Härten [Schneide verzogen]

torte

Mitglied
Härten

hallo Messerfreunde,
ich habe mal ne Frage zum Härten, ich habe nämlich probiert, eine Klinge zu Härten (Kohlenstoffstahl) und die Schneide hat sich Wellenförmig verzogen. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man beim Härten von Messern den Rücken zuerst eintaucht. So habe ich es auch gemacht. Meine Frage also: wie härtet man richtig?
mfg
Thomas Sura
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Bei kleinen Klingen auf jeden Fall ganz eintauchen, wenn Du differentiell härten willst, bei größeren Klingen, dann zuerst die Schneide. Die dünne Schneide hat sich vermutlich bei der mit dem Härten verbundenen Volumenänderung verzogen, und das ging von dem großen Volumen des Klingenkörpers aus.
 

HankEr

Super Moderator
Muß aber natürlich mit dem Härten an sich gar nichts zu tun haben. Evtl. waren einfach durch die vorher gehenden Bearbeitungsschritte noch Spannungen im Material. Hast Du vor dem Härten spannungsarm geglüht?
 

torte

Mitglied
hallo Herbert, habe die Klinge nochmal gehärtet, diesmal zuerst die Schneide. es ist aber leider aufgerissen.
messer.jpg

nun weiss ich erst mal nicht weiter.Der Stahl ist weisser Papierstahl von Dick-GmbH
mfg
Thomas Sura
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Hi, Torte,
womit hast Du abgeschreckt? Und wie dünn ist die Schneide?
Bei sehr schnellem Abschrecken und dünn ausgeschliffener Schneide ist die Gefahr von Verzug und Rissen groß. Und hast Du die Wellen nachgerichtet?
Der beste Weg wäre, erst neu weichglühen, dann Nacharbeit,dann neu härten. Schade die Sache mit dem Riss.
 

torte

Mitglied
was HankEr sagt stimmt, ich habe die Klinge vorher nicht spannungsfrei geglüht, das wusste ich zwar, aber ich dachte, wenn ich härte dann glüht sie ja sowieso. Ich weiss zwar, wie man härtet und anlässt bei Werkzeugen aber eben nicht bei Messern, deshalb bin ich hier auch im Forum. Ich will mir jetzt ein kleines Schmiedefeuer bauen, was nehme ich da für Kohle? Auch mit dem schleifen komme ich nicht so klar, was nehme ich am besten für eine Maschine, vielleicht so einen kleinen Bandschleifer von Westfalia? Ich meine den, wo auf einer Seite ein Band ist und auf der anderen eine Scheibe. Oder ist das Mist? Große Scheiben habe ich auf Arbeit, aber das ist ja so eine Sache mit dem Fläche-Schleifen auf einer Scheibe.
Hätte ich jetzt bald vergessen: die Schneide ist sehr dünn ausgeschliffen und abgeschreckt habe ich mit lauwarmen Wasser(steht so bei Dick in der Härteanleitung für den Stahl). Die Klinge ist 5cm lang und 2cm breit.
danke an euch für eure Antworten
mfg
Thomas
 
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HankEr

Super Moderator
Bezüglich Deiner Fragen zum Theme Bandschleifer solltest Du mal die Forensuche bemühen, dann wirst Du auch herausfinden, daß der ElektraBeckum 200D/W mit leichten Modifikationen quasi soetwas wie der Standard hier im Forum ist, was "günstiger Bandschleifer, der trotzdem was taugt" anbelangt.

Wenn Du Risse bekommst, dann war evtl. auch einfach das Abschreckmedium nicht ideal. Du solltest erst einmal warmes Öl versuchen, wenn es dann nicht richtig hart wird, kannst Du immer noch zu Wassser überwechseln.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Hi, Torte: was das Weichglühen angeht, so ist das ja ein Prozeß, bei dem nicht einfach eine geringere Härte erzeugt wird, sondern bei dem hohen Kohlenstoffgehalt formen sich die Karbide fein ein. Das führt dann beim Härten zu einem sehr guten Gefüge. Das ist ein Prozess, bei dem der Stahl nicht im austenititschen Bereich vorliegt. Beim Härten bist Du aber im austenitischen, da löst sich mehr C, aber wenn der nicht feinverteilt und homogen vorliegt, ist der Austenit auch nicht homogen, und das resultierende Martensitgefüge ist auch nicht optimal. Bei Stählen mit so hohem C-Gehalt ist das Weichglühen eigentlich der falsche Ausdruck. Einstellungsglühen wäre hier besser.
Und man sollte immer etwa 1 mm Schneidendicke stehen lassen.
Denk auch mal an die Zeiten. Weichglühen einige Stunden, Härten Haltezeiten von minuten.
 

Andreas

Mitglied
Und zu der Frage wegen der Kohle zum Schmieden:
Suchfunktion! :)
Suchwort: Kohle
Durchsuche Forum: -- Schmieden
Treffer ;)
 

micknives

Mitglied
hi torte,
verwende zum härten isorapidöl, das erwärmst du z.B. auf 70°C
und tauchst die klinge gleichmäßig ein. danach nur noch anlassen.
wichtig für den verzug ist die vorhergehende bearbeitung deiner
klinge. oft rührt der verzug an falscher bearbeitung her. es reicht schon wenn du die klinge einseitig mehr belastest beim schleifen.
wenn du das material gleichmäßig bearbeitest ist ein spannungsarmglühen nicht notwendig.
 
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torte

Mitglied
hi micknives,
was ist Isorapidöl und wo bekomme ich es her? Wie wird angelassen. bei Werkzeug mache ich das mit der Flamme (Propangas) geht das auch bei einer Klinge oder brache ic dazu einen Muffelofen?
danke
mfg
Thomas
 

micknives

Mitglied
hier die adresse:

Fa. Petrofer
Hildesheim
Ansprechpartner: Fr. Hochheim Tel. 0 51 21 - 76 27 /267

Produkt: ISORAPID 221
9kg-Gebinde ca. 10L / 40,44,- Euro + 16% Mwst.
Fracht frei.

gruss

mic
 

roman

MF Ehrenmitglied
Altbekanntes Problem mit meheren Ursachen.

1 Zu geringe Schneidendicke vor dem Härten für einen C Stahl

2 Unzureichendes Normal/ Weich/ und Einformglühen daher entsteht ein hoher Lösungszustand in der Schneide und daher der Verzug, Daher auch der Riss beim 2 mal Härten (Vorrausgesetz Du hast geschmiedet)

3 Zulange Haltezeiten und zu hohe Hemperatur bezogen auf den schlechten Ausgangszustand

4 Zusätzliche Spannungen durch starkes Schleifen mit dem Bandschleifer

5 Härten in zu schroffem Medium für dünne Querschnitte

Das heist beim nächsten mal...

1 dickeren Auschliff ca. 0.5-1mm mit scharfen Bändern

2 Normalisieren Einform/ Weichglühen Temperatur je nach Stahl und Herstellervorgabe 2-5 Stunden in der Schutzpackung

3 Kürzere Haltezeit und ggf niedrigere Temperatur oder umgekehrt

4 ist mit 2 erledigt ansonsten nach dem Schleifen zu machen

5 Härteöl besorgen
 
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torte

Mitglied
recht herzlichen Dank für eure Ausführungen, ich hab mal noch zwei Fragen:
1. ich brauche eine Anleitung für eine Gasesse
2. kann ich mit dem Stahl 1.2210 (115 CrV3) was anfangen? Den nehme ich sonst zur Herstellung von Werkzeug, Körner u.ä.,kann man daraus gute Messer machen, ich meine, wenn das mit der Technik dann bei mir mal klappen sollte.

vielen Dank
Thomas
 

HankEr

Super Moderator
torte, wie gesagt freunde Dich mal mit der Suchfunktion an, da gibt es schon genug Antworten dazu. Einfach mal "Gasesse" eingeben und ein wenig stöbern. Dito mit "Silberstahl" oder "1.2210".
 

torte

Mitglied
hallo HankEr,
was ist Dito? Gasesse habe ich gesucht, jedoch keine richtige Bauanleitung gefunden, ausser was englisches. Aus der gerissenen Klinge habe ich noch eine kleine Klinge rausgeschliffen und ein kleines messer draus gemacht (mehr oder weniger Brieföffner).13cm lang,1cm breit.
cutter.jpg
 

Andreas

Mitglied
@torte:
dito [von italienisch detto >besagt<, >genannt<, zu dire >sagen<], Abkürzungen do., dto., dasselbe, ebenso (in Bezug auf ein vorher gerade Genanntes).
(Quelle:Bibliographisches Institut F. A. Brockhaus AG, Mannheim)
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo torte,

die englische Anleitung zum Gasessenbau ist schon in Ordnung. Ich habe gerade die von John Reill oder so im Kopf, der Name ist aber bestimmt falsch beschrieben.

Selber schmiede ich in einer Eigenbau Kohleesse. Ist irgendwie uriger und ich kann auch nur Teilbereiche vom Messer erwärmen.
Zum Schmieden nehme ich zur Zeit Koks, das brennt deutlich reiner als die Schmiedekohle, die ich vorher genommen habe (Fettnuss). Allerdings dauert das Entzünden länger. Und die Koksstücke sind größer, so dass ich sie zuerst mit einer alten Astschere (das Billigding von Aldi) zerkleinere.

Beim Härten von dünnen Querschnitten brauchst Du ein weicheres Medium, wie von Roman beschrieben. Ich härte in Salatöl bei ca. 70°C, ist aber sicherlich nicht optimal. Hart werden die Klingen dabei allerdings schon (Feile rutscht durch, bei einem Federstahl und auch bei einem Kugellagerstahl).

Viele Grüße sendet Dir der Leo.