Griffschalen für Vollintegral-Griff selber herstellen.

Eiter

Mitglied
Hallo liebes Forum,

meine Bekannte bringt mir aus Brasilien ein paar Stücke von dem brasilianischen Rotholz mit ("Paubrasil", nach dem Brasilien seinen Namen hat). Ich habe mir vorgenommen damit mal selber einen (oder mehrere) Messergriff selber herzustellen. Nun gibt es so verlockende Angebote für Messerklingen von der Güde Aplha Serie, die haben jedoch alle einen Vollintegral Griff.
http://www.weber-messer.eu/store/product_info.php?products_id=1481

Beim ersten Hinsehen sieht es einfach aus, dafür Griffschalen herzustellen.
Wenn man sich so ein fertiges Messer anschaut, dann sieht man aber, das der Übergang vom Holz zum Stahl (an der Barriere vorne und hinten ebenso) mit hoher Präzision hergestellt ist, geht nur maschinell und ist in Handarbeit (auch wegen der Rundungen in den Kehlen) meines Erachtens nicht zu schaffen.
Bevor ich mir so eine Klinge bestelle und alles mit Frust beiseite schmeisse wollte ich hier mal fragen, bin mir auch nicht sicher ob ich heir bei Kaufberatung im richtigen Forum bin.
Hat schon mal jemand versucht dafür gescheite Griffe herzustellen? Immerhin werden diese Klingen ja für den Eigenbau angeboten.
Man behält dabei sicher deutlich sichtbare Spalten zwischen Holz und Metall.

Viele Grüße
Eiter
 

use-it

Mitglied
Man behält dabei sicher deutlich sichtbare Spalten zwischen Holz und Metall.

Nein, warum?

Logisch, je nach Griffmaterial arbeitet z.B. Holz bei Feuchtigkeitseintrag. Innen am Erl wird ohnehin geklebt, dort kann man großzügiger einpassen um das Volumen des Klebers einzurechnen, den von dir anvisierten "Spalt" aussen im Sichtbereich kann man sehr eng setzen.

Trotzdem, wenn du das Holz schon hast, mache am besten ein Passprobe an einem angefertigten Metall-Rohling, behandle mit Schutz-Öl etc., simuliere Alltagsgebrauch mit Wasser u.ä., kontrolliere so die gefürchteten Spalte oder Quellbewegungen.

Will man auf Nummer sicher gehen, reduziert man die "Fehlerquelle" Material in Richtung Stabilisierung bzw. ein von Ausseneinflüssen nahezu unbeinflussbaren Kunststoff u.ä.

Feine Schleifleinen, ebene Flächen reichen m.E. völlig aus für diese Handarbeiten. Ach ja, und: Geduld. Wie in einem hermeneutischen Zirkel.

Die Klinge selbst kannst du ziemlich sicher wiederverwenden, sollte es mit den ersten Griffschalen schief gehen, optisch für deine Ansprüche bzw. im Alltagsgebrauch, aufbohren der Nieten, Kleber runter, neuer Versuch. Um ein seltenes Material wäre es schade, da kann es Sinn machen vorher mit günstigem Material ein Vortest (für dein Können, deine Kriterien für die Endkontrolle, ggf. die endgültige Griff-Form, benötigte Menge des Klebers und v.a. Farbunterschiede Klebstoff > Griffmaterial) zu machen, da ist Spielraum drin. Vermeiden würde ich allzu starkes Abschleifen der Backen, solcher Abtrag ist weg und verdünnt nach x neuen Griffen das Messer.

Vor deinem Projektstart empfehle ich das original Messer in einem Geschäft mal in die Hand zu nehmen, dahingehend ob du grundsätzlich mit der Griffform arbeiten kannst, der Schwerpunkt passt, deine Schalen extrem glatt sein sollen/müssen usw.

Klingen im günstigen Bereich sind selten perfekt in der Politur, diesen Schritt sollte man später ebenfalls realisieren können, sonst wirst du evtl. doch enttäuscht sein - trotz perfekter Griffanbringung. Oder man schraubt seine Ansprüche runter, sieht den Eigenbau als Schritt auf dem Weg, das Messer als Gebrauchsmesser, Eigenbau steigert in jedem Falle die Wertschätzung in der Kunst des Messerbaus. Die wahren Meister haben zwar i.d.R. ein Arsenal an Werkzeug und Maschinen, das selbst gefertigte Stück könnte andererseits mehr Glücksgefühle auslösen.

Viel Erfolg und ... viel Glück! ;)
 

Eiter

Mitglied
Herzlichen Dank für die Stellungnhame, use-it. Ich werde es dann mal ausprobieren.

Viele Grüße
Eiter
 

Eiter

Mitglied
Nun habe ich das Chai Dao von Güde als Rohling erhalten, habe den provisorischen Griff bis auf ein paar Rastarbeiten fertig und würde
gerne Hier ein paar Photos reinstellen, wenn ich wüßte wie man das macht. Habe es einfach mit drag and drop probiert, geht aber nicht. Kann sich jemand erbarmen mir damit weiterzuhelfen?

Viele Grüße
Eiter
 

knifeaddict

Mitglied
Moin

Ich hab mein Güde umbauen lassen







geht also

Gruss

micha
 

Eiter

Mitglied
Hier ein paar Photos. Der Rohling von Güde mußte noch erheblich nachbearbeitet werden. Stellenweise schwarze Schichten auf dem Griff, vermutlich Zunder, das Messer ist stumpf, kann kein Papier schneiden. Auf Nieten habe ich verzichtet, da ohnehin nur Provisorium.
Frage an die Messermacher: Muß man Nieten oder hält das auch so mit einem Expoxydharz-Kleber?

Folgt noch ein Holzschutz, ich nehme Arbeitsplatten-Öl (Soja und Sonnenblume+ Chemie) aus dem Baumarkt, davon habe ich noch.
Bezüglich der Ungenauigkeiten bei der Herstellung: Ist halt mein erster Messergriff. Wenn mein Wunschholz kommt, mache ich wahrscheinlich alles neu.



Oben mein Griffholz (Holzart weiss ich nicht (Brennholz, ca. 8 Jahre gelagert),Werkzeug, Holz ist ziemlich Hart.


Der Rohling, Cai Dao.


Die rohen Griffe nach einiger Bearbeitung aus obigem Holz zurechtgesägt/geschliffen, ist mühselig.


Kleben mit Schraubzwingen, einfacher Kleber von Pattex, lässt sich sicher mit einem Hammerschlag wieder lösen.


Der Messergriff roh, nach Verkleben.


Man sieht hier schon Fehler im Detail.
Der Griff wird etwas dicker als Original, ca. 18 mm statt 14



Nach Abschleifen.




Von unten, Details sind auch hier schwierig herauszuarbeiten.



Das "fertige" Messer, geölt und geschliffen (war mühsam auf einem 1000 Wasserstein, der Stahl ist wohl ziemlich hart, angeblich ja eisgehärtet).
Auf der Klinge im vorderen Bereich bin ich beim Schleifen mal abgerutscht und es gibt in paar leichte Kratzer. Frage an die Experten: Kann man das wegpolieren?
 
Zuletzt bearbeitet: