Holz härten und Kleber entfernen

Leonardo75

Mitglied
Hallo Messermacher!

Ich habe zwei kleinere Probleme :

1) Wie macht man den Holzgriff eines Messers nachdem er angebracht ist etwas härter, damit es widerstandsfähiger gegen Kratzer ist und sich die Fasern des Holzes nicht mehr durch Handfeuchtgkeit aufrichten? Einfach mit Klarlack lackieren oder lieber ölen, bzw. wachsen? Mit welchen Marken habt Ihr da gute Erfahrungen gemacht?

2) Wie entfernt man 2 Komponentenkleber, der bei Verkleben der Griffschalen sich aus dem Griff auf den polierten Klingenbereich herausgedrückt hat?

Danke schonmal für die Tips, vielleicht sieht man sich ja in Lindenstruth.

Gruß Leo.
 

Floppi

Mitglied
zu 2) rundes Messingstück nehmen und vorne leicht anschärfen (anschrägen). Damit kannst Du den Kleber gefahrlos vom gehärteten Stahl runterkratzen. Der Stahl sollte nach dem Härten hart genug sein, um nicht zu zerkratzen. Kleinere Kratzer kann man aber nie ausschliessen, deshalb: poliert? Hochglanz? :confused:
 

kanji

Super Moderator
Hallo Leonardo,

zu 1.
die Frage habe ich heute morgen auch schon gestellt.
Leinöl soll sehr gut sein, siehe hier

zu 2.
das mit dem auslaufenden Kleber kenn ich auch, was etwas hilft ist die Klinge vorher exakt mit Kreppband (oder besser noch Putzband) abkleben. (dafür ist es leider jetzt wohl zu spät)
sehr vorsichtig abschleifen und wieder polieren
 
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Leonardo75

Mitglied
Danke

Hallo Leute!

Danke für den Tip mit der Leinölfirnis. Ich habe mir gleich mal welches besorgt, mal schauen, wie das klappt. Würdet Ihr zum Verdünnen eher Terpentin oder Terpentinersatz nehmen? Ich habe so düster in Erinnerung, dass der Ersatz nicht so dolle hierfür ist.

@ Floppi : Den Kleber habe ich mit einen Stück Kupferblech, was ich wie ein Abziehklinge geschärft habe entfernen können. Das ist noch weicher als Messing und außerdem lag es bei mir so rum. Dein Tip war klasse! Kein Kratzer auf der Klinge.

Viele Grüße sendet Euch der Leo
 
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Holz härten

Lieber Leo,

ich habe mal einen alten Karabiner 98k aufgearbeitet und gute Erfahrungen mit Schaftol gemacht (im Jagdgeschäft erhältlich). Vorgehensweise: Holz erst mit 180er Sandpapier bearbeiten, dann mit Essig abreiben. Danach das Gleiche, aber mit 240er Sandpapier. Dann Holz mit 000-Stahlwolle glätten. Dann mit weichem Lappen Schaftol einarbeiten, und zwar in homöopathischen Mengen, das ist das Geheimnis. Über Nacht einwirken lassen, nach 24 Stunden Vorgang wiederholen. Dann nochmal und nochmal, und, wenn Du willst, auch noch ein fünftes Mal. Dann hockst Du Dich am besten mit dem guten Teil vor die Glotze, ziehst Dir einen Film rein und polierst den Griff nebenher mit einem weichen Tuch, ausdauernd und nicht zu fest. Viel Spaß!

Viele Grüße,
razoredge
 

Wolfgang Dell

Mitglied
Hi Leonardo75, der tipp mit abkleben ist natürlich der beste. Aber wenn es denn passiert ist: klinge mit dem heisluftföhn leicht anwärmen und die klebereste mit aceton entfernen, gibt garantiert keine kratzer.

Griff so oft wässen und schleifen bis keine fasern mehr aufstehen. Danach kannst du mit diversen holzölen, z.b. schaftol oder das messergrifföl richtig satt einölen. Danach mit einem porenfüller drüber gehen und mit 1000er oder 2000er nassschleifpapier glätten und polieren. Geht auch mit sekundenkleber oder zweikomponentenlack, ist aber enorme arbeit und ob es mehr als für ein vitrinenmesser taugt?das wars
Gruß
Wolfgang
 

Leonardo75

Mitglied
nochmals Danke

Hallo razoredge und Wolfgang!

Das könnte ja in Arbeit ausarten, ist aber nicht schlimm, macht ja auch Spaß.

@Wolfgang : Den Tip mit dem Aceton und dem Fön werde ich das nächste mal (falls es nochmals passiert) ausprobieren. Vielen Dank auf jeden Fall, ich wußte nicht, dass ausgehärtetes Epoxid sich wieder anlösen läßt.
Was hältst Du eigentlich von Leinöl? Soll man es nehmen oder lieber nicht?
Wie schaut das eigentlich mit dem Schleifen aus? Hin und her oder immer nur in eine Richtung, damit man die aufgerichteten Fasern nicht dauernd nur umklappt?

@razoredge : Das Leinöl habe ich mir schon besorgt, bei diesem Griff probiere ich es erstmal damit aus. Härtet denn das Schaftöl auch aus?
Kommen beim Schleifen mit der Stahlwolle nicht neue Kratzer in das Holz?

Viele Grüße sendet Euch der Leo.
 

zorro_43

Mitglied
Hi,
Stahlwolle gibt es genau wie beim Schleifleinen in verschiedenen "Körnungen".
Mit "000" oder "0000" dürftest du nix kaputt machen.

Holz immer in längsrichtung Schleifen, aber ruhig hin und her.
Die Fasern, die umklappen können willst du doch sowieso abtrennen.

Mit Leinöl hab ich gute Erfahrungen gemacht.

Zorro
 

AchimW

Mitglied
epoxy und holz

Hallo Leo,

Für die Holzbehandlung habe ich die verschiedensten Dinge probiert. Epoxy, Acryllack, Cyanacrylat, Polyurethanlack, Schellack, Tonkinois, Wachse aller Art, Leinöl, Leinölfirnis, Schaftol (Grundierung und Öl), aber der wahre Jakob war nicht dabei. Insgesamt waren die vollständig synthetischen Erzeugnisse schlechter als die auf natürlicher Basis. Relativ gute Erfahrungen habe ich mit Danish Oil gemacht. Gibt's bei Dobner, glaub ich. Die Oberfläche wird aber nicht hochglänzend, sondern seidenmatt damit.

Beim Kleben gibt es noch einen guten Trick. Verwende JB Weld (gibt's bei Bauhaus auf der Krefelder Straße). Die rot-blaue Packung, nicht das gelbe quick weld! Benutz reichlich Kleber, füge alles zusammen, so daß der Kleber rausquillt. Warte, bis der Kleber eine leicht gummiartige Konsistenz hat (mit Zahnstocher testen) was so ungefähr eine Stunde dauert. Dann den überstehenden Kleber mit einem aus Holz oder Bambus gefertigten Spachtel abschaben und die Reste mit ein wenig WD 40 (blaue Sprühdose, gibt's auch da!) und einem Küchenpapier abwischen. Fertig! Der Kleber ist nicht billig, aber einfach super. Temperaturbeständig bis 315°C, klebt besser als Endfest und hat eine unauffällige silbergraue Farbe. Wenn Du in der Lage bist, gute und präzise Passungen zu feilen oder eine Fräsmaschine benutzt, bekommst Du so zwischen Parierelement und Klinge eine Verbindung, die fast unsichtbar ist.

Achim
 
Nein, Leo, keine Sorge. Um auf Nummer sicher zu gehen, probier's doch mit Stahlwolle 0000. Damit habe ich auch schon Metallteile spiegelnd blank gekriegt. Wenn Dir das gute Teil am Herzen liegt, mach doch vorher eine Probearbeit an einem vergleichbaren Stück Holz (kann auch ein Teak-Frühstücksbrettchen sein).

Viele Grüße
razoredge
 

Leonardo75

Mitglied
nochmals vielen Dank für die Tips

Hallo Leute!

Klasse, dass Ihr einem die Fragen in so kurzer Zeit so schnell und umfassend beantwortet.

Das mit der Stahlwolle zum Polieren des Holzes muss ich unbedingt ausprobieren. Mit dem Verkratzen des Schneidmaterials ist das so eine Sache, da habe ich auf ca. 40 HRc gehärtetes Titan genommen, das ist da schon was empfindlicher. Aber gegen Kupfer war es noch stabil genug.

@AchimW : erzeugt denn das Danish Oil auch eine härtere Holzfläche oder nur einen matten Glanz? Diesmal werde ich es mit Leinölfirnis probieren (jetzt habe ich es ja auch schon besorgt).
Was ist denn der JB Kleber für ein Kleber? Ich kann mich da düster an eine Art "Flüssigmetall" erinnern, meintest Du sowas? Oder ist das so ein Heizungsreparaturzeug, was als 2K kommt und später mächtig druckstabil ist (damit soll man auch ausgerissene Gewinde in Zylinderköpfen wieder erneuern können)?

Gruß Leo
 

AchimW

Mitglied
JB

Leo, JB Weld ist ein Zweikomponentenkleber auf Epoxydharzbasis. Kein Flüssigmetall, aber ich glaube die Geschichte mit den Zylinderkopfgewinden kommt irgendwie aus der Ecke.

Achim
 

herbert

MF Ehrenmitglied
JB weld

Hallo Achim,
habe mit Leo auf der Fahrt nach Reiskirchen über den Kleber gesprochen. War heute im Bauhaus, habe das Zeug gesucht wie bekloppt, natürlich in der Kleberecke. Findet man aber bei den Werkzeugen. Kostet 16,95 DM, aber erscheint mir nach Prospekt und Deinen Erfahrungen das Geld wert zu sein. WD 40 hab ich nicht gefunden. Verflixt. Aber muß da wohl was aufpassen. Oder hab ich in der falschen Ecke gesucht? Na ja, hab noch Zeit. Muß erst meinen Nicker noch härten lassen und dann hab ich noch einen VASCOWEAR-Nicker-Rohling von Günter in Reiskirchen bekommen, Rostend hin rostfrei her, bei VASCOWEAR werd ich schwach. Da brauch ich einen guten Kleber. Und der Damaststahlnickerrohling von Markus Balbach wartet. Insofern dürfte das eine gute INvestition sein. Und meine Frau freut sich, weil man mit dem Zeug wahrscheinlich auch Gummidichtungen am Backofen kleben kann (315°!!!!!!!!!!!!!)
Werd mal berichten.
Ich denke mal, dass auch das Problem mit leicht krummen Klingen und Cristalan Griffschalen damit spülmaschinenfest zu kriegen sind. Erschlagt mich nicht, aber ich muß da Kompromisse eingehen. Meine Frau glaubt sowieso, ich sei nicht mehr normal, da gibt es die tollen rostfreien, die man in die Spülmaschine stecken kann, und mein Mann nimmt immer dies rostenden Messer, die man immer pflegen muß.
Na ja.
 

AchimW

Mitglied
kleber

Hmm, ja, hätt ich vielleicht sagen sollen, daß der in der Ecke mit den Schleifscheiben hängt.
WD 40 bekommst Du mittlerweile an (fast) jeder Ecke. Jeder Baumarkt, Fahrradhändler, Eisenwarenladen undm mittlerweile auch Supermarkt hat das Zeug. Ich meine ich hätt's sogar bei Wal Mart oder so an der Kasse gesehen.

Das mit dem Backofen würde ich nicht versuchen. Dafür gibt es dauerelastische hitzefeste Kleber auf Silikonbasis (weiß ich von meinem Schwager, der jahrelang Küchenmontage und -wartung gemacht hat).

Deine Frau steckt die rostfreien Messer in die SPÜLMASCHINE???? Bei Tafelmessern ist das ja gerade noch akzeptabel, aber die Messer, die tatsächlich schneiden sollen, die sollte man NIE da reinstecken, rostfrei oder nicht. Wenn meine Frau das auch nur versuchen würde, würde die Strafaktion fürchterlich ausfallen.

Gruß,
Achim
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Ja, Achim, ich krieg auch immer die Tränen in die Augen. Aber ich kann mich da nicht durchsetzen. Wenn ich mit den Messern gearbeitet habe, dann mach ich die von Hand sauber. Aber dann....
Na ja,
Danke für den Hinweis mit dem Backofen. Ging ja gerade nochmal gut.
 

Leonardo75

Mitglied
Schellackpolitur

Hallo Messermacher!

Ich habe neulich bei meinem Werkzeughändler Schellackpolitur gesehen. Wer hat dies schonmal für Messergriffe eingesetzt und mit welchem Erfolg?
Härtet diese Politur aus?

Gruß Leo.
 

zorro_43

Mitglied
Echte Schellack-Politur wird auch hart und hochglänzend. Sie ist aber nicht Trinkalkoholbeständig. Die arbeitsanweisungen waren für mich immer abschreckend. Scheint was zu sein für Leute die Vater und Mutter erschlagen haben.
Für Messer die auch benutzt werden sollen wohl zu empfindlich(Handschweiß,Alkohol).
Auf alten Möbeln wirkt sie aber sehr schön 3-Dimensional.
Vielleicht was für Sammlermesser?

Zorro
 

Leonardo75

Mitglied
Danke für die Warnung

Hallo zorro_43!

Vielen Dank für die Schellack Warnung. Wenn dann das Messer nicht mal Handschweiß aushält ist es wirklich nichts für mich. Und auch gegen organische Lösungsmittel sollte eine gewisse Beständigkeit da sein, wer weiß was man beim Arbeiten auf die Hand gekleckert hat ;).

Viel Spaß beim Behandeln Euer Messer wünscht Euch der Leo.