Härten bei Borger

bullet101

Mitglied
Endlich geschafft :steirer: :D ,
mein Messer ist geschliffen und poliert und bereit fürs härten.
Nach reiflicher Überlegung will ich es zu Herrn Borger schicken,
jetzt müsste ich nur noch wissen was ich den so angeben muss.

Der Stahl ist 1.2842,und ich hab die Klinge durchsschleifen schon relativ dünn gemacht (ca. 0,5-6 mm).
Wenn ich das Ding Vakuum härten lasse wie sieht es denn danach aus?
Mit viel Oxid oder wenig oder mit gar nix? Weil wenn ich noch ne Oxidkruste runterschleifen muss verhunz ich das Messer ja komplett und meine ganze Schleif/Polierarbeit wär fürn A.... gewesen.

Und noch die letzte Frage was für ne Zielhärte sollte ich angeben wenns n Allroundmesser werden soll? (ich werd es wahrscheinlich in ehren halten und nur ganz selten benutzen :rolleyes: )

Gruß Marcus
 

Andreas

Mitglied
imho wird der 1.2842 in öl gehärtet. bei meiner klinge haben wir keine folie verwendet und die klinge war anschließend ganz schon "eingesaut". nach einiger schleifarbeit, war das zeug aber wieder runter. wieso hast du die klinge vor dem härten poliert (imho vollkommen unnütz)? meine klinge habe ich bis auf 220er körnung geschliffen, dann gehärtet. anschließend dann mit 220er körnung die schicht vom härten entfernt und in den schritten 320, 400, 600 und 800er körnung die klinge fertig bearbeitet. dann den damast (1.2842, feilenstahl und noch ein anderer stahl) geätzt.
 

HankEr

Super Moderator
Also meine RWL-34 Klinge ist spiegelblank zurückgekommen (von Borger). Eine mit einfachen Mitteln im Ofen (bei einem Kollege) gehärtete und in Öl abgeschreckte Klinge aus 1.2842 hat danach eine dunkle Schicht, die man aber einfach abschleifen kann. Von Deiner Poliererrei wird sicher nicht viel übrig bleiben, aber vor dem Härten bis etwa 600er gehen und danach nochmal gründlich mit der selben Körnung darüber, warum nicht?
 

freagle

Mitglied
Die Klingen vom Borgerhärteservice werden schutzgasgehärtet, die Schicht nach dem Härten ist sehr dünn, du kannst direkt mit der Körnung weiter machen mit der du aufgehört hast, oder halt nochmal frisch polieren.

Ich mach an meinen Folderklingen immer das Finnish komplett fertig vor dem Härten, danach hab ich dann kaum noch Arbeit.

freagle
 
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HankEr

Super Moderator
Freagle, auch die Ölhärter? Schließt Du bei Finish das Polieren mit ein?

Achso, ich kenne jetzt das Messer nicht aber ich würde 61HRc als Zielhärte angeben. Wenn es zu spröde sein sollte kannst Du es immer noch im Backofen nochmal anlassen umgekehrt ist es schwieriger. 1.2842 gibt es aus vielen Quellen und mit unterschiedlichen Legierungsfeinheiten, da kann man anhand des Datenblatts nie so recht vorhersehen wie eine Härtung ausgeht. Also lieber etwas zu hoch angeben als genau den Wunschwert und dann sind es evtl. doch 1--2 Härtepunkte zuwenig.
 

bullet101

Mitglied
Hab ich wohl denn falschen Ausdruck benützt :rolleyes: .
Ich meinte mit dem polieren dass ich bis 800 Körnung gegangen bin.
Ich habs nach HankErs Anleitung gemacht und da sah die Klinge ja auch nicht versift aus:confused: ?

Muss ich jetzt angeben ob Schutzgas oder Vakuumhärten wenn ich ne relativ saubere Klinge zurückbekommen will?

Bis jetzt also:
Material: 1.2842
Härtegrad: 61 HRC
Methode: Schutzgas???/Vakuum???

Soll ich es dann einfach in Folie packen, ins Paket legen und 'n Brief dazu oder soll ich lieber vorher ne Mail schreiben?

Gruß Marcus
 
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Floppi

Mitglied
Original geschrieben von freagle
Die Klingen vom Borgerhärteservice werden schutzgasgehärtet, die Schicht nach dem Härten ist sehr dünn, du kannst direkt mit der Körnung weiter machen mit der du aufgehört hast, oder halt nochmal frisch polieren.

Da hab ich die total gegenteilige Erfahrung gemacht. Die Oxidschicht bei meiner Borgerhärtung (1.2379) war so dick und hart wie sonst nirgends. Auch 1.2842 im Vakuum gehärtet hat eine Oxidschicht, die dagegen ein Witz war. Die Klinge aus der Borgerhärtung musste ich mit 240er Papier schleifen damit sich überhaupt was tat. Bei meinen Klingen die (woanders) im Vakuum gehärtet wurden reicht häufig Polierpaste um die Oxidschicht abzubekommen.

Original geschrieben von HankEr
Also lieber etwas zu hoch angeben als genau den Wunschwert und dann sind es evtl. doch 1--2 Härtepunkte zuwenig.

Auch da hab ich grundsätzlich andere Erfahrungen gemacht. Bei unseren Querschnitten werden eher höhere Härten erreicht. Von der gewünschten Zielhärte sind meiner Klingen eher immer 1 bis 2 Punkte zu hoch gewesen.
 
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herbert

MF Ehrenmitglied
Ich würds fertig machen und dann im Salzbad härten lassen. Kann fast jede Lohnhärterei, der Stahl ist unproblematisch, und das bisschen Oxid geht einfach runter. Hab auch selber schon mal im Ofen gehärtet und in Öl abgeschreckt. Klinge fast fertig. Oxidschicht ging leicht runter. Die Sache mit der Folie macht nur dann Sinn, wenn aufgrund der hohen Temperaturen mit Entkohlung zu rechnen ist. Ist aber hier nicht so kritisch. Im Salzbad ist das alles ein Kinderspiel, vor allem in Hinblick auf Verzug, Oxidschicht usw.
 

heiko häß

Mitglied
Borger härten

Ich habe vor ein paar tagen 4 Klingen von Wolf zurückbekommen.Alle 4 sind aus D2.Die Klingen waren fertig poliert.Die Oxidschicht war so dünn das sie nach einer Minute an der Polierscheibe weg war.Bisher habe ich alle meine Klingen bei Borger härten lassen(sind schon ne ganze Menge)und hatte nur ein mal Probleme mit einer dicken Oxidschicht.Und das war bei RWL.Das einzige was mir nicht gefällt ist das ab und zu eine Klinge leicht verzogen vom Härten zurückkommt.Aber ich denke das das bei anderen Härtereien auch vorkommt.
Gruß Heiko
 

bullet101

Mitglied
Jetzt bin ich total verwirrt :confused: .

Salzbad, Vakuum, Schutzgas?

Eigentlich wollte ich ja selber härten aber hab Angst das meine ganze Arbeit umsonst war wenn ich Mist baue :rolleyes: .

Ich werds bei Borger machen lassen in der Hoffnung das nichts schiefgeht. Welches der drei Verfahren ist das Oxidschicht "ärmste" und wo muss ich mit geringem oder hohem Verzug rechnen?
Weil der Stahl ist ab und an beim bearbeiten doch recht warm geworden.

Danke für die bisherige Hilfe.

Gruß Marcus
 

xtorsten

Premium Mitglied
hi bullet101,
meine beiden zu Borger geschickten hatte Verzug.
Auch bei Wallner gibt es sowas, siehe hier: http://www.messerforum.net/forum/showthread.php?s=&threadid=11216
Ich finde, wichtiger als das Verfahren ist, daß sich jemand Mühe gibt und das sorgfältig durchführt ( z.B. keine Hätung mit anderen Sachen, die einen anderen Querschnitt haben; sauberes Eintauchen in das Härtemedium, etc.)
Prinzipiell reduziert Vakuum/ Schutzgas nur die Oxidschicht, während Salzbad den Verzug minimiert - da hast Du dann aber eine dickere Schicht Oxid. Spannungsarmglühen muß nicht unbedingt sein - leider läßt sich das nicht mit Sicherheit sagen. Willst Du auf der sicheren Seite sein, dann mach es. Verzug ensteht auf Grund von Spannungen. Spannungen entstehen z.B. durch ungleichmäßige Erwärmung/Abkühlung starken einseitigen Materialabtrag (Chisel Grind Schliff) oder plastische Verformung. Da Du nicht genau weißt, was dem Stahl passiert ist, bevor er zu Dir kam, wie viel Spannungen Du beim Bearbeiten dazu getan hast und wie die Härterei damit umgeht, ist es ein wenig Glücksspiel, ob Verzug auftritt oder nicht - kann aber durchaus auch gut laufen. Auch wenn`s verwirrt, genauer läßt es sich nicht sagen, da kann keiner was garantieren.
Wenn Du es in eine Härterei schickst zum Spannungsarmglühen, dann richten die es meist nicht, d.h. wenn sich Spannungen abbauen, verzieht sich die Klinge, Du müßtest sie dann richten, optimalerweise noch mal Spannungsarmglühen und dann noch einmal zum Härten verschicken - schon (finanzieller) Aufwand für`s Optimum.
Ich finde, am Besten ist eine Klinge bei einem erfahrenen Klingenschmied wie z.B. Claymore augehoben. Wenn es da gehärtet wird, dann einzeln und nicht in Masse, wo Ausschuß immer vorkommt. Wie schon gesagt, es nicht nur eine Frage des Vertfahrens, sondern viel auch der Sorgfalt. Die Oxidschicht würde ich dafür in Kauf nehemn.
( Roman ende)
Gruß,
xtorsten
 

luftauge

Mitglied
Das mit dem Salzbad kann ich in beiden Punkten nicht ganz bestätigen:

1x 2 und 1x 3 Klingen aus je zwei 2379-Flachstählen abgegeben,
die ersten zwei wurden in Natriumnitrid erwärmt (oder angelassen),
die zweiten drei in Bariumchlorid -

Die ersten waren gar nicht verzogen, während die zweiten drei ein wenig verzogen waren (auch aus einem Streifen Stahl unterschiedlich).

Die Arbeitsschritte waren temperaturmässig gleich, nur mit anderen Salzen,
die Querschnitte pro Satz etwa vergleichbar, alles von Hand gefertigt, Symetrie-Genauigkeit der einzeln Klingen etwa 1/10mm.

Die zwei Sätze Klingen wurden definitv von Hand und einzeln als Paket neben den sonstigen Werkstücken bearbeitet, ich durfte mir ansehen, wie in der Härterei gearbeitet wird.

Fazit:
Etwas Schwund ist immer dabei,
ein Vorteil ist es immer, wenn man mit den Experten sprechen, und sich beraten lassen kann.
Und auch die Experten stecken selbst nicht drin.

Dafür ist das Messer ein hangemachtes Einzelstück, und wenn es etwas verzieht, gehört es IMO auch dazu, solang es sich in Grenzen hält, mit diesem Wissen und Vertrauen sollte man eigentlich schon zur Härterei gehen können.

edit:
Was noch gar nicht angesprochen wurde, ist das Rohmaterial:
Guenter hat in einem anderen thread danach gefragt, ...ist das Material auch quergewalzt...? .
Das Herstellungsverfahren spielt auch eine Rolle -> Oberflächenspannung/ -verspannung im Randbereich des Materials.

Ich weis aus der Zerspanung von Luftfahrtmaterial (3.7136 - TiAl), dass ca. 10% vom Rohmaterial weggefräst werden, um die Eigenspannung zu reduzieren, ob das bei Präzisionsflachstählen auch nötig wäre, weis ich nicht.

Wie auch immer,
auch ein erfahrener Mann wie Wolf Borger kann solche Fehlerquellen nicht kennen, genausowenig, wie der Verbraucher des Stahls.
Wunderdinge sollte man nicht erwarten, lediglich ordentliche Arbeit, dazu gehört auch, dass man trotzdem "Fehlschläge" in seine Planung einbezieht, denn der Mann/die Frau am Ofen kann nur das verarbeiten, was dort vorgelegt wird.
Und sollte mir tatsächlich ein verzogener oder gerissener Rohling zurückgeschickt werden, muss ich eben umdisponieren.

Gruß Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Leute,

etwas spät, aber hier ein Bild zum Thema Vakuum-Härten von RWL34(allerdings noch beim Dobner, ich hoffe, sein Nachfolger Steigerwald benutzt den selben Betrieb):

finisch vorm Härten 800, nach dem Härten 5 (!) Züge mit ebenfalls 800er Papier-besser gehts IHMO nicht:


122_p725.jpg


Grüße, JensJ.