In ein paar Jahren wird zu lesen sein...

smallmagnum

Mitglied
Grüß Gott alle miteinander.

Noch kennen wir sie, die guten alten, mit Glühlämpchen bestückten Taschenlampen, mit denen wir über Jahrzehnte hinweg Licht ins Dunkel brachten.
Wie lange noch, frage ich mich, denn sie werden genauso aussterben wie Schallplatten und Dampflokomotiven, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Um einer effizienteren Technik Platz zu machen, werden sie zunächst in die hinteren Ecken selten benutzter Schubladen wandern, bis sie schließlich entsorgt werden und somit gänzlich aus unserem Leben verschwunden sind.
Einige, für würdig befundene Exemplare werden es sicherlich in so manche Sammlervitrine schaffen, ein paar wenige vielleicht sogar bis in ein Museum. Oder wenn schon kein Museum, dann doch wenigsten in die Ausstellungsräume einstiger Hersteller.
Irgendwann in der Zukunft, vielleicht erst, nachdem noch so manche Generationen ins Land gegangen sind, wird man in einem Fachmagazin einen Artikel lesen können, der wie folgt geschrieben sein wird.

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Das hier abgebildete Modell zeigt einen frühen Vorläufer der heutigen Taschenlampen. Datiert dürfte der Fund wahrscheinlich auf Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts sein.
Das dünnwandige Rohr aus metallenem Blech enthielt die Energiezellen, wenngleich diese den Namen nicht wirklich verdienten. Sie bestanden aus einer mit Pappe, hauchdünnem Blech und Folie ummantelten, bröckeligen bis zähflüssigen Substanz, die auf chemischem Wege einen geringen elektrischen Strom erzeugen konnte.
Obwohl man die Größe dieser Zellen getrost als monströs bezeichnen kann, war die Energieausbeute verschwindend gering. Bei einer Spannung von 1,5V – höhere Spannungen waren nur durch Hintereinanderschalten dieser Zellen zu erreichen – waren sie lediglich in der Lage, das Leuchtmittel für eine kurze Zeit zu versorgen und zum Glimmen zu bringen.
Folgendes Beispiel möge die Energieeffizienz damaliger Zellen verdeutlichen, die aus einer Zeit stammen, bevor die Quantenphysik Einzug in unsere Technik hielt.
Um unsere Materie-Antimaterie-Illuminatoren nur eine einzige Minute mit Energie zu versorgen, wären 25 Kilo dieser altertümlichen Energiespender nötig gewesen.

Das Leuchtmittel bestand aus einem hauchdünnen, meist zu einer Spirale gedrehten Draht, welcher von Strom durchflossen und erhitzt wurde, bis er zu glimmen begann und in Folge dessen Photonen emittierte.
Um den siedend heißen Draht vor Berührung zu schützen, war er luftdicht in einen runden, birnenförmigen Glaskörper eingeschlossen, weshalb man diese Konstruktion scherzhaft auch als Glühbirne bezeichnete.
Durch einen simplen aber äußerst wirkungsvollen Trick gelang es, den Photonenausstoss des Drahtes deutlich zu steigern. Man saugte die Luft aus dem Glaskörper, erzeugte in dessen Inneren also ein Vakuum. Dies hatte zur Folge, dass der Draht wesentlich stärker erhitzt werden konnte, ohne dabei zerstört zu werden, also zu schmelzen oder zu verdampfen. Bewerkstelligt wurde dies durch einen höheren Strom, wodurch der Draht durch die nun enorme Hitze intensiver glühte und eine für damalige Verhältnisse durchaus akzeptable Lichtmenge abgab.
Die Anschlussenden des Drahtes wurden aus dem Glaskörper herausgeführt und mittels einer speziellen Schmelz-Klebetechnik, die man „Löten“ nannte, an einem zilyndrischen Metallkörper befestigt. Dieser wurde schließlich mit dem Glaskörper verklebt, wodurch ein leicht zu wechselndes Leuchtmittel entstanden war. Leicht zu wechseln musste es auch sein, denn seine Lebensdauer war verschwindend gering und betrug trotz aller technischen Bemühungen nur – man mag es heutzutage gar nicht mehr glauben – einige wenige Stunden.
Der Metallkörper dieses Leuchtmittels wurde entweder in eine Halterung in der Lampe gesteckt und eventuell mit einer zusätzlichen Mutter gesichert, oder aber er wurde geschraubt, denn manchmal war in den Metallzilynder ein Gewinde eingearbeitet.

Der Siegeszug der Taschenlampen fand hier seinen Anfang. Während seiner Dauer wurden zahlreiche Verbesserungen auf den Markt geworfen. So wurde an verschiedenen Legierungen des Metalldrahtes gearbeitet. Ebenso wurden in den Glaskörper geringe Mengen spezieller Gase eingebracht. All dies führte zu einer Erhöhung der Lichtausbeute, was von den damals lebenden Menschen dankbar angenommen wurde.

Blicken wir also nicht mit einem spöttischen Grinsen, sondern mit einem anerkennenden Nicken zurück an unsere Pioniere, die mit kiloschweren Lampen ihren Alltag meisterten.

In Gedenken an Thomas, Alva Edison (1847-1931), den Erfinder der Glühbirne, die weit über ein Jahrhundert lang unser Leben erhellte.
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Sodala, als mittelgroßer Flashaholic und früherer MagLite-Fan und Sammler wollte ich das schon lange mal schreiben.
Ich hoffe, es liest sich angenehmer als die Lidl-Billiglampen-Diskussion.
 

Faktor X

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:super: geschrieben. :super:
In 10 Jahren wird alles anders ausschauen :D.
Die Grubenlampe hat schon ein Denkmal, solangsam könnte auch ein Technikmuseum eine Dauerausstellung aufmachen bei der schnellen Entwicklung.

Gruß Martin
 

BlackFred

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Mannmannmann - Da hat sich aber einer Gedanken gemacht!
Echt spitze - geht runter wie Öl. :super:
Muss ich mir gleich mal Ausdrucken und für spätere Generationen aufheben.
Weiter so - les ich gerne sowas!! :D
 

dosenfisch

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Schade, da wird dann kein Physiklehrer mehr von Generationen an Schülern mit "Die Birne brennt" geärgert.

Aber wenn sie sich schon über die Glühbirne belustigen, dann kommt unser "modernes" Siliziumstückchen sicher auch nicht gut bei weg.
Gerade bei seiner Wärmeempfindlichkeit.
 

joe_sixpack

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Hi!

...Noch kennen wir sie, die guten alten, mit Glühlämpchen bestückten Taschenlampen, mit denen wir über Jahrzehnte hinweg Licht ins Dunkel brachten...

Danke, so etwas war schon lange mal wieder fällig. Das ist wunderschön geschrieben - aber du kannst uns ruhig deine Zeitmaschine zeigen und uns das genutzte Datum nennen, ich hole mir dann ein paar der erwähnten "Materie-Antimaterie-Illuminatoren" und mache den Nachbar nervös. Dann schmilzt der Schnee garantiert beim Anleuchten:hehe:

Viele Grüße, Torsten
 

Unr3aL

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Der Text ist einfach der Hammer. Besser könnte das kein Museumskurator formulieren.
Ich fange zwar gerade erst damit an mich einzulesen und möchte mich in Zukunft schon auch
ein bisschen mit der Taschenlampen-Thematik infizieren, doch bleibt mir die geniale Ironie dennoch nicht verborgen.

Danke, geiler Text!

Hast allerdings was vergessen:
Als wichtiger Vertreter der damaligen Leuchtmittel bleiben noch die sogenannten Halogenröhren zu nennen.
Diese waren mit giftigen Reagentien gefüllte Glasröhren, die mit einer lächerlichen Spannung von 230 Volt zum
Leuchten bewegt werden konnten. Allerdings war die Komfortabilität bedingt durch die hohe Anlaufzeit und die Anfälligkeit
für Undichtigkeit relativ niedrig.

Das Mainzer Institut für Urzeitforschung, hat herausgefunden, dass sie wohl dazu dienten, die damals noch fiktiven
Lichtschwerter (siehe Museum für Filmgeschichte, Stichwort: Star Wars), also Vorläufer unserer heutigen Lasermesser
zu imitieren um mit ihnen Angreifer zu verjagen.

Greetz, Chris
 
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