Guss-Stahl?

zorro_43

Mitglied
Hi!

Ich habe mir neulich ein "Matrosen-Messer" von Loewe gekauft.
Im Katalog (Bei www.toplicht.de) wird als Klingenmaterial "Gussstahl" angegeben.

Heute habe ich teure Scheren gesehen, auf deren Klingen war "Original Tiegel-Guß" eingeätzt.

Was hat das zu bedeuten?

Wird nicht jeder Stahl vor dem Walzen gegossen?

Zorro
 

Claymore

Mitglied
Als Guss stahl oder Stahlguss wird Stahl (bis C-Gehalt von 2.06%, darüber = Gusseisen) bezeichnet, der durch Gießen in die 'Endform' gebracht wird.
Häufig angewandt, bei sonst nicht wirtschaftlich herzustellenden Formen.
Wichtig beim Stahlguss ist die dach dem gießen durchzuführende Glühbehandlung um das Gefüge zu optimieren und spannungen abzubauen.
Durchs Gießen kann es zu einem Groben Korn mit ungleichmäßiger Verteilung der Karbide kommen, sowie Spannungen im Gussteil durch ungleichmäßige abkühlung.


Gewalzter stahl => Walzstahl /Warmgewalzt, kaltgewalzt ...




Peter
 

zorro_43

Mitglied
Hi Claymore!

Ja, so kenn ich das auch. Aber es wird doch keiner Messerklingen in Form giessen.(Die Klinge ist ganz Flach! ca.3mm)

Und die Scheren sind doch wohl gesschmiedet, (will ich hoffen, bei 40Euro aufwärts).

Hat jemand noch eine andere Idee?
Ich hatte den Eindruck die Hersteller wollen eigentlich darauf hinweisen, dass es sich um "nicht rostfreien" Stahl handelt.

Zorro
 

ingelred

Mitglied
Es gibt sogar Custom Knives mit Klingen aus Gussstahhl.
David Boye z.B. lässt seine Klingen giesstechnisch herstellenaus 440C-Stahl. Diese verkauft er dann als dendritic cast steel. Ich habe zwar noch nie eins in der Hand gehabt, aber schlecht scheinen sie nicht zu sein. Ich glaube im Gun Digest Book of Knives ist ein Artikel darüber.
 
Auf, auf zurück ins Mittelalter. Guß ist genau definiert und hat so ein paar Eigenschaften die ihn als Klingenmaterial wohl zu 100% untauglich erscheinen lassen. Da wären zunächst einmal Sprödigkeit,Pflastersteingefüge,mangelnde Zug und Kerbschlagfestigkeit. Für Leute die daraus Klingen fertigen wollen empfehle ich mal einen Blick auf´s Eisen - Kohlenstoffdiagramm ( Tabellenbuch ):ahaa: :fack:

Ansonsten wer weiß vieleicht gibt´s ja auch noch den Weihnachtsmann:hehe:
 

sepp

Mitglied
Bei alten Küchenmessern mit Holzgriffen (Windmühle usw.) steht auch häufig Gusstahl auf den Klingen.
 

luftauge

Mitglied
Original geschrieben von Markus Antonius
Für Leute die daraus Klingen fertigen wollen empfehle ich mal einen Blick auf´s Eisen - Kohlenstoffdiagramm ( Tabellenbuch ):ahaa: :fack:

Ansonsten wer weiß vieleicht gibt´s ja auch noch den Weihnachtsmann:hehe:

Dann müssen die alten Handwerks- und Industriemeister wohl allesamt Weihnachtsmänner sein !
Die kennen häufig nämlich sehr wohl solche Verfahren, zumindest, wie es funktioniert, aber da die alten Meister auch langsam aussterben, geht auch das Wissen verloren, ich kenne solche Ausbilder und Altgesellen, die haben teilweise zwar Rauschebärte, aber kommen nicht mit Schlitten zur Arbeit... :fack: :fack:

Gruß Andreas/L
 
Lass Dich nicht beeindrucken wenn Dir ein Kutscher sagt er fahre diesen Weg schon vierzig Jahre und er sei doch immer gut angekommen -
Man kann auch vierzig Jahre eine Umweg fahren:lach: :lach: :lach:

Die Tatsache das früher auch klingen aus Guß gefertigt wurden beruht wohl mehr auf dem damaligen Problem der Verfügbarkeit bester Stahlsorten:ahaa: :irre: :super:

Kuß und Gruß
Markus Antonius
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Leute, lasst Euch nicht verwirren. Gießen lassen sich eigentlich alle Eisenwerkstoffe, es ist eine Methode des Urformens.
Es ist nicht zu verwechseln mit dem Gusseisen. Darunter versteht man - je nach Ausführung - Eisen-Kohlenstofflegierungen mit im Allgemeinen hohem Kohlenstoffgehalt.
Dem Guß haftet immer das Image der Gusseisenbratpfanne an.
Aber eigentlich ist Gußstahl ein Stahl, bei dem die erste Formgebung durch Gießen entstand. Danach gehts ja erst richtig rund. Man kann noch Walzen danach, auch weiterschmieden, und was weiß ich.
Vielfach wissen die Leute, die Katalogtexte schreiben, auch nicht, was das alles soll. Ich hatte mal eine Unterhaltung mit einem Messerspezialisten, der alles, was mehr als 0,35% Kohlenstoff enthält, als sprödes Gußeisen bezeichnet, höchstens geeignet für Kochtöpfe. Ich habe aufs Argumentieren verzichtet.

Kurz und gut, Zorro, Dein LöwenMatrosenmesser ist eine gute Anschaffung, Klingenform ist erstklassig für Küche und andere Arbeiten, einfach, klar im Design. Zweckmäßig. Und man hat den wahrscheinlich rostfreien Stahl in der ersten Formgebung halt gegossen, und ein Werbefuzzi (pardon) macht daraus ein Riesengeschrei.

Markus Antonius, wenn mans kann, kann man aus hochkohlenstoffhaltigem Stahl erstklassige Klingen machen. Die Schmiede- und Wärmebehandlung machts.
Zunächst war die Verwendung hochgekohlter Stähle ein zwingender Weg, denn durch gezieltes Aufkohlen mit organischen Stoffen war man in der Lage, die Prozeßtemperatur des Schmelzvorgangs zu senken (ein Blick ins Eisenkohlenstoffdiagramm zeigts), was bei den Schmelzmethoden ein grandioser Vorteil war (teils ohne Frischwind). Und mit dem hohen Kohlenstoffgehalt bleibt der Austenit bis zu tiefen Temperaturen stabil, weshalb man auch bei relativ niedrigen Temperaturen prima schmieden konnte, und die entsprechend zertrümmerte Zementitstruktur war wesentlich besser als das meiste Reineisenzeugs, was man damals kannte.
Es ist kein Problem, alles besser zu machen, wenn man die Technologie beherrscht.
Unsere Altvorderen kannten halt nur immer je eine kleine Ecke des FeC-Diagramms.
Puh, das mußte raus.
 

luftauge

Mitglied
Jo Herbert,
in der Art hat man mir das auch mal erklärt, aber ob ich es so hätte wiedergeben können, bezweifle ich.

Gruß Andreas/L