Härtemessung einer gehärteten Klinge

jfive

Mitglied
Hallo Leute,

da ich kürzlich bei einem Messerhersteller gesehen habe, dass die Firmeninschrift seit einiger Zeit auf die Klinge gelasert wird und nicht mehr geprägt, weil Prägen angeblich zu Rissen im Stahl führen könnte, wollte ich fragen, ob das Messen der Rockwellhärte an einer gehärteten Messerklinge ohne Probleme gemacht werden kann. Soweit ich weiß, wird da ja auch quasi ins Material gepresst. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass es zu Problemen kommen könnte aber bevor ich meine in Schwerstarbeit hergestellten Messer schrotte, wollte ich nochmal genauer nachhaken - auch falls es was zu beachten gibt, wie z.B. wo man am besten misst.
 

schoene-messer

Mitglied
Servus,

bei der Härtemessung wird ein kleiner Diamant nur minimal in den Stahl gepresst, nicht zu vergleichen mit dem Prägen eines Logos.
Bei richtiger Ausführung ist die Materialverdrängung so gering, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das zu einem Problem für das Messer werden könnte.

Die Lohnhärterei, bei der ich meine Klingen härten lasse, prüft die Härte immer im Griffbereich. Da kommen dann ohnehin die Griffschalen drauf und man sieht die kleine Marke von der Härteprüfung nicht mehr.
Alternativ haben die mir die Härte bei Laminatstählen auch schon im Rückenbereich der Klinge getestet (Mittellage). Da muss man halt danach nochmal drüberschleifen.

Viele Grüße

Erich
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
ob das Messen der Rockwellhärte an einer gehärteten Messerklinge ohne Probleme gemacht werden kann. Soweit ich weiß, wird da ja auch quasi ins Material gepresst.

Schau mal hier: http://www.htl-steyr.ac.at/~morg/htl/FET/haertepr.html
Relevant für die Prüfung von Messerstählen und der zu erwartenden Härten ist die Prüfung nach HRC-C. Der Prüfkegel hat einen Durchmesser von 0,2mm und dringt etwa 0,1 mm ins Material. Da tut sich bei einer mehrere Millimeter dicken und mehrere Zentimeter breiten Klinge weiter gar nichts.

auch falls es was zu beachten gibt, wie z.B. wo man am besten misst.

Wenn man weiß, dass der ganze Rohling durchgängig gleich gehärtet ist - an der Stelle, an der man die größte Auflagefläche beim Prüfen hat, die Klinge am wenigsten nachfedern kann, und man den Prüfkegel möglichst senkrecht ins Material drücken kann - also zB am Erl oder am Klingenspiegel (falls der breit genug ist). Weniger, weil der kleine Eindruck optisch stört, sondern weil man so den Meßfehler gering halten möchte.

Pitter
 

Badger1875

Mitglied
Die Härteprüfung im HRC Bereich wird mit einem Diamant mit einem Anschliffwinkel von 120° mit einem Druck von 150 kg durchgeführt, die Eindringtiefe gibt dann Aufschluß über die Härte.
Beim diesem Härteprüfverfahren sollte aber die Materialstärke mindesten 3 mm betragen, da sonst die Messung nicht korrekt durchgeführt werden kann. Weiter soll die Meßstelle parallel (!) sein, da nur so eine genaue Messung möglich ist

Soweit so gut.

Prinzipiell ist am Abdruck des Prüfdiamanten nichts auszusetzen, da er erst einmal feststellt, daß eine Härteprüfung durchgeführt wurde, allerdings ist das Ergebnis hieran nicht, oder nur schwer erkennbar.

Wie Pitter schon geschrieben hat, ist da eigentlich nichts zu erwarten, aber ich hatte da Ende letzten Jahres ein Erlebnis der dritten Art. Ein Kunde brachte mir eine aus Sibirien stammendes handgeschmiedetes Damastmesser mit einem brachialen Klingenausbruch an der Schneide, mit der Bitte dies zu reproduzieren. Um dem Grund für den großen Ausbruch auf die Spur zu kommen, habe ich ca. 1 cm von der Schneide entfernt die Härte gemessen (mit eben dem oben beschriebenen Prüfverfahren), mit dem Effekt, dass die Klinge einen weiteren Ausbruch (direkt neben dem alten Ausbruch) erlitt. Die angezeigte Härte lag bei 64 HRC.

Von dem her kann die Bildung von Rissen schon vorkommen, wenn auch nur im sehr dünnen Klingenbereich. Wo man ja eigentlich so oder so nicht messen sollte!

Wenn man nun, so wie die von Erich beschriebene Härterei, im Griffbereich misst, läuft man da eigentlich keine Gefahr, da die Meßstelle eigentlich (fast) parallel ist und in der Regel auch die dickste Stelle an einem Messer ist. Gut, vielleicht ist dann die eigentliche Härte im Bereich der Schneide noch etwas höher (durch die schneller Abkühlgeschwindigkeit) aber das ist imho nicht relevant.

Messungen am Rücken in Schneidrichtung der Mittellage dürften für den Hobbymessermacher eigentlich nicht machbar sein, ich überlege gerade krampfhaft, wie ich den das Messer bei einem Gegendruck von 150 kg senkrecht mit der Schneide nach unten auf der Prüfunterlage an meinem Härteprüfgerät fixieren soll, ohne die Schneide zu runinieren :confused:
Es soll ja in der zwischenzeit auch elektronische Geräte geben, aber die messen eigentlich gleich wie die "alten" Geräte, nur die Anzeige ist digital. Die Prüfkraft beträgt wiederum die 150 kg.

Vielleicht hat da hier im Forum jemand noch mehr Informationen, ich würde auch gerne mehr darüber wissen.

Eine Klinge prägen? Das wird wohl nur im Warmen Zustand passieren, einen kleinen Stempel in die "kalte" Klinge schlagen, OK, aber nicht mit brachialer Gewalt und nicht im Schneidenbereich, sondern wieder mehr im Bereich des Griffes, an einer parallelen Stelle der Klinge, oder?

Hier gilt generell, daß der Stempel sehr feine Konturen haben muß, die Härte des Stempels muß deutlich höher sein, als die der Klinge, sonst muß hier mit Sicherheit auch noch berücksichtigt werden, daß eine "harte" Klinge durchaus einen Stempel "fressen" kann, d.h. wenn die Klinge für den Stempel zu hart ist, wird der Stempel irgendwann sein Muster verlieren und dann ist es auch Aus mit dem Stempeln....

Freddie
 

Badger1875

Mitglied
Die Härteprüfung im HRC Bereich wird mit einem Diamant mit einem Anschliffwinkel von 120° mit einem Druck von 150 kg durchgeführt, die Eindringtiefe gibt dann Aufschluß über die Härte.
Beim diesem Härteprüfverfahren sollte aber die Materialstärke mindesten 3 mm betragen, da sonst die Messung nicht korrekt durchgeführt werden kann. Weiter soll die Meßstelle parallel (!) sein, da nur so eine genaue Messung möglich ist. ...

Zusatz:

Es gibt spezielle Auflagen, bei denen eine abgeflachte Kugel noch beweglich eingespannt ist, bei der sich die Auflagefläche speziell bei konischen Werkstücken, jedenfalls bis zu einem bestimmten Winkel anpasst und so auch Messungen an diesen konischen Werkstücken zulässt.


Freddie
 

kababear

Mitglied
Risse durch eine Härteprüfung nach Rockwell sind grundsätzlich bei einem gehärteten und angelassenen Stahl (auch aufgrund der Form - 120° Kegel mit Spitzenradius 0,2mm) nicht zu erwarten.
Das ist ziemlich Kerbarm.

Wo es ggf. Probleme geben könnte ist, wenn man innerhalb von 1-3mm neben einer Kante misst und eine extrem harte bzw. eine nicht angelassene Klinge vor sich hat.

Der Bereich plastischer Verformung um einen Eindruck bei 60HRC würde ich mal mit r~0,75mm, den bei 64HRC mit ca r~0,3mm schätzen.

Die beschriebenen Kugelvorrichtungen zur Winkelkorrektur funktionieren super, jedoch braucht es einen Härteprüfer ala Emcotest oder ERNST/Newage Instron da diese durch eine Klemmvorrichtung den Prüfling senkrecht zur Diamantenachse ausrichten.

Die Prüfung von Mittellagen und Kleinteilen kann man ggf. nach einem Spannen im Kontroll- oder Niederzugschraubstock realisieren, hier ist aber mindestens doppelte Vorsicht angebracht :)
 

Bummi

Mitglied
Hallo Messerfreunde,
das messen von Klingen speziell an der Schneide ist Alltag bei uns.
Allerdings messen wir mit HV 1, hier kann bei einer Schneidenbreite
von 0,5mm ein Härteiendruck gesetzt werden.
Aber das ist Industriestandard und nur in einer Härterei machbar.
Aber es ist die einzige Methode direkt die Schneiden härte zu prüfen,
wichtig z.B. bei induktiv oder selektiv gehärteten Klingen.
Alles andere - tut mir leid - sind Vermutungen, von einer Stelle ganz weit unten am Messer , an der Angel o.ä. auf eine Schneidenhärte mit ihrem deutlich dünneren Dimensionen zu schließen halte ich für grenzwertig.
Wobei es für den ,,Normalfall,, relativ un wichtig ist , ob das Teil
62 HRC oder 60 HRC hat ( umgerechnet)
Vieleicht mal ein gutes Beispiel des Herr Zwyss,
der sagt : Härte messen ist wie bohren eines Loches mit H8 Passung,
aber messen mit einem Zollstock.
Fazit , klebt nicht an der Härte , sondern macht ein Top Gefüge,
dann passts schon.
tschüss fritz
 

stevenjulian

Mitglied
Hallo Messerfreunde,

seit rund 20 Jahren mache ich Härtemessungen, es müssten schätzungsweise mindestens 500000 gewesen sein.
2 oder 3 mal ist es mir dabei passiert, dass ein Riss an einem HRC-Eindruck aufgetreten ist. Es war immer beim 100 Cr 6 im extrem harten, nicht angelassenem Zustand mit Härtewerten zwischen 64 und 67 HRC.

Die Gefahr, dass Risse bei einer HRC-Messung auftreten, ist also äußerst gering.;)