Gewindeschneiden für Dummies...

Flaming-Moe

Mitglied
Kann mir mal kurz einer die Grundsätze des Gewindeschneidens näherbringen?

Ich bin hier etwas planlos.

Gibt es ne Regel was die Durchmesser fertiges Gewinde - Kernlochbohrer betrifft? Oder eine Formel?

Es gibt Gewindeschneider für die Hand und für die Maschine.
Vor- und Nachteile jeweils? Was ist ratsamer für einen vollkommen Unbedarften???
 

HankEr

Super Moderator
Bin sicher kein Experte, aber ich finde für die meisten Gewinde die man so braucht kann man auf maschinelle Unterstützung gut verzichten und ich denke sogar, daß es manuell mit guten Schneidern und einer guten "Fassung" (Hebel) einfacher geht.
 

Armin II

Mitglied
Ist doch halb so wild: Für den Kernlochdurchmesser gilt in etwa die Faustformel :
Gewindedurchmesser * 0,8 = Kernlochdurchmesser
oder ganz genau Gewindedurchmesser - (2*Gewindesteigung)= Kernlochdurchmesser

dazu sollte man aber die Gewindesteigungen wissen:irre:

Wenn du es genauer wissen willst findest du die Kernlochdurchmesser zu metrischen Gewinden in jedem Tabellenbuch fürs Metallhandwerk, ausserdem sind bei vielen Messschiebern auf der Rückseite Tabellen mit den Kernlochdurchmessern und Gewindesteigungen angegeben.

Bei manchen Bohrersets sind Kernlochbohrer enthalten, das sind dann die mit Durchmesser 3,3mm (M4) 4,2mm(M5) 6,8mm(M8)

Zu den Gewindeschneidern: Handgewindebohrersets bestehen normalerweise aus 3 Bohrern je Durchmesser: Vorschneider,Nachschneider, Fertigschneider gekennzeichnet durch 1 bzw. 2 bzw. null umlaufende Ringe. Die 3 Werkzeuge werden nacheinander angewandt. Die damit geschnittenen Gewinde sollen von der Qualität her besser sein. Das macht aber heute fast niemand mehr wegen Zeitaufwand.

Bei den Maschinengewindebohrern gibt es viele unterschiedliche Typen: Für Durchgangs- oder Sachlochgewinde(fördern die Spänne entweder nach unten oder aber nach oben ab) dann gibts unterschiedliche Bohrer für unterschiedliches Material (Alu, Stahl, hochfesten Stahl....)die sind dann farblich gekennzeichnet. Selbstverständlich kannst Du auch mit nem Maschinengewindebohrer von Hand arbeiten.

Was für nen Gewindebohrer du nun verwendest ist gar nicht so wichtig. Kauf dir allerdings nur nicht so nen chinesischen Schrott aus dem Baumarkt, das kannst du vergessen.

Das wichtigste:
1. Nur mit Schmiermittel (Schneidöl) arbeiten
2. Beim Gewindeschneiden denn Bohrer senkrecht von Hand mit dem Windeisen ins MAterial drehen, während der ersten Umdrehung kannst Du den Winkel noch korrigieren falls du schräg angesetzt hast.
Mit Gefühl arbeiten, sonst ist der Gewindebohrer ruckzuck ab. Den Bohrer ca. 1/2 bis 1/3 Umdrehung ins Material hineindrehen, dann etwas rückwärts drehen bis die Späne brechen, dann wieder ca. ne 1/2 Umdrehung nach vorn, dann wieder etwas zurück, usw.usw.usw. Wichtig ist, dass du gleichmässig drehst, nicht ruckartig, sonst ist der Bohrer ab. Auch das Windeisen an beiden Hebelenden gleichmässig mit je einer Hand drehen, wenn du an einem Ende stärker ziehst verkantet der Bohrer.
3.Je nach Materialfestigkeit und Dicke kann man die Kernlochbohrungen etwas grösser oder kleiner bohren. Ausserdem darauf achten ob die Bohrung vom Durchmesser her auch so ausfällt wie sie sein sollte. Speziell in Alu fallen die Bohrungen gern etwas grösser aus als der Bohrerdurchmesser. Und die Bohrung vor dem gewindebohren natürlich entgraten und ansenken

Mit der Maschine gewindeschneiden geht eigentlich nur dann, wenn die Maschine auf langsamster Drehzahl läuft und beim Ausschalten nicht lange nachläuft, noch besser wenn sie per Fusspedal von Rechts auf Linkslauf umgeschaltet werden kann. Als Anfänger würde ich sowas aber nicht probieren.
 
Zuletzt bearbeitet:

Buddy

Mitglied
das mal ne gute anleitung!:super:
aber ich hab da noch einen kleinen tipp für dich, wenn das gewinde genaustens senkrecht sein muß und du eine ständer bohrmaschine hast. Dann kannst du den Gewindebohrer an glatten stück einspannen, nicht am vierkant, das Bohrfutter ist nicht für vierkant geeignet. Du nimst den gang raus oder versucht in einen möglichst großen gang zu kommen und drehst dann nur mit der hand!! auf keinen fall auf die idee kommen den motor einzuschalten. dann mit viel gefühl den Gewindebohrer mit wenig druck auf werkstück drücken und mit der anderen hand drehen, zumindest die ersten paar umdrehungen. dann besser mit der hand weitermachen. Auf jedenfall vorsichtig dabei sein.
und das solltest du auch nur machen wenn du ein wirklich senkrechtes loch brauchst. denk dran, wenn du gewinde schneidest das du niemals verkanten darfst oder sonst wie rummucken. Gewindebohrer brechen erfahrungsgemäß super mega schnell ab. Plane gerade auch bei kleinen gewinden mehr als nur einen bohrer ein. Mit der qualität von bauhaus sachen stehe ich auf kriegsfuß, gebe lieber etwas mehr aus und kauf im eisenwahrenladen vernünftige bohrer. Und immer genug schneidtran benutzen, die Gewindebohrer werden es dir danken....

viel glück

Grüße Buddy
 

zorro_43

Mitglied
@Armin II:
Gut beschrieben. Eine Anmerkung noch: Wenn du die modernen Maschinengewindebohrer benutzt ist das ständige vor- und zurückdrehen überflüssig(schädlich).
Die Maschine macht das auch nicht.
Die Späne werden dann nicht so gut aus der Bohrung (besonders bei Grundlöchern) gefördert.


:)
Zorro
 

HankEr

Super Moderator
Hm, wie gesagt, ich bin sicher kein Profi, aber Gewindeschneiden (innen wie außen) habe ich noch nie als Wissenschaft gesehen. Gutes Set und Schneidöl zur Hand haben und loslegen. Ob man noch mal kurz zurückdreht oder nicht, das ergibts sich meiner Ansicht nach von selbst beim schneiden.
 

Armin II

Mitglied
Das Gemeine an abgebrochenen Gewindebohrern ist übrigens dass man das Werkstück dann meistens wegwerfen kann, weil man das abgebrochene Teil des Gewindebohrers kaum noch aus der Bohrung herausbekommt...:confused: :confused: :confused:

also am Besten lässt du es dir von jemandem zeigen der es kann:irre:
 
Zuletzt bearbeitet:

sepp

Mitglied
Hallo,
mir hat mal jemand gesagt,80% vom Gewinde wird gebohrt.Das heißt soviel:bei M8 = 8x8 = 64 = 6,4 mm Bohrer. M6 = 6x8 = 4,8 mm Bohrer usw.
 

luftauge

Mitglied
@ sepp :

Vielleicht passt diese Formel für amerikanische Wurfpassungstoleranzen, aber beim ISO-Metrischen Gewinde würde keine Schraube halten, und nie ein Gewindebohrer abbrechen :D
und auf senkrechtes Ansetzen und -schneiden müsste mann auch nicht mehr achten !

Im Ernst :
Jedem Gewinde-Nennmass ist ein Kernloch (Innen)-, bzw. Bolzendurchmmesser (Aussen) zugeordnet (festgelegt), und bei GB/US-Gewinden ist das Gewindemass in Gängen (Umdrehungen) pro Zoll angegeben.
und je nach Werkstoff (der eine wird mehr geschnitten, der andere mehr gestaucht) kann man schon mal etwas grösser bohren, oder für aussen entsprechend etwas mehr abdrehen, jeweils ca. o,1 mm/D.

Die 80% stammen wohl eher von der Festigkeit für Schrauben 8.8, hast Du es evtl. verwechselt ?

Gruß Andreas/Luftauge
 
Zuletzt bearbeitet:

Buddy

Mitglied
leute, nun macht dem armen kerl mal keine angst, vonwegen abgebrochenen gewindebohrer.... Je unbefangener und lockerer man an die sache rangeht desto weniger ist man verkramft und verbockt die sache nicht so schnell.

und wenn der mal abgebrochen sein sollte, dann nimst du ne zange und versuchste das ding raus zu drehen, wenn das abgebrochene stück dafür zukurz ist machste was anderes. Dann setzt du die ne Schutzbrille auf!! ohne würde das selbst ich nicht machen.... und nimst einen guten kleinen körner und haust mit dem hammer vorsichtig drauf. aber nicht einfach senkrecht von oben sondern schräge von der seite, so das der sich weiterdreht. dabei aber wirklich ne schutzbrille aufsetzen, dabei können noch mehr kleine teile vom bohrer abrechen. die gewindebohrerfragmente können dann zum scharfen herumfligenden gefarhrenpotential werden.

Grüße Buddy
 

Flaming-Moe

Mitglied
1000 Dank für die vielen hilfreichen Antworten.

Besonders an ArminII!!!

Mit dieser Anleitung dürfte selbst ich das hinkriegen... ;)
 

sepp

Mitglied
@ Luftauge,
jetzt überteibst Du aber ein bisschen.Habe bis dato immer auf die 80% Art gebohrt und geschnitten und es hat für den Hausgebrauch immer gut funktioniert.Wahrscheinlich meinst Du besondere Gewinde und Materialien.
gruß sepp
 

luftauge

Mitglied
@ sepp :

Die "US-Wurfpassung" ist tatsächlich eine Übertreibung, wird abwertend für bestimmte Bauteile im Blechbau benutzt, die aus USA importiert werden, bzw. für gesamte Montagen/Fertigkomponenten von dort, weil zu Viel nachgearbeitet werden muss, um ein eigentlich einbaufertiges Teil auch einbauen zu können ;)

Aber wenn Du in Metall tatsächlich mit diesen 80% arbeitest, und z.B. M8 mit 6,4mm oder M6 mit 4,8mm vorbohrst, dann müssten Dir in Stahl öfter Gewindebohrer abbrechen, es wird ja manchmal schon kritisch, wenn man den DIN-Kernlochdurchmesser mit einer spielfreien Bohrmaschine und neuen Bohrern einhalten kann.

Denn je kleiner das Kernloch, desto mehr muss der Gewindebohrer wegschneiden, umso höher sind auch die auftretenden Reibungs- und Schneidkräfte - selbst in Alu mit überlaufendem Öl würde das schwierig.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass es so funktioniert, allerdings habe ich auch einen Gedankenfehler gemacht, als ich mir die 80% -Bohrungen vorstellte, weil ich im Hinterkopf bereits die etwas grösseren (+ 0,1 D) hatte ;)
Aber wenn das geht, dann geht das.

Gruß Andreas/Luftauge
 

freagle

Mitglied
Wie schon gesagt wurde, ist Gewindeschneiden eigentlich recht einfach wenn man die Grundregeln beachtet. Nur bei kleineren Gewinden, M2 z.b. muss man etwas vorsichtig sein.Ich muss öfters M2 oder auch 2/56 in Messerstahl oder Titan schneiden, das ist immer heikel, ich bohr deshalb immer etwas größer vor, sonnst reißt der Gewindebohrer gerade bei Werkzeugstahl oder Titan sehr leicht ab.

freagle
 

Moppekopp

Mitglied
Hi,
ich hole diesen Thread mal aus der Versenkung da ich einen schönen Weg gefunden habe um abgebrochene Gewindebohrer aus Titan rauszukriegen.

Dazu muss das Material einfach nur für 3 Wochen bei Raumtemperatur in ca. 10% Salzsäure gelegt werden.
Das Titan wird nur an der Oberfläche grau oxidiert (sehr schön gleichmäßig), der Gewindebohrer wird zersetzt.
Die Salzsäure färbt sich mit der Zeit violett, ein Zeichen für das entstehen von Co2+ , das ist giftig. Also nur mit Handschuhen und im Freien machen.
Gruß Tobi
 

lortnoc

Mitglied
soviel ich weiss, gilt der faktor 0.8 etwa bis M8 oder so..

es stellt sich die frage nach der anwendung des gewindes.. wir automatiker hauen M6 gewinde in montageplatten rein, und zwar per akkuschrauber. geht ruckzuck, brechgefahr ist klein. (bei kleineren gewinden sieht's anders aus..) schmieren hilft sehr, senkrecht schneiden ist übungssache.
..okay, diese gewinde sind ziemlich minderwertig, denk ich mal.. aber es reicht alle mal um geräte etc zu befestigen.

edit: wenn er abbricht.. tja, dann werden die verklemmten teile mittels körner zertrümmert, aus dem loch gehauen, und das gewinde neu geschnitten. hält in der regel, da der schneider nur am anfang des gewindes abbricht. (wegen verkanten.)
die lochgrösse ist auch ein wenig variabel, ob 4.8 oder 5.0 .. aber eben: automatiker

etwas gutes hat ein abgebrochener gewindeschneider: der HSS stahl :D
daraus lassen sich gute anreissnadeln, mini-meisselchen, körner, und ähnliches machen.
:irre:
 

moritz.kaiser

Mitglied
Hallo,

Der Kernlochdurchmesser ist ganz einfach das Nennmaß des Gewindes minus die Steigung, also M6 hat eine Steigung von 1 also wird mit 5 gebohrt.

Grüße
Moritz
 
Hallo,

also um hier einmal ein Ende der Debatte über Kernbohrer /-durchmesser, Faktor und Formel zu erreichen, hier einen Ausschnitt aus dem Tabellenbuch Metall Ausgabe 43.
Denn ein abgerissenen Gewindebohrer kostet nicht nur Zeit sonderns auch Geld und vor allem ärgert es einen wenn so ein Ding abbricht.
Tabelle für Metrische Gewinde.

Gruß Kuno
 

Anhänge

  • gewinde1.jpg
    gewinde1.jpg
    88,2 KB · Aufrufe: 65.806