Finish und Beschichtungen

Seb

Mitglied
Weil das Thema gerade mal wieder aufgetaucht ist....

Welche verschiedenen Finishes und Beschichtungen gibt es denn... und was sind Vor- und Nachteile derselbigen? Bisher kenn ich folgende:

poliert
satiniert
stonewash ?
beadblast
anodisiert ?
brüniert ?
Teflon
Titannitrid ?

Bei den mit ? is mir allerdings ned so ganz klar, was dahintersteckt...

Seb
 

DeadlyEdge

Mitglied
Hi, Seb,
Erstmals, meinst Du nur Finisch und Beschichtungen der Klinge oder auch der Beschläge/Mechanik?
Zum Stonewashed siehe hier . Zum Brünieren = Bläuen hier und hier . Titannitrid und andere Beschichtungen : hier . Boron ist auch eine relativ populäre Beschichtung. Oft wird auch mit eingefärbtem (meistens schwarz oder grau) Epoxydharz beschichtet (Tac Ops).
Zum Anodisieren gibt es auch Threads.
Ansonsten würde ich zu Deiner Liste geätzt beziehungsweise acid washed hinzufügen. Dabei geht es vor allem um Damast, aber auch Monostähle werden so behandelt. Bei manchen (niedriglegierten) Stählen kann das Ergebnis dem alkalischen Brünieren ziemlich ähnlich aussehen. Genauso auch Klingen und Beschläge, die hitzegefärbt sind (bei den Klingen ist es meistens die Anlassfarbe). Und auch die Schmiedetextur ist ein Finisch.
Grüsse,
Martin
PS: achso, und noch ein Finisch: vergoldet :D
 
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Vogel75

Premium Mitglied
Über die Finishs und Beschichtungen ist auch im neuen Buch von D.Pohl ein kurzer Abriß drin, finde ich gar nicht schlecht. Keine Doktorarbeit, sondern kurz und bündig. Vielleicht kann auch jemand, der etwas Ahnung davon hat, ein paar kurze Sätze zu den verschiedenen Beschichtungen und Finishs in die Datenbank stellen?
 

freagle

Mitglied
Hallo Leute,

mir fällt dazu noch ein, das Bräunen von Damast, wie es schon vor Jahrhunderten mit Waffen gemacht wurde, dazu wird mit einem bestimmten Mittel dem Damast eine sogenannte Edelrostschicht gegeben, das kann von gelblich bis dunkelbraun sein. Zum Finish da würde mir noch das Bürsten einfallen, kommt wohl eher für Beschläge infrage.

Freagle

Freagles Selbstgemachte
 

Floppi

Mitglied
bzgl. brünieren & bläuen hab ich noch so paar Sachen. Hab mich vor wenigen Tagen im Netz dazu etwas umgesehen. *herauskram*

Brünieren kann man auf 2 Arten - Kalt- und Warmbrünieren. Kaltbrünieren wird insbesondere für Ausbesserungsarbeiten an Waffen verwendet. Entsprechende Produkte findet man in entsprechenden Fachzeitschriften.

Was ist Brünieren? - "Oberflächenbehandlung mit oxidierend wirkenden Salzlösungen, die man aufträgt und eintrocknen läßt. In kochendem Wasser oder Dampf bildet sich schwarzes Eisenoxidul. Es dient zum Schutz von Oberflächen gegen Korrosion und zur Veredelung."
"Brünierschichten sind schwarze Umwandlungsschichten, die durch chemische, stromlose Oxidation von Eisen in heißen alkalischen Lösungen entstehen. Die entstandenen Schichten aus Eisenoxiden sind umweltfreundlich. Durch die geringe Schichtdicke um 1 µm sind sie immer masshaltig . Das gefällige tiefschwarze Aussehen erlaubt den Einsatz für dekorative Zwecke, auch zur Minderung von Lichtreflexen."

Bläuen: Da gibt es neben den Links von oben (mit der alchemisten Lösung :steirer: ) noch eine die DeadlyEdge angerissen hat: Bläuen mit Hitze. Ist für Messerklingen gewiss nicht zu empfehlen, wird aber gerne für Monturen an Schwertern eingesetzt. Soll insgesamt "abriebfester" als eine Brünierung sein. Wenn man entsprechenden Forumsbeiträgen glauben darf sollen sich dafür voll aufgedrehte Gasgrills ausgezeichnet eignen und gleichmässige Ergebnisse erzeugen.... (hab ich noch nicht ausprobiert).
 

crashlander

Premium Mitglied
Zum Brünieren hab ich mal irgendwo ne Anleitung gelesen, wie man einen Büchsenlauf selbst brünieren kann: Lauf in den Schraubstock, an der einen Lauföffnung die Flamme eines Gasbrenners einführen, sodaß sich der Lauf überall erhitzt und dann nach und nach die Brünierungsflüssigkeit mit einem Schwamm auftragen bis zur gewünschten Verfärbung.

Es gibt ja noch eine andere Methode der Beschichtung, dürfte aber für gehärtete Klingen nicht so prima sein: Das Verzundern.
Werkstück mit dem Gasbrenner erhitzen bis es eine kornblumenblaue Farbe annimmt, dann in Öl tauchen, rausnehmen, warten bis die Flammen von selbst erlöschen, Vorgang wiederholen bis das Werkstück von selbst kein Feuer mehr fängt. Die Oberfläche ist dann schwarz verzundert, gibt einen relativ guten Rostschutz mit einer tiefschwarzen Farbe.
 

freagle

Mitglied
Hallo Leute,

zum Härten und anschließendem Hitzefärben von Damasteel hab ich mal im Netz eine Anleitung von Mikel Walker gefunden, er schreibt dazu:

Die Farbe die beim Hitzefärben entsteht, ergibt sich durch eine Interferenz, durch eine dünne Oxydschicht, ähnlich wie bei einem Ölfilm auf Wasser.

Wenn man Damasteel temperiert, wächst diese Oxydschicht unterschiedlich stark wegen der zwei unterschiedlichen Materialien, RWL34 und PMC 27.durch das Temperieren ergeben sich unterschiedliche Farben, blaue und rote Stellen auf dem Stahl.

Damasteel kann wie folgt hitzegefärbt werden, dieses Rezept eignet sich für Klingen, danach verbleibt eine Härte von ca. 59 HRC.

1. Zu erst wird gehärtet, Härtetemperatur 1080 C (1975F) Haltezeit auf dieser Temperatur 10 Minuten.

2.Tiefkühlen bei -60 C (-75F), einige Minuten, bis das Stück durchgekühlt ist.Das Kühlen ist in flüssigem Carbonoxyd oder Nitrogen möglich, aber es besteht die Gefahr von termischen Rissen.

3.Zwei mal erhitzen auf 510 C (950F) zwischen den zwei Phasen wird das Stück auf Raumtemperatur abgekühlt.

4. Tiefkühlen wie im zweiten Punkt oben.

5. Die Klinge wird fein abgezogen oder poliert,oder auch nass am Band geschliffen. vorsicht vor Überhitzung.

6.Die Klinge wird geätz, in 38% Schwefelsäure, erhitzen der Säure ist bei Damsteel nicht erforderlich.

7.Die Säure mit Aceton entfernen und mit Seife und warmen Wasser reingen

8. Dann die Klinge zweimal auf 510C (950) erhitzen und dabei 20 Minuten halten. Die genaue Zeit muss durch Versuche ermittelt werden, da es immer geringe Abweichungen gibt.

Wenn ich einen Härteofen hätte, dann hätt ich das Rezept schon längst mal ausprobiert, da ich generell gefärbte klingen toll finde, was man noch beachten sollte, zumindest hab ich das mal gehört, dass bei so einer hitzegefärbten Klinge etwas mehr Pflege notwendig ist, weil die Korrosionsgefahr steigt.

Grüße freagle


freagles Selbstgemachte
 

roman

MF Ehrenmitglied
Das Tiefkühlen mit Trockeneisschnee bringt -78° im Spiritusbad.
Das Anlassen bei 510°C ist für Messerklingen nicht zweckmäßig, da man dabei Stark an Korrosionsbeständigkeit einbüßt und die Schneidkantenstabilität = Schneidhaltigkeit stark verringert. Solltemperatur 2 x 200°C Mindestens 1 Stunde Haltezeit mit zwischenabschrecken in kaltem Wasser.
Härtefolie gibt es bei FA. Schröder Flörsheim a.M:
 
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freagle

Mitglied
Danke Roman für den Tip, ich habs lediglich so wiedergegeben, wie es M.Walker geschrieben hat.

Mir kamen 510 C auch etwas hoch vor. Aber wenn das Färben schon bei ca. 200C und einer Stunde haltezeit funktioniert, müsste man das ganze doch im Backofen machen können??? oder.


freagle
 

Seb

Mitglied
moment mal... des stonewashed entsteht nur durch rumschwenken mit Sand? da wird doch nachher noch was gemacht, oder? wo isn da der unterschied zum sandstrahlen?
und wie muss ich mir Schmiedetextur vorstellen? wie diese Hammerschlagbleche auf alten Wohnwägen? :D

Seb
 
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freagle

Mitglied
Also stonewash entsteht soviel ich weis dadurch, das die Teile in einer Trommel mit dem gewünschten Schleifgut in form von z.B. Steinen oder Granulat gedreht werden.

freagle
 

crashlander

Premium Mitglied
Also meines Wissens nach stimmt das mit dem Rumschwenken in Granulat bzw. runden Steinen in einer Trommel beim stonewaschen. Vorteil ist wohl, daß die Oberfläche dabei relativ dicht und geschlossen wird, also unanfällig gegen Korrosion und Verschmutzung.
Beim Sandstrahlen dagegen wird die Oberfläche ja extrem aufgerauht, also sind Tür und Tor offen für Väterchen Rost. Sandstrahlen wird auch oft gemacht, bevor man Werkstücke lackiert, weil die rauhe und saubere Oberfläche ein prima Haftgrund für Beschichtungen darstellt.
 
genau so ist das mit dem stonewashen, crashi! große vibrationspoliertrommel, granulat rein (evtl. plus flüssiges schleifmedium), klingen rein und laufen lassen. einfaches verfahren mit verblüffender wirkung!:D
 

Ulrich Wolf

Mitglied
Hallo
muß auch mal meinen Senf dazugeben :
Anstreichbrünieren:
Das Anstreichbrünieren wird eingesetzt um Läufe und Waffenteile sowie
Weichlotnähte in einem Tag zu brünieren.
Dazu wird der zB. Lauf sauber poliert - dann mit Schlämmkreide entfettet - danach mit fettreier Bürste der Kreidebelag entfernt und die Brünierbeize "Trioxydin" mit Naturschwamm aufgetragen. Hiernach kommt das Teil zum Trocknen in einen Behälter (aufgehängt) der mit einer kleinen Bunsenflamme beheizt wird - nach ca. 10 min wird eine kleine Dose mit Wasser in den Behälter gestellt (über die Flamme ) damit Wasserdampf zum schnellrosten entsteht. Dieses bedämpfen dauert ca. 15 min - hiernach das Teil noch ca. 40 min im Behälter lassen zum Nachrosten (Flamme löschen).Ist dies beendet wird das Teil mit Wasser abgekocht ( zur Rostlösung ) hierbei wandelt sich die Rostschicht in eine schwarze Farbe um - nach dem Kochbad wird das Teil getrocknet dann mit einer feinen Drahtbürste abgekratzt - ist das Teil dann gebürstet wird es erneut mit Brünierbeize bestrichen und von vorne begonnen - dieser Vorgang kann ca. 5 mal wiederholt werden - nach dem letzten Kochen und Trocknen wird das Teil wieder gebürstet und mit Weissöl eingeölt - erst dann darf das Teil wieder mit blosen Fingern berührt werden .

Gruß Uli