Holztrocknung in den eigenen 4 Wänden

Leonardo75

Mitglied
Hallo Messermacher!

Ich wollte bei dem Holz für die Griffmaterialien eigene Hölzer verwenden und habe deshalb angefangen Hölzer selber zu schlagen (bzw- geschlagene Hölzer zu sammeln) und diese Hölzer dann zu trocknen. Dass die Qualität der Hölzer nicht überragend ist, ist mir schon klar, aber ich wollte es ersteinmal damit versuchen, bevor ich mich an teurere Hölzer heranwage.
Als Hölzer habe ich Kirschbaum, Birke und Buche genommen.
Nach einer Weile im Haus wiesen die meisten Hölzer stirnseitig Risse auf. Damit waren sie für die Messerherstellung nicht mehr brauchbar.

Der nächste Versuch läuft noch im Augenblick. Und zwar habe ich dazu wieder frisch geschlagene Hölzer genommen (diesmal aber leider kein Kirschholz) und habe die Stirnflächen mit verdünntem Ponal versiegelt. Dann habe ich die Stämme in Längsrichtung gespalten und eben gehobelt. Sodann auf ca. 16 cm Länge zurechtgesägt und die dabei entstandenen unversiegelten Stirnflächen wiederrum mit verdünntem Ponal eingerieben. Zum Trocknen habe ich das ganze in den Heizungskeller gelegt (ja wenn schon, dann gleich ganz extrem). Nach einer Woche haben die Buchenhölzer ca. 20% an Gewicht verloren und die Birkenhölzer ca.12%. Ein Birkenholzstück von vieren hat sich gespalten, die anderen Hölzer sind noch intakt.
Herbert mailte mir, dass durch die Versiegelung der Stirnflächen ein das Trocknen gleichmäßiger geschieht und dadurch die Bildung von Tangentialspannungen im Holz verringert wird.

Wenn einer von Euch schon Erfahrungen mit dem Trocknen von frischen Hölzern hat, oder weiß wie man sowas richtig macht, dann wäre ich für Anregungen sehr dankbar.

Ich denke, dass es schön ist, ein Messer mit einem Griff aus einem Stück Holz zu haben, das von einem Baum stammt, in dem man in Kindertagen drinrumgeklettert ist.

Dann mal viele Grüße und viel Spaß beim Holztocknen wünscht Euch der Leo.
 

zorro_43

Mitglied
Hi Leo,
ich denke du machst das schon ganz richtig. Das Aufschneiden des Holzes ist wohl sehr wichtig, und das Versiegeln der Stirnfläche ist auch nicht falsch.
Nur die Sache mit dem Heizungskeller ist vielleicht ein bisschen extrem.
:)
Ich benutze auch gerne einheimische Hölzer. Das hebt sich so schön von dem Tropenholz-Einheitsbrei ab und ist auch noch politisch Korrekt ;)

Zorro
 

teachdair

Mitglied
Ich hab mir da mal nen´Stück Eibe in den Keller gelegt und trocknen lassen. Vorher längs gespalten und eine Stirnfläche mit heissem Wachs versiegelt. Risse traten bei keinem Stück auf, das Holz ist jetzt wunderbar zu bearbeiten.

(Kleiner Nachteil: Ich habs 3 Jahre trocknen lassen...)
 

luftauge

Mitglied
Ein gut belüfteter (zugiger) Raum mit ungeregelter Temperatur ist eigentlich schon ausreichend. Ein Kollege hat mal erzählt, dass unter einem schattigen Parterre-Balkon sogar rissfreie Trocknung funktioniert, Hauptsache gut durchlüftet.
Ich hab vor 1,5 Jahren einen wilden Pflaumenbaum ausgedünnt und die Stirnseiten nicht sofort versiegelt, später mit Kunstofffarbe, hat ne Menge Harz rausgezogen, ob es gut ist weiß ich nicht, aber die Risse waren ca. 3-4 cm lang, und sind nicht länger geworden, die Stammabschnitte (D~100-150mm x800-1000) sind noch am Stück, war wohl ein Fehler.
Das Holz wird lt. Fachbuch mit einem Jahr/cm Dicke der Bohle oder des Bretts gerechnet, bis es trocken ist (Faustformel)

Gruß Andreas/L
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
@ Leonardo: das nennst Du extrem? Dann versuchs mal mit der Mikrowelle! Stücke in Griffgröße, jeweils 20 sec. auf kleiner Stufe, bis kein Gewichtsverlust mehr eintritt.
Funktioniert bei vielen weicheren Holzern recht gut, weil das gesamte Stück gleichmäßig erwärmt wird.
 

micknives

Mitglied
ein wort als möbeltischler;
in der wohnung ist schon optimal. das holz muss möglichst waagerecht
gelagert werden und sollte auf kleinen leisten liegen. hast du
mehr bretter, dann lagere sie übereinander mit kleinen schichtleisten
wobei die leisten immer senkrecht untereinander liegen müssen, denn
die bretter sollten ja möglichst gerade bleiben.
es ist nicht ratsam das holz zuversiegeln auch nicht über hirn.

gruß

micknives
 

Floppi

Mitglied
Original geschrieben von luftauge
Das Holz wird lt. Fachbuch mit einem Jahr/cm Dicke der Bohle oder des Bretts gerechnet, bis es trocken ist (Faustformel)

DAs ist aber auch das absolute Minimum. Meibn Großvater hat viel gedrechselt. Ein Stamm von einem Kirschbaum (15cm Durchmesser) hat er über 30 Jahre trocken lassen. Keine Risse, kein Nichts. Als das Ding (bearbeitet) in die Wohnung kam haben sich sofort Risse gebildet.

Also ein trockener, zugiger Ort ist sehr sinnvoll. Am Besten eignet sich dafür ein Schuppen oder eine Garage (wie gesagt: sofern zugig und trocken). Bevor man das Holz (zu Messergriffen) verarbeitet sollte man es aber doch ruhig mal 'n Vierteljahr in die Wohnung nehmen. Da schrumpft es meist noch ganz erheblich. (Das musste ich leidvoll bei meinem Mahagoni aus alten Treppenstufen feststellen...)
 

micknives

Mitglied
nochmal was zum heizungskeller.
ist schon ok.
das holz reisst ist leider auch normal.
holz immer so dick wie möglich lassen.
in einer holztrocknungsanlage ist das
noch viel extremer. in meiner lehre hatten wir einen
kellerraum etwa 100m²groß. der wurde einmal im monat
mit holz beschickt und etwa eine woche bei 40°C gehalten.
danach war das holz auf möbelfeuchte abgetrocknet.
bei der temperatur kann es auch noch wärmer zugegangen sein
ist schon eine ganze weile her.

gruß

micknives
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Holztrockner!

Vielen Dank für die vielen Tips! Ich werde mit der Waage den Trocknungsvorgang weiter untersuchen. Mal schauen, wieviele Hölzer dabei noch reissen.

Trockenes Holz ohne Risse wünscht Euch der Leo.
 

luftauge

Mitglied
@ micknives :

Bezieht sich "dick wie möglich" nur auf Bretter/Bohlen, oder auch auf Stammabschnitte ?
Dann müsste ich meine Stämme schleunigst auftrennen, und als Bretter weiterlagern.
Die Stirnflächen hatte ich auch als Insektenschutz versiegelt, da in meiner Scheune auch ca. 100.000.000 Holzwürmer wohnen :D

Gruß Andreas/L
 

micknives

Mitglied
am besten ist es natürlich wenn du die stämme alle schon aufsägst.
bei der dicke ist das brett o. bohle gemeint, nach dem trocknen
verzieht sich o. reisst das holz nun manchmal. nach dem trocknen
musst du es hobeln und besäumen und da soll ja noch etwas übrig
bleiben, desswegen dicker.

gegenwurmbefall reicht es, wenn du es mit entsprechenden holzschutz-
mitteln behandelst.

guss
micknives
 

luftauge

Mitglied
@ micknives :

Hab gerade meinen Vater gesprochen, der hat es auch gesagt, am besten schnellstens in Bretter schneiden und dann weiterlagern.
Verwerfungen dürften kein Problem sein, da für die Messergriffe die Dicken/Längen nicht allzu groß sein müssen, falls es doch "unsuitable" werden sollte, hab ich wieder was Neues zum Tüfteln.

Und dass man Bretter wegen der grösseren Oberfläche besser trocken bekommt, als Stämme is doch klar :hmpf: :rolleyes: , war eigentlich überflüssig zu fragen.

Gruß Andreas/L
 
Zuletzt bearbeitet:

Max

Mitglied
langsam trocknen!!!

Von einem Bekannten habe ich gehört, dass Holz beim trocknen immer reissen kann.
Man kann das Risiko jedoch stark reduzieren, indem man das Holz möglichst langsam trocknet. Also nicht gerade im Heizungskeller!- Das erfordert aber viel Geduld.

Gruß
Max
 

Ralf

Mitglied
Frisches Holz sollte man in Bretter oder Bohlen sägen, mit Stpellatten aufsetzten so das überall gleichmäßig Luft dran kann. Möglichst im Freien aufsetzten, das oberste Brett abdecken. Es sollte nicht zu zugig sein, sonst vestockt das Holz.
Das heißt: Außen trocknet das Holz ab, die innere Feuchtigkeit kann nicht mehr raus, das Holz reißt Außen. Buche sollte mindestens 1/2 Jahr (30mm Buche) im Freien trocknen, Eiche ca. 1 Jahr.
Danach hat das Holz ca. 30% Holzfeuchte die man langsm auf Raumfeuchte 6-8% runtertrocknen sollte.
etc....

Ralf
 
G

gast

Gast
oder mit Dampf...

klingt zunächst verrückt, aber die beste und schonendste Trocknung erfolgt in einer Dampf.Trockenanlage (Feuchtlufttrockner, oder Heißdampftrockner). Da wird die Luft bis über 100 C erwärmt und mit Dampf wird eine entsprechende relative Feuchte eingestellt. Vorteil, die zellen werden weich und lassen die Feuchte raus, ohne dass Spannungen auftreten, die zu Rissen führen. Im Prinzip war das auch der "Keller-Effekt" der oben beschrieben wurde..feucht und warm, daher schonende Trocknung. Gegen Ende der Trocknung im Feuchtlufttrockner wird dann langsam gekühlt und die relative feuchte angepasst.

So weit so gut...nur wo haben wir so ein Ding, da bin ich auch noch auf der Pirsch.

Ich selber trockne zunächst sehr langsam in der gut gelüfteten Garage, etwa ein Jahr. Danach stelle ich eine Kiste vor einen Umlufttrockner, den ich zur Trockenhaltung der Garage gekauft habe und darin stellt sich etwa eine relative Feuchte von 45-50 % bei 20-25 C ein. Das korreliert mit etwa 8-10 % Holzfeuchte.

Amboina, Maserbirke und Thuja...keine Risse
Schlangenholz.....vereinzelt Risse

so long
 

micknives

Mitglied
machts nicht so kompliziert, sonst weiss leonardo garnicht
wie er zuerstst trocknen soll.

also nochmal ganz einfach:

*stämme aufschneiden in ausreichender dicke(dicke abhänngig vom
endproduckt)
*wenn unbdingt nötig, einfache holzbehandelung gegen insekten
*bretter gleichmässig mit stapelleisten wagerecht aufschichten
*holzstapel oben abdecken
*holz an einer luftigen trocknen stelle aufstapeln
(keller, garage, scheune etc.)
mehr brauchst du wirklich nicht machen. diese variante ist zwar
die zeitaufwendigere dafür die preiswerteste u. schonendere.

gruss

micknives
 

Leonardo75

Mitglied
Danke für die Tips

Hallo micknives!

Vielen Dank erstmal für Deine vielen Tips!
Ich werde die Stämme bald zu Brettchen sägen und wie Du beschrieben hast trocknen. Einige Fragen habe ich nun allerdings noch:
1) Wieso muss ich den Holzstapel oben abdecken, wenn ich ihn in der Garage lagere?
2) Welchen Schaden richtet denn das Versiegeln der Stirnseiten an? Die Intention war ja, ein gleichmäßigeres Trocknen zu erzielen.

Viele Grüße auch an die anderen Holztrockner vom Leo.
 
Wenn du nur kleine Mengen trocknen willst, empfehle ich dir das Holz einfach in die Mikrowelle zu legen. Trocknen bis keinen Gewichtsverlust mehr eintritt. Wenn du in der Mikrowelle trocknest mußt du die Hirnenden nicht einmal versiegeln. Versiegeln ist nur bei Trocknungen mit Luftbewegung nötig. In der Mirkowelle werden nur die Wassermoleküle in Schwingung versestzt, dadurch erwärmt sich das Wasser im gesammten Holz gleichmäßig, und kann so an den Hirnenden nicht mehr oder weniger abtrocknen.
Ein weiterer Vorteil der Mikrowelle ist die Geschwindigkeit der Trocknung, weil das Wasser nicht über die Oberfläche des Holzes erwärmt wird.
Beim Trocknen mußt du zuerst das Holz vorwärmen sonst kann es zu einem Zellkolaps kommen und das Holz fällt in sich zusammen.
Vorwärmen auf ca. 45°C wenn das Holz die Temperatur erreicht hat, auf ca. 60°C erhöhen. Diese Temperatur eine Zeit halten (abhängig Holzart). Dann erhöhst du auf ca. 75-80°C. Wenn das Holz die gewünschte Endfeuchte hatt, gehst du in umgekehrter Reihenfolge weiter. Temperatur abesnken auf 60°C dann auf 45°C und zum Schluss läßt du das Holz in der Mikrowelle liegen, bis sie wider abgekühlt ist.

Die Temperaturangaben sind nicht für alle Holzarten gültig, daher muß man ein bischen probieren speziell bei Tropenhölzern.

Viel spaß beim Trocknen. :super: :super: