Geeignete Stielhölzer (Holzsorten und deren Verarbeitung)

kaputtmacher

Mitglied
Hallo zusammen,

seit einiger Zeit sammeln sich immer mehr Hammerköpfe bei mir, viele von zb. Peddinghaus und warten darauf getestet zu werden.

da wären zb. Treibhammer mit Kugelkopf bzw gewölbter Bahn, Ballhammer, 2kg Schlosserhammer, Sensenhammer, div. Fäustel, alte Schlosserhammer aus c45/c60 usw......


Welche Holzsorten könnte ich für Stiele verwenden? (fehlen welche in der Liste?)

geeignet sind soweit ich weiß Esche, Eibe, Hasel, Weißdorn, Robinie, Hickory.........


Ist bei allen Hölzern bei der Verarbeitung auf Stehende Jahresringe zu achten?
Was macht man zb. mit Eibensplint- bzw. Kernholz

Gibt es denn das Topholz für Stiele?

Gibt es gesundheitliche Bedenken bei Eibe und Weißdorn?


ich weiß viele Fragen,
da ich aber alle genannte Holzsorten habe bzw bekommen könnte,

muss ich fragen:)

mfg




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ScorpioDesign

Moderator Forum ScorpioDesign
Moin,

mein Schmiedemeister hat mal erzählt, dass Haselnuss keine / weniger Blasen an den Händen gibt, keine Ahnung, warum (wusste er auch nicht). Aber vielleicht ist das auch eine dieser "Handwerkerweisheiten" :confused:

Ich hab dann Haselnuss genommen, um meine selbstgeschmiedeten Setzhämmer, Schrote und Durchtreiber einzustielen - macht keinen Sinn wegen der Blasengeschichte, ist schon klar - gabs aber für Lau und war gerade da. Funktioniert gut. Problem ist nur, dass man kaum gute Stiele für dickere Hämmer findet.

Grüße,
Gunther
 

AchimW

Mitglied
Haselnuss nimmt man für die Hilfsgeräte, nicht für die Schmiedehämmer. Die Haselnuss-Stiele federn und verhindern Prellschläge und Blasen und werden ja auch normalerweise nicht verkeilt.

Die mit Abstand besten Stiele für Hämmer ...... gibts leider kaum noch. Die sind aus Kornelkirsche.
 

ScorpioDesign

Moderator Forum ScorpioDesign
Haselnuss nimmt man für die Hilfsgeräte, nicht für die Schmiedehämmer. Die Haselnuss-Stiele federn und verhindern Prellschläge und Blasen und werden ja auch normalerweise nicht verkeilt.

Moin Achim,
danke für die Erklärung. Dann hab ichs ja richtig gemacht.
Aber war wohl ein unnützer Tipp von mir, da der TO ja Stiele für Schmiedehämmer sucht.

Grüße,
Gunther
 
Zuletzt bearbeitet:

natto

Mitglied
Esche kann ich selber schlagen, sonst sieht es dünn aus, mit mit selbstgefällten Stielen. Astholz könnte ich schon leichter kriegen. Ist Astholz für Stiele geeignet? Manchmal sehe ich Stücke, die fast schon darum bitten, eine zweite Existenz als Stiel zu beginnen.

Gruß Holger
 

Geonohl

Mitglied
Ast und Stamm machen wohl keinen großen Unterschied.
Ich hab eine Beschreibung aus den 1930ern, dass Axtstiele aus dem Teil nahe der Wurzel sein sollen, So dass man aus einem Baum nur weniege Stiele machen könnte da der Axtkopf des zäheren Holzes an der Basis bedürfte.
An anderer Stelle steht aber, das man auch gut Äste verwenden kann (ich mein, das währ bei anderem als Esche).
 

Damascener

Mitglied
Huhu!

Eibe ist ein geschütztes Holz (zumindest in A) und ist relativ giftig, deshalb ist bei Schleifarbeiten ein Mundschutz empfehlenswert. Ich würde dieses Holz nur für Schmuckmöbel oder -gegenstände verwenden. Alle anderen sind durchaus geeignet.

Grüsse Dama
 

WiCon

Mitglied
Prinzipiell eignet sich jedes Holz, das sich auch zum Bogenbau eignet.

(Eibe, Osage, Robinie, Ulme, Ahorn, Esche, Birke, Hainbuche, Eberesche, Holunder, Hartriegel, Goldregen, Obstbäume ...)

Grüße Willy
 

sanjuro

Mitglied
.....Welche Holzsorten könnte ich für Stiele verwenden?......geeignet sind, soweit ich weiß, Esche, Eibe, Hasel, Weißdorn, Robinie, Hickory.........
Zu Eibe kann ich sagen, dass es sehr gut als Stiel ist, soweit Federungseigenschaften und Stabilität eine Rolle spielen. Was Eibe aber kritisch macht, ist die Tatsache, dass die Fasern dieses Holzes druckempfindlich sind. Wenn das Auge eines Hammerkopfes eine zu starke doppelte Konizität (oben und unten) aufweist, die nicht 'weich' verschliffen ist, wird die Holzfaser beim Verkeilen (speziell mit Metallkeilen) geknickt. Das kann dazu führen, dass der Stiel abbricht und der Hammerkopf während der Arbeit plötzlich davon fliegt.

Das ist mir noch nicht passiert (ich kontrolliere meinen einzigen Eibenstiel öfter und verwende ansonsten Robinie), ich habe aber von solchen Fällen gehört.

Gruß

sanjuro
 

munin

Mitglied
hartriegel kornelkirsche war bei uns(großvater) das stielholz seiner wahl! ich kann mich noch genau erinnern wie wir auf hartriegel suche bei uns im revier waren,der hartriegel musste in der nähe eines baches wachsen da das holz dadurch weniger bruchempfindlich war.
diese theorie gibts auch bei der esche (kalkesche und wasseresche=fraxinus excelsior unterscheidet sich nur vom standort sprich trockener und feuchter habitus).
die hartriegel stiele hielten sehr lange,ich habe noch einen hammer den mein großvater ca. in den 80er jahren bestielte!
nächste woche geh ich hartriegel (cornus mas) schneiden da gibts zig theorien vom zeitpunkt,im saft nicht im saft,.... vollmind abnehmend,zunehmend,......
gruss munin
 

kaputtmacher

Mitglied
hi,
schön das Meinungen und Holzsorten zusammenkommen,


Den Gedanken das Bogenhölzer sich eignen können hatte ich auch.
an diesen Gedanken knüpfen auch meine Fragen bzgl. der stehenden/liegenden Jahresringe bzw Kern/Splintholz an.

zb. ein Stiel aus dünner Eibe mit Splint als Mantel?
auch wenn man bei druckempfindlichem Holz mehr aufpassen muss.

Lohnt es sich mal zu testen was einem gefällt wenn Hartriegel nicht zu beschaffen ist?


mfg
 

sanjuro

Mitglied
......schön, dass Meinungen und Holzsorten zusammenkommen....

Lohnt es sich, mal zu testen, was einem gefällt, wenn Hartriegel nicht zu beschaffen ist?......
Kornelkirsche (sog. Gelber Hartriegel) ist kaum noch zu finden, aber grüner Hartriegel (Cornus viridis) und mit lackroten Trieben auch roter Hartriegel (Cornus sanguinaria) sind häufig und bilden manchmal ganze Bestände. Das sollte also kein Problem sein.

Testen lohnt sich vielleicht, das hängt aber von den Kriterien ab. Wenn Du Holz auf Belastbarkeit testen willst, das Dir vom Aussehen her gefällt, dann musst Du Dir halt eine Testvorrichtung bauen, die risikoarme Versuche ermöglicht. Ansonsten geht vielleicht mal ein Hammerkopf auf die Luftreise......

Gruß

sanjuro
 

WiCon

Mitglied
@sanjuro: sanguinea?

Sanguinaria kenne ich nur als Blutwurzel, und die ist als Stielholz nicht wirklich geeignet.

Grüße Willy

p.s.: Der Record-Arkansas gefällt mir.:super:
 

kaputtmacher

Mitglied
morgen,

die Optik spielt garkeine Rolle, mein Hammerkopf fliegendt ausspannen liegt mir völlig fern:D

Es entwickelt sich halt langsam ein Gefühl für die Hammer/Hämmer:confused:, wie sie springen usw....

Jetzt wollte ich mal Holzsorten testen und schauen ob man Unterschiede feststellt.

Einfach nur um das Arbeiten evtl. angenehmer zu gestalten.


naja gestern hab ich mal Weißdorn durch die Bändsäge geschickt, mal schauen was draus wird.



mfg
 

sanjuro

Mitglied
@sanjuro: sanguinea?

Sanguinaria kenne ich nur als Blutwurzel, und die ist als Stielholz nicht wirklich geeignet......

SANGUINEA ist natürlich korrekt, aber weil ich bei dem Namen an Guinea denken muss, mache ich das meist falsch......

Deine Wissenslücke überrascht mich nicht, denn die Hunsrücker Varietät von Blutwurz ist kaum bekannt. Sie wurde als Busch etwa 3 - 4 m hoch, und die verholzten Triebe waren als Werkzeugstiele und -griffe hervorragend geeignet. Leider ist diese Pflanze schon vor längerer Zeit ausgestorben - die Eingeborenen hier - und nur diese dürfen das! - suchen noch nach alten, abgestorbenen Pflanzenteilen und bringen sie unter dem Namen Wüsteneisenholz auf den internationalen Markt.......

Gruß

sanjuro
 

JL-Jokke

Mitglied
Sanjuro erzählt mal wieder nicht alles,
typisch Hunsrück? Au weiea... (Gruß an de Algscher...)

um das richtig zu stellen:
dabei muss eine Jungfrau beim ersten Vollmond noch an die Wurzel pinkeln,
nach zwei Wochen, bei abnehmendem Mond konnte dann die Blutwurz geerntet werden!

"Keine Geheimnisse"
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Es wird kaum ein Laubholz geben, das sich nicht als Hammerstiel für einhändig geführte Hämmer eignet. Selbst Hasel ist da noch fest genug.
Kritischer wird es bei den längeren Stielen für Vorschlaghämmer. Ganz kritisch wird es, wenn man diese Stiele auch noch besonders dünn haben will, sei es weil man kleine Hände hat, sei es, weil man gewisse Federeigenschaften schätzt oder warum auch immer.

Für solche langen Stiele hat sich Hickory uneingeschränkt bewährt, auch deshalb, weil es eines der wenigen Hölzer ist, bei denen die Belastbarkeit nicht so sehr leidet, wenn man die stehenden Fasern durchtrennt.-Ähnlich verhält sich Ulme.
Bei anderen Hölzern ist es wichtig, dem Faserverlauf möglichst exakt zu folgen.
Bei den Bogenbauern gibt es Untersuchungen, in welchem Maße Holz geschwächt wird, wenn man nicht exakt dem Faserverlauf folgt.
Als Faustregel kann man festhalten, daß die Festigkeit in etwa in dem Verhältnis abnimmt, in dem Fasern aus dem Stiel auslaufen oder verletzt sind. Bei 10 % Fasern, die nicht in der ganzen Länge dem Probestück folgen, geht man also von einer Schwächung um ca. 10 % aus.
Das ist sicher nur eine grobe Daumenpeilregel, die auch von Holz zu Holz angeglichen werden müßte- Hickory-unempfindlich- Ebenholz, weil leicht spaltend- sehr empfindlich.

Einen großen Einfluß hat auch der Trocknungsgrad. Übertrocknetes Holz ist spröde, feuchtes Holz weich und wabbelig.

Ein paar Beobachtungen aus der Praxis:

Alte Holzfäller in Oberhessen empfehlen für Axtstiele- ähnlich belastet wie Hammerstiele, wegen der Krümmung aber diffiziler- Esche und "Bouche", letztere gilt als ganz unverwüstlich, wenn man den Axtstiel in spe schon während seines Wachstums in die passende geschwungene Form bringt. Buche soll aber einen Nachteil haben:" Däi breanne su enn de Henn".

In der Reihe : "Der Letzte seines Standes" wurde ein Steinbrecher porträtiert, der für seinen großen Hammer zum Zerteilen der Steinbrocken einen Ilex- Stiel verwendete.

Als Matthias Burger mir seine Wurfkünste mit der Franziska vorführte, ging ein Stiel zu Bruch. Ich gab ihm ein Stück Astholz, aus dem er einen neuen Stiel formte. Dieser sei der mit Abstand belastbarste gewesen, den er je gehabt habe.
Er fragte mich später, ob ich von diesem Weißdorn noch ein Stück habe. Ich hatte- aber der"Weißdorn" war in Wahrheit Flieder.

Das Holz der Cornus-Arten ist für seine Härte und Zähigkeit bekannt. Der Rote Hartriegel- cornus sanguinea- heißt nicht umsonst auch Hornstrauch. Ich habe ihn in der Umgrenzung meiner Terrasse angepflanzt. Er wächst wie Unkraut, hat in 11 Jahren durchaus schon Stämme von "Vorschlaghammerstielstärke" entwickelt und treibt schöne gerade Schößlinge, die sich zu fast unverwüstlichen Pfeilschäften verarbeiten lassen.
Cornus mas- die Kornelkirsche- hat ein noch härteres Holz, wächst sich zu mittleren Bäumen aus und wurde schon vom alten Xenophon zur Fertigung von Lanzenschäften empfohlen.

Enorm hart und zäh ist auch Liguster. Wenn man ein passendes Stück findet und es schonend rißfrei trocknet, hat man einen Hammerstiel, der zweifellos Generationen aushält.

D a s b e s t e H o l z wird es wohl nicht geben, viele sind aber uneingeschränkt geeignet, insbesondere bei vernünftiger Bearbeitung.
Aussagen wie: Ich säge das perfekt gerade zu, höre ich in diesem Zusammenhang mit gewisser Skepsis.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 

WiCon

Mitglied
@sanjuro: Potentilla erecta hunsrückiensis habe ich tatsächlich vorher nicht gekannt, danke für die Aufklärung. Als einzige lokale Varietät kannte ich nur die im Kölner Raum beheimatete Blootwoosch, die absolut nicht als Griffmaterial geeignet ist ( das heißt, wenn man den Threat zum MfOdT verfolgt, dann scheint es eine türkische Unterart des Wurzes zu geben, die zumindest als Material für Messergriffe geeignet scheint).


Grüße Willy

An die Mods und sonstigen Irritierten: Potentilla erecta hat nichts mit dem zu tun, woran ihr gerade denkt?
 

hanz

Mitglied
Das sind

ja so einige Tips und Hinweise die ich mir merken werde... ich geh gern mal mit der kleinen Säge auf die Sucghe nach schönem und brauchbarem Holz.
Bislang stielte ich fast alles mit Weißdorn ein, davon halte ich immer etwas auf Vorrat.
Aber auch mit Eibe habe ich sehr gute Erfahrungen... wegen der Giftigkeit - und weil ich gerne so arbeite - schleife ich diese jedoch nicht.
Ich bearbeite sie lieber mit dem Zugmesser, damit sind sehr schöne Oberflächen zu erzielen.
Zum Schutz der Eibe... naja, ich hole mir dieses Holz eben bei einem Friedhof vom Abfall. Auch einige Bogenbauer holen sich ihr Material dort, alleine schon weil das Holz dort gut, gepflegt und gerade wächst.

Gruß vom hanz