Formsprache des Messers

lohmy

Mitglied
In dem Thread tactical sells? fragte Floppi, ob "tactical" sells. Ich meine schon.

Ich habe daraufhin einige design-theoretische Aspekte in die Diskussion eingeworfen, die wir vielleicht in diesem thread näher diskutieren können.

Ein Messer ist ein Design-Gegenstand wie jeder andere auch. Ob mp3-Player, Haarfön (den ich nicht mehr brauche), Hifi-Anlage oder auch Software-Oberflächen, sogenannte User Interfaces, sie alle folgen denselben Design-Grundsätzen. Lediglich die Gewichtung praktischer Funktionalität vs. formaler Extravaganz mag differieren. Aber -und das möchte ich hier ausdrücklich betonen- sowohl Praktikabilität als auch formale Gestaltung sind Inhalt ganzheitlichen Designs.

Nun aber zur Diskussion; ein paar Thesen:

- Ich vertrete die Ansicht, dass 80% des Designs unsichtbar sind. Man erlebt es ausschließlich über die Nutzung des Objektes bzw. des Messers. Das nennt sich Handlungs-Nutzung-Ästhetik.

- Das Fehlen von Design spürt man sofort.

- Design-Fehler werden in der Handlungs-Nutzung-Historie als solche entlarvt. Schei..e tat das weh, als ich mich mit dem AF Fairbain geschnitten habe :-(

- Das Messer kann noch so sexy aussehen, wenn es in der Praxis versagt, ist es durchgefallen.

- Die Praxis ist derart individuell, dass es kein Messer für alle Zwecke geben kann.

Nun, eigentlich wollten wir hier über Formsprache und Messer sprechen. Tja Loide, Eure Lieblinge lassen sich auch design-wissenschatlich betrachten. Keine Sorge: Das wird kein Psycho-Striptease alà "Sag mir, welches Messer Du trägst, und ich sage Dir, was für ein Mensch Du bist". Ich möchte einfach nur sagen, dass auch Messer gezielt designt werden. Das ist ja auch nicht schlimm. Wer würde denn auch schon den Designern dieses Forums böse Absichten unterstellen wollen. Geile Teile, teilweise.

Bei der Gestaltung von Messern -wie bei allen Objekten- wird ganz gezielt mit Anzeichen- und Symbolfunktionen gearbeitet (nähere Erklärung unter obigem Thread). Lasst uns vielleicht einfach über konkrete Beispiele sprechen.

Ich habe Bilder vom Fred Perrin und M16/14 auf meiner (noch im Aufbau befindlichen) site.

Ich bin gespannt, was wir hier gemeinsam über Messer erfahren werden. Das nicht so Offensichtliche bestimmt das Wesen eines Dinges häufig mehr als der äußere Schein.

P.S.: Liebe Schmiede und Messermacher, wie seht Ihr das? Welche Design-Überlegungen macht Ihr Euch? Habt Ihr eine Vision, wie Euer Messer benutzt werden wird?
 

spyderbug

Mitglied
Hallo!

Ein interessantes Thema! Ich denke mal das bei einem Messer, das in großer Stückzahl verkauft werden soll folgende Dinge im Vordergrund stehen:

1) Optische Wahrnehmung

Welche äußere Form ist am ehesten dazu geeignet eine breite Masse anzusprechen, denn zuerst sehen wir ja das Messer. Das ist aber schon fast eine Idee der Werbung bzw. des Marketing (Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?)

2) Taktile Wahnehmung

Wenn wir uns entschlossen haben, daß uns ein Messer gefällt, dann versuchen wir, es mal in unsere Hände zu bekommen. Wenn dann das Gefühl entsteht, das es gut in der Hand liegt und sich den physischen Gegebenheiten unserer Hände anpasst, dann hat der Verkäufer schon fast gewonnen.

3) Qualitative Wahrnehmung

Wie ist es verarbeitet? Welche Materialien wurden verwendet? ....

4) Preis/Leistung

Wenn uns die Summe dieser 4 Punkte überzeugt, dann werden wir es wohl kaufen. :D

Ein Messermacher wird eher versuchen, den Wünschen seines Kunden gerecht zu werden und seine Wünsche und Vorstellungen in den Entwurf einfließen zu lassen. Unter Berücksichtigung des Verwendungszweckes entsteht dann vielleicht das Messer, das der Kunde schon immer gesucht hat, aber nie gefunden hat.

Das Design ist IMHO immer davon abhängig an wen es sich richtet und was ich damit bezwecken will. Ich denke, die Funktionalität steht oft im Hintergrund, was aber nicht bedeuten muß, daß alle Serienmesser deswegen schlecht sind.

Manche treffen halt mehr die Bedürfnisse und Wünsche der Allgemeinheit und manche gar nicht... :p

Soweit meine Theorie zum Design bei Messern.

Grüße, Robert
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Ich sehe das als Messermacher so:
Es gibt 2 große Designgruppen. Die erste richtet sich an die Leute, welche die Messer tatsächlich benutzen wollen. Hier gilt der Grundsatz: Form follows Function. Umsomehr, wenn man ein Custom Messer macht. Da sollten alle Details der späteren Benutzung mit dem Besteller abgesprochen sein und in das Design einfließen.
Die zweite Gruppe richtet sich an die Sammler. Hier kann das Design zwar auch höchst funktional sein, sollte dann aber über das Material außergewöhnlich sein. Oder aber das Design ist in allen Punkten so ausgefallen (und häufig unpraktisch), daß allein der Reiz des Ungewöhnlichen und Einmaligen zum Kauf verleitet.
 

Nidan

Mitglied
Erstmal danke für den Thread, lohmy !

Also , bei den Messern die ich bisher gemacht hab (sind aber erst 7 Stück) hab ich mir schon Gedanken über das Design gemacht. Allerdings unter recht unterschiedlichen Gesichtspunkten.

3 Beispiele :

Das Messer auf meinem Avatar : Also da war mir wichtig ein nicht zu großes Messer zu bauen, das gut schneidet, gut in meiner Hand liegt und das auch ein bisserl dynamisch auschaut.
Ich hab mich deshalb dafür entschieden für die Oberseite des Messers eine durchgehende Kurve zu wählen, die Klinge recurve zu machen und Fingemulden anzubringen. Die Klinge hab ich aus Gründen der Geometrie ziemlich breit gewählt, ausserden find ich daß breitere Klingen eine gewisse Kraft austrahlen. Bild ist hier http://www.messerforum.net/forum/showthread.php?s=&threadid=7002&highlight=pao+rosa

Mein Messer vom Schmiedetreffen : Da ging es mir in erster Linie drum mal was etwas wilderes zu machen. Also ein Messer das archaisch und ein bißchen bös ausschaut und einen kleinen Hibben-Touch hat. Die Funktionalität stand für mich im Hintergrund.

Hier der Thread dazu :http://www.messerforum.net/forum/showthread.php?s=&threadid=8290&highlight=schmiedetreffen

Das 2. kleine Messer aus dem Thread hab ich wieder unter ganz andren Gesichtspunkten designt : Ich wollte was möglichst praktisches, das gut schneidet und so klein ist, daß ich es immer dabeihaben kann. Die kleinen Griffschalen hab ich eigentlich hauptsächlich gemacht, weil ich rein technisch wissen wollte ob ich sowas kann ;)
Und die Rechnung ist da auch für mich aufgegangen ;)

Also das waren halt mal so ein paar Überlegungen eines Anfängers zum Thema Design
 

lohmy

Mitglied
@ rfruehauf, robert

Serienmesser bzw. -allgemein formuliert- industriell hergestellte Konsumgüter richten sich an eine mehr oder minder große Gruppe von Käufern. Der Käufer im einzelnen ist mit all seinen Wünschen nicht bekannt. Der Hersteller kann bestenfalls Klientel-Untersuchungen vornehmen und hoffen, dass er die richtigen Testpersonen ausgewählt hat. Die Untersuchungsergebnisse werden dann analysiert und auf eine gemeinsame Basis reduziert. Dabei müssen Abstriche gemacht werden. Am Ende kommt dann ein Entwurf heraus, der im optimalen Fall 80% der Anforderungen des Einzelnen abdeckt. Das ist aber auch schon verdammt viel. Ein Produkt, das 80% erreicht, ist super erfolgreich.

Du sprichst von der optischen Wahrnehmung als ersten Kontakt mit dem Messer. Da muss ich Dir zustimmen. I.d.R. sehen wir ein Messer bevor wir es anfassen können. Aber welche Punkte sind es, die Dein Interesse wecken? Farbe, Material, Kurvenverlauf, Proportionen, Symbole... Da sind sie wieder, die Symbolfunktionen.

Wenn wir uns entschlossen haben, daß uns ein Messer gefällt,...
Ist das ein bewusster Prozess? Oder läuft da nicht ne ganze Menge hinten durch die Brust ins Auge ab. Ich glaube schon.
 

lohmy

Mitglied
@ Guenter

Ich habe mir gerade Deine site angeschaut. Unheimlich ästhetische Objekte! Ich sage jetzt bewusst nicht Messer. Man kann Deine Werke auch einfach als Objekt betrachten und geniessen. Ein Aufruf an die Tactical Fans: Schaut Euch das an und seht wie weich ein Messer anmuten kann! Ich meine natürlich nicht die Härte des Stahls sondern die "Aura", die die Messer ausstrahlen.

Und da sind wir bei den Anmutungsqualitäten. Wie erfährst Du von Deinen Kunden, wie das Messer anmuten soll? Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, das so präzise zu formulieren, dass es Dir als Designgrundlage genügt. Wie kitzelst Du das aus Deinem Kunden raus?
 

lohmy

Mitglied
@ Nidan

Da hast Du mir sieben Messer voraus. Ich sehe da wirklich keinen "Anfänger zum Thema Design".

Das auf Deinem Avatar abgebildete Messer (Hat das eigentlich einen Namen?) hat eine sehr schön gespannte Kurve als Rücken. Der Kulminationspunkt liegt genau an dem Punkt, wo der Griff in die Klinge übergeht. Das Messer macht einen beherrschbaren Eindruck. Ich meine damit, hier ist der -glückliche- Nutzer Herr des Geschehens und nicht das Werkzeug. Das Messer unterwirft sich sozusagen seinem Besitzer. Es ist dynamisch aber nicht aggressiv. Die Griffschalen unterstützen diesen Eindruck.

Ich habe lange überlegt, ob der stark ausgeprägte Guard einen Design-Bruch darstellt. Er ist recht spitz ausgeprägt. Das schien mir eher untypisch für dieses Messer. Aber dann bin ich der virtuellen Linie des Guards gefolgt und bin exakt am Griffende angekommen. Diese dadurch beschriebene Linie schützt die Hand um ein weiteres. Sehr schön umgesetzt!

Rundrum ein Messer, das förmlich "Benutz mich!" schreit. Irgendwann würde ich das gerne mal in die Hand nehmen.

P.S.: Zu Deinem Archaeopteris ;-) komme ich gleich.
 

Christoph

Mitglied
Hallo zusammen,
ist ein wirklich interessantes Thema.
@lohmy:
Ich glaube, daß es garnicht so schwierig ist, aus den Kunden herauszubekommen was Sie wirklich wollen.
Aus meiner Erfahrung, kann ich sagen, daß der Geschmack der Kunden dem Geschmack des Herstellers sehr ähnlich ist. Guenter z.B. baut Messer in einem gewissen Stil. Seinem Stil. Die Kunden die zu Ihm kommen wollen solche Messer haben.
Ich kann mir vorstellen, das diese Leute ziemlich genau wissen was sie wollen und das auch zeigen können. Sei es verbal oder durch Skizzen, Bilder oder ähnliches.
Was allerdings interessant wäre ist man als Hersteller in der Lage ein Messer zu machen, was dem eigenen Stil absolut konträr ist?

Gruß

Cristoph
 

Geist

Mitglied
Also als 1. ist da Optische Wahrnehmung und selbst wenn das Messer vor einem auf dem Tisch liegt, kommt vor dem befingern, das sehen. Warum beim anschauen von so manchem Messer dieses einfach einen gewisser Reiz ausübet, kann unterschiedlich sein: weil es interessant aussieht, es eine schöne Linie hat, mir die Klingeform oder der Griff gut gefällt usw. Hat ein Messer mein Interesse erregt, dann schaut ich deutlich hin, schaue es mit genau an und jetzt kommt erst 2. das befingern, wenn möglich, oder zu mindesten so viele Infos zu dem Messer einzuholen wie ich bekommen kann. Wenn mir ein Messer gut gefällt, lass ich mir durch den Kopf gehen ob ich mir kaufen soll, wenn es a) überhaupt zum verkauf steht und b) ob das Finanziell drin ist, denn auch bei einem must have Teil und trotz aller Faszination für so manches Messer überwiegt bei mir doch die Vernunft, ich würde für ein Messer nie mein Konto überziehen und sei es noch so super/toll/schön!
 

lohmy

Mitglied
@Christoph

Deine Frage, ob ein Messermacher ein seinem Stil konträr laufendes Messer entwerfen kann, möchte ich an Günter weiterleiten. Ich vermute aber einfach mal, dass er es wenn überhaupt äußerst ungerne täte. Oder könntet Ihr Euch vorstellen, Günter würde beschichtete Tacticals mit Tanto-Klinge und G10-Griff in Kydex-Scheide bauen?

Ich für meinen Teil hätte große Schwierigkeiten, etwas zu entwerfen, das meinem Stil bzw. meiner Überzeugung widerspricht. Und wenn ich es müsste, wäre das Ergebnis bestimmt nicht so gut. Es würde einfach die Leidenschaft fehlen. Das Ergebnis hätte keine Seele, wenn ich es mal so pathetisch formulieren darf.

Ich bin immer wieder verwundert, wenn ich die Marke Puma mir anschaue. Die bauen seit Äonen Jagdmesser im klassischen Stil. In diesem Bereich haben sie sich eine sichere Marke aufgebaut. Und nun? Seit ein paar Jahren versuchen die sich auch im Tactical-Segment. Das wirkt irgendwie unmotiviert und wenig überzeugend. Davon abgesehen, dass sie damit ihre Marke verwässern, ist das nicht deren Stil, und die Ergebnisse stehen hinter denen der "reinen" tactical-Hersteller weit zurück. Sollte hier jemand von Puma vorbeischauen -und das ist ja nicht ganz unwahrscheinlich-, sei ihm gesagt: Bleibt bei Euren angesehenen Jagdmessern.
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Stimmt, ich mache nur äußerst ungern Messer, die meinem Empfinden total entgegen laufen. Wer sich schon mal ein Messer von mir nach eigenem Entwurf hat machen lassen, weiß, das ich zumindest über einige Aspekte des Entwurfs diskutiert habe. Wenn diese Stellen dann nur zufällig so aussahen, wie sie gezeichnet waren, machte ich meistens Gegenvorschläge. Auf Bestellung habe ich schon Messer gemacht, die mir widerstrebten; bezeichnend ist, dass ich davon nicht mal Bilder habe. Einige habe ich auch abgelehnt, wenn sie meiner Machart zu entgegengesetzt waren.
Wie Christoph richtig sagt, die meisten Kunden kennen dank Internet oder persönlicher Begegnung meinen Messerstil. Speziell bei Gebrauchsmessern unterscheiden sich die Parameter nicht so sehr, eine Hand ist nun mal eine Hand, nur größer oder kleiner; manchmal auch mit etwas weniger Fingern o.ä.. Wenn man dem Kunden ein Messer in die Hand geben kann, dass seinen Vorstellungen schon mal einigermaßen entspricht, und ihn damit hantieren lässt und beobachtet, erkennt man mit etwas Erfahrung schnell, wo es noch hapert. Die daraus folgenden Änderungen gilt es dann, harmonisch in die Gesamtform zu integrieren. Ich lasse die Kunden zu diesem „Anprobieren“ oft zu mir kommen, wenn es nicht zu weit ist, oder schicke das Messer im Rohstadium zu. Dann gilt es, telefonisch oder per mail, zu „sehen“, wo noch Änderungswünsche sein könnten. Manchmal wird dann auch noch ein komplett neues Messer daraus.
Selbst bei Nachbauwünschen betreffs bestimmter Messer, wie hier z.B. dem „Waidblatt“, gehen dann meine Formvorstellungen noch ein, hier z.B. am Griff.
bauer_pr.jpg
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Hm, interessante Sache das, lohmy. Ich habe Messer immer nach den Augen gekauft, dann mehr und mehr unter werkstofftechnischen Aspekten (welcher Stahl), dabei wurde die Optik sekundär, nicht ganz,natürlich. Gefallen muß es.
Funktionalität spielte zunächst auch keine dominante Rolle.

Irgendwann sieht man dann, dass man nicht weiterkommt mit Messern, die "aussehen wie" oder "aus dem Superstahl x" bestehen oder "Rasieren und auch Bäume fällen". Ist größtenteils alles Humbug. Schön aussehen sollen sie, sich einem Bild annähern, das man im Kopf spazierenführt, und was taugen zum Schneiden. Natürlich mit einem guten Stahl und einem schönen Griff. Da bleibt einem nicht viel übrig, man geht zum Knifemaker seines Vertrauens, oder man machts selber.

So fing es an. Zunächst die Orientierung an bekannten Mustern, ein Nicker bei mir, Stahlauswahl und optimale Wärmebehandlung.
Dann kam das Schmieden hinzu, was neue Dimensionen eröffnet. Nicht zuletzt das Gefühl, dass man "Anfassen" kann, steigert die Lust am Messermachen auf diesem Wege, die Vorspeise war gewissermaßen das Feilen aus dem Vollen.

Und der Aspekt der Ästhetik kommt immer stärker, in Kombination mit der Funktionalität auch noch. Dass der Werkstoff stimmt, setzt man voraus.

So kam, was kommen mußte, ich mache gerade ein Messer, das eine - wie meine Frau sagt - häßliche Klinge hat, Schafsfussklinge, Damast, noch mit Teilen der Schmiedehaut, und der Griff soll in seiner Form nur der Funktionalität gehorchen. Da erlebt man Überraschungen. Das Ding sieht klobig aus, manche meinen Hässlich. Aber es ist noch nicht ganz fertig. Aber es liegt in der Hand wie dorthingewachsen. Hat halt eine eigene Ästhetik.

Und während ich früher den blanken Stahl am liebsten mochte, weil er in seiner Kälte und in seiner fast abstrakten Form einfach schön war, reizt mich heute mehr das archaisch-urtümliche.

Wie man sieht, entwickelt man sich weiter. Ich behalte nur noch sehr wenige gekaufte Messer. Das F1 z.B. gehört dazu. Schlicht funktional und ästhetisch, obwohl ziemlich weit weg von meiner neuen Linie.

Hast eine interessante Diskussion angezettelt.
Übrigens, bei mir sells tactical überhaupt not.

Ach so, mein neuer stil ist etwa so:
archaisches claymore messer

mein alter war das hier:
ein nicker
 
Zuletzt bearbeitet:

spyderbug

Mitglied
@lohmy

Was Du bez. der Testpersonen schreibst, ist eigentlich die Grundlage jeglichen Marketings. Als wichtigstes Werkzeug des Marketings gilt ja die Marktforschung. Wenn man nicht weiß ob ein Produkt vom Kunden überhaupt benötigt wird, oder angenommen wird, dann kann man es auch nicht (oder nur sehr schwer) verkaufen.

Form und Farbe sind IMHO die wichtigsten Kritrien, wenn man auf den 1. Blick entscheiden soll ob das Messer gefällt oder nicht.

Ich denke, daß jeder von uns unbewusst sein "ideales Messer" in sich drin hat und neue Designs mit diesem vergleicht.

Das ist sichelich kein bewusster Vorgang, aber wenn ich so drübr nachdenke, dann spielt dieser Gedanke doch eine große Rolle.

Ein Anreiz ein Messer zu kaufen ist sichelich aber auch, wenn das Desin ungewöhnlich ist und sich irgendwie mit dem "mentalen Idealmesser" vereinbaren lässt.

Was ein Werbe- oder Industriepsychologe dazu zu sagen hätte, würde mich sehr interessieren. Das sind ja schließlich die Leute, die auch den Designern gewisse Vorgaben machen.

Für Customs gelten sicher andere Gesetze. Hier spiegeln sich mit Sicherheit we hier schon gesagt wurde) die persönlichen Vorlieben des Machers wieder und ich Kann Günter sehr gut verstehen, wenn er sagt er lehnt manchmal auch einen Entwurf ab wenn er ihm nicht passt.

Insgesamt ein sehr diffiziles und spannendes Thema...

Grüße, Robert
 

lohmy

Mitglied
@ Herbert

Ich fürchte, Du hast meinen Leidensweg gerade aufgezeichnet:
Umschauen, analysieren, frustriert sein, Ideen finden, selbst machen.
 

lohmy

Mitglied
Wenn ich den Verlauf dieser Diskussion so betrachte, fallen mir ein paar Dinge auf:

- Der "erste Angriff" (verzeiht mir den Polizeiausdruck, ich bin keiner) erfolgt über die optische Wahrnehmung.

- Die zweite Erkundung erfolgt über Befingern.

- Der dritte Punkt ist die Abschätzung der Qualität und die Beurteilung, ob das Messer seinen Preis wert ist.

Was wir noch nicht geklärt haben, ist die Frage, welche gestalterischen Aspekte Euch optisch "anmachen" (und die sind individuell sehr unterschiedlich), was Euch beim Befingern begeistert und was Euch zu einer Qualitäts-Preisrelation-Beurteilung bringt.

Ihr habt Euer Vorgehen beim Messerkauf beschrieben. Ihr habt aber bisher noch nicht inhaltlich beschrieben, was Ihr an einem Messer "geil" findet. Ich sage es bewusst so deutlich. Ich empfinde Messer auf einer sehr sinnlichen Ebene.

Die Dikussion, ob ein Messer schön oder hässlich ist, erinnert mich an das Stammtischgespräch, ob eine Frau blond oder schwarz sein soll. Das ist bekanntermaßen reine Geschmachssache. Es gibt da ja noch paar andere Aspekte...

Dennoch bitte ich Euch, Eure Vorstellungen klarer zu formulieren.

Welche konkreten Gestaltmerkmale begeistern Euch?
 

spyderbug

Mitglied
Na gut, nachdem außer mir wahrscheinlich eh keiner zu so unmöglicher Zeit wach ist, mach ich mal den Anfang...

Mir gefällt:

Zu 80 % natürliche Farben
Bei künstlichen Materialien Schwarz, Dunkelrot oder Dunkelblau
Fließende, runde Formen
Eher schlanke Messer
Messer mit einer Gesamtlänge von ca. 15 bis 25 cm
Einfache Gestaltung
Bescheidene Verzierungen, welche trotzdem die Optik entscheidend verbessern

Auf keinen Fall;

Wuchtig wirkende Messer (komischer Weise gefallen mir aber Kukhris
:confused: )
Bunte Messer (sogar mein Wenger hat graue Alu-Schalen)
Eckige Messer (sowohl Klinge, als auch Griff)
Hirschhorn-Schalen
Gravuren
Dolche
Messer die wesentlich kleiner oder größer als obige Maße sind

So siehts ca. bei mir aus. Trotz dieser Einschränkungen sind Ausnahmen aber natürlich möglich.

Grüße und einen schönen Sonntag,

Robert
 

Christoph

Mitglied
Hallo zusammen,
Ich finde flache Klappmesser mit Clip und Schalen aus edel aussehenden Materialien besonders schön. Die Klinge sollte nicht unbedint eine Tantoform sein. Dabei darf so ein Messer gerne auch technisch aufwendig sein z.B. ein spezieller Mechanismus zum öffnen oder schließen. Dabei ist mir das Material der Schalen ziemlich egal sie sollten nur schön anzusehen sein. Bei Holz ist das z.B eine schöne Maserung oder Farbe; bei Metall ein Materialmix oder farblich unterschiedlich anodiesierte Schalen. Kunststoffe finde ich nicht ganz so schön, obwohl sie sehr praktisch weil pflegeleicht sind. Desweiteren bevorzuge ich Messer die "weich" aussehen deren Klingenlänge nicht viel mehr als 8 cm beträgt.
Bei festehenden Messern sieht das ganz ähnlich aus, klassisch, aus edlen Materialien.

Anders sieht es bei Gebrauchsmessern zum Fischen, Kochen, Gartenabeit oder anderem aus. Da zählt nur die Funktion.

Was alle Messer sein müssen ist scharf.

Schönen Sonntag
Christoph
 

El Dirko

Mitglied
Also ich probier es mal, aber ich finde das sehr schwer. :D

Hauptsächlich Folder und kleine Neck-Knifes, weniger größe Messer.
Ein Einfaches aussehen ohne besondere Zierelemente, also keine Gravuren oder besondere Griffmaterialien. Modernes Design mit entsprechenden Materialien wie Alu, G10, Zytel und Titan in Kombination mit hoher bis sehr hoher Verarbeitungsqualität (Was man nicht sieht, aber beim Befingern einfach viel besser kommt :D).

So wie beschreibt man das "konkret" in Gestaltungsmerkmalen?
- Schlicht
- Funktional
- Modern
- Stabiel
- Agressiv
- Technisch inovativ

Konkreter bekomme ich das nicht hin, mir ist klar das es eher total allgemein ist. Aber wie soll man es konkreter fassen?
Gruß
El
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Also ich krieg das noch viel weniger konkret hin. Ich bin weder auf nen bestimmten Stil oder irgendwelche Materialien fixiert.
Primär muss mir ein Messer einfach gefallen. Das ist erstmal eine Frage der Proportionen. Und zweitens was man so auf die Entfernung an Verarbeitungsqualität sieht. Alles was aus dem Raster fällt, schau ich mir gar nicht weiter an. Danach gehts dann um Ergonomie, Materialien, Verarbeitung.
Da kann dann ein Damastnicker oder ein Lamprey rauskommen. Da kann ich wirklich nicht sagen, was mir besser gefällt. Mir schmeckt auch Fleisch und Fisch :)
Je nach Einsatzzweck überwiegt dann die Freude an der Form oder der Nutzwert. Gefallen müssen mir alle Messer und funktionieren müssen sie auch, aber bei nem Handmade zum Anschauen darf dann ruhig mal Ergonomie hinter Design, und Spielerei hinter Nutzen stehen.

Dann gibts da Ausnahmen. Ein MOD Dieter z.B. Das Ding ist schlecht proportioniert, die Klingenform ist langweilig - überhaupt ist das ganze Ding hässlich. Aber MOD hats IMO geschafft, dem Teil einen Werkzeugcharakter zu veleihen, mit Klinge, Glasbrecher und Gurtschneider gerüstet für alle Eventualitäten. Darauf falle ich rein und drum liegts hier und fährt im Auto mit mir rum. Obwohl ich das erstens nie brauche und zweitens die Kombination Messer/Nothammer allemal besser ist. Aber halt nicht so "tactical " :irre:

Gruesse
Pitter
 

El Dirko

Mitglied
Der MOD Dieter ist ein tolles Beispiel, ich hatte den auch schon angesprochen. Mir geht es da ähnlich wie Pitter, aber doch im Detail anders.

Grundsätzlich gebe ich Pitter mit seinen Aussagen recht. Andererseits finde ich das Teil aber auch total klasse, Wobei ich immer mehr den Eindruck habe das dies im Wesentlichem an folgenden Punkten liegt.

1. Das Ding strahlt die Massivität eines Pflastersteines aus.
2. Das Einrasten des Sicherung und der Klingengang und die Verarbeitung sind hochwertig, man wird zumindest nicht von entäucht.
3. Die Formensprache ist läßt keinen unberühert, ich finde es auch eher häßlich aber halt auch schon wieder geil. (Geht mir beim Gunting ähnlich.)

Aber auch mir gefällt das Messer immer weniger (Der Thrill ist weg).

Ganz anders das Pinnacle, was mir immer mehr gefällt. Das Messer lößt bei mir bei jedem Öffnen eine Freude aus die definitiv abnormal ist.
Aus dieser Konsequenz interessieren mich solide aber elegantere Messer wieder mehr, meine Wunschliste ist entsprechend von MT zu Benchmade umgeschwenkt und der Wunsch einen Framelock nach eigenen Vorstellungen bauen zu lassen ist geweckt worden. :D
Gruß
El

:D

Gruß
El
 
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