Feilen einer Klinge, wie am besten?

sbulazel

Mitglied
Hallo,
ich habe nun, nachdem ich bisher "nur" mit vorgefertigten Klingen gearbeitet habe, erstmals "Rohmaterial" bestellt und will die nächsten Klingen komplett in Handarbeit selbst herstellen. Da ich keinerlei Maschinen habe bin ich komplett auf Handarbeit (=feilen, feilen, feilen) angewiesen.

Ich habe hier im Forum schon einiges gefunden (anreisen der Klinge etc.), doch gibt es irgendeine Beschreibung, wie man beim Feilen der Klinge am besten vorgeht? Ich will nicht einfach einen chisel-grind machen, sondern eben eine "richtige" Klinge...

Ich habe schon etwas "herumprobiert", doch mit der Symetrie der Klinge hapert's halt doch noch etwas... Gibt's da einen Trick(s)?

Und noch eine Frage zum Feilen allgemein: ich hatte bisher immer das Problem, daß sich beim Feilen von größeren Flächen kleine "Metallklümpchen" auf der Feile gebildet haben, welche dann ziemliche Kerben in das Material gefräst haben - ist wohl von Material zu Material unterschiedlich, doch gibt's da evtl. auch einen Trick?

Danke und Grüße an alle,
Sascha Bulazel :confused:
 

AchimW

Mitglied
Tricks gibt's jede Menge. Auch zum Feilen. Zur Erstellung des Profils ist wohl nichts zu sagen. Wenn das mal fertig ist, mach folgendes: Nimm ein Stück Messing und bohre zwei Löcher von 4 mm im Abstand (Lochrand zu Lochrand) von 8 mm. Bohre exakt dazwischen ein Loch von 3 mm. Stecke in die 4 mm Löcher zwei kurze (30 mm) Stangen aus gehärtetem 4mm Federstahl-Rundmaterial (gibt es im Bastelladen). Nimm ein sehr kurzes Stück hartes 3 mm Federstahl-Rund und schleife eine Spitze an. Setze das ins mittlere Loch, so daß die Spitze rausschaut. Nun nimm jede beliebige Rohklinge ab 8 mm Dicke abwärts und stecke sie mit der späteren Fehlschärfe zwischen die 4 mm Stäbe. Drehe die Klinge, bis sie an beiden Stäben anliegt. Ziehe die spätere Schneide über die gehärtete Spitze und du hast eine perfekte Mittellinie auf dem Klingenrohling, bis zu der Du feilen kannst.

Zum Zusetzen der Feile: reibe Talkumpuder in die (neue) Feile und klopfe sie bei der Arbeit regelmäßig aus. Das Talkum verhindert das Haften der Stahlklümpchen.

Achim
 

Armin II

Mitglied
Mittellinie kann man natürlich auch mit nem Zirkel anreissen (kein Zeichenzirkel wie ind der Schule, sondern so einer für Metallbearbeitung), da man damit aber nicht exakt die Mitte trifft einfach von beiden Seiten her anreissen, dann erhält man zwei Anrisslinien mit ein paar zehntel mm Abstand, dazwischen sollte dann später die Schneide liegen.

Zum Bearbeiten hat sichs bei mir bewährt die Klinge flach mit einer Schraubzwinge auf die Arbeitsplatte der Werkbank zu spannen, wenn man z.B. ein Stück Dachlatte oder Ähnliches Holz darunterlegt kann man das Teil auch über die Tischplatte hinausstehen lassen.
 

luftauge

Mitglied
Feile reinigen :

Ein Stück Kupferblech oder Kupferrohr (Rohr längs auftrennen und flachklopfen), (Messing geht auch, Kupfer ist besser)
dann mit der Kante quer zur Feilenbahn (entlang der Feilenhiebe) schaben (durchkämmen),
durch das weiche Kupfer werden die Schneidkanten der Feilenhiebe nicht beschädigt.

1. mit der Feilenbürste grob reinigen
2. mit dem Kupferblech festsitzende Späne entfernen

Gruß Andreas
 

sbulazel

Mitglied
Danke

Danke an alle für die Infos. Ich habe gerade mal etwas herumgetestet - die meisten Probleme treten dann auf, wenn ich die Feile wieder absetze, bzw. neu ansetze - ich bekommen dann einfach keine 100% ebene Fläche hin (eine oder mehrere "Kanten" sind die Folge). Gibt's hier einen Trick in welcher Reihenfolge gefeilt werden sollte? Z.B. zuerst im rechten Winkel zur Klinge, danach der Länge nach...?

Danke für die Tipps zur Feile, ich besorge mir gleich noch das fehlende Material!

Ich weiß, das sind blöde Fragen, aber ich will eben nichts falsch machen... :rolleyes:
 

luftauge

Mitglied
"Wie man am besten feilt",
kann man schlecht erklären, dass muss man sich zeigen lassen, es kommt auch auf die Feile an, die man gerade benutzt.

Manche Flachfeilen sind durchgehend parallel, manche andere sind bei ca. 3/4 der Länge etwas ballig (die Seite liegt auf dem Werkstück und von oben wird beim Feilen auf diesen Ballen gedrückt).

Lass es Dir Zeigen, das ist das Sicherste.
Du musst auch etwas Zeit mitbringen, es nützt nämlich nichts, wenn man den Stahl im Irrglauben schneller fertig zu werden, "heissfeilt", und deshalb mehr Wert auf Hubzahl, anstatt auf den richtigen Anpressdruck an der richtigen Stelle legt.

Gruß Andreas
 
Noch ein Paar Tips:

Ich feile (wie in How to Make Knifes beschrieben)mit einer Vierkantfeile erst eine "Rille" die den Übergang zur Fehlschärfe (Ricasso?) festlegt und von der Neigung in etwa den späteren Klingenanschliff entspricht...dann weiter Rillen entlang der Klinge (rechtwinklig zur Schneidkante), den Abstand der Rillen etwas geringer als die Breite der Flachfeilen wählen...dann mit der Flachfeile das Material zwischen den Rillen entfernen...dann Zugfeilen (draw filing) um die Sache schön glatt und eben zu bekommen...versteht man das?

Der Grund für die Rillen mit der Vierkantfeile ist, dass man mit der schmäleren Feile mehr Druck entwickelt und schneller Material abträgt; ausserdem ist es damit einfacher, den Winkel genau hinzubekommen, als gleich mit einer breiteren Flachfeile...

Danach mit viel Schleifpapier weitermachen...

Und viel geduld mitbringen...

Grüße Jens
 

kababear

Mitglied
gegen die stahlspäne die sich in der feile festsetzen, kannst du vieles machen... entweger du gehst einige male mit kreide drüber, so dass die hiebe a weng zugesetzt werden oder du schaust alle 2-3mal nach, ob sich auf der oberfläche späne befinden und wischst die ab. schon festsitzende spänchen krigste mit nem stück kupferblech oder ner feilenbürste raus.

zum anreissen der klinge kannst du auch jeden xbeliebigen bohrer nehmen, wobei es mit hartmetall-bohrern einfacher geht, da sie keine mittelschneide haben, die du sonst parallel zum untergrund ausrichten musst. nach dem anreissen der mitte, feil ich normalerweise mit ner kleinen und feinen feile die ecken soweit ab, bis der (mittige) steg noch 0,5-0,7mm beträgt (bei rostenden stählen kann man unter umständen noch tiefer gehen). durch das abfeilen der kanten hast du eine reflektierende fläche, bei der du, geeignete beleuchtung vorrausgesetzt, siehst, wieviel du noch abnehmen kannst/musst.

dem problem des ballig-feilens kannst du dadurch entgehen, dass du die feile nicht einfach aufsetzt, sodern durch kippeln der feile die position suchst, bei der sie am stabilsten aufliegt.

und zu guter letzt die wichtigste regel!
lieber langsam und mit guter laune ans werk als schlechtgelaunt afangen und wegen einem fehler noch schlechtgelaunter aufhören

cu
kaba
 

Haudegen

Mitglied
servus sascha,

wenn ich quer zur klinge feile, leg ich die linke hand nicht an die spitze der feile, sondern auf die mitte.
ansonsten nimm die feile zwischen beide hände u. feile längs der klinge, bekommst du am ehesten einen flachschliff.

ich glaub zorro hat mal geschrieben, dass dreikantfeilen etwas ballig sind. versuchs mal damit.

ansonsten: üben, üben,.......
 

sbulazel

Mitglied
Danke und nochmals Danke!

Hallo Leute,
vielen Dank für Eure Tipps! Kurze Frage noch zur Stärke der Schneide (vor dem Härten!): ich habe einerseits gelesen, daß man die Klinge bis (minimal) 1mm abarbeiten soll, andererseits las ich einen Beitrag, in dem von 0,5mm die Rede war (auch kababear schreibt hier davon). Was ist nun besser? Ist 0,5mm OK? Bei 1mm kann ich mir vorstellen, daß das schärfen nach dem härten recht lustig wird...
Ist dies vom Stahl abhängig?

Grüße und Danke,
Sascha
;)
 

Armin II

Mitglied
Also ich persönlich schleife/feile vor dem Härten so gut wie auf Endmass, also so ca. 0,3mm. Andere lassen bis zu 1 mm an der Schneide stehen. Da ich nach dem Härten nur noch von Hand und nich mehr mit dem Bandschleifer an die KLinge gehe kommt sowas nicht in Frage, von Hand schleift man sich da nämlich tot!

Wenn die klinge übrigens einen leicht balligen Schliff aufweist schadet das gar nichts, also keine Sorge beim Feilen . Und Feile mit Weile.....:steirer:
 
Wenn das Teil im Vakuum gehärtet wird, dann würde ich empfehlen, bis zum Endmass zu finischen (bei meinen Kleinen ca. 0.2-0.3 mm), und auch schon sehr fein zu satinieren, da es nach dem Härten doch etwas mühsamer ist.

Grüße, Jens
 

luftauge

Mitglied
@ Sbulazel:

Mit welchen Hieben feilst du zur Zeit eigentlich ?
(Hieb ist die eingeschlagene Zahl neben dem Herstellerstempel)

Es ist nicht verkehrt, wenn man zum grobem Vorarbeiten Hieb 1, und für die Verfeinerungen dann Hieb 2 und danach 3 benutzt, so kann man auch zwischendurch Korrekturen ausarbeiten.
Musst aber bei den groben Hieben 1 + 2 schon etwas aufpassen, sonst ist plötzlich der Anriss weggefeilt ;)

Gruß Andreas
 

sbulazel

Mitglied
Danke

Hallo und Danke für die Infos. Ich werde mal bez. des Härtens bei der Härterei anrufen und fragen was die so sagen...

@luftauge: muß ich heute mal schauen, im Prinzip kommt zuerst die Schrupp- dann die Schlichtfeile dran. Welchen Hieb die Dinger haben - hab ich ehrlich gesagt noch garnicht drauf geachtet...

Danke und Grüße, Sascha
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo sbulazel!

Manchmal habe ich beim Feilen das Gefühl, dass die Hieb 1 Feilen (trotz guter Firma (Dick, Pferd) nicht so gut auf Stahl greifen und ich mit Hieb2 Feilen einen höheren Abtrag hinbekomme.

Vielleicht könnten die anderen Metallbearbeiter auch was dazu sagen.

Gruß Leo.
 

andreani

Mitglied
feilen einer klinge

hallo sbulazel

habe mich auf das selbe abenteuer eingelassen wie du.
nur dass ich mein allererstes messer gleich auf diese weise
anfertigen möchte. ich warte zur zeit aber noch auf das rohmaterial.

bin mir bewusst was ich mir da auferlegt habe, da ich mich mit dem zerspahnen von metal einigermassen auskenne. finde jedoch das ein messer durch die handarbeit eine speziele seele bekommt.

würde mich für deine vortschritte interessieren

viel spass andreani:)
 

sbulazel

Mitglied
Feilen

@andreani

Hi,
ich habe gestern abend mal an einem "Prototypen" gearbeitet. Ich habe ein altes Stück Stahl (6mm) "in Form gebracht". War "relativ" einach, doch das Ding mit der Symetrie...

Für was für eine Klingenform hast Du dich entschieden? Ich tendiere momentan etwas dazu eine Tanto-Klinge zu machen (erscheint mir etwas einfacher!), jedoch mit einer etwas bauchigen Ausprägung.

Das Griffstück will ich in etwa so machen wie die Mad-Dogs.

Für weitere Infos Deinerseits bin ich ebenfalls dankbar!

Grüße, Sascha
 

andreani

Mitglied
messer form

@sublazel

hallo
meine entwürfe haben die meisten eine drop-point klinge
da ich mich aus gegebenem hintergrund an jagdmessern (aufbrechmesser)orientiere. den griff habe ich vor aus papiermicarta zu bauen, form ? schwierig zu besreiben ,jedenfalls mit einer fingermulde vor dem handschutz.
zum feilen: habe meine "werkstatt" mit feilen der hiebzahl 1,2,3 ausgerüstet. Habe auf den hieb 0 (schruppfeile) und hieb 4 (doppelschlichtfeile) verzichtet, mal schauen wie es mir ergeht.
zum reinigen der feile kenne ich das system mit feilenbürste und kupferblech.

woher beziehst du dein rohmaterial?
da ich mich erst seit kuzem mit dem thema messer beschäftige, und erst seit zwei tagen member hier bin, wäre ich froh über ein paar liferanten adressen (wie w.borger oder f.wojtinowski) speziel wenn jamand einen in der schweiz kennt.

grüsse reto
 

luftauge

Mitglied
@ Leo :

Du sprichst wahrscheinlich vom Flachstahl zu Beginn der Arbeit, richtig ?
Das liegt evtl. an der harten Randschicht (Fräs- oder Schleifspuren entlang des Stücks),
z.B. ist 2379 anfangs härter als 2842, wenn man zuerst mit Schleifpapier die glänzende Randschicht entfernt, greift nicht nur die Feile, sondern auch die Reißnadel besser.

Vor allem die schmale Kante, die zur Schneide gefeilt werden soll ist kritisch.

Gruß Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:

Armin II

Mitglied
Zum Feilen von KLingen verwende ich mittlerweile überwiegend nur noch eine Feile, "Magicut" von Nicholson, hat irgendwie die beste Abtragsleistung und setzt sich auch nicht so zu wie viele andere Feilen, ansetztem und in einem Zug über die ganze Länge der Klinge ziehen.