Erleichterungsbohrungen/Tapern - wirklich sinnvoll ?

luftauge

Mitglied
Ich habe gerade an einem neuen Rohling gebohrt, und zwar "Erleichterungsbohrungen" - da ich immer in Sorge um Rissgefahr lebe :D , habe ich nur je 3mm aufgebohrt.

Vor dem Bohren habe ich den Rohling gewogen, danach nochmal:
22 Bohrungen a 3mm incl. Stiftbohrungen bringen ca. 20g - mit Küchenwaage gewogen, also unter Vorbehalt.

Zum Verjüngen (tapern) habe ich vorher überschlägig eine Erleichterung von ca. 3g errechnet.
Für die Optik ist das Verjüngen ja ganz nett, aber einen reellen Gewichtsvorteil sehe ich da nicht, abgesehen davon, dass eine geringfügig erhöhte Schwierigkeit beim Anfertigen dazukommt.

Wo liegt der wirkliche Vorteil ?
- Verjüngen bringt es nur optisch, gewichtsmässig bringts gar nichts.
- Aufbohren bringt etwas, wenn zuviel, IMO auf Kosten der Stabilität.
- Ansichtssache ?
- Maß für den Schwierigkeitsgrad/die Fertigkeit des Machers ?
- Ausreizen des Materials - wenn ja, wie weit ?

Wie seht Ihr das ?

Gruß Andreas
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
ICh sag mal was als Kunde und Nicht-Messermacher :)

Tapern kann was fuer die Ausgewogenheit und das Gewicht bringen. Wieviel kommt natuerlich auf Grösse, Breite der Klinge an. Die insgesamt 23 Gramm Ersparnis glaube ich Dir zum Beispiel nicht fuer den 6mm S3V Pruegel, der hier rumliegt, da macht das sicher mehr aus. Bzw. würde, der ist nicht getapert. Damit geht man beim Schwimmen unter.

Stabilität. Bei einer einem Messer angepassten Anwendung, welche Kräfte treten denn noch nach der Klinge auf? Wenn man von 6mm bis zum Griffende auf 3mm oder 2mm verjüngt seh ich da kein Problem. Bei einem der Klingendicke angepassten Groesse des Messers. Dito ein paar Löcher, da haftet auch gleich der Kleber besser. Wenns natuerlich aussieht wie bei Extrema Ratio wirds eine Lachnummer.

So geringfuegig ist der Mehraufwand bei der Fertigung IMO nicht. Das fängt mit dem Tapern an. Je nach Stahl (und Maschinenpark) kann das nerven. Und dann müssen ja noch eventuelle Bolster/Schalen an die Schräge angepasst werden. Wenn dass dann noch ein Subhilt mit zwei Guards ist, na Mahlzeit.

Und mir gefällts einfach besser :)

Gruesse
Pitter
 

luftauge

Mitglied
Naja, ist schon klar, dass es auf das Gesamtmesser ankommt,
von t=6 auf t=3mm bei 100mm Grifflänge,
evtl. noch einige Bohrungen dazu, können schon 50 - 100g ausmachen, ich gebe Dir da völlig recht.

Das mit dem Mehraufwand wegen der Schrägen sehe ich nicht soo tragisch, man muss es sich nur gut durchdenken, wie man es angeht, ist aber eine raffinierte, evtl. auch tückische Sache ;)

Gruß Andreas
 

zorro_43

Mitglied
Hi Luftauge!

Wenn du durch Bohrungen gewicht sparen willst müssen die Löcher gross sein!
Wenige grosse Bohrungen bringen wesentlich mehr als viele kleine!
Rechne dir doch nur mal die Fläche aus! pi*r²

3mm sind da echt zuwenig!

Zum tapern:
Das kann gewichtsmässig schon was bringen. Wenn du es auf die Spitze treibst wiegt der Erl nur noch halb so viel wie Vorher.
Auch wenn du 1/3 der Klingenstärke stehen lässt sparst du noch 1/3 durch tapern.

Zur stabilität: Da mach ich mir eigentlich keine Sorgen. Das Tapern ist völlig unkritisch und wenn du das mit dem Bohren nicht übertreibst sollte da auch nix passieren.
In der Mitte des Griffes kann der Durchmesser der Bohrung ruhig 1/2 bis 2/3 der Griffhöhe sein. Nach hinten evtl. sogar noch mehr.
Die grösste Gefahr sehe ich in der nähe der Klinge, daher dort kleiner bohren.

Du musst dir nur den Klingenquerschnitt anschauen. Über den Daumen gepeilt ist das ungefähr die hälfte des Rohlings.
Z.B.: Klingenstärke 5mm
Höhe 20mm
Dann ist der Querschnitt ungefähr 50mm². (Bei Flachschliff bis zum Rücken)
Du kannst also ein 10mm Loch ins Ricasso Bohren ohne die Klinge zu schwächen.
Und wenn du dann noch so stark taperst, das der Erl hinten spitz ist hast du in der Mitte des Griffes immer noch die ganze Stärke.

Ob das ganze Sinnvoll ist, ist natürlich Geschmacksache.
Bei sehr dicken Klingen (5-6mm) macht das schon was aus.
Bei dünneren ist es meiner Meinung nach Unnötig.
Aber das Tapern sieht auch elegant aus finde ich.

Zorro
 
Zuletzt bearbeitet:

HankEr

Super Moderator
Naja, ein Messer soll ja auch schon ausgewogen ausbalanciert sein und wenn man die Balance verbessern kann, dabei keine (relevante) Schwächung herbeiführt und das Messer auch noch leichter wird dadurch, warum nicht?
 

dcjs

Mitglied
hi,
ich denke zorro_43 hat es auf den punkt gebracht. kein teil des griffes muss vom querschnitt her stabiler sein als der stabilste teil der klinge!
relevant werden die stabilitätsfragen ja erst, wenn man die klinge wirklich als brecheisen benutzt. die für den griff betrachtet schlimmste belastung kommt dann zu stande, wenn man die klinge zum grössten teil in den schraubstock einspannt und dann am griffende bieht was die arme hergeben.:haemisch:
wenn jetzt der griff stabiler ist als die klinge dann bricht ´die klinge *knacks*.
also kann man noch material am griff wegnehmen, und zwar zum griffende hin eine ganze menge. das bringt auch für die balance mehr, als gleichmäsßig über den griff verteilt material wegzunehmen.
bevor nun die balance leidet, sollte man natürlich aufhören mit dem bohren, aber bis dahin kann man sich am griffende schadlos (grosse löcher) halten. sreng genommen sogar linear zunehmend bis fast nichts mehr übrig ist, oder? :confused:
tapern halte ich für den hausgebrauch für ganz schön aufwendig, hab' ich noch nie versucht. eigentlich auch noch nie das bedürfnis gehabt.
 
Zuletzt bearbeitet:

bigbore

Mitglied
Meine Meinung:
Ganz einfach: Je leichter - je Besser!

06.jpg
 
Kommt immer auf das Messer an: mein letztes hatte ein Endgewicht von 90 gr (3-finger Fixed, 6 cm klingenlänge)...da machen die 10-15 gr Gewichtsersparnis schon einen unterschied in der Balance, und die Stabilität leidet auch nicht...
Ich finde sowieso, dass das Thema Stabilität häufig überbewertet wird-so ein gehärtetes Stück Stahl hält schon was aus-gerade bei kleinerern Messern und richtiger Anwendung ist nichts zu befürchten...

Grüße, Jens
 

luftauge

Mitglied
Jo,
ich weis, dass es nervt, aber meine Sorge gilt immer dem Härten !
Warum kann ich auch nicht sagen, is wohl krankhaft.
Ich setze immer die korrekte Anwendung voraus ! edit: Gebrauch des fertigen Messers ;)

@ Pitter:
Was ist bei den ExRatio's denn so übertrieben? (ich habe mir die Dinger noch nie genauer angesehen, weil sie mir persönlich nicht gefallen)
Der Schliff an der Klinge oder übertrieben verjüngte Erle ?

Mit dem Verjüngen bin ich angefangen, und mit ausreichend Bohrungen in der Fläche geht es natürlich einfacher, wegen weniger Material zum Feilen, beides zu Kombinieren ist schon mal sinnvoll.

Nur die Küchenwaage stimmt nicht :mad: - die Anzahl der Bohrungen fast verdoppelt, teilweise mit 6mm aufgebohrt, und das neue Gewicht ist immer noch 20g unter dem Startgewicht...

Gruß Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:

El Dirko

Mitglied
Original geschrieben von luftauge

@ Pitter:
Was ist bei den ExRatio's denn so übertrieben? (ich habe mir die Dinger noch nie genauer angesehen, weil sie mir persönlich nicht gefallen)
Der Schliff an der Klinge oder übertrieben verjüngte Erle ?

Ich bin zwar nicht Pitter aber ich denke er meint das "Dobermann" von denen. Das hat extrem wenig Material im Griff was hier zu Irritationen führte. Einige sind fest der Überzeugung es sei zu wenig. Wenn ich mich recht erinnere hat einer der Sponsoren dies aber bestritten (bladeshop ???). Jedenfals sieht es auf Bildern schon etwas instabiel bzw nach sehr wenig Material aus. :D
Ich bin mir nicht so sicher wie Pitter ob dies für ein Messer wie dem Dobermann (welches nicht zum Holzhacken ist) nicht sogar ausreicht. (Betonung! Ich bin mir nicht sicher!)

Der Link führt zum Bild des Dobermann auf dem dies zu erkennen ist.
http://www.extremaratio.com/galleria/foto4.jpg

Gruß
El
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Original geschrieben von El Dirko
Ich bin mir nicht so sicher wie Pitter ob dies für ein Messer wie dem Dobermann (welches nicht zum Holzhacken ist) nicht sogar ausreicht. (Betonung! Ich bin mir nicht sicher!)

Naja, wenn man damit nur Broetchen schneidet wirds langen. Aber bei einem Messer dieser Groesse und dem Anspruch als Tactical Pruegel fuers Grobe - sieht ja nun nicht wie ein Filletiermesser aus - ist die Konstrktion ein Witz.

Aber generell seh ich so wie Jens. Stahl ist Stahl. Wenn man nicht uebertreibt und sauber arbeitet, sprich keine Spannungen, Bruchstellen in den Erl bringt, hält Stahl schon was aus, ob das jetzt 6mm durchgehend oder auf 2mm getapered ist und ein paar Löcher hat, das bringt kein normaler Mensch kaputt, wenn er ein Messer als Messer benutzt.

Wobei Balance auch Geschmacksache ist. Bei Badmintonschlägern und Messern bevorzuge ich Kopflastigkeit :)

Gruesse
Pitter