischerweise ist daher eine unatuerlich tiefe SORI oft ein Indiez fuer SAIHA )

Die aber wohl am Meisten anzutreffende Modifizierung des TOSHIN ist das SURIAGE, das Kürzen der Klinge. Das diese Kürzungen von der Angel her vorgenommen wurden, um den BOSHI zuerhalten ist wohl klar. Daher als letzter Punkt dieses ersten Exkurses in die Welt des NIHONTO die Begriffe des SURIAGE.
UBU-NAKAGO
Völlig intakte, unveränderte NAKAGO, im Idealfall mit nur einem MEKUGIANA.
SURIAGE-NAKAGO
Leicht gekürzte Angel. Die Kürzung der Angel ist meistens daran zu erkennen, das die YASURIME die Feilmarke sowie der Rost innerhalb der Angel wechselt. Das NAKAGO-JIRI passt oft auch nicht mehr zur Schule aus der die Klinge stammt. Desweiteren ist natuerlich ein neues Mekugiana zufinden, da das originale in seiner jetztigen Position unsinnig waere.
O-SURIAGE-NAKAGO
Die ganze alte NAKAGO wurde abgesägt.
MACHI-OKURI-NAKAGO
Die MACHI wurden in Richtung KISSAKI versetzt,um die NAKAGO zu verlängern, z.B. beim einfachem Suriage.


Wenn gewünscht, reich auch noch die Nomenklatur nach. Ist aber etwas länglich..
 
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KAJI

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Noch so eine Anmerkung : Es gab Elfenbeinarbeiten in der Endphase. zumeist im Shibayamastil gehalten.
Blos diese von den gruseligem Zeug zu unterscheiden was zumeist unterwegs ist ist durch die abnorm hohe Qualität der Shibayama Arbeiten ein Leichtes.http://yakiba.com/kosh_shibayama.htm
 

D.Kraft

MF Ehrenmitglied
Meiner Kenntnis nach gehen die NBTHK Papiere nur bis Tokubetsu Juyo. Die nächst höheren Bunkazai / Bijutshin und Kokuho werden meiner Kennntnis nach vom Kultusministerium vergeben.

Das ist richtig.
Es werden keine Papiere für einen Nationalschatz von der NBTHK erstellt bzw ausgegeben.
Wenn ein Objekt aber dann den Rang eines Bunkasai oder auch Kokuho ereicht darf es sowieso Japan nicht mehr verlassen.


Es ging mir darum die Stufen des möglichen Kunstwertes komplett darzustellen.

Ist korrigiert worden.
 
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