"Geschwindigkeit" von Einhandmessern überschätzt?

Vince

Mitglied
Ich frage mich seit gerormer Zeit, ob Einhandmesser wirklich so viel schneller zu "deployen" sind.
Es gibt ja Leute wie nutnfancy und Konsorten, die sehr viel Wert drauf legen, dass ihr Folder so schnell und leicht wie möglich zu öffnen ist.
Wobei ich mich an dieser Stelle zuerst einmal frage, was bedeutet das überhaupt und wann spielt es überhaupt eine Rolle?

Am Schreibtisch sitzend mal das wohl so sein, dass man ein Einhandmesser schnell mal aufflippen kann, aber in Situationen, in denen es wirklich drauf ankommt?

Angenommen ihr befindet euch in einer Situation, in der ihr wirklich euer Messer schnellstmöglich braucht.

Keine Ahnung,

Ihr geht über ein paar Bahnschienen, bleibt mir eurem Schnürsenkel irgendwie hängen und ein zug kommt. (Oder sonst ein ex-beliebiges Szenario)
In solch einer Situation steigt die Stressbelastung enorm an, ein Kübel Andrenalin wird ausgeschüttet und die Feinmotorik stempelt aus und macht Urlaub. Kann ein untrainierter Laie hier wirklich schneller ein Einhandmesser rausholfen, in der Hand passend drehen, den richtigen Griff anlegen und das Messer auflippen? Viel wahrscheinlicher ist es doch das Messer mit zwei Händen zu öffnen.

Wie steht ihr dazu?

Das es Situationen gibt, in denen man nur eine Hand frei hat um ein Messer zu öffnen, steht natürlich ausser Frage.
 

thrawn

Premium Mitglied
Mit geht es nicht um Schnellig- sondern um Bequemlichkeit.
Ich finde es angenehmer, wenn man zur Messerbedienung nur eine Hand braucht - und das ganze, ohne groß drüber nachdenken zu müssen.
 

Raoul Duke

Mitglied
Das es Situationen gibt, in denen man nur eine Hand frei hat um ein Messer zu öffnen, steht natürlich ausser Frage.

...und genau darauf kommts mir eben an. Ist einfach praktischer ein Messer mit einer Hand öffnen zu können. Die Geschwindigkeit ist mir da relativ egal. Wenn ich irgendwas abschneiden will oder z.B. ein Paket öffne, dann kann ich die andere Hand fast immer sinnvoller einsetzen als zur Öffnung meines Messers.
Vom Öffnen abgesehn fehlt mir viel mehr noch das einfache Schließen mit einer Hand. Klar kann ich ein Slipjoint oder Opinel auch am Bein/Tischkante/sonstwas zumachen, aber jedes Mal die Klinge gegen den Backlock schnappen zu lassen (beim Opinel natürlich nicht) is auch nicht das Wahre.

Wenn ich mit dem Schnürsenkel im Bahngleis hänge und der Zug kommt, dann werd ich wohl eher mit aller Kraft versuchen den Schnürsenkel mit dem Fuß abzureißen bzw. den Schuh vom Fuß zu kriegen, als mein Messer rauszukramen.

Für so ne Situation wärs ja fast besser ein Fixed in ner Kydex am Gürtel zu haben.
 
Meine Antwort:

http://www.messerforum.net/showthread.php?t=96997

Das hat natürlich was, aber die Geschwindigkeit der Einhandbedienung hängt IMHO mit der Grifffigkeit der Folders in geschlossenem Zustand ab. U.U. ist eine beidhändige Bedienung sicherer, weil einem das Messer nicht aus der Hand flutschen kann. Ich denke auch dass man sehr oft ein Messer sowieso mit beiden Händen bedient, spätestens wenn man es wieder zuklappt. Ich weiß, es geht auch anders, aber ich bin da eher der Hosenträger-plus-Gürtel-Typ.
Geschwindigkeit beim Öffnen ist zwar cool, aber auf die Gesamtlebenszeit eher zu vernachlässigen, meiner Meinung nach.

PP
 

exilant

Mitglied
"blitzschnell in Anschlag gebracht" so oder ähnlich wird manches Einhandmesser beworben. Mir geht diese Pseudo - Waffensprache ziemlich auf den Nerv.

Das mit dem schnellen öffnen ist bestenfalls Spielerei. Technisch eine nette Sache. Der Vergleich wird manchmal auch in Bezug auf Springmesser gezogen, um darzustellen, dass gute Klapper in der Öffnungsgeschwindigkeit den Springern nicht nachstehen. Eher sportlich zu sehen.

Bequem und sicher zu tragen, zu öffnen und zu schließen muss es sein und der Verschluss muss halten. Das ist wichtiger.

Und Schuhe binden muss man können.

Dann klappts auch mit dem illegalen Bahnübergang. :D

Viel gefährlicher sind da ja Rolltreppen...
 

Oliver

Mitglied
Definitiv ist das Einhandmesser schneller. Zumindest bei mir. Was am längsten dauert ist, das Messer aus der Hosentasche zu pfriemeln, da ich es häufig nicht eingeclippt habe. Offen ist es dann immer schneller. Momentan trage ich als EDC ein Exskelibur 2 anstatt meines bewährten 707 (§42 sei dank:(). Da suche ich immer nach dem Daumenstift.
 

Vince

Mitglied
Naja das war ja mein Punkt. Ich meine den gesamten Vorgang zu Griff zur hosentasche bis zur Einsatzbereitschaft des Messer.

Ansonsten ist das Statement von exilant genau die These, die ich mit meiner laienhaften Orthographie und Semantik zum Ausdruck zu bringen versucht habe.
 

uuups

Premium Mitglied
Bei mir steht eindeutig das sichere öffnen und schließen im Vordergrund.

Auf Einhandmesser bei denen die Gefahr besteht mit dem Finger auf die Schneide zu kommen oder die ich mit irgendwelchen Fingerverrenkungs- und Schleuderaktionen öffnen muß, weil beim Slipjoint die Feder so stramm ist, das es sonst einhändig nur mit Stahldaumen klappt kann ich als EDC gut verzichten.

Auch Messer mit Verriegelung, die nicht sicher und (immer!) eindeutig einrasten finde ich überflüssig. (z.B. T-Mag, obwohl heutzutage... :irre: )

Wobei ein (fast) reibungsloses und gefühlt schwereloses aufflippern natürlich auch was hat. :cool: :super:
 

chamenos

Super Moderator
Ansonsten ist das Statement von exilant genau die These, die ich mit meiner laienhaften Orthographie und Semantik zum Ausdruck zu bringen versucht habe.

Wenn du eine These in den Raum stellen möchtest, dann solltest du an das Satzende aber kein Fragezeichen setzen.

Das mit dem "Schätzen" ist auch so eine Sache.
Man kann so etwas auch einfach entspannt messen.

Und wenn es um Sicherheit und Geschwindigkeit unter Stress geht, dann sind die stehenden Messer da ganz weit vorne (eine vernünftige Scheide vorausgesetzt).

Dann kommen die Einhänder und ganz weit hinten die zweihändig zu bedienenden Messer.

Und Herr nutnfancy legt auf eine Menge Dinge wert wo sich mir der Sinn nicht wirklich erschließt... aber er kann davon leben;)

Gruß
chamenos
 

G-H-L

Mitglied
Geschwindigkeit bei Einhandmessern spielt eigentlich nur in Notfällen eine wirkliche Rolle. Also wenn jemand so schnell wie möglich aus den Sicherheitsgurten befreit oder von anderen Tauen, Seilen, Schnüren oder Paketbändern losgeschnitten werden soll.

Ansonsten kommt es halt auf die Situation an. Oft genug kann oder will man das Schneidgut nicht aus der Hand legen um das Messer zu öffnen. Viele Taschenmesser können auch nicht mit Winterhandschuhen oder Arbeitshandschuhen aufgeklappt werden. Und mit kurzen abgebrochenen Fingernägeln wirds auch manchmal problematisch. Bei einigen Messern ist auch der Nagelhau an unmöglichen Stellen angebracht und oft auch noch ein Hort für Dreck und Bakterien.

Ältere Menschen mit Arthrose oder Rheuma dürften für Springmesser sehr dankbar sein. Auch eine eingegipste Hand oder ein Verband würde das zweihändige Öffnen sehr erschweren.

Gruß
Gerhard
 
Richtig, G-H-L, darum ließen auch die Besatzungsmächte nach dem Krieg Springmesser zu (Klingenlänge bis 8 cm), obwohl ansonsten alles, was auch nur in irgendeiner Weise als Waffe in Betracht kommen konnte, verboten war: Es gab noch sehr viele amputierte Veteranen, die sich mit Einfachstprothesen (Holzhände) zufriedengeben mußten ! Gib mal einem Arthrose- oder Arthrithiskranken der oberen Extremitäten ein SAK zum öffnen in die Hand !!
 

bitbabel

Mitglied
Wichtiger als die Folder- oder Fixed-Frage wäre bei der vom TE beschriebenen Situation aus meiner Sicht das Griffmaterial.

Da gibt es riesen Unterschiede bzgl. des Einflusses auf die Zuverlässigkeit bei gleicher Geometrie.

Lieber z.B. ein Folder mit Kratongriff, der förmlich an der Hand klebt, und 0.5s länger zum "bereit machen" benötigt, als nen Fixed mit z.B. glattem Holzgriff, welches beim Zücken aus der schweissnassen panischen Hand flutscht und zwischen den Bahnschienen verschwindet. :teuflisch