Hiromoto AS Gyuto 21 Erfahrungsbericht

Mehlwurm81

Mitglied
Ein freundliches Hallo in die Runde!
Ich möchte mich vorstellen: Mein voller Name ist Hiromoto Tenmi-Jyuraku Aogami Super Series - Gyuto 210mm

... Wenn ich bedenke wie schnell sich das Leben manchmal wandelt... Am Montag lag ich noch gemütlich in Japan und gestern hält mich mein neues Herrchen ,Freudentänze aufführend, in Händen. ( Ihr müsst wissen, ich bin seine erste Japanerin! Bisher hatte er nur die deutschen Mädels wie Fräulein Wüsthof und die Damen Goldhamster.
Wie ich ausseh? So:
5375454629_7058cda281_z.jpg


Gell, eine wunderschöne Schneide aus Aogami schaut unter meinem Edelstahlkleid hervor. Von meiner Patina ist mein Herrchen auch ganz begeistert.

5376054426_40db5ed928_z.jpg


Mit gerademal 2mm Klingenstärke hab ich eine Figur auf die die Topmodels neidisch wären. Ebenfalls die 178g, die ich auf die Waage bringe. Da muss die Wuchtbrumme aus Solingen von ihren 315g doch noch was abspecken!
Meine Verarbeitung ist ebenfalls klasse, auch wenn jetzt mein Kern rechts mehr raus schaut, als links. Und die Spitze links völlig entblößt ist. Aber das tut meiner Funktion keinen Abbruch.

Heute durfte ich sogar mit auf die Arbeit! (Wenn ich bedenke, gestern durfte ich gerade mal vier Scheiben Hefezopf und ein Loch in ein Werbeprospekt schneiden! ...Ich hab schon das Schlimmste befürchtet!...)
Also zurück zum Thema: Da lag ich nun. Und es wartete richtig viel Arbeit auf mich! Zuerts die einfacheren Sachen:
- Paprika - kein Problem
- Tomaten - pah! wie lachhaft!
- elendiglich schmierigen Mozzarella .... habs aber gepackt!
interessanterweise hat sich meine Patina erst im Mozzarella entwickelt...
- Die Gurke empfand ich fast schon als Beleidigung!

Dann gings zur Sache:

-Paprikas, Zucchinis, Auberginen, Karotten, Sellerie, Kohlrabis, noch mehr Tomaten und noch mehr Mozzarella. Alles kein Problem! Auch sonstiges Schnittgut hab ich geradezu gefressen.
Dass Schnittlauch nicht wegspringen muss, war eine ganz neue Erfahrung für meinen Chef.
Was er allesdings mit dem "Furztrocken - das Brett ist furztrocken!" bei den Zwiebeln meinte war mir nicht so ganz klar.
Was ihn allerdings jetz nicht so amüsiert hat, war dass ich nicht gerne angeschoben werde! Ich will durch das Schnittgut gezogen werden. Da sind wir beide noch gespannt, ob er mir die Marotte noch ausgetrieben bekommt.

Alles in allem sind mein Herrchen und Ich ein starkes Team und er hat mich schon voll in sein Herz geschlossen (Bildlich gesprochen).
Leider war das wohl das letzte mal, dass ich eine Profiküche von innen gesehen habe. Er behauptet es wäre zu meinem Besten!
Kann ich aber auch verstehen. Als seine Kollegen, denen er mich ganz stolz und mit leuchtenden Augen präsentierte, meinen Preis von gerademal 98,69€ all inclusive gehört haben, kam nur ein abschätziges: "Nur, hm?!" -Diese Banausen! Ich war sogar Zollbefreit - wahrscheilich dachten die Zollbeamten ich sei so ein billigteil aus China...

So, dass wollte ich mal los werden. Mein Herrchen sagt ich sei Euch das schuldig, da ich ohne Euch jetzt kein neues Zuhause hätte!
 

tiffel

Mitglied
Erstamal danke, dass dein neues schönes Messer nicht vor lauter Glück über seine Adoption in den fernen Westen sprachlos geblieben ist. Warum der Druckschnitt nicht so gut funktioniert, kann ich mir nicht erlären, da sich eigentlich gerade die feinkörnigen Kohlenstoffstähle für Druckschnitt mehr eigenen sollen als rostfreie Stähle. Wie ist es denn jetzt von der Elastizität der Klinge? Mit der Schärfe bist du anscheinend zufrieden. Jetzt wäre noch ein Update deines Berichtes bei gegebener Zeit nett, um ein Urteil über die Schnitthaltigkeit und Schleifbarkeit des Messers abzugeben. Weiterhin viel Freude mit der Neuerwerbung.
 

Benuser

Mitglied
Schöne Geschichte! Und das Messer wird noch besser sein wenn Du es geschliffen hast. Mein Santoku aus dieser Reihe habe ich dabei noch was ausgedünnt. Grüße aus Holland
 
Zuletzt bearbeitet:

Mehlwurm81

Mitglied
Ja, ein wirklich tolles Messer. Mit ordendlicher Schärfe OotB.
Auf Elastizität kams mir ja nur beim Kleinen für die Arbeit an und da hab ich mich ja wieder für ein Wüsthof entschieden.
Konnts aber doch nicht lassen es zu Testen. Also es verträgt schon einen gewissen seitlichen Druck, Ausreizen würde ich es aber nicht.
Zur Schnitthaltigkeit kann ich soweit nicht viel Sagen. Nach einer roten Euro-Wanne voll von dem aufgeführrtem Gemüse, auf Buche geschnitten, hat man schon gemerkt dass die Schärfe etwas nachlässt. Allerdings nicht stumpfer als ein frisch geschliffenes Deutsches. Dann einmal über das Leder und es rasiert wieder.
Ich denk auch, dass der Stahl noch Potenzial hat, was die Schärfe angeht. Da übe ich mich aber noch in Geduld, denn wie schon gesagt mit der Schärfe bin ich überaus zufrieden und das genieße ich noch ein Weilchen. Um so mehr Freude hab ich dann dran, wenn ich damit (hoffentlich) Haare spalten kann:teuflisch.
Die hazakai find ich auch klasse. Das verleiht dem Messer eine gewisse Seele bzw. mach die Klinge irgendwie lebendig. Mein Kollege meinte dazu nur, es sähe aus, als ob der Lack abblättert, dieser crétin!
 
Zuletzt bearbeitet:

Jens25

Mitglied
Danke für den Bericht! Man was habe ich auf ein review dieses Messers gewartet.
Ich bin schon sehr lange am Überlegen, ob ich mir dieses Messer zulege.

Auf dem Foto sieht die Klinge ziemlich dick aus. Wenn es keine Umstände macht, würde ich mich über Angaben zur Klingendicke freuen, direkt über der Schneide und 15mm über der Schneide.

Bist Du mit Verabreitung (gerade Klinge, symmetrischer Schliff, finish) des Messers zufrieden?
 

Mehlwurm81

Mitglied
Von der Verarbeitung bin ich in dem Sinne zufrieden, dass es nicht schlechter aber auch nicht besser verarbeitet ist wie mein Goldhamster.
Was heißt, dass wenn man mit dem Fingernagel über die Übergänge Griff-Metall kratzt, man einen Übergang merkt. In der Hand spürt man jedoch nichts. Es gibt also keine scharfen Kanten.
Der Schwerpunkt liegt exakt hinter dem Ende der Klinge. Also ich kann das Messer auf der Kante eines Meterstabes balancieren. Was mir später beim genauen Betrachten aufgefallen ist, ist dass die Klinge einen leichten knick nach rechts hat, was sich beim Schneiden aber nicht bemerkbar gemacht hat.
5380008947_01f0b475e7_z.jpg


Die Klinge ist am Rücken 2mm, auf 15mm höhe ca 1,1mm und 5mm über der Schneide ca 0,5-0,6mm dick. Direkt über der Schneide sowas um die 0,1-0,2mm Kann das leider nicht genauer Messen.
Karotten gehen aber trotzdem ohne "krack-klack" zu schneiden.
Der Schliff selber ist über jeden Zweifel erhaben, da gibts nichts zu meckern. Die Hazakai liegt links auf 3-4mm höhe und rechts zwischen 6 und 8mm. Was, aber denke ich, auf das Schmieden zurückgeht.
 
Zuletzt bearbeitet:

Sanji

Mitglied
Die Hazakai liegt links auf 3-4mm höhe und rechts zwischen 6 und 8mm. Was, aber denke ich, auf das Schmieden zurückgeht.

....eher liegts imho am Schliff: bei vielen japanischen Messer sind die beiden Klingenseiten nicht wirklich symetrisch; die linke (vom Griff aus) Seite ist oft flacher/höher geschliffen, rechts ist ein etwas 'stumpfwinkeliger Anschliff, also ein deutlicherer 'Knick' zwischen Anschliffläche und Klingenblatt. Das liegt imho daran das sich der Schliff auch bei den 'modernen' Messerformen etwas an den traditionellen einseitigen Klingen bzw. den Schneidgewohnheiten der Japaner orientiert.
Auch die Schneidfasen sind rechts oft stärker/höher als links. Manchmal ist das in den Produktbeschreibungen auch angegeben: 50/50 heißt dann dass die Schneide symetrisch geschliffen ist, 70/30 oder z.B. 90/10 beschreibt wie asymetrisch der Schliff ausgeführt ist. Bei asymetrischen Schliff heißt es dann auch 'für Rechtshänder optimiert'.

Nachtrag: Aha, auf der Shopseite steht: 'Tenmi-Jyuraku Series; Double Bevel Edge 60/40'
 
Zuletzt bearbeitet:

Jens25

Mitglied
Danke für die Daten. Die Klingengeometrie ist jetzt nicht umverwerfend aber noch in einem Bereich, in dem das Messer als robustes Gebrauchsmesser sehr interessant ist.
Ich finde die Härte des Messers von 61-62 sehr interessant. Die traditionellen von AOki mit Wa haben 63-65. Das finde ich für ein Allroundmesser zu hart. Ich denke die 61-62 erreicht man bei ca. 200°C, also in einem Bereich in dem die Anlsssprödigkeit irrelevant ist.
Bei 61-62 hat man auch noch gut Zähigkeit hinzu kommt die stabile Klingengeometrie.

@Sanji
Beim Anschliff schleifen die Japaner oft asymmetrisch. Das bei den Europäischen Messerdesigns der Klingenschliff auch asymmetrisch ist verwundert mich sehr.Bei dem hier beschriebenen Hiromoto kann ich mir dass nicht vorstellen. Bist Du dir da sicher?
 

Sanji

Mitglied
@Sanji
Beim Anschliff schleifen die Japaner oft asymmetrisch. Das bei den Europäischen Messerdesigns der Klingenschliff auch asymmetrisch ist verwundert mich sehr.Bei dem hier beschriebenen Hiromoto kann ich mir dass nicht vorstellen. Bist Du dir da sicher?

Beim Hiromoto bin ich mir nicht sicher - ich hab keins. Bei 4 von 5 meiner Messer aus japanischer Produktion in eurpäischem Design ist das aber so. Z.B. bei den Kai Shun um mal ne bekanntere Marke zu nennen. Ist oft so minimal das man es kaum sieht, aber sobald man mal den Anschliff bearbeitet merkt man das deutlich.
 

Rottman

Mitglied
Die Hiromoto AS sind generell asymmetrisch geschliffen, die linke Seite ist sehr flach und steht beinahe senkrecht, die rechte Seite ist deutlich konvex. Je größer das Messer, umso besser sieht man es.
 

Mehlwurm81

Mitglied
Aha, ich hätte jetzt gedacht, der Schleifwinkel kommt erst beim Endschliff. Wieder was dazugelernt.

@Jens25: Wo hast Du das her mit den 61-62 Hrc? Auf JCK stand da ja nix von. Das einzige was ich jetzt gefunden hab war das hier und da steht was von 62-63.
Ich dachte eigentlich Aogami wird mit 65-67 gehärtet. Oder bring ich da was durcheinander?
 

Jens25

Mitglied
Da habe ich mich geirrt. Ich hatte meine Angaben auch von JCK.

Das der Klingenschliff asymmetrisch ist finde ich sehr schade, da ich Linkshänder bin.
Dann muß ich mich leider nach einer Alternative umsehen.

Aogami entspricht im Grunde unserem 1.2515 oder 1.2516. Wie hoch die die Ansprungshärte ist kann ich nur schätzen, 66-67 HRC werden es wohl sein. Zwischen 60 und 63 HRC finde ich für meine Anwendungen optimal, bei den Klingengeometrien die ich anstrebe.
 

Rottman

Mitglied
Jens,
auf der JCK Seite wird angegeben, daß alle Modelle auch als Linkshand-Version erhältlich seien, wg Preis solle man anfragen (ich meine diese Angabe zu LH-Modellen wäre neu und erst in den letzten Monaten dazugekommen). Vielleicht mailst du mal und fragst nach.