Ich dreh am Rad: Weichglühen im Backofen oder was?

dcjs

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hi,
hab ich doch ein schönes messerchen aus 2842 heute gehärtet (bei meiner praktikumsstelle), richtig ordentlich im ofen.
64 rockwell erreicht (an an mehreren stellen gemessen), super sache.
zum anlassen sind wir aber leider net mehr gekommen, also denke ich mir: wofür hat man einen backofen, über 250°C geht der eh nicht, damit sollte man auf 58-59HRC kommen, also völlig ok.
ich schmeiss also menen ofen an, lass den stahl 30min lang braten und dann langsam abkühlen. die farbe ist bronzefarben, an der kante zum blau-violetten. sieht gesund aus, wenn ich die anlasstabellen recht im kopf habe.
danach will ich mein werk schärfen *lechtz*, aber was ist das??:staun:
schleift sich wie butter, sogar mit einer normalen feile!:waaah: :angry: :staun: :boes: :ahaa:
was ist da nun falsch gelaufen? selbst wenn der ofen 300°C erreicht haben sollte, hä´tte das nciht zu so einem dramatischen härteverlust führen dürfen.
irgendwie fühl ich mich ver*rscht.:hmpf:
werde morgen mal die härte prüfen, und evtl, wenn der meister mich lässt, noch mal härten. glaube aber eher nciht, dass die mich den ofen noch mal hochfahren lassen. die welt ist so schlecht.
 

Leonardo75

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Übel, übel, was Du da erzählst!

Sollte man den Stahl nicht eher bei 200°C anlassen und ein wenig länger drin lassen als zu heiss und dafür kürzer? Ist ja schließlich ein Diffusionsprozess und der geht genausogut auch mit geringerer Temperatur und mehr Zeit, wenn ich mich nciht täusche.

Was hast Du denn für eine Feile ausprobiert? Die kleinen Feilen zum Schärfen von Sägeblättern oder Kettensägeketten haben oftmals recht hohe Härten, die dürften auch noch ein wenig Material von Deinem Messer abtragen können, wenn es leicht unter Deiner Wunschhärte liegt, aber da bin ich mir nicht so sicher.

Viel Glück, dass Dein Stahl doch noch was wird wünscht Dir der Leo.
 

roman

MF Ehrenmitglied
also die anlasstep für 2842 in richtig gehärtetem zustand für messer ist zwischen 180 und 200 grad. was darüber ist, ist zu weich oder wenns ein muss ist ein zeichen für vorangegangene falsche Wärmebehandlung oder ungeeignete anwendung:irre:
 

Claymore

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violett bis blau,

da dürftest du die 59 HRC knapp verfehlt haben, eher so gegen 55-57 HRC.
Wobei die Anlassfarben nicht so genau aussagen wie der härteverlauf ist bei Werzeugstählen.

200 ° C für differentiell gehärtete Klingen (ganz unordentlich im Feuer meiner Esse :steirer: ) aus 1.2842 2 mal 1 Stunde (auf dem Rückenstehen. so das die schneide keinen kontakt mit dem Blech hat.

Bei derart gehärteten Klingen ( und davor normalisiert, normalisiert, normalisiert, geglüht, geglüht, etc:D) greift nach dem Härten eine Kettensägenfeile fast nicht !



peter
 

dcjs

Mitglied
so, herr rockwell hat folgende meinung: griffbereich: 57HRC (so was hab ich erwartet). hab ich aber net glauben können, daher habe ich tatsächlich einen hässlichen kegel-einschlagmitten auf die klinge gesetzt. 48HRC:waaah: :angry:
jetzt steht für mich auch fest, dass der fehler beim härten passiert sein muss. hab wohl zwischen aus-dem-ofen-nehmen und abschrecken zu viel zeit verplempert, die klinge war nur ein haar über 820°C und der dünne, geschliffene teil ist vor dem abschrecken noch in der luft zu sehr erkaltet.
im angeschliffenen bereich hatte ich nicht getestet, weil das schleisslich recht hässliche löcher macht. kann aber wohl vorher schon nciht auf 64HRC hewesen sein.
wieso muss lernen immer mit misserfolgen verbunden sein?:angst:
 

herbert

MF Ehrenmitglied
@dcjs: pardon, hab eben erst Dein Thema gelesen. Tut mir leid, sowas tut schon fast richtig weh. Aber Du hast es richtig gemacht, mit Härtemessungen dem Problem auf die Pelle zu rücken, ist ok. Was ist passiert? Die Schneide ist weicher als der Hauptteil, obwohl gerade die schneller abgekühlt sein sollte.
Könnte sie entkohlt sein? Zu dünn vorgearbeitet? Und das Anlassen, das war etwas hoch, sollte für diesen Stahl auf etwa 55 Rockwell führen, eine halbe Stunde kann man noch vertreten bei kleinen Abmessungen, aber die Anlassfarben geben mir zu denken, denn wie luftauge schreibt, gilt das nur für unlegierte Stähle, bei dem 2842 treten dieselben Farben bei höheren Temperaturen auf.
Die Sache mit dem Backofen hat gewisse Tücken, zum Einen die Temperaturverteilung, zum anderen die Methode. Umluft, Grill, was weiß ich. jedenfalls habe ich den Verdacht, dass entweder der Stahl an der Schneide entkohlt ist, oder die Backofentemperatur falsch war.
Weißt Du, ich bin ja selbst WErkstoffmann, aber das Wärmebehandeln mach ich bisher nicht selbst, das ist mir zu heikel, da verlass ich mich auf die Leute, die mehr Erfahrung haben. Wenn jemand seinen Ofen kennt, wie damals bei Markus, der mir die Aufsicht übers Härten übertragen hat, dann geht das. Aber ohne vorherige Experimente würde ich keine Klinge härten und anlassen, erst Probestücke.
The only way is the hard way.
Die gute Nachricht: dieser Stahl läßt sich ohne Probleme neu härten. Ich würd allerdings vorher normalisieren. Siehe auch Claymore. Und dann nach dem Härten unmittelbar anlassen. Nicht erst kalt werden lassen. Das erste Anlassen ist das wichtigste. Ich würd sogar 2mal anlassen. Und zwischendurch auf Raumtemperatur abkühlen lassen. Das zweite Anlassen kannst Du später zu Hause im Backofen machen lassen. Vielleicht hast Du ja noch ein Reststück, da würde ich mal Vorversuche fahren, eigentlich optimal, da Du ja Herrn Rockwell fragen kannst.
 

dcjs

Mitglied
hi herbert,
immer wieder schön, deine beiträge zu lesen (musste mal gesagt werden ;) )
erwärmt wurde das messer im ofen in so einer kleinen blechkiste liegend und in eine art kohle eingepackt (ist so ein granulat, verbrennt aber nicht, also keine holzkohle ;) ).
entkohlen fällt glaube ich flach. das zeug schützt übrigens super vor verzunderung, die klinge war hinterher zwar schwarz, aber das sehr gleichmäßig, sah richtig schick aus!
ausserdem ahben wir im selben rutsch eine menge anderer "messer" (schermesser für kleine hebelscheren, ein praktikantenprojekt) gehärtet, und die haben alle 64-65HRC angenommen, hab ich alle selbst getestet. es gibt arbeiten, die erledigt man doch gerne :) :) :)
unser meister war aber der meinung, anlassen müsse man nicht sofort, eigentlich wäre das gar nicht unbedingt nötig... :waaah: :ack: und noch so ein paar andere recht seltsame ansichten.
na ja, dass ich da ankomme und dem was vom härten erzähle kann ja nicht angehen, werde schön meine klappe halten.
die möglichkeit herrn rockwell zu fragen hab ich auch net mehr lange, nächste woche geht's in die produktion, da iss dann schichtarbeit in der stinkenden, lauten halle angesagt
:staaun:
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Hm, die Sache mit dem Granulat kenne ich. Das kann aber auch dazu führen, dass der Stahl lokal zu viel C aufnimmt, dann kann man unter Umständen nach dem Härten eben dort Restaustenit überbehalten, sofern der C-Gehalt mehr als 1,7% beträgt. Dann wird der stahl weich bleiben, auch nach dem Abschrecken, so wurde übrigens der Austenit entdeckt, schau mal hier nach. War 1894 oder so. Also ohne genaue Kenntnis der Prozessführung gibt es wie immer mehrere Theorien, die erste habe ich oben genannt, die zweite hier in diesem Beitrag. Austenit ist entstanden,und stabil geblieben, weil lokal der C-Gehalt erhöht wurde. Du wandelst also auf den Spuren des berühmten Osmond. (Pardon).
Übrigens, danke für die Blumen.
 

dcjs

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hmmm,
ich glaube, ich bin einfach auf den spuren irgendeines armen´menschen gewandelt (den namen hab ich doch glatt vergessen ;) ), der die klinge nach der entnahme aus dem ofen nicht schnell genug abgeschreckt hat.
wenn die klinge gerade so auf härtetemperatur geb´racht wurde, kann dann nicht die luft schopn ausreichen, um eben unter diese temperatur zu kommen?
die heorie kommt halt daher, dass der griffbereich (4mm stark) hart geworden ist, der angeschliffene teil aber anscheinend nicht. dabei ist die klinge eigentlich nicht sehr dünn ausgeschliffen (1mm, ich hatte schon schneiden mit einem zehntel mm:rolleyes: )
ok, was lernen wir daraus? ich weiss,dass ich nichts weiss, bis auf dieses: das nächste mal wieder zu claymore mit der klinge :ahaa: obwohl da durch das härten in der esse eine tüchtige und ungleichmäßige zunderschicht entsteht. aber es zählen je schliesslich die "inneren werte":super:
 

Claymore

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hmmmm,

das mit der Zunderschicht im Feuer stimmt schon.
Kommt auch vom Mehrfachhärten und dem was ich so ner Klingew alles angedeien lasse.
Ich finde den direkten Sichtkontakt für die Art der Wärmebehandlung die ich an diesen Stählen vornehme einfach vorteilhafter als das Ofenhärten.
Ich werde auch mal ein Blankhärteöl ausprobieren.

Das Problem ist halt die Anzahl der Durchgänge, die ich vornehme.
Da läßt sich eine Zunderschicht nicht vermeiden.
Wobei es bauartbedingt durch die Esse zu keiner Entkohlung kommt.
Selbst schneidengeometrien von wenigen Zehnteln mm
werden feilenhart (0,1-0,2 mm).
Ich hab schon messer gehärtet, die nach dem Härten und entfernen der Zunderschicht quasi Scharf waren. So dünn waren die zuvor ausgeschliffen.

Das nächste mal entfern ich dir dir Zunderschicht dann auch.
Mach ich normalerweise immer wenn ich für jemanden härte.
Ich weis jetzt auch nicht mehr warum ich das damals nicht gemacht hatte ?
:rolleyes:


Was die Temperatur an der Schneide angeht ???
Die Kommt, weil dünner zuerst auf Temperatur, und kühlt auch schneller wieder ab.
Beim 1.2842 mit seinem mangangehalt sollte die Durchhärtung und Härtung von so geringen querschnitten keine Rolle spielen.
Auch wenn die Schneide unter die austenitisierungstemperatur fällt, die martensitbildung startet erst viel weiter unten.
grob bei 200-300 °C hängt auch von der Höhe der Härettemperatur ab.
Wichtig ist nur das zu innerhalb einer gewissen zeit unter die Temperatur kommst wo die Martensitbildung beginnt.
Wenn die Härtetemperatur recht tief gehalten wurde, mal knapp da drüber wo es überhaupt geht, kann es evtl. sein, das nicht genug zeit zum umwandeln da war (dagegen spricht alledings der harte restliche bereich)

Peter
 
Zuletzt bearbeitet:

dcjs

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hgiho,
wird immer seltsamer jetzt. heute noch mal gehärtet (ich weiss, ohne vorherioges normalisieren ist das materialvergewaltigung, aber sei's drum), diesmal bei 850°C um sicher zu gehen. und beim abschrecken furchtbar beeilt und schön im öl rumgewedelt mit der klinge.
auf dem griff 60hrc, auf der klinge 55 :boes:
irgendwas ist da kaputt.
egal, hab das ding mit einem geil aussehenden sandstrahl-finish versehen (so wie bei strider, nur mehr grosse flecken als streifen) und ihm einen wachsgriff verpasst. ist jetzt sozusagen ein modell für folgende messer.
die form werde ich nämlich ganz sicher wieder machen, ist nah an meinem optimum dran.
ich versuch auch mal bilder zu organisieren.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
David, Prüf doch mal die Sache mit dem Austenit. Schnapp Dir einen kleinen Magneten, ab besten son Dings von der Pinnwand, und dann teste mal den Magnetismus am Rücken und an der Schneide. Fühlst Du subjektiv Unterschiede? Wenns an der Klinge geringer ist, könnte es darauf hindeuten. Da kann man auch mit viel Härten und Anlassen weiter rumexperimentieren, da kommt man so nicht zum Zuge. In dem Fall mußt Du nämlich höher oder länger anlassen. Und dann wirklich vorher weichglühen und normalisieren. Probier das mal.
 

bastler

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Hallo DCJS
Das ist mir bei meinen 1 Versuch auch passiert, danach habe ich mir einige Probestücke gehärtet und und bei Temperaturen zwischen 180 und 230 Grad (gemessen mit dem Digi Temp ) unterschiedlich lang angelassen. Dann mit dem Prüfgerät die Härte geprüft.
Ist schon erstaunlich welche Unterschiede man da messen kann.
 

Claymore

Mitglied
hi dcjs,

wenn du willst schick mir das teil mal.
ich würde gerne mal versuchen was man da härtetechnisch noch machen kann.
Als experimentalteil sozusagen.







peter
 

dcjs

Mitglied
hi claymore,
zuerst muss ich auf jeden fall noch ein paar fotos machen, ich hab nämlich ein echt geiles finish auf die klinge gestrahlt.:haemisch:
du hast übrigens noch dieses kleine eckige neckknife aus RWL, das ich damals bei den härtesachen mitgeschickt habe:rolleyes: