Feile: Verzug und Härtung nach Planschleifen?

Iron0808

Mitglied
Hallo werte Spezialisten,
ich habe folgendes Problem. Ich möchrte mir ein Messer aus einer alten Feile machen.
Jetzt habe ich meinem Schwager die Feile zum Planschleifen mitgegeben(er arbeit in einer Metalverarbeiungsfirma mit Riesenmaschinenpark). Mit einer Planschleifmaschine haben die zuerst auf der einen Seite ca.1,5 mm abgetragen, danach war die Feile krumm wie eine Banane, nach Rücksprache mit dem Vorarbeiter meinte der, das wenn die Feile auf der anderen Seite abgeschliffen wird würde sich die Spannung wieder geben, also gesagt getan. Auf der anderen Seite haben die bis zu 5/10mm abgetragen und die Feile war wieder gerade. nach weiterem Schleifen der zweiten Seit war die Feile wieder krumm:confused:

Was ich auch nicht verstehe ist das vor dem Schleifen die Feile eine Härte von 60 RW hatte und danach von 65 Rw:irre:
Achja die Feile wurde ausreichend gekühlt.

Kann mir das hoffentlich jemand in einfacher Weise erklären.

Für Antworten bin ich euch Dankbar.

Gruß
Iron0808
Udo
 
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sanjuro

Mitglied
Verzug und Härtung nach Planschleifen?

..... Mit einer Planschleifmaschine haben die zuerst auf der einen Seite ca.1,5 mm abgetragen, danach war die Feile krumm wie eine Banane,..... Auf der anderen Seite haben die bis zu 5/10mm abgetragen und die Feile war wieder gerade.....
Mir erschließt sich gerade nicht, warum Du zur Herstellung eines Messers eine Feile planschleifen lässt. Du kannst doch den Hieb einfach mit der Flex 'runterschruppen! Bei der Herstellung der Klinge wird ja nachher ohnehin geschliffen, oder?

Zu dem Problem der Krümmung: aus welchem Stahl ist die Feile? Ist sie durchgehärtet oder nur aufgekohlt? Im letztgenannten Fall könnte darin die Erklärung liegen.

Wenn ein Rohling VOR der Fertigstellung der Klinge krumm wird, erscheint mir das noch nicht als wirkliches Problem, aber vielleicht verstehe ich auch nur den von Dir vorgesehenen Prozess nicht.

Gruß

sanjuro
 

Iron0808

Mitglied
Mein Schwager hat das Messer jetzt zum Anlassen(nennt man das so?)in den Ofen geschoben, jetzt hat es noch 54 Rw und es hat dann auch mit dem Planschleifen hingehauen.
@sanjuro danke für die Antwort.
Das vorher planschleifen habe ich machen lassen um schnell auf die gewünschte Stärke zu kommen und auch weil ich in meiner normalen Umgebung nicht so mit Flex und so arbeiten kann(lärm) und ausweichen funzt momentan auch nicht, da ich nach einer Trümmerfraktur im Fuß noch auf meine häusliche Umgebeung angewiesen bin.

Gruß
Iron
 

Mister B.

Mitglied
Moin!

In Anbetracht der Tatsache, dass du indirekten Zugriff auf einen guten Maschinenpark hast, empfehle ich dir, die Feile ersteinmal Weichglühen zu lassen. Dann kannst du ganz entspannt die von dir gewünschte Form herausarbeiten, ohne deine Feilen und Sägeblätter unnötig abzunutzen.
Wenn die Form stimmt, lass die Ex-Feile (nun Klingenrohling) wieder Härten und natürlich Anlassen. Für die richtige Wärmebehandlung des Feilenstahls findest du hier im Forum genug Anleitung...
Viel Erfolg und gute Besserung für den Fuß!

Mister B.
 

Xerxes

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Der Verzug beim Planschleifen ist nicht unbedingt ungewöhnlich. Das hat man auch bei größeren Klingen, die man nach dem Härten vorsichtig dünn ausschleift. Man nimmt auf der einen Seite etwas Material ab und die Klinge biegt sich zur anderen Seite usw. Das liegt an den beim härten entstandenen Spannungen...

Die zunehmende Härte im Innern der Feile ist da schon komischer:confused: Hast du die Feile evtl. vor dem Planschleifen mit der Flex oder am Bandschleifer übergeschliffen, so dass die Oberfläche angelassen wurde? Die 65hrc passen zur Härte einer guten Feile, 60hrc sind eigentlich schon zu wenig...

Das Anlassen lange nach dem Härten ist eigentlich relativ sinnfrei. Abgesehen davon, dass sich das Restaustenit eh schon stabilisiert hat, sind 54hrc eher Federhärte. Das heißt, wenn du maximale Härte und Schnitthaltigkeit aus dem Stahl rausholen willst, musst du den Stahl eh nochmal härten. Dann hättest du die Feile aber vor dem Bearbeiten besser gleich weichglühen sollen. Beseitigt Spannungen, schont die Maschinen und die Nerven;)

Gruß Jannis
 

stubenhocker

Mitglied
Also ich bin sicher kein Experte im Messermachen, aber

1. Weichglühen
2. Schleifen
3. Härten
4. Anlassen

So haben wirs bei Mutti gelernt, oder?

mfg, stubenhocker
 

Kilian Kreutz

Mitglied
stubenhocker: Also ich bin sicher kein Experte im Messermachen, aber

1. Weichglühen
2. Schleifen
3. Härten
4. Anlassen

So haben wirs bei Mutti gelernt, oder?

mfg, stubenhocker

Eine gute Wahl. Oder direkt die Feile unter ordentlicher Kühlung ausschleifen und auf Gebrauchshärte anlassen. Auch eine Möglichkeit, die zwar einen gewissen Verschleiss an Schleifband mit sich bringt, doch auch beachtenswert ist.

Schöne Grüße
Kilian
 
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Iron0808

Mitglied
Ich habe mich wohl falsch ausgedrückt, das Weichglühen(ich habs wohl anlassen genannt) haben die vor dem letzeten planscheifen gemacht um die Härte rauszubringen und um den Verzug entgegenzuwirken.

Das Messer wird am Ende noch mal entsprechen gehärtet.

Es ist schon angenehm ab und an mal auf soeinen Maschinenpark zugreifen zu können.:super:

Danke auch für die Antworten.

Gruß
Iron
 

Kilian Kreutz

Mitglied
Hallo Iron0808,
um Deine Anfangsfrage nocheinmal aufzugreifen;
Wie Sanjuro schon bereits erwähnt hat, gibt es auch aufgekohlte Feilen(aufgekohlter C45). Diese Feilen besitzen unterschiedliche Ausbildungen des Martensits(Plattenmartensit, Mischmartensit, Massivmartensit). In diesem Werkzeug sind aufgrund der unterschiedlichen Gefügeausbildungen Spannungen durch Volumenunterschiede zugegen.
Schleift man nun einseitig den in der Härte abnehmenden Werkstoff an, so "drückt" die Gegenseite und es ist mit Verzug zu rechnen.
Dies kann auch beim Ausschleifen einer gehärteten 3- Lagenklingen geschehen, welche eine weiche oder zähharte "Außenhaut" und eine harte Schneidlage hat. Ist mir zumindest schon passiert;)
Möchte man eine Klinge aus einer Feile herstellen, so empfiehlt sich die Verwendung von nicht aufgekohlter Feilen.
Das nur mal so am Rande, aber bei Deiner Feile scheint es sich ja , aufgrund der Härteangaben, um eine nicht aufgekohlte Feile zu handeln.

Ich tippe wie Xerxes auch auf eine Anlasserscheinung der Oberfläche durch Wärmeeinwirkung?!

@Urgestein: Bei dem vom Xerxes aufgeführten geht es, denke ich, um die Beseitigung des Restaustenits. Lässt man einige Zeit bis zum Anlassen verstreichen, so stabilisiert sich dieser und eine Beseitigung eigentlich unmöglich. Deswegen hat man zeitl. Begrenzungen bei dieser Behandlung.
Was ich im oberen Beitrag meinte, durch thermische Einwirkung, also Anlassen, die hohe Gebrauchshärte der Feile zu mildern und auf die Klinge einzustellen.

Schöne Grüße
Kilian

P.S. @ Iron0808: Da haben sich unsere Antworten wohl zeitl. überschnitten:)
 
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