Härtefragen

luftauge

Mitglied
Moin zusammen !

Beim Feilen ist mir was auf-/eingefallen :

In einem anderen Beitrag wurde erwähnt, dass scharfe Übergänge angefast werden sollten, um Riss- bzw. Spannungsbildung zu vermeiden.

- Gilt das sowohl für Durchbruch - Fläche, oder auch innerhalb der
Durchbrüche im Griffbereich ?
(runde Übergänge aus Stabilitätsgründen sind bekannt, aber in
diesem Fall nicht zu vermeiden)

- Falls Rissbildung zu erwarten ist (s.o.) wieweit kann man sie
a) durch Abdecken (selektives Härten?) in Grenzen halten
b) wie hoch wären die zu erwartenden Härteunterschiede
bei welcher Abdeckmethode ?
b) kann man selektives Härten "kostengünstig" in Auftrag
geben ? - falls es bei hochlegierten Stählen (D2) möglich ist.
(ich kenne die Preise von Auftragshärtereien noch nicht)

- Gibt es Erkenntnisse, ob die Mindeststegbreiten für Schnittstreifen
auch für's Härten anwendbar sind, speziell im Randbereich ?

Gruß Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:

Guenter

MF Ehrenmitglied
Grundsätzlich können Härterisse auftreten; in fast 20 Jahren habe ich aber nur bei einer Klinge, die eingesägte Schlitze in der Daumenmulde hatte, erlebt, daß ein solcher Riss auftrat. Bei den meisten Bearbeitungsarten sind die Innen-Ecken doch wohl eher leicht verrundet. Außenecken sind sowieso weitaus weniger kritisch.
Selektives Härten von hochlegierten Stählen kannst Du vergessen, auf jeden Fall bei Härtereien. Ist aber auch bei Einzelbehandlung nicht optimal möglich.
Ich bohrhäufig die Griffplatten zur Erleichterung aus. Dabei lasse ich an der Griffaußenseite ca. 3mm stehen, um später noch ggfs. die Form korrigieren zu können. Zwischen den Löchern ist manchmal nur 1mm Abstand, ohne Anfasen der Ränder. Bisher keinerlei Probleme.
 

Claymore

Mitglied
theorietisch können auch an schmalen Stegen zwischen Erleichterungsbohrungen Risse auftreten, da hier das Material eine schnellere Abkühlung erfährt und sich somit Spannungen aufbauen können die zur rissbildung führen.
Praktisch ist das eher (sehr) selten.
Bei Selektiver Härtung bei der die genannten Bereiche abgedeckt sind, oder nicht gehärtet werden, ist das Risiko der Rissbildung zu vernachlässigen.
Selektives härten bei einer Härterei zu finden wird schwer werden.
Bei hochlegierten stählen ist das S.H aufgrund der niedrigen kritischen Abkühlgeschwindigkeit sehr schwer möglich.


gruß

Peter
 

herbert

MF Ehrenmitglied
@luftauge: die wesentlichen Punkte wurden von Günter und Claymore angesprochen. Das schlimmste was man machen kann und deshalb eigentlich immer vermeiden sollte ist die Kombination von kerbartigen Übergängen und Querschnittsänderungen, also im Extrem ein rechwinkliger Übergang von einer dünnen Klingen auf einen Dicken Handschutz und wieder auf einen dünnen Erl. Aber selbst das geht ja meist gut, wie Günter Dir sicher bestätigen wird (ich denke da an Günters grosses Campmesser). Ist auch eine Frage der Prozeßführung.

Die Einflüsse von Spannungen beim ABkühlen hat mir mal eine Härterei eindrucksvoll vorgeführt: ein Würfel aus (ich glaube) C 60 wurde x mal aufgeheizt abgeschreckt und wieder und wieder, und irgendwann fallen die Würfelflächen ein, und in der Mitte gibts Risse, ich such das Bild mal in meinen alten Unterlagen.

Selektiv Härten bleibt weitestgehend den edlen (HI, Claymore) rostenden Stählen vorbehalten. Da spielt halt die Umwandlungsfreudigkeit eine Rolle. Die höher legierten erfordern keine so hohe Abkühlgeschwindigkeit, die härten auch bei ziemlich langsamer Abkühlung. Ich such mal zu Hause heute abend zwei ZTU-Schaubilder von passenden stählen zum Vergleich raus. Da sieht man das deutlich.
 

luftauge

Mitglied
Danke Euch zunächst !

Möglicherweise traue ich meinem Stahl nicht viel zu, aber genau was Guenter geschrieben hat
(Griffmulde mit Riffeln, Steg ca. 3mm, t 4mm)
habe ich gleich zweimal vor mir :waaah: , bin mir nicht ganz einig, wie ich es mit dem Härten mache, in der ex-Firma gibts 'nen neuen Härteofen :hehe:

Entweder pack ich den Griff in dünnen Lehm oder Folie, oder ich muss nach dem regulären Anlassen nachträglich nochmal mit dem Brenner ran, falls dann noch was zu retten ist, mal abwarten.
Irgendwie muss dieser Steg ganz bleiben :rolleyes:

Gruß Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:

Guenter

MF Ehrenmitglied
Mach die Riffelung in der Griffmulde entweder mit einer dünnen Rundfeile oder schleif sie nach dem Härten ein (Dremel o.ä.).
Einpacken in Lehm bringt nichts, erstens platzt das bei der notwendigen Härtetemperatur ab und zweitens verhindert auch ein Auftrag von sog. Hitzestoppern aus dem Schweißbereich bei den notwendigen langen Haltezeiten nicht, daß der Griff auf Härtetemperatur kommt. Auch das Abkuhlen unter diesen Aufträgen ist bei hochlegierten Stählen immer noch schnell genug zum Härten.
Wenn Du es selber machen kannst, nimm Härtefolie und kühl beim Abschrecken in der Folie mit Press- oder Gebläseluft ab. Ist schnell genug und vermeidet etwas die Spitzenspannungen.
 

luftauge

Mitglied
Naja, die Riffeln sind nicht besonders tief, aber an ungünstigen Stellen. Ich werde sie auch jeden Fall noch "entschärfen".
Und das mit der Pressluft wird's dann wohl sein.
Noch bin ich am Feilen, jetzt sind erst mal die Schneiden dran.

Gruß Andreas