Griffmaterialien und das Gewissen

Hallo Messerfreunde

..ich bin neu in diesem Forum und habe erst seit Kurzem begonnen Messer vorerst zu (bastelln)...später werde ich sie vieleicht herstllen aber bis dahin braucht es wohl noch einiger Übung.


Eine Dringende Frage drängt sich mir bei den Griffen auf, da ich beobachtet hab, dass hier "häufig" Tropenholz sowie exotische Materialien wie Antilopenhorn oder Mammut-Stoßzahn benutzt werden.

Ich weiss eben nicht, ob ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann und sollte, solche Materialien zu benuzen (die ja sicher der Optik sehr zuträglich sind) oder ob ich nicht Lieber bei den deutschen Harthölzern oder bei Hirschhorn Bleiben sollte (sieht ja auch gut aus)



Wie denkt Ihr darber ?

Gruss Stephan
 

Fenrir

Mitglied
Bei Mammutstosszahn fällt mir auch sofort Mammutleder ein! :)

Ach, Willkommen! ;)
 
Zuletzt bearbeitet:

Floppi

Mitglied
Original geschrieben von Bödi
Eine Dringende Frage drängt sich mir bei den Griffen auf, da ich beobachtet hab, dass hier "häufig" Tropenholz sowie exotische Materialien wie Antilopenhorn oder Mammut-Stoßzahn benutzt werden.

Das Mammut ist bereits ausgestorben - da mach ich mir keine Sorgen. ;)

Bzgl. tropischer Harthölzer: Wenn man bei einem renomierten Holzhändler einkauft, dann kann der für gewöhnlich auch garantieren (und beweisen), dass sein Holz, das er verkauft, kontrolliert geschlagen wird.
Hier ein Zitat von der Webseite meines Holzhändlers:
Wir setzen uns mit großem Engagement für die nachhaltige Forstwirtschaft und die selektive Holzgewinnung ein. Wenn möglich kaufen wir unser Holz von Plantagen, staatlich betriebenen Forstwirtschaften oder Bauernwälder. Wir arbeiten aktiv in verschiedenen Verbänden, um die Zertifizierung von Holzprodukten voranzutreiben.
Trotzdem gibt's sehr viele schöne, einheimische Hölzer. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, was er verantworten kann.
 

Rolandge

Mitglied
Hallo,
also ich habe mich entschieden, nur noch europäische Hölzer zu verwenden. Ob das wirklich besser ist weiss ich nicht, werde mich aber wenn möglich daran Halten.
Gruss
Roland
 

Flaming-Moe

Mitglied
Es gibt haufenweise europäische Hölzer, die schön genug für Messergriffe sind. Olive z.B. :D

Oder eben was gefärbtes / stabilisiertes.

Es muß nicht immer Beutelwolfwirbelsäule mit Pandazahn-Applikationen sein...
 

AxelKleitz

Mitglied
Gewissen

Da wird so ein toller Urwaldriese gefällt und nicht nachgepflanzt.
Was macht man mit den Resten???
Die werden verstocht!!!!!!!!!!!

Also:
Dann sollen diese wenigstens weiter leben, als schöner Griff.

AXEL
 

braces

Mitglied
Bei Holz würde ich mir echt keine Gedanken machen. Aus einem Stamm bekommt man tausende Griffschalen. Da wird keine große Nachfrage kreiert. Die meisten Griffschalenhölzer dürften, wie oben schon erwähnt, eh nur Abfall sein.
Bei tierischen Produkten bin ich da empfindlicher. (Elefanten-)Elfenbein würde ich, selbst wenn es legal wäre nicht verarbeiten. Wenn ein Tier stirbt, weil es rundum ver wird, also Fleisch, Fell, Knochen, Horn usw., und es keine bedrohte Art ist, ist es auch für mich ok.
Aber einen extra getöteten Kadaver rumliegen zu lassen, nur weil einer ein paar nette Griffschalen will finde ich nicht so toll.

stay rude
braces
 

exilant

Mitglied
Ich würd mir da schon Gedanken machen. Bei Wüsteneisenholz zum Beispiel. O.K., das kann man so sehen, das das Zeug eh in der Wüste herum gammelte. Ich finds überflüssig das von Mexico oder sonst wo hierher zu schaffen.

Man kann aber auch über G10 und so meckern, weil das nun wirklich nicht deponierbar ist = Sondermüll.

Von der Funktion her sollte man daran gehen. Wenn es eben super resistent sein soll, eben Kunststoffe, die Messer sollen eben lange halten, da ist der Griff die Mülldeponie.

Bei Naturmaterialien, würde ich danach gehen, was eben ein erneuerbarer Werkstoff ist (Stahl ist zu gut 40% Schrott) und ich würde mir ernsthaft Gedanken machen, was es hier auf dem Kontonent für gutes gibt. Z.B. hab ich letzlich gelesen, dass das Holz der Edelkastanie sehr widerstandsfähig ist. Das wäre eine Idee als Alternative zur Olive. (das reimt sich und was sich reimt ist gut).:)

Soweit es sich bei der Verarbeiung von Kadavern um die Reste der Lebensmittelproduktion handelt, keine Bedenken.
 

crashlander

Mitglied
Guter Ansatzpunkt, habe ich mir auch schon Gedanken drüber gemacht. Tropenhölzer sind halt oft um einiges härter als einheimische Sachen. Die kann man andererseits stabilisieren lassen, zudem gibts sicher trotzdem genug Sorten, die geeignet sind. Olive ist denke ich auf jeden Fall i. O., sind in fast jedem Fall Kulturpflanzen.
Elefantenelfenbein würde ich auch nie wollen, auch legale Stücke verursachen wieder Nachfrage, und wer weiß wie dieser entsprochen wird. Länder wie Namibia würden z. B. gern ihre Tonnen von beschlagnahmten Elfenbein verkloppen, um Devisen ins Land zu kriegen, fraglich ist wie diese Lager dann wieder gefüllt werden...
Daß es teilw. zu viele Elefanten gibt ist IMO kein Argument.
Mammutelfenbein ist akzeptabel, Knochen auch, sofern von Zuchtvieh.

Auch auf diesem Gebiet ist also konstruktiv kritische Beobachtung sinnvoll.
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
exilant: Wüsteneisenholz ist das einzige Holz, das praktisch nicht mehr arbeitet. Das Farbspiel findet man bei keinem anderen Holz. Außerdem ist es das einzige Holz, das nur von abgestorbenen Bäumen stammt. Es ist ferner eine der wenigen Einnahmequellen der Indianer in der Sonorawüste, die als einzige dieses Holz sammeln dürfen.
Ich denke, das sind schon einige gute Argumente für Wüsteneisenholz.
 

HankEr

Super Moderator
Naja, muß jeder mit sich ausmachen. Sicher ist zumindest, daß man für einen Messergriff weniger Holz verbraucht als für eine Yachtaustattung, die Mammuts sind bereits ausgestorben und die Elefanten haben so viel Sympatiebonus, daß ihnen dieses Schicksal auch erspart bleibt (im Gegensatz zu zig Insekten-, Fisch-, Reptilien- und Pflanzenarten deren Erbgut jeden Tag aus dem Genpool der Erde genommen wird).

Also bei Elefantenelfenbein mache ich mir keine Gedanken und hier und da mal Tropenholz bereitet mir auch kein Bauchleiden (Wüsteneisenholz sowieso nicht), solange man davon ausgehen kann, daß sich nicht für Kleinteile ein eigener Rohdungsbereich bildet. Prinzipiell ist es aber natürlich schon richtig, daß man den Produkten der eigenen Region mehr Augenmerk zukommen lassen sollte.
 
...so wie die Meissten hier seh ich das eigentlich auch, wegen den Paar Messerschalen wird sicherlich nicht der Regenwald abgeholzt..da spielen andere Faktoren wohl eher die entscheidende Rolle.

Ich für mich persönlich werde sowieso erstmal bei heimischen Harthölzern bleiben, da Etwas anderes für meine ersten Messer eh zu schade und zu teuer wäre.
 

ozelot

Mitglied
Ein Tip für interesante Hölzer wäre auch die örtliche Grünschnittdeponie. Da findet man recht häufig Hölzer wie z.B. Birne, Eibe, oder was weiß ich noch. Da lohnt sich auch mal ausprobieren, auch wenn man nicht genau weiß was man da hat, es kostet ja auch nichts.
Der Nachteil ist natürlich das man das Zeug erst mal ausgiebig trocknen muß bevor man es verwenden kann.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Ich habe ganz in der Nähe eine Schreinerei gefunden, die Küchen baut und - Särte. Nu ja. Da hab ich mal mein Hobby geschildert, und dann durfte ich mir für nix aus der Restekiste was ausgraben. US-Kirsche, amaranth, Buche, alles in Blöcken so ca. 50 mm x 300 mm x 100 mm. Nussbaum praktisch nicht erhältlich, aber man kann ja suchen. Kisten von ca. 3 m x 2 m, davon 8 Stück. Ich hab denen was in die Kaffeekasse getan, fanden die sehr nett. Dafür darf ich wiederkommen. Und das Holz ist gut gelagert.
Das gibts ja fast überall, nur mal ins Branchenbuch schauen.
Und die Augen offenhalten im Wald, den Förster nett fragen. Das Zeug muß aber dann lagern.
Das ist es ja: wer Messer macht, kommt an keinem Schrottplatz vorbei und an keinem Wald und Holzschnitt.
 

exilant

Mitglied
Original geschrieben von Guenter
exilant: Wüsteneisenholz ist das einzige Holz, das praktisch nicht mehr arbeitet. Das Farbspiel findet man bei keinem anderen Holz. Außerdem ist es das einzige Holz, das nur von abgestorbenen Bäumen stammt. Es ist ferner eine der wenigen Einnahmequellen der Indianer in der Sonorawüste, die als einzige dieses Holz sammeln dürfen.
Ich denke, das sind schon einige gute Argumente für Wüsteneisenholz.

Das das altes abgestorbenes Holz ist wusste ich. Nicht sicher war ich, ob es es wert ist als Messergriff verarbeitet zu werden. Wie gesagt, wenn es ansonsten vergammelt. Nicht gewußt habe ich das mit den Natives, die ein Monopol haben. Das ist zu unterstützen.

Gute Info.

Aber Herberts Ansatz ist m. E. ein guter, weil er wirklich nur im Fahrwasser fährt. Heißt, er verarbeitet Müll. Um Müll zu verarbeiten, muss man schon mal nachdenken. Gefällt mir.

Öko - Messer :D
 

mueller

Mitglied
hallo zusammen,

prinzipiell bin ich der ansicht tropenhölzer sollte man meiden,ebenso wie elfenbein oder knochen von "kritischen"(-lebenden)arten.
sicherlich sind einige problemlose holzarten im handel, jedoch ist das spektrum groß und für den anfänger keinesfalls zu überblicken.

kunststoffe im allgemeinen tragen ebenso ein fragwürdiges entsorgen wie auch herstellen mit sich.

es geht eben nix über heimische hölzer...

mooreiche (schwarz)
akazie bzw. robinie (der klassiker)
wahlnussbaum (edle braunmarmorierungen)
birne(hell bis rötlich)
kirsche (edel)
zwetschge(-pflaume)..(-nur kernholz benutzen, super hart)
marillenholz (selten)
mehlbeere (wurzelstock)
buchsbaum (wurzelstock)
wacholder (wurzelstock)
hartriegel (viel schiller)
holunder (hart, hell)
bergahorn (hart, weiss, sehr viel schiller)
flieder (schwierige trocknung, aber beinhart und sehr schön)
buche (--mein persöhnlicher favorit: dieser hundsgemeine baum hat
die angewohnheit beim tocknen gelegentlich zu stocken d.h.
schwarze wasserränder zu bilden: schräg zur wuchsrichtung
gesägt erhält man wundervolle strukturen(-marmorierungen)
die zusätzlich von den schillernden jahresringen
durchzogen werden..fazit: "extrem empfehlenswert"

wer noch mehr über einheimische holzqualitäten zu berichten hat immer raus damit.
über wissenswerte beiträge die diese liste erweitern würde ich mich freuen.
bis dann euer
lothar
 

Moppekopp

Mitglied
Hi!

Auch wenn das jetzt auf den ersten Blick etwas seltsam klingt, finde ich, dass es inkonsequent ist, Bedenken gegenüber dem Verwenden von Materialen wie Tropenhölzern, Zahn und Horn zu haben.
Dann aber gleichzeitig auf künstliche Materialien wie zB: Carbon, Micarta, andere Kunststoffe aber auch auf Metalle wie Titan, Aluminium und nicht zuletzt hochlegierte Stähle als Klingenmaterial zurück zu greifen.
Was die Kunststoffe anbelangt wurde schon gesagt, dass diese im Endeffekt Sondermüll darstellen. Aber dass dieser "Sondermüll" erst einmal unter hohem Energieaufwand hergestellt, bearbeitet und transportiert werden muss, ist noch nicht genannt worden.

So und nun zu den Metallen:
Hinter den Metallen stehen die prozentualen Anteile des jeweiligen Elementes in der Erdkruste.
Titan(0,41%) und Aluminium(7,51%) müssen unter Aufwand von sehr viel elektrischer Energie gewonnen werden. Je nach Reinheit und werden die Metalle mehrere Male durch Zonenschmelzverfahren oder Elektrolysieren aufbereitet und gesäubert.
Das gleiche gilt für die Legierungsbestandteile von Stählen. Sicher wird vielfach Recyclingmaterial eingesetzt. Aber um die genauen Endkonzentrationen von Chrom(0,02%), Vanandium(0,01%), Mangan(0,09%), Molybdän(0,001%) im fertigen Stahl zu erreichen, werden diese Metalle in elemntarer Form zugegeben.
Nun muss nicht für jedes Metall eine eigene Abbaustätte angelegt werden, da sie bei der Gewinnung von zB: Kupfer mit anfallen, aber um benötigte Mengen zu erhalten müssen immernoch große Mengen Gestein und Abraum bewegt werden. Die Erzförderstätte liegen zum großen Teil nicht in Europa, sondern in Gebieten aus denen auch für Griffe verwendbare Hölzer und Materialien stammen.
Man kann sich also vorstellen, was für Mengen Gestein bewegt werden müssen und welche Flächen und Lebensräume dabei zerstört werden, um unseren Bedarf in den Industrienationen an solchen Bodenschätzen zu decken.


Ich gebe zu, dass es die Frage ist ob ein Tier sterben muss, nur damit ich mir einen Messergriff aus Büffelhorn, Warzenschweinzahn oder sonstwas machen kann.
Aber bei der Verwendung von Hölzern habe ich keine Bedenken, solange ich ein "Achtung" vor dem Material habe und mir bewusst mache, was ich da verarbeite.
Eine Abholzung jeglicher Wälder nur um zB. Presspann herzustellen lehne ich ab.

Gruß Tobi
 
Grünschnittdepomie

Mit Gruß on Ozelot...
Leute, achtet mal darauf, wenn in Eurer Siedlung ein alter Kirschbaum gefällt wird (oder werden muss) Oder eine Birne , oder eine Plaume, oder, oder,....Von einem befreundeten Schnitzer hab ich mal ein Stück Birne bekommen, sowas herrliches hab ich noch in keinem Katalog gesehen. Schade, das heimische Hölzer so ein Schattendasein führen! :( Augen auf! heisst es auch bei alten (Holz)Fensterrahmen! Nur mal so als Tip...:super: