Gefährliche Materialien/sonstige Gefahrenquellen in der Werkstatt

Wolfgang Dell

Mitglied
Hatte neulich mit Raimund eine kleine Unterhaltung wegen der Gesundheitsgefährdung durch diverse Materialien. Vor einiger Zeit war in einer am. Zeitschrift "BLADE" oder "KNIVE", weiß ich nicht mehr eine tolle Abhandlung über dieses meiner Ansicht nach wichtige Thema. Wer kann sich erinnern? Bitte mitteilen, damit wir Auszüge hier mitteilen können. Aus meiner Zeit als Fugmodellbauer kenne ich da noch einiges:
z.B.
- Epoxydharze und hier besonders die Härter,
gehen voll an die Leber, weren auch durch die Haut aufgenommen, deshalb immer Hanschuhe tragen.

- Glasfaserstoffe, hier ganz besonders gefährlich Kohlefaser!! Werden eingeatmet und zerstören irreparabel die Lungenbläschen. Also beste Feinstaubfilter-Masken verwenden. Ganz wichtig eine Absauganlage. Das Beste was ich da bisher gesehen habe hat Wolf installiert!

- Alle Säuren, nur im Freien verwenden und nur mit Handschuhen und Maske.

- nahezu alle tropischen Hölzer sind giftig wenn sie geschliffen werden! Ganz besonders Cocobolo! Also immer eine Schutzmaske und Absaugung.

- Besonders gefährlich sind Muscheln, hervorzuheben ist Abalone, der Staub ist als hochgiftig eingestuft. Fragt mal Siegfried Rinkes! Damit gab es schon Todesfälle! Der Staub ätzt die Schleimhäute.

- Auch beim Bearbeiten von Horn, Mammut, Elfenbein, immer Schutzmaske tragen!

- Auch unser Lieblingsmaterial..der Stahl birgt Gefahren, mikrofeiner Staub setzt sich in der Lunge ab.

- Hochexplosiv und gefährliche Dämpfe erzeugend ist: Nitroverdünnung, Aceton und Waschbenzin.

Wer kennt noch mehr? Das ist alles kein Witz, das Leben ist zwar gefährlich an sich, aber man kann ja die Risiken etwas minimieren!

Gruß
Wolfgang
 

knive

Mitglied
Hallo Wolfgang,

darüber habe ich mir bisher noch gar keine Gedanken gemacht.

Dass der Schleifstaub von Wüsteneisenholz nicht der gesündeste ist habe ich schon einmal irgendwo gelesen - aber all die anderen Werkstoffe ...

Gibt es irgendwo im Netz eine Aufstellung über die gesundheitsschädlichen Hölzer?

Gruß

Kai
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Wolfgang, danke, gute Hinweise.
Vielleich sollte man sich mal mit den Berufsgenossenschaften in Verbindung setzen, die haben doch im Allgemeinen Tabellen für MAK (maximale Arbeitsplatzkonzentrationen) und Bearbeitungshinweise.

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herbert

Tough and Hard = Steel
 

Vogel75

Premium Mitglied
Hallo Forumianer,

ich will mich über euer aktuelles Thema wirklich nicht lustig machen, aber: Hat schon mal jemand von Euch den Bericht über Bob Terzuola im MesserMagazin genauer angeschaut? Da sind einige Kleinigkeiten im Hintergrund, die ich auch als gesundheitsgefährdend einstufen würde, und das in einer Werkstatt! Wäre in Deutschland und auch Österreich wohl undenkbar (KWKG).

Nur als kleine Anmerkung zum Thema

Sascha
 

Wolfgang Dell

Mitglied
Aha, ich hoffe, daß mein zweiter Versuch eine Antwort zu erstellen nun klappt (immer diese erneute Eingabe von bla bla, nervt)
Sascha du meinst Heft 4, Seite 34!!
Das sind Geräte, was für welche denn? Aber wenn er die nicht benutzt sind sie harmloser als Nitroverdünnung!!! oder ein Putzlumpen der mit Waschbenzin getränkt zusammengerollt in den Müll geworfen wird!!!(Selbstentzündung).
Hey, da du so ein gutes Gedächtnis hast, kennst du zufällig auch das Heft (Knife, Blade?) von dem ich gesprochen habe? Sonst muß ich halt doch noch alle Jahrgänge mal durchforsten (stöhn).
Tschau und noch mehr Schnee für Euch.(wegen des Sports)

Wolfgang
 

judge

Mitglied
Generell würde ich vor halogenierten (mit Fluor, Chlor, Brom, Iod) organischen Chemikalien, besonders Lösungsmitteln, warnen. Die sind üblicherweise krebserregend. Lösungsmitteldämpfe in der richtigen Konzentration könne auch gewaltige Explosionen verursachen.
Das mit den Säuren sehe ich als relativ ungefährlich
smile.gif
Wirklich unangenehm sind Säure-und Laugenverätzungen der Schleimhäute und Augen (Augendusche ist empfehlenswert), ansonsten kann man die meisten üblichen Säuren (Mineralsäuren wie Schwefel-, Salz-, Salpetersäure, Eisessig etc.) beinahe immer schnell genug unter Wasser verdünnen, um Schäden zu verhindern. Säure- und Laugendämpfe (leicht flüchtige Säuren/Laugen) sind sehr gefährlich (rasche Schleimhautverätzungen, Lungenschäden). Flußsäure (HF) verursacht häßliche, sehr schwer heilende Verätzungen aufgrund der Störung des Calciumstoffwechsels in der Wunde.
Lustig sind auch Staubexplosionen (z.B. fein und in der richtigen Konzentration verteilte Holzstäube). Glauben die meisten Leute erst, wenn sie mal eine explodierte Bäckerei (Mehl)od. Tischlerei (Holzstaub) gesehen haben. Feuerlöschmittel der Brandschutzklasse D (Metallbrände) würde ich auch empfehlen.

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judge
"Every tool is a weapon if you hold it right" - Ani Difranco
 

Wolfgang Dell

Mitglied
Hallo Judge, richtig, prima Hinweis von dir, die Staubexplosionen. Wichtig ganz besonders für jene Forumianer, die wie ich auch noch Wiederlader sind!!! Werkstatt vor dem Laden gründlich reinigen, vom Holz- und Metallstaub, noch besser ist ein separater Raum, aber das scheitert sicher häufig am verfügbaren Platz (die Kartoffeln müssen ja irgendwo gelagert werden).
Danke für weiter nützliche Hinweise!
Wolfgang
 
Hallo.

Ich denke, dass dieser Beitrag wichtige Informationen beinhaltet, die für jeden von uns wichtig sind.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ein Moderator dafür sorgen könnte, dass dieses Thema immer das erste vom Messermacher Treff ist. (Er war auf seite 24)

Auch ich habe schon diverse Hölzer. Abalone usw. geschliffen, ohne Atemschutz. Staubexplosionen sind normalerweise keine grosse Gefahr, weil extrem viele Staubpartikel in der Luft sein müssen.

Doch wenn es dennoch passiert, kann die ganze Werkstatt in die Luft fliegen. Und man soll niemals nie sagen, also wirklich immer die Werkstatt halbwegs sauber halten.

Zu den Staubschutzmasken: Reichen diese billigen dinger aus( Weiss, sieht aus wie dünner gepresstre Filz)?
 

Christoph

Mitglied
Hallo Tim,
zu den Staubschutzmasken. Die einfachen Staubschutzmasken reichen eigentlich nicht aus.
Da z.B. Eichen- und Buchenholzstaub als krebserzeugend eingestuft ist, sollte eigentlich eine Maske verwendet werden, die für solche Stäube zugelassen sind.
Normalerweise steht das auf den Masken und auf den Verpackungen drauf.
Wenn ich mich nicht allzusehr irre, ist die bezeichnung FFP 3, die Klassen 1 + 2 sind nicht ausreichend.

Gruß
Christoph
 

omo

Mitglied
Brandgefahr durch Holzöle

Hallo,

Lappen mit denen man überschüssiges Holzöl (Leinölfirniss u.a.) abgewischt hat, können sich selbst entzünden. Solche Lappen sollte man wässern und ausgebreitet (am besten im Freien) trocknen lassen. Besonders im Zusammenhang mit Holzstaub/Spänen ist das nicht besonders lustig. :angst:

Beste Grüße,
Oliver
 

AchimW

Mitglied
Gift!

Hmm, mal sehen was mir noch einfällt.

Mineralische Stäube. Stäube von Knochen, Elfenbein, Hirschhorn, Perlmutt, Kunststein etc., aber auch die Stäube der von uns verwendeten Schleifmittel (Bandschleifer!!) verursachen Silikose (Steinstaublunge) und eventuell auch Lungenkrebs. Nicht zu vergessen die keramischen Isoliermassen von Gasschmiedeöfen.

Hölzer. Neben den mechanischen Wirkungen (siehe vor, Silikose) sind manche Hölzer schwer allergen (bestes Beispiel: Cocobolo). Andere sind direkt hoch toxisch. Hierzu zählen vor allem Eibe, Buchsbaum, Goldregen und Oleander. Bei ausreichender Dosierung bringen die Stäube dieser Hölzer einen direkt um. Vor allem Oleander ist extrem gefährlich.

Färbemittel wie Brünierungen, Gun Blue oder Pariser Oxyd enthalten Selen und Arsen in erheblichen Mengen. Fallen Euch Haare und Zähne aus, lohnt der Gang zum Arzt nicht mehr.

Rostfreie Stähle sind lungengängig und bauen sich kaum ab. Das enthaltene Chrom ist ein sehr giftiges Schwermetall dessen Derivate zum Beispiel die Darmwände zerfressen.

Stäube von Hartmetallteilen sowie von Talonit oder anderen Stelliten verursachen die sogenannte Schwermetallkrankheit, eine oft tödliche Lungenerkrankung.

Toxische Gase, wie verdampfter Schwefel, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Zink, Zinkoxid, Blei oder Andere, die in der Schmiede auftreten sind auch nicht ohne und können gegebenenfalls direkt töten.

Unklar ist, welche Gefahren bei Verwendung von Bauteilen tierischer Herkunft von biologisch wirkenden Dingen ausgehen. BSE/Creutzfeld Jacob durch das Schleifen von Kuhknochen? Denkbar. Übertragung von Bakterien oder Viren aus getrocknetem Blut bei Hirschhorn oder anderen Hörnern? Möglich.

Alles in Allem sollte man die Finger von der Messermacherei lassen.

:D

Achim
 

spyderbug

Mitglied
wenn man diesen beitrag so liest, bekommt man es ja richtig mit der angst zu tun! :angst:

gelten obig angeführte stoffe nur in extrem hohen konzentrationen als extrem gesundheitsschädlich, oder reicht es auch schon wenn ich mal eine griffschale ohne atemschutz schleife um mein krebsrisiko zu erhöhen?

ich denke, das die wenigsten die messer als hobby herstellen täglich in der werkstatt stehen und an gesundheitsgefährdenden materialien herumbasteln. und diejenigen die das professionell machen haben sicher eine "ordentliche" werkstatt die gut genug ausgerüstet ist um das risiko niedrig zu halten. das ist dem hobby-macher in den meisten fällen nicht vergönnt, deshalb meine frage:

ist bei den oben angeführten stoffen eine dauerbelastung notwendig um die gesundheit dauerhaft zu schädigen, oder ob es auch schon reicht sich über längere zeiträume verteilt sich diesen stoffen für kurze zeit auszusetzen.

ich dachte nie das mir mal ein stück holz gefährlich werden könnte...:D

grüße, robert
 

AchimW

Mitglied
Gift!

Wie schon gesagt, manche dieser Sachen können Dich sofort töten. Andere brauchen dafür länger. Auch bei den krebserregenden Stäuben sollte man JEDE Exposition vermeiden.

Vergessen habe ich übrigens viele der Maschinen, die entweder, wie Poliermaschinen oder Lufthämmer, mit den Werkstücken um sich werfen können oder, wie im Prinzip alle sich drehenden Maschinen (vor allem Drehbank, Fräse, Walzwerk und Bohrmaschine) in Verbindung mit weiter Kleidung oder langem Haar auch schon mal einen Arm oder Kopf abgerissen haben.

Ich halt es mit einer gesunden Portion Menschenverstand und mit Erich Kästner:

"Wird’s besser, wird’s schlechter
fragen wir jährlich
seien wir ehrlich
Leben ist immer lebensgefährlich."


Achim
 
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Tolstoi

Mitglied
hallo,

mit Sicherheit erzähle ich nichts neues, wenn es um Säuren und Laugen geht, aber mann sollte immer die Säure/Lauge in das Wasser geben, und nicht umgekehrt. Da die meisten Leute sowieso schon verdünnte oder weniger konzentrierte Säuren/Laugen zur Verfügung haben, passiert meistens auch nichts, wenn man es andersherum macht. Aber bei konzentrierter Schwefelsäure könnte das ganze unter Umständen sehr schnell schief gehen. Aber wer verwendet schon standardmäßig 98%-ige
Schwefelsäure zum Messer machen :cool:
 

Aleena

Mitglied
Original geschrieben von Tolstoi

Aber wer verwendet schon standardmäßig 98%-ige
Schwefelsäure zum Messer machen :cool:

Bei der Herstellung von allen Lsgn die Stahl ätzen, wurde ich sehr vorsichtig vorgehen. Die Säuren müssen recht stark sein, und meistens auch heiß. Die Verdünnungsvorschriften einzuhalten, ist auch bei Temperaturunterschieden sehr wichtig (Säure aus dem Kühlschrank/ Wasser schon lauwarm), sonst spritzt und schäumt es.:mad:
Und nur weil´s auch mal gut geht, sollten man an der Sicherheit nicht sparen.:hmpf:
 

Tolstoi

Mitglied
hallo Aleena,

wenn jemand 98%-ige Schwefelsäure zum Ätzen benötigt (wird ja sicher
noch verdünnt), dann ist natürlich große Vorsicht angesagt. Auch beim
Umgang mit anderen Chemikalien, bzw. wie Du erwähnt hast (Temperatur-
unterschiede Kühlschrank/Zimmertemperatur) muß man sehr vorsichtig sein. Deshalb kann man nur empfehlen, sich vor dem Umgang mit Gefahrstoffen, auch die nötigen Vorsichtsmaßnahmen für sich (und nicht
zu vergessen Außenstehende) zu treffen.

Gruß

Tolstoi
 

dl^_^lb

Mitglied
MAK

Zum Thema MAK:
Wer viel und lange gesundheitsschädigenden Stoffen ausgesetzt ist sollte sich selbstverständlich bei der Genossenschaft o.ä. informieren.
Ansonsten empfehle ich Die Merck Chemikalien Datenbank auf CD. Merck ist u.a. ein Chemiekalienhändler, der diese CD aus Werbegründen kostenlos verschickt.

Da findet man die MAKs und alle erdenklichen anderen Daten (z.B: Informationen zur Lagerung) von 12k Chemiekalien, das kann zwar nicht gründlichere Information bei der entsprechenden Stelle ersetzen, ein gutes Nachschlagewerk für den täglichen Gebrauch ist es allemal.

Hilft natürlich bei Geschichten wie Troppenhölzern wenig, den wer weiß schon was da drin ist :-/
 
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F

filosofem

Gast
Wirklich ein Super Beitrag! Dass viele der aufgezählten Stoffe und Materialien schädlich sind war klar, aber bei einigen anderen war mir das wirklich neu! Zumal ich momentan selbst dabei bin erste Versuche an einem Messer zu wagen.
 

zorro_43

Mitglied
MAK

Hi,
Was nützt mir der MAK Wert?

Ich kanns doch eh nicht messen, oder?
Bei mir auf der Arbeit kommen immer die Elektriker mit ihrem scheiss Platinenmaterial in die Werkstatt und ich hab hinterher den Glasfaserstaub überall rumfliegen.

Mehr als lüften und fegen kann ich ja nicht machen.
Und bald ist Winter, da erfrieren alle Elektriker sofort, wenn man das Fenster auf macht!

Zorro
 

dl^_^lb

Mitglied
MAK als Richtwert, Zu Informationszwecken nicht als Allheilmittel! Wenn da für ne Substanz steht 10000kg/m³ kannst du wohl davon ausgehen, dass nix passiert.

Gegen den Staub konkret gibt es sicher Absauganlagen, die über dem Arbeitsplatz/ der Arbeitsfläche installiert die Belastung wesentlich verhindern, aber dazu kann man bestimmt beim Hauptverband der Berufsgenossenschaften und oder bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin oder bei deiner BG oder beim Bürgerportal Arbeitsschutz NRW (letztere bieten sogar eine Online-Beratung an). Da erfährst du mit Sicherheit von wem du bei dir die Belastung in der Werkstatt messen lassen kannst, und was dann zu tun ist.

Was ich nicht nachvollziehen kann, wenn du (zu Recht) Bedenken hast wegen der Staubbelastung, warum hast du dich da nicht längst drum gekümmrt, oder habe ich da etwas misverstanden?
 
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