Gerbsäure in Lederscheiden

TimM.

Mitglied
Ich habe mal gelesen, dass schlechte Holster Gerbsäure (vorallem bei Feuchtigkeit) entwickeln können, die dann die Brünierung angreifen.

Wie sieht das bei Messern in Lederscheiden aus?
Sind beschichtete Klingen besser gegen die Einwirkung von Gerbsäure geschützt?
Wie schnell kann eine schlechte Scheide eine Klinge beschädigen?
Woran erkennt man eine gute Lederscheide, die keine Gerbsäure entstehen lässt?
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
An Messerklingen habe ich noch nichts feststellen können, aber die Buntmetallbeschläge oxydieren. Weniger bei unbehandelten Scheiden, sondern stark bei Scheiden, die mit Lederöl behandelt wurden.
Anscheinend entstehen durch eine Reaktion des Öls mit den Gerbsäuren Produkte, die die Oxydbildung ("Grünspan") fördern. Will ich nicht wissenschaftlich begründen, ist aber eine Feststellung. Da ich die Scheiden mit Spiritus behandle, ist vielleicht auch normalerweise ein Großteil der Gerbsäuren ausgewaschen oder neutralisiert.
 

TimM.

Mitglied
Danke für die Antwort.
Kann normalen Stahlklingen also in puncto Gerbsäure nichts passieren?
Was ist denn Lederöl? Ballistol als lederflegendes Mittel, das auch zur Messerflege verwendet werden kann, ist kein solches, evtl. die Freisetzung von Gerbsäure im Leder unterstützendes Mittel, oder?

Und wie sieht es mit Messern aus, die schon eine längere Zeit in Lederscheiden aufbewahrt wurden und bis zu ihrer Entfernung aus diesen keine Spuren von Gerbsäureschäden tragen - können diese danach noch irgendwelche Beschödigungen entwickeln, wenn sie z.B. mit Ballistol von evtl. Gerbsäurerückständen befreit wurden? Oder ist eine solche Behandlung gar nicht nötig?
 
Zuletzt bearbeitet:

Guenter

MF Ehrenmitglied
Spezielles Lederöl ist z.B. Tranlederöl. Sehr gut, wenn man ein weiches, geschmeidiges Leder haben will, m.E. für Lederscheiden weniger gut geeignet. Ballistol habe ich für Leder noch nie verwendet. Ich denke aber, daß es wie die meisten rostschützenden Öle ein weitgehend synthetisches Öl ist. Da es nicht so leicht natürlich abbaubar ist wie die organischen Öle, sollte es weniger anfällig für Reaktionen mit Säuren sein.
Grundsätzlich sollte kein Messer in der Scheide aufbewahrt werden, weil das Mikroklima innerhalb der Scheide nur schlecht kontrolliert werden kann. Dadurch, daß die Luft nicht zirkulieren kann, besonders an den Stellen, wo die Klinge anliegt, kann selbst bei rostfreien Klingen (kann !) Rost entstehen. Es ist zwar selten, aber es kommt vor. Da ist der Einfluß von Umgebungseigenschaften wichtig: wenn die Temperatur der Umgebung stark wechselt, ist der Einfluß natürlich stärker als bei der Aufbewahrung z.B. im Wohnzimmer, wo die Temperatur und Feuchtigkeit weitgehend stabil bleiben.
Etwas zusätzliche Vorsicht schadet nie, im Zweifelsfall sollte man lieber etwas zu viel tun, als die Pflege seiner Schätze zu vernachlässigen.
 

TimM.

Mitglied
...und nochmal danke!

Jetzt besteht eigentlich nur noch die (bereits in meinem letzten Posting gestellte) Frage, ob Messer nach Entfernen aus der Lederscheide noch Spätschäden davontragen können, oder ob bis zum Entnehmen aus der Scheide unbeschädigte Klingen auch im Nachhinein keinen durch evtl. Rückstände von Gerbsäure bedingten Rost ansetzen können.
Es wäre wirklich nett, wenn jemand mir das beantworten könnte! :)
 

Andreas

Mitglied
wenn du das messer zur sicherheit unter heißem wasser abspülst, sollte da eigentlich nichts mehr passieren.

ist dir so ein fall mal passiert?

ich lagere alle meine messer in den lederscheiden. sowohl die "rostenden" als auch die rostträgen sowie die buntmetalle (messing oder bronze) zeigen bei mir keine korrosionen.

IMHO finger weg von lederölen (auch balistol). macht das leder geschmeidig und weich. für zaumzeug, zügel und hundeleinen ist die eigenschaft ja erwünscht. für lederscheiden die hart und formstabil bleiben soll nimm lieber ein lederwachs. pflegt genau so, macht aber das leder nicht weich. und mit dem wachsen nicht übertreiben. leder muß "atmen" können.
 

TimM.

Mitglied
Passiert ist mir da noch nichts, aber da ich wie gesagt gelesen habe, dass schlechtes Leder mit Gerbsäureabgabe in einem Holster Waffenbrünierung angreifen kann, bin ich halt etwas um eine evtl. ähnliche Wirkung bei Messerstählen besorgt gewesen.

Genügt gründliches Abtrocknen nach dem Reinigen des Messers mit heissem Wasser?
 

Andreas

Mitglied
klar reicht abtrocknen :)
was willst denn sonst mit dem messer noch machen? auf eine leine hängen? :p
"rostende" stähle kann man noch leicht! mit einem waffenöl (z.b. balistol oder lupus waffenfett) einreiben
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Original geschrieben von Andreas
klar reicht abtrocknen :)
was willst denn sonst mit dem messer noch machen? auf eine leine hängen? :p

hahahaha :super: . Ganz Vorsichtige koennten das Messer nach dem Abwaschen auch Fönen. Bei Messern mit Stahllinern/Schalen ist das gar nicht mal so dumm, a bisserl Feuchtigkeit kommt da immer rein. Muss jeder selber wissen, ich mach das nicht.

Gruesse
Pitter
 

Schickser

Mitglied
Hallo,

ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube sobald die Scheide bzw. das Holster feucht wird, kann auch Gerbsäure entstehen.

Ich hatte meine kanadischen Customs mit den Lederscheiden in einem Holzkoffer und die Messingbacken sind dabei schon beschlagen. Hab Sie dann mit normalem "Stahlfix" wieder blank bekommen. Der Messermacher hatte mich auch schon gewarnt.

Jetzte stehen sie in der Vitirne und die Scheiden liegen in der Schublade. Besser ist das.