Federstahl polieren [ Kaze Katana von Cheness ]

Justin Teim

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Hallo an alle, ich bin neu hier :)

Ich interessiere mich jetzt schon seit vielen Jahren für Katana, habe mich mit dem Thema aber erst seit kurzem ein wenig ausführlicher auseinandergesetzt, da ich mir ein preiswertes zulegen wollte.

Letztenendes ist es ein Cheness Cutlery "Kaze" (http://www.chenessinc.com/kaze.htm) geworden. Mehr gibt das Portemonnaie nicht her und das Preis- Leistungs-Verhältniss schien mir angemessen, da die Klinge aus Federstahl ist.

Nun hab ich mir gedacht (nach dem Motto Versuch macht kluch) ich möchte die Klinge gerne weiter aufpolieren. Da ich Uhrmacher bin hab ich mit Metallbearbeitung ein wenig Erfahrung und dachte wird schon klappen.

Ein Arbeitskollege von mir (Uhrmacher und Goldschmied) hat mir gesagt das es passieren kann, dass wenn ich gehärteteten Federstahl poliere, es braun durchschimmern könnte, da Federstahl braun angelassen wird.

Jetzt bin ich mit rosa-Polierpapier (kennt das jemand?, gibt grünes, gelbes und das feinste, rosanes) über eine Stelle der Klinge gegangen und es schein tatsächlich braun durchzuschimmern.

Nun meine Fragen:

Wie wird gehärteter Fedestahl poliert?
Sind die Klingen galvanisiert??? Nee oder?
Bekomme ich das wieder irgendwie hin? Wenn ja, womit?

Vielleicht kennt sich ja der ein oder andere aus, wäre nett wenn jemand mit weiterhelfen könnte. Danke im voraus.
 

Blacky

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AW: Federstahl polieren

"Braun angelassen" kann allerhöchstens die "Anlassfarbe" meinen, die aber nur oberflächlich duch Oxidation entsteht. Gerade die würde im Zweifelsfall verschwinden. Da kann nichts durchschimmern! Stahl ist immer silber und bleibt es auch!

Farben der Schleifpapiere sagen übrigends nicht allzu viel aus. Bei mir sind alle Körnungen gleichfarbig: blau! Die genaue Körnung sagt da also mehr aus ;)

Polieren tust du Federstahl wie jeden anderen Stahl auch! Da gibt es einfach keinen Unterschied. Schleifpapier bis 1000 (oder hoch bis 2000), ab da mit dem Polierbock (vorsichtig, da sonst am Rand eine Enthärtung stattfinden könnte), oder besser noch per Hand, mit Polierpaste auf Spiegelglanz polieren. Ich denke, diesen willst du erreichen...

Galvanisieren? Wozu? Wenn da nichts beisteht, ist das gehärteter Stahl und sonst nichts.

Bekommst du was genau wieder hin? Die Politur? Da du etwas Erfahrung mit Metallbearbeitung zu haben scheinst, und wohl weißt, wie mit Schleifpapier umzugehen ist, würde ich sagen, dass das kein Problem sein sollte. Schrittweise hochschleifen, immer die Riefen vom vorigen Durchgang raus, und am Ende auf Polierpasten wechseln.
 
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natto

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AW: Federstahl polieren

Um wieder eine einheitliche Oberfläche zu erzeugen polierst Du einfach das ganze Schwert. Zuerst muß die erforderliche Körnung des Schleifmittels festgestellt werden. Erst mit einer zu feinen Körnung starten und dann zu immer gröberen Körnungen wechseln bis die richtige gefunden ist. Und ab jetzt wird poliert, immer die gesamte Fläche polieren bis ein einheitliches Schleifbild entsteht. Danach kommt die nächste Körnung, wenn möglich die Arbeitsrichtung ändern, so läßt sich einfach beurteilen wann die gesamte Fläche einheitlich bearbeitet ist. So viel zum Polieren im Allgemeinen.

Um aber die Härtelinie schön herauszuarbeiten oder "Nebel über dem Wasser" wallen zu lassen könntest Du erstmal bei den Blankwaffen oder in diesem Forum nachlesen wie man sowas richtig macht.

Gehts um dieses Polierpapier?

http://www.schleif-technik.de/cms/servlet/Query?node=151545&language=1


LG Natto
 

nor56bert

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AW: Federstahl polieren

ich hab meine messer spiegelpoliert(steh halt drauf). wenn ich mit weissen steinen schleife und die seiten bearbeite, bekommen meine messer auch einen braunen belag. der geht weg mit zb. stahlfix classic. zum schluß nehm ich noch die flitz paste, die nimmt auch den letzten schimmer noch weg.
bei meinen haiku korouchi (2mal eisen und blaupapierstahl in der mitte) ist die schneide und der stahl extrem blank und das eisen an den flanken noch etwas matt.
 

Blacky

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AW: Federstahl polieren

Der brauen Belag kann feinster Schleifstaub sein, der sehr schnell oxidiert (rostet). Dann gibt es einen feinen "Roststaubbelag".
 

luftauge

Mitglied
AW: Federstahl polieren

Der brauen Belag kann feinster Schleifstaub sein, der sehr schnell oxidiert (rostet). Dann gibt es einen feinen "Roststaubbelag".
So schnell, dass es bereits beim Polieren, bzw. trockenem Anschleifen rostet ? :glgl: Das halte ich für eine sehr gewagte Vermutung.

Mir kommt die Sache aus einem ganz anderen Grund merkwürdig vor:
Wenn eine blanke, vermutlich galvanisch erzeugte Chromschicht wegpoliert wird, wie kann es dann darunter braun schimmern ?
Wie kann es unter einer bereits polierten Oberfläche braun durchschimmern ?
Vor allem, wenn es bereits als handpoliert ohne weitere Behandlung angeboten wird
verlinkter Katalog schrieb:
Treatment Full Hand Forged, Clay Hardened, Water Quenched, Hand Polished
- wobei "hand polished" kann man als alles mögliche verstehen...

Falls doch verchromt sein sollte, was lt. Katalog nicht sein dürfte:

Bevor verchromt wird, wird mehrfach gründlich abgebeizt und gereinigt, je nach Zweck der Verchromung (Dekor oder Verschleißschutz) wird noch Nickel und Kupfer "auf"galvanisert. Die braune Oxidschicht vom Anlassen (wenn sie es denn tatsächlich ist) dürfte also gar nicht unter dieser ominösen Deckschicht sein, da sie als Oxid die Galvanisierung erheblich stört, wenn nicht sogar unmöglich macht.

Ich nehme mal an, dass auch die Chinesen mittlerweile wissen, wie man nach westlichen Maßstäben verchromt. Selbst für eine Hartchromschicht ist ein Minimum an Vorbereitung nötig, dass, ws ich selber von federhartem Stahl abgeschliffen habe, war nie braun unter der Chromschicht

Ich würde anstelle des TO mal ganz dumm beim Händler nachfragen... Irgendwas passt da absolut gar nicht zusammen.

Gruß Andreas
 

Justin Teim

Mitglied
AW: Federstahl polieren

Wow, ist ja sehr feedback-reich das Forum. Schön schön :)

Hier mal ein Bild wie es aussieht:
Allerdings kommt es auf den Betrachtungswinkel an. Bei direktem Lichteinfall sieht man nüscht. Nur grauen Stahl.

@Blacky
Ja, Spiegelglanz ist mein Ziel. Allerdings bin ich am zweifeln ob da noch viel rauszuholen ist. Ich denke es geht definitiv noch glänzender, ist nur die Frage ob der Aufwand das Ergebnis lohnt ...
Ich hab noch "Wenol" Polierpaste (rosafarben, alles rosa hier :D), mit der hab ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

@Natto
Danke für den Tip, werd ich mir gerne ansehen. Vor allem mit der Hamon habe ich so meine Bedenken ob die nachher noch so zu sehen ist. Mein Polierpapier ist noch ein anderes. Hab es von einem Großhändler für Uhrmacher (Beco oder Boley). Gibts wahrscheinlich zig Varianten.

@luftauge
Das war auch was mich irritiert hat: wie kann es unter einer polierten Schicht braun schimmern?
Geht doch nur über den Weg: härten --> polieren --> anlassen --> galvanisieren
Oder täusch ich mich?

@chamenos
Sorry, ich kenne Deinen beruflichen Hintergrund nicht. Woher hast du denn die Info?
 

Blacky

Mitglied
AW: Federstahl polieren

Eine ganz blöde und vermutlich ins Nichts führende Frage:
Kann das irgendeine Reflexion sein? Steht im Hintergrund etwas Braunes? Kannst du auch gen blauen Himmel drüberpeilen und bekommst trotzdem die braune Reflexion?
Ich könnte mir, ohne das live gesehen zu haben, gerade nur vorstellen, dass die feinen Kratzer sozusagen einen anderen "Bildbereich" spiegeln (bzw. diesen teilweise mitspiegeln") als der Rest der Klinge.

Ist jetzt aber weeeiit hergeholt und sehr unwahrscheinlich. :confused:
 

chamenos

Super Moderator
AW: Federstahl polieren

@chamenos
Sorry, ich kenne Deinen beruflichen Hintergrund nicht. Woher hast du denn die Info?

Ich bin gelernter Zimmerer, studierter Architekt und jetzt selbständig mit einer Werkstatt für Einzelanfertigungen in Leder, steht aber auch so in meinem Profil.

Aber was hat das mit dem Schwert zu tun?

Das Kaze von Cheness hat einen echten Hamon .... den du gerade aller Wahrscheinlichkeit nach verdirbst.

Und ich hatte halt schon mehrere Schwerter dieses Herstellers in den Händen, - da ist nichts verchromt. Wieso auch.
 

Justin Teim

Mitglied
AW: Federstahl polieren

@Blacky
Ich kann das Katana auch woanders fotografieren wenn du möchtest. Das ändert nichts an den braunen Stellen ;)

@chamenos
Na ich dachte nur weil du gewerbliches Fördermitglied bist. Wie gesagt, ich bin neu hier. Ich dachte, vielleicht bist du Schwerthändler oder sowas in der Art. Nichts für ungut.
Also du meinst, wenn ich jetzt weiterpolieren sollte, geht mir die Hamon verloren? Also rein optisch versteht sich.

Allerdings bin ich jetzt immer noch nicht schlauer, woher die bräunliche Färbung?
 

nor56bert

Mitglied
das mit der braunen verfärbung hab ich bei meinen messern auch.
suehiro 6000 und 8000. wenn ich zb vom 3000er naniwa chosera komme und auf den suehiro(weiss) gehe, bekommt die klinge( kasumi vg10 shun vg10 und haiku blaupapierstahl) sofort einen matten braunen belag. der geht nur weg wenn ich auf den 10000er oder 12000 naniwa gehe. ansonsten entweder stahlblitz oder flitzpaste.
ich nehm an,daß der stahl irgendwie chemisch mit den beiden weissen suehiros reagiert. wenn ich trocken auf dem 8000er poliere passiert nichts, nur bei wasser und schon nach 2 oder 3 zügen wirds braun und matt.
 

Blacky

Mitglied
Wenn der Stahl chemisch reagiert hat, ist eine oberflächliche (Oxidations-)Schicht entstanden, die im Zweifel einfach mit einer seeeeehr feinen Polierpaste entfernt werden kann.
In diesem speziellen Fall würde ich da sehr vorsichtig die feinste Paste, die zu bekommen ist, benutzen, um keine feinen Kratzer mehr reinzumachen.

Dann kann man aber davon ausgehen, dass hinterher die polierte Stelle zu erkennen ist, da sie sicherlich entweder besser oder schlechter poliert ist als der Rest der Klinge.

Welche Körnung hatte nun eigentlich das verwendete Schleifpapier? Sind da sichtbare Kratzer vorhanden? Falls ja, wird das Polieren ein klein wenig langwieriger ;)
 

luftauge

Mitglied
das mit der braunen verfärbung hab ich bei meinen messern auch. suehiro 6000 und 8000.
...
trocken auf dem 8000er poliere passiert nichts, nur bei wasser und schon nach 2 oder 3 zügen wirds braun und matt.
Der TO hat ja noch nichtmal mit diesen sauren Steinen gearbeitet, nur mit "Schleifpapier", daher ist die Sache noch merkwürdiger. Die "sauren Steine" waren vor kurzem erst ein Thema hier, nachdem jemand die Zusammensetzung der Steine, bzw. den PH-Wert des Schleifschlamms überprüft hat.

Gruß Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:

Justin Teim

Mitglied
@Blacky
Also ich hab jetzt mal im Flume Katalog nachgeschaut, da sind sie drin. Es gibt 4 verschiedene von denen ich 3 besitze. Grün, Gelb und Rosa von grob nach fein. Und wenn ich mich nicht täusche mit einer Körnung von 3µ, 12µ und 30µ, was ja dann 3000, 12000 und 30000 sind wenn ich mich nicht irre.
Also bin ich dann wahrscheinlich mit dem 30000 rübergegangen.

@luftauge
Wer oder was ist ein TO?

Könnte es evtl. ein Fehler gewesen sein vor dem Polieren den vorhandenen Ölfilm nicht entfernt zu haben? Ich dachte eigentlich bischen Öl schadet nicht. Diamantine wird ja auch mit Öl gemischt wobei das in Pulverform vorliegt.
 

Blacky

Mitglied
Wenn das wirklich 30.000er Körnung war, sollte das Wieder-Auspolieren kein wirkliches Problem darstellen, dazu dürften die entstandenen Riefen einfach zu fein sein.

Was hast du denn für Polierpasten zur Hand, mit denen du das wieder auspolieren könntest? Ist zwischen der ursprünglichen Politur und deiner selbstgemachten Stelle ein sichtbarer Unterschied in der Oberflächenbeschaffenheit ("zerkratzter", "matter",...)?

Ein TO ist ein "Thread-Opener", in diesem Falle also du, da du den Thread (das Thema) erstellt hast ;)

Wenn das Öl den Stahl angegriffen hätte, dann wäre es denkbar schlecht zur Klingenpflege bzw. Rostprävention geeignet, oder? Das ist also unwahrscheinlich...
 

Justin Teim

Mitglied
Alles klar, danke für die Aufklärung.

Also ich hab, wie schon gesagt, noch Wenol zur Hand. Ist eine rosa Polierpaste mit der ich auf Messing und Stahl sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Der Unterschied zwischen der vorhandenen Politur und meiner ist: meine ist besser :D

Also die Oberfläche sieht einfach ein bischen besser aus. Und ich war ja noch nicht lange dran, ein paar Minuten. Ich will jetzt nicht noch mit der Polierpaste rüber, nachher kommt das braun noch mehr durch.

Wobei immer noch die Frage bleibt, woher denn die "Bräunung" kommt.
 

luftauge

Mitglied
Der grau-blau-bräunliche Farbstich ist auf dem Bild gut zu erkennen, irgendwie kam mir das bekannt vor. Aber nicht von Polierarbeiten an gehärtetem Stahl. Auf Scheinwerferreflektoren kann das ganz schnell passieren, wenn man versucht, Kratzer oder Blindflecken zu beseitigen. Allerdings sind die nicht unbedingt galvanisiert, sondern je nach Qualität/Herkunft nur mit einer sehr dünnen Chrom- oder Silberschicht bedampft.

Was die neue Frage aufwirft, warum ein gehärteter, angeblich polierter Massivstahl auch einen solchen Effekt zeigt... - möglicherweise steht doch nicht alles, was an Behandlung erfolgt ist, in der Produktbeschreibung. Vllt. doch irgendein ein empfindlicher Lack oder hauchdünner Überzug.

Aber da das Problem jetzt gelöst zu sein scheint, ist das wohl eher nebensächlich.

Gruß Andreas
 

Justin Teim

Mitglied
Nein nein! Da hast du evtl. etwas missverstanden. Noch ist überhaupt nichts gelöst! Den die braune Stelle ist ja nach wie vor vorhanden.

Ich geh da heute mal mit der Polierpaste rüber, mal schauen was sich tut.
 

eisenbeisser

Mitglied
salve
die braune Stelle ist eine Oxydschicht, der Stahl ist angelaufen. Diese Schicht kannst du leicht wegpolieren. Doch vorsicht, was ich auch sehe ist, das die Klinge eine echte Hamon besitzt und die ist bei unsachgemäser Behandlung schnell mal wegpoliert.
Auf der linken Seite ist mir noch was aufgefallen, achte auf den Uebergang von der dunklen Reflextion zum "weissen", da sieht man kleine Grübchen. so wie die aussehen wurde die Klinge auf einer Schwabelscheibe poliert. Die braune Stelle wird durch diese Arbeit entstanden sein, der Stahl wurde etwas zu warm.
grüsse vom eisenbeisser