Härteriss

less

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Hallo Messerfreunde,
gestern habe ich eine neue Klinge aus 1.3505 differenziell gehärtet, leider ist die Klinge dabei gerissen.Ein etwa 5mm fiefer feiner Riss war zu sehen.
Das hat mich natürlich etwas geärgert (schöne Klinge, guter Stahl...), ich vermute es liegt an meiner neuen Pflanzenfett/Olivenölmischung die ich seit einiger Zeit für die Härtung verwende.Das Gemisch wird halbfest bei Raumtemperatur das ist einfacher zu handhaben. 1.2842 härte ich damit problemlos (ohne vorwärmen, einfach in das pastöse Fett).
Ich habe die 100Cr6 Klinge aber auch mehrfach gehärtet zur Feinkörnung, vieleicht war das doch zu grob für den feinen Stahl...

Ich habe aber die Gelegenheit genutzt die angerissene Klinge nochmal weichzuglühen und umzuschleifen (den sichtbaren Riss komplett weggeschliffen, die Klinge wurde schmäler). Bei der umgeschliffenen Klinge war auch mit Lupe kein Riss mehr zu entdecken. Ich habe die komplette WB wiederholt, diesmal kein Riss!
Das war dann spannend: Würde die Klinge alle Tests bestehen?
-Falltest auf Beton 2m: kein Problem!
-Drahtseil Durchhacken auf Hartholzklotz mit Holzknüppel auf den Klingenrücken: Kein Problem!
Ein scharfer Schlag mit dem Klingenrücken auf eine Stahlkante: Pling!

Der Riss war also doch noch da!
Ich habe jetzt den scharfen Rückenschlag fest ins Testprogramm aufgenommen.
Für mich ergeben sich zwei Schlußfolgerungen:
Tritt ein Härteriss auf ist die Klinge Schrott!
Der Drahtseilhacktest und der Falltest decken Risse nicht auf!

Grüße aus Heidelberg!
 
So hast du doch eine Klinge die für weitere Test zur Verfügung steht,ob das Gefüge fein genug ist oder wie mache ich es grob und wieder Fein ??.
 

less

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@ urgestein:
solche Tests mach ich dann doch lieber mit kleinen Reststücken, das spart Arbeit und Zeit. Hier war das Gefüge ziemlich fein, aber nicht ganz so fein wie ich es erwartet hatte!
@AchimW:
Die umgeschliffene Klinge habe ich natürlich angelassen so etwa 2 mal eine knappe Stunde bei 200°. Vieleicht hatte das Material ja schon eine Macke, so etwas ist mir bei Ölhärtung/3505 noch nie passiert.
Schade um die Klinge, das ist wirklich guter Stahl!
 
aber nicht ganz so fein wie ich es erwartet hatte!

Genau deshalb hast du doch den Rest,daran kannst du doch jetzt Testen was zu machen ist um das Gefüge optimal hinzubekommen.
Das werde ich mit meinem ersten Damastmesser demnächst auch machen,auch wenn ich jetzt ganz andere Materialien verwende.
 

less

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@Urgestein
Da hast Du vollkommen recht! Die Reste werde ich nochmal testweise wärmebehandeln.
Grüße aus Heidelberg!
 

Xerxes

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Hi Less, interessant wäre auch, wo genau der Riss sich befindet? Ein Foto wäre nicht schlecht:)

Gruß Jannis
 

less

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Hallo Xerxes,
hier zwei Bilder:
cimg0049t.jpg


Der Riss ist genau wieder an der gleichen Stelle aufgetreten wie vorher.

cimg0046.jpg


Hier die Bruchstelle: Nicht sehr fein aber auch nicht sehr grob, ich hatte es feiner erwartet. Man lernt nie aus...
less
 

danki

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so viel Ahnung habe ich ja nicht aber mir sind da zuviel relativ grobe Riefen vorhanden. Diese können da auch mit Verursacher sein.

Gruesse
 

Schlosser

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Sind mir auch aufgefallen. Nachdem ich in jüngster Vergangenheit selbst zwei Härterisse mental verkraften mußte, suche auch ich nach möglichen Ursachen.

Solche Schleifriefen, wie hier zu sehen, können im ungünstigsten Falle tatsächlich wie Sollbruchstellen wirken.
 

less

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@ Schlosser, @Danki,
Wie man sieht ist diese umgeschliffene Klinge nur grob in Form gebracht worden. Die erste Version war natürlich hübscher. Der Umschliff war nur ein Test um zu sehen ob sich der Riss unsichtbar fortsetzt. Die grobe Oberfläche wäre sicher ein Ansatzpunkt für einen Riss.Aber die erste (gerissene ) Version war fein ausgeschliffen.Erstaunlicherweise war diese grobe zweite Version nicht (sichtbar) beim WB gerissen.
Aber der Riss war beim zweiten Versuch sicher schon da.
Umso erstaunlicher ist es was die Klinge noch alles mitgemacht hat bevor sie zerbrochen ist.
Ich denke im Moment eher an einen bereits vorhandenen Riss im Rohling.
Der Rohling wurde nochmal extra flachgeschmiedet, da wäre das ja denkbar.
Ich denke vom Osterhasen wünsche ich mir dieses Jahr ein kleines batteriebetriebenes, zerstörungsfreies Gefügeprüfgerät für die Hosentasche.
Falls einer so etwas sieht, bitte Bescheid geben, ich könnte das gut brauchen!
Grüße aus Heidelberg!
less
 

AchimW

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Also das sieht mir nach ziemlichem Grobkorn aus. Hast Du wohl beim Schmieden ordentlich überhitzt und das "Normalisieren" war auch zu warm. Der 1.3505 mit korrekt feinem Korn bricht erstens schlecht und zweitens gibt es dann nie so einen geraden Bruch, sondern eher das, was man einen "muscheligen Bruch" nennt. Die Bruchflächen haben dabei eine total seidige Oberfläche ohne sichtbares Korn.
 

less

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Hallo AchimW,
das klingt sehr einleuchtend,
ich werde einmal die Reste feinkörnen und brechen.
Bin gespannt.
Kann Grobkorn allein zu einem Härteriss führen?
Grüße aus Heidelberg!
less
 

Xerxes

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Kann Grobkorn allein zu einem Härteriss führen?

Ein nicht deal eingestelltes Gefüge macht den Stahl in jedem Fall empfindlicher gegen schnelles Aufwärmen und Abkühlen. Ob das der einzige Grund für die Risse war, kann man denke ich nicht sagen. Aber es wird mit Sicherheit dazu beigetragen haben...

Gruß Jannis
 

less

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Ich habe jetzt etwas experimentiert:
1: 3 mal härten mit zu hoher Temperatur. Da ich ohne Thermometer arbeite( nur Magnet und Auge) ist das eben viel Gefühlssache...
Das kam heraus:


cimg0044i.jpg




Dann drei mal Härten mit "angemessener" Temperatur:
cimg0043.jpg



Der Unterschied ist schon sehr frappierend.
Ich habe wohl die Klinge überhitzt!

Grüße aus Heidelberg!
less
 
Zuletzt bearbeitet:
Also Schleifriefen dürften wohl nicht zum Bruch führen,bei Glasharten Stahl wird es wohl eher in einer Rille zum Bruch kommen,aber eine Kette hält auch nur soviel wie das schwächste Glied.

@ less,genau deshalb schrieb ich ja das du jetzt eine Testklinge hast,wenn sie nicht angerissen gewesen wäre und es vielleicht deine Tests überstanden hätte,dann wüßtest du nicht das mit dem Grobkorn an der Bruchstelle und hättest vielleicht weiter falsch Wärmebehandelt.

Gebe mal noch Glühfarben und Zeiten an,hast du als nicht mehr Magnetisch noch eine weile auf dieser Temperatur gehalten ??.

PS. schleife mal Testklingen so Dünn aus das du einen Flextest machen kannst.
 

goldmull

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Hallo, dass ist ja sehr interessant, mich würde auch die Beantwortung wie Urgestein beschrieb interessieren. Also ich denke die Zeit und dazu die Temp. wenn Du das in etwa angeben kannst, denn das Ergebnis spricht ja Bände, aber wie genau ist es dazu gekommen?
 

less

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Hallo Freunde der Wärmebehandlung,

die Haltezeit war nur sehr kurz, ich wärme langsam auf und werde bei hohen Temperaturen schneller. Sobald die Klinge nicht mehr magnetisch ist und in etwa gleichmäßig glüht wird abgeschreckt.
Die Haltezeit ist vieleicht eine Minute, vieleicht etwas länger.
Die Glühfarbe? Na ja ohne elegisch zu werden: Die dunkelste Glühfarbe ohne Magnetisierung, so in etwa (saftige Süßkirsche...).
Aber im Ernst,
ich bin gerade etwas nachdenklich:
Meine Herangehensweise ist es alles so einfach wie möglich zu machen.
Ich habe mit Bedacht keinen Härteofen und versuche mit so wenig Maschinen wie möglich auszukommen.Ich härte in einem ausgehöhlten
Porenstein mit kleinen Gasbrennern.Diese Einfachheit ist mir wichtig.
Beim Härten allerdings ist stetige Übung nötig. Wenn ich einige Klingen hintereinander härte, bin ich ziemlich sicher alles im Griff zu haben. Vor allem bei meinem Lieblingsstahl 2842. Aber eine lange Schaffenspause ist dem Härten "nach Gefühl" sehr abträglich. Hier stoße ich einfach an Grenzen.Da muß ich mir noch etwas einfallen lassen.
Interessant für mich war wie schnell ich eine Kornvergöberung hinbekomme bei diesem Stahl, das war mir neu.

less
 
Genau das ist es was mich jetzt verwundert,deine Frage des schnellen Kornwachstums habe ich ja schon gestellt und es wurde auch von Ulrich erwähnt das es wie bei mir (auf nicht mehr Magnetisch in 5-10 Sekunden für Klingen bis 12 cm auf jeden Fall ) keine Probleme mit Wachstum gibt auch wenn ich die Temperaturen etwas höher wähle.
Montag werde ich wieder Härten und dann werde ich 2510/3505/Feile mal mit bearbeiten,Thermometer habe ich ja jetzt für mein " Warmbad ".
 

goldmull

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Hallo less, also bei dem Grobkorn hast Du langsam bis zur nichtmagnetiesierbarkeit erhitzt, dann hast Du etwa eine Minute überhitzt, aber nicht viel länger. Jetzt wäre auch noch interessant wie hoch Du etwa mit der Temp gegangen bist, kannst Du das etwa sagen? Ich meine etwa die Glühfarbe, wobei ich mir bei der Beschreibung auch etwas schwer tun würde.