Franziska

crashlander

Mitglied
Hallo Leute,
nachträglich frohe Weihnachten und ein gutes, erfolgreiches, scharfes Jahr.

Ich habe eine Frage, die vielleicht eher Leute aus dem Fränggischen beantworten können. Letztes Jahr war ich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (sehr zu empfehlen, laßt Euch vom Namen nicht abschrecken) und dort gab es gerade eine Sonderausstellung über Ausgrabungen im Schwäbischen, wo vor allem Funde aus der Merowingerzeit (Die Reiterkrieger von Pfahlheim) gezeigt wurden, wenn ich nicht irre. Es war auch die Replika einer Franziska ausgestellt, die von einem Messermacher gefertigt wurde und ziemlich schön war.
Weiß jemand zufällig wer das war? Ich kann mich nicht erinnern wers war, obwohl ichs mir merken wollte:(
 

Ramses

Mitglied
Hallo,
ich habe die Ausstellung zwar nicht gesehen - aber vielleicht hilft Dir dieser Tipp weiter: der Zuständige am Museum für Vor- und Frühgeschichte ist Dr. Tobias Springer (t.springer@gnm.de), der sehr nett und hilfsbereit ist - vielleicht weiß er noch wer es war?
Lieber Gruß und Schönes Neues Jahr auch Dir,
Natalie
 

Nidan

Mitglied
Entschuldigt bitte die blöde Frage aber kann mir bitte jemand sagen was eine Franzika ist.

Ich schätze mal ihr meint nicht eine nette Dame sondern irgendwas mit dem man seinen Mitmenschen eine echte Ferude machen kann wenn die unfreundlich waren ;) , aber was ist es denn genau ?
 

TheLonestar

Mitglied
Franziska: Ich glaube, es ist eine Mittelalterliche, für einhändige Bedienung ausgelegte Wurfaxt.
Zumindest in Diablo II:p

P.S: Habe eine Level 70 Amazone, wer kann das toppen?:irre:
 
G

gast221108

Gast
@Nidan:

Hallo, mein Lieber ich melde mich auch mal wieder zu Wort ;-).
Zu Deiner Frage: eine Franziska ist ein sog. fränkische Wurfaxt. Sie war bei den Franken zu Zeiten Karl d. Grossen und früher eine beliebte Waffe und hatte eine spezielle Form. Habe leider kein passenders Bild zur Hand.

Gruss aus KO

dino
 

Floppi

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So sieht so ein Teil aus:
m2041.jpg

Bildquelle: melbar.de

@Lonestar: lvl 83 Bowama (ohne Buriza :teuflisch ) und das seit etwa 4 Monaten....
 
Zuletzt bearbeitet:

Nidan

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Vielen Dank für die Infos, hab mir doch gedacht daß es was hartes, scharfes ist :D

Übrigens ich hab nen 84er Lanzenbarb und ne 83er Firesorc aber seit Blizz die Ballance so versaut hat macht`s gar keinen Spaß mehr :(
 

TheLonestar

Mitglied
@ Floppi u. Nidan: Respekt!:super:
Nidan, wenn Dir die neue Balance von Blizz nicht gefällt, nimm einfach den alten Patch, kannst zwar nicht mehr über Battlenet, aber für ne nette LAN, und für fun allein, reichts.:eek: Das der Barbar und die Sorc VIEL zu stark waren mußt auch Du zugeben!
 

crashlander

Mitglied
And now for something completely different (nämlich zum eigentlichen Thema :steirer: ): Danke für den Tip mit der Emailadresse Ramsesnatalie, werd ich mal nachfragen.
 
Francisca

Zwecks Rundum-Info sei zur Klärung des Begriffes aus einem Standardwerk zitiert, nämlich "Blankwaffen I" von Heribert Seitz. Here we go:

"Eine ausgesprochene Streitwaffe war der Typ, den die Spanier einst nach den Franken francisca tauften. Isidorus Hispalensis (datt issn vor einigen Jahrhunderten verblichener Wissenschaftler + Sprachforscher gewesen - M.R.) berichtet hiervon in seinem enzyklopädischem Werk "Etymologiaee sive origines (Lib. XVIII)": Secures quas Hispani ab usu Francorum per derivationem franciscas vocant. Diese interessante Waffe war ziemlich klein im Format und in erster Linie ein Wurfbeil, das aus 15 bis 10 Meter Abstand geworfen wurde, um den Feind aus der Richtung zu bringen oder ihn zu verwirren. Sidonius Apollinaris und Procopius bezeugen, daß sie als die Nationalwaffe der Franken in der Merowingerzeit bezeichnet werden kann. Elegant, kühn, aber dennoch schmiegsam geschwungen und mit nach oben und unten verlängerter Schneide (...) erscheint sie. Der Schaft war natürlich ziemlich kurz und etwas gebogen. Das Gewicht variiert gewöhnlich zwischen 550 und 600 Gramm (...). Die Francisca kam bei den Franken schon vor der Zeit Karls des Großen außer Gebrauch, war damals aber bereits bei den Alemannen, Burgundern, Langobarden und Goten verbreitet. Selbst zum Norden fand sie ihren Weg, doch ist hier nur eine geringe Zahl bekannt, und diese stammt aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts (...). "

Blankwaffenexperte G. Seifert definierte die franziska/francisca so: "fränk. Wurfbeil mit schmalem, nach vorn geschweiftem Blatt und mehr oder weniger ausgezogenem vorderen Bart, Klinge teils mit Ohr (...), teils mit angeschmiedetem schaftfederartigen, spitz zulaufendenn Lappen zur Aufnahme des Stils."

Ergänzend sei noch angemerkt, daß unter "Merowingerzeit" in diesem Zusammenhang die Zeit von ungefähr Mitte des 5. bis Mitte des 8. Jahrhunderts nach Christi Geburt zu verstehen ist. Außerdem sei ebenfalls angefügt, daß die Axt iund das Beil in der Vökerwanderung eine Art Comeback als Waffe erlebten, ihre Grundformen zum Teil aber bis in die LaTene-Kultur zurückreichen.

Aber: Rein von den Abmessungen her gehört die francisca in den Bereich Beil. (Haupt-Unterschied zur Axt: Diese führt man infolge eines längeren Stieles beidhändig, ein Beil dagegen einhändig).

"Der Vorhang fällt, und alle Fragen bleiben offen."

best regards,

Matthias
 

roman

MF Ehrenmitglied
JA hab auch eine Franziska handgeschmiedet in lagentechnik ein geiles Teil 380 gramm. Die macht ein guter Freund von mir im fränkischen Stammbach Mathias Burger der hat sich damitseit Jahren sehr intensiv auseinander gestezt. Er hat für das Germanische National Museem nachfertigungen gemacht für angewandte Archiologie...

Übrigens scheint mir der Winkel des Stielauges zu flach und der Stiel ist falsch rum drin
 

Cato

Mitglied
Re: Francisca

Original geschrieben von Matthias Recktenwald
"Der Vorhang fällt, und alle Fragen bleiben offen."

Iwo! Standing ovations!! :steirer:
Zu schade, daß man heute als Historiker in die Ur- und Frühgeschichte ausweichen muß um etwas Ahnung von der Waffentechnologie früherer Zeiten zu bekommen. Militärgeschichte ist ja ganz out... Ich habe zum Beispiel unlängst für eine Seminararbeit ewig nach moderner Literatur gesucht, die eine Einschätzung der Wirksamkeit der ersten Feuerwaffen ("Feldschlangen", etc.) vornimmt. Auch was die Blankwaffentypen der Conquista angeht, bin ich kaum fündig geworden.
:( Umso mehr Respekt vor den VISIER Redakteuren, daß ihr stets interessante, nicht zu sehr simplifizierende Artikel zum Thema historische Waffen zusammenbekommt!

MfG

Gerald
 
Zuletzt bearbeitet:
OT: Kanonen

Danke, das Lob geht runter wie ein frisch Gezapftes im Hochsommer!

Zu den Feldschlangen o.ä.. Ich weiß, es ist "nur" ein Roman, aber "Der Meister des siebten Siegels" enthält einiges an Infos zu Themen wie Kanonen-Guß etc. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich auch ein Blick über den Gartenzaun. Wer sich für Metallguß (Bronze etc.) interessiert, rede mal mit Glockengießern. Denn deren Techniken sind ja zum Teil uralt. (Übrigens: Das von Pennälern vielgeschmähte "Lied der Glocke" von Friedrich Schiller verdient in dem Zusammenhang eine besondere Erwähnung: Unser schwäbischer Nationalpoet hat nämlich das Thema umfänglich im Detail studieren müssen, ehe er es in Worte gießen (!) konnte. Denn das Ding liest sich wie eine minutiöse Gebrauchsanweisung zum Guß.

Das mit der Conquista ist ein Problem, überhaupt Spanisches aus der Zeit --- da kann und darf man auch verzweifeln.

Militärhistorische Literatur:
- Preußisches Bücherkabinett in Berlin (sind im Internet).
- Collectiana (Buchhandlung in der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz - vorher Geldbeutel kontrollieren, sonst wirds teuer. Muß man hinfahren. lohnt aber).
- U.S. Books in Herne.
Zumindest eine oder zwei dieser Firmen stellen auch auf Messen aus; die nächste von Bedeutung ist die ISA auffem Stuttgarter Killesberg. Ich weiß, das ist weit wech von Österreich.

Das mit den Militärhistorikern ist schlichtweg eine Schande. Man ja muß kein Militarist sein, um die Wichtigkeit dieser Zunft zu erkennen, genauso wenig wie man Pazifist sein muß, um die Relevanz der Friedensforschung zu akzeptieren. Aber wie will man denn militärische Aktionen als Forscher einschätzen können, wenn man dieses Thema völlig aus der wissenschaftlichen Diskussion ausklammert? Wie wollen/sollen/können sich alle vom Friedensforscher bis hin zum Taktiker-in-spe für ihre Aufgaben rüsten? Diese Ignoranz ist ebenfalls ein Auswuchs der "Political Correctnesss", aber einer deutschen. In den USA oder Großbritannien oder Italien käme man auf so eine Schwachsinnsidee sicher nicht.

Der nahezu stets brillante Michael Wolffsohn ist ja in der deutschen Zunft fast schon "last man standing". Doch gibt es in Potsdam wegen des dorthin verlegten MGFA m.W. auch wieder einen Lehrstuhl für dies Gebiet. Und ich glaube, die Militär-Uni in Hambursch an der Elbe müßte auch einen Lehrstuhl zu dem Thema haben. Das es in Austria damit auch klemmt, war mir neu.

Grüße

Matthias
 
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Ramses

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Zur Militärgeschichte (auch wenn es nicht mehr ganz zur Franziska passt): das MGFA (Militärgeschichtliche Forschungsamt) in Potsdam ist recht aktiv, gibt mehr oder weniger unregelmäßig eine Zeitschrift heraus (früher: Militärgeschichtliche Mitteilungen, nun Militärgeschichtliche Zeitschrift, Oldenbourg Verlag in München) beschäftigen sich aber weniger mit der ganz frühen Zeit. Aber es stimmt: reine Darstellungen oder Übersichtswerke erscheinen mehr und mehr in wissenschaftlichen, vor allem archäologischen, Verlagen ... und da erfährt man als "Normalsterblicher" oftmals nicht, daß es diese Bücehr gibt...
Zu empfehlen ist noch der "Pallasch", herausgegeben vom Österreichischen Milizverlag - erscheint glaube ich alle 2 oder 3 Monate (?) und bietet Artikel zu allem Möglichem was einem zu Waffen (und angrenzenden Dingen) zu tun hat.
Vielleicht ist es mal wieder Zeit für einen "Allgemeine Literatur"-Thread?
Grüße, Natalie