Hilfestellung zur Schleifsteinanwendung

Spacy

Mitglied
Hallo,

Ich bin neu hier um Forum und beim Messerschleifen, deshalb habe ich gleich einige Fragen. Ich habe schon alles mögliche im Internet gelesen, auch hier im Forum, Videos angeschaut, aber ich komme einfach nicht weiter mit meinen neuen Schleifsteinen, evt. hat ja jemand einige Tipps für mich :)

Ich habe mir kürzlich einen Zwilling Twin Stone Pro mit 250 und 1000 gekauft. Diesen habe ich sogleich bei einem alten Messer ausprobiert. Beim Fingertest konnte ich einfach normal über die Schneide streifen, und es fühlt sich glatt an, gegens Licht gehalten konnte man ne ganz dünne Spiegelung an der Schneide erkennen, d.h. wohl ganz leicht "abgerundet". Meine Vermutung war nun, mit dem 250er erstmal auf beiden Seiten genug abzutragen, damit es wieder "spitz" verläuft, und danach dann mit dem 1000er nachschleifen.

Ich habe nun einfach mal wie in den Videos angefangen mit dem 250er zu schleifen, Messer von rechts unten nach links oben, jeweils so 10-15x auf einer Seite, dann auf der anderen, immer schön hoch und runter mit leichtem Druck auf die Klinge. Das Ganze habe ich mehrmals wiederholt. Ich hatte nun erwartet, dass nach ner Weile (einigen Minuten) die Schneide eigentlich nun schun ziemlich scharf sein sollte. Gewaschen und gegens Licht gehalten, die Spiegelung "auf der Schneide drauf" war verschwunden, allerdings fühlte sich das ganze immer noch glatt an, beim Fingertest das gleiche. Ansonsten ist man ja von scharfen Messern gewohnt, dass beim Fingertest direkt spürbar ist, wenn das Messer minimalst eindringt anstatt gleitet. Ich habe nun einfach mal weiter gemacht, aber es wurde einfach nicht besser als oben schon beschrieben. Habe auch den Filzstifttest gemacht, und es wurde komplett auf beiden Seiten bis zur Schneidenspitze hin alles schön abgetragen, ich habe auch so gut es ging versucht, den gleichen Winkel, so 15-20 Grad beizubehalten auf beiden Seiten. Jedenfalls brachte das in der Art mit dem 250er keine weitere Verbesserung.

Ich hab nun gedacht, evt. muss ich nun mit dem 1000er weitermachen, um den Rest an Schärfe zu erreichen. Ich habe dann mit diesem auf die gleiche Weise weitergemacht. Allerdings wurde die Schneide nicht schärfer, sondern irgendwie nur "poliert(er)".

Neuer Anlauf, nun habe ich versucht, den Winkel etwas spitzer zu halten, wieder angefangen mit dem 250er. Es wurde schon einiges abgetragen, die beiden schiefen die Schneide bildenden "Ebenen" wurden durch den spitzeren Winkel etwas breiter. Das habe ich solange gemacht, bis diese Fläche schön gleichmässig bis zur Schneide hin auf beiden Seiten verlief. Spiegelung auf der Schneidenspitze war keine zu erkennen, allerdings war das ganze nun auch mit dem spitzeren Winkel nicht wirklich scharf, es fühlte sich immer noch "glatt" an, kein Eindringen in den Finger. Ich habe nun noch etwas weitergemacht, aber es wurde nicht besser. Der 1000er hatte auch hier irgendwie nur polierende Auswirkungen.

Die Fragen sind nun: Was mache ich falsch? Hab ich vielleicht nicht lang genug geschliffen? War eigentlich schon recht lange dran an dem Messer, d.h. mehrere Stunden rumprobiert ;-) Waren evt. die Züge in ner ungünstigen Richtung? Gab es womöglich Probleme mit dem Winkel, bspw. zu stark variiert beim Rauf-Runter, oder sonst ungünstig angelegt?

Ich habe dann auch noch alles mögliche hier im Forum und sonst im Internet gelesen, aber weitergeholfen hat mir da irgendwie nichts...

Ich wäre dankbar, wenn jemand nen Tipp hätte, der mir weiterhilft :)

Danke schonmal,
Spacy
 

Cry.Sys

Mitglied
Moin Spacy

oha. Klingt erstmal so als hättest Du alles richtig gemacht, aber keine Angst, mir fallen doch noch ein paar Kleinigkeiten ein.

Zuerst: Du schreibst, Du schiebst die Klinge auf dem Stein hoch und runter.
Das birgt die Gefahr, beim Richtungswechsel die Klinge minimal zu kippen und damit gleich wieder abzurunden, ob Du nun "schiebst" oder "ziehst" ist erstmal egal, es gibt da zwar Unterschiede, aber funktionieren tut beides, aber Du solltest Dich für eines entscheiden oder eine verdammt ruhige Hand haben.

Zweitens: Der Grat. Den muss man nach dem Grobschliff auf beiden Seiten fühlen können.
Da gibst auch noch jede Menge Threads hier bei Wartung & Pflege (SuFu!) die da noch jede Menge Wichtiges beizusteuern haben.

Bester Tip überhaupt und sowieso:
http://www.messer-machen.de/
aber ich gehe einfach mal davon aus, da bist Du schon drüber gestolpert, falls nicht: Durchlesen!

Ob ein Messer scharf ist, kann ich zumindest mit bloßem Auge nicht sehen, auch mit 10facher Vergrößerung sind nur echte Macken sichtbar, sehr geholfen hat mir am Anfang ein Binokular mit 100-400facher Vergrößerung.

Zum Filzer: Die Spuren nach ein, zwei Zügen (ohne Druck) kontrollieren, nach mehreren Zügen ist es sehr wahrscheinlich durch Verwackeln alles entfernt zu haben.

Ansonsten kann ich nur empfehlen, mit viel Gefühl zu schleifen, auch auf das Geräusch zu achten, und den Kopf nicht hängen zu lassen, dat duert n beten bis das klappt.

Keep it scharf
Christian

PS: Messerforum lesen ist keine gute Idee: zu hohes Suchtpotential. Mittlerweile habe ich für über 150€ Schleiffsteine und dabei hatte ich hier nur reingelesen um Geld zu sparen :mad:.
 

WernerPe

Mitglied
Hallo,

wie schon gesagt wurde scheint vom Schleifen her soweit alles i.O. zu sein.

... Diesen habe ich sogleich bei einem alten Messer ausprobiert. ...

Hast du schon mal ein anderes Messer ausprobiert? Ohne das Versuchsobjekt zu kennen, soll ja Stähle geben die da etwas eigensinnig reagieren und so ein altes 3,- Euro Küchenblech wirds schon nicht sein, oder? Auch sind 15-20 Grad Schleifwinkel für die meisten "günstigen" rostfreien Messer grenzwertig. Du könntest ja testweise bei deinem alten Messer einen 25 Grad Schleifwinkel verwenden, also einfach etwas steiler zum Stein stellen.

Grüße, WP
 

Doenerdealer

Mitglied
Kannst du nach dem Schleifen einer Seite, auf der anderen Seite einen Grat fühlen? Wenn nicht, musst du noch viel mehr Material abtragen oder den Winkel vergrößern, weil der Ausgangswinkel evtl. größer war als der Winkel, den du jetzt reinschleifen möchtest. Hast du das Messer am Ende abgezogen?
 

Spacy

Mitglied
Hallo, vielen Dank schon mal für das ganze Feedback.

Auf dem einen sehr alten großen Küchenmesser steht "Marsvogel Solingen rostfrei", das andere ist ein billiges kleines. Vermutlich habe ich da wohl echt noch Probleme mit Winkel im Zusammenhang mit Materialabtrag. Einzelne Male hatte ich auf der einen Seite so was, was wohl der Grat war, also wenn man mit dem Fingernagel gegenüber in Richtung Schneide fährt, bleibt man da leicht hängen, und man sieht davon auch was. Habe das dann versucht, mit 1-2 Abziehern auf dieser Seite wegzukriegen. Vermutlich war ich da dann wohl schon nah dran.

Mit nem Binocular meinst Du ein "zweiäugiges" Mikroskop, oder? Mit DSLR und 1:1 Makroobjektiv war da nicht wirklich was zu machen ;-)

Ich werde heute abend mal versuchen, nen spürbaren Grat zu erzeugen. Also ich verstehe das so, mit dem 250er immer abwechselnd so 10-15 Züge, bis irgendwann dann auch ein Grat entsteht, dann auf der anderern Seite noch 1x genauso, bis der Grat dort weg ist und gegenüberliegend einer da ist, dann noch 1x auf der anderen drüber in Schneidenrichtung, um diesen letzten Grad wegzumachen, oder? Wenn ich dann drüberfahre mit dem Finger, und es so scharf ist, dass es in die Haut schneidet beim Fingertest, dann mit dem 1000er weitermachen. Da dann wiederum bis zur Gratsache, oder ist es da dann anders, wenn man später mit höheren Körnungen weitermacht?

Schöne Grüße,
Spacy
 

WernerPe

Mitglied
... oder ist es da dann anders, wenn man später mit höheren Körnungen weitermacht?

Im Prinzip genau das selbe, nur das der Grat bei feineren Steinen auch immer kleiner wird und du nicht mehr primär die Schneidenspitze herausarbeitest (ist ja bereits vorhanden) sondern die Flanken polierst.

Grüße, WP
 

Spacy

Mitglied
So, danke nochmal für die vielen Antworten, nun bin ich mit Eurer Hilfe ein ganzes Stück weiter gekommen :super:

Mein Problem war, dass ich die Schneide zwar schon "spitz genug" zugeschliffen hatte, aber ich habe nie korrekt auf den Grat geachtet, dann einfach weitergeschliffen, und irgendwie ist dann nie ne gute Schärfe rausgekommen. Ich habe nun diesmal genau auf den Grat geachtet, wenn der gut ausgeprägt war, einmal umgedreht, auf der anderen Seite noch ein paar Mal, bis der Grat auf der anderen Seite war. Dann nur mehr einzeln entgegen nochmal, um den Grad wegzukriegen. Und schon war die Schneide nun viel schärfer als die letzten Male ;-) Allerdings glaube ich, dass da mit etwas Übung noch einiges drin ist :) Die letzten Schritte habe ich teilweise mehrmals gemacht, und immer leichte Unterschiede festgestellt, d.h. mit mehr Übung hat man das dann wohl noch etwas schneller raus. Mit dem 250er Stein hat das bei den alten Messern nun schon recht gut geklappt, ein relativ neues Zwilling Messer, dessen Schärfe etwas abgenutzt war, habe ich nun so auch direkt wieder auf Hochform gebracht hehe.

Was mir allerdings noch nicht gelungen ist, mit dem 1000er die scharfe Schneide vom 250er noch zu "pimpen". Wenn ich das versucht habe, fühlte sich am Ende die Schneide dann wieder unscharf/flach an beim Drüberstreifen mit dem Finger, so als ob ich den "Sägezahn" wohl wieder kaputt gemacht hätte. Hier brauche ich wohl noch etwas mehr Übung.

Aber vielen Dank nochmal für Eure Hilfe, ich denke ich bin nun auf dem richtigen Weg :)
 

WernerPe

Mitglied
... mit dem 1000er die scharfe Schneide vom 250er noch zu "pimpen". ... so als ob ich den "Sägezahn" wohl wieder kaputt gemacht hätte. ...

Jup - das passiert zwangsläufig. Diese Microverzahnung entsteht durch die Riefen beim Schleifen und bei gröberen Steinen sind die Riefen und damit auch die "Zähne" an der Schneidenspitze größer als bei feineren Steinen. Teste das mit einem Blatt Papier. Nach dem groben Stein reisst das Messer beim schneiden noch Fasern aus dem Papier. Wenn du bei dem feineren Stein Schärfe "verlierst" stimmt der Winkel nicht mehr. Gibt auch Schleifhilfen die man auf den Messerrücken klemmt um so für den Anfang ein besseres Gefühl zu bekommen.

Grüße, WP