Entwerfen - wie macht Ihr es ?

DeadlyEdge

Mitglied
Hallo, Leute!
So unterschiedlich die Messer verschiedener Messermacher sind, und so unterschiedlich die entsprechenden Bearbeitungstechnicken, genau so mannigfaltig scheinen auch die Herangehensweisen beim Entwerfen zu sein. Vom 3D-Softwaregrafik, auf der fast schon ein Unterschied zwischen sandgestrahltem und glasperlengestrahltem Klingenfinisch zu erkennen wäre, über Handzeichnung, bis zum Losschmieden/schleifen nur nach Vorstellung.
Ich mache es meistens so: Ich zeichne das Messer (oder Schwert :haemisch: ) per Hand, mit dünnem Bleistift oder Kuli, so wie es aussehen soll, also mit Griff(schalen), Verstiftung, Schliff usw. , allerdings nicht 1:1 , sondern wesentlich kleiner. Wenn ich auf der Idee komme, mit der Verwirklichung des Entwurfs anzufangen, vergrössere ich den mit einem Kopierer oder PC (einscannen...) so, daß erstmals die Griffgrösse passt. Im zweiten Fall spiele ich etwas mit dem Bildbearbeitungsprogramm, z.B. den Winkel zwischen Klinge und Griff ändern oder die Klinge etwas kürzen/verlängern. Ein Kartonmodell mache ich meistens nur von dem Griff. Wenn Ergo OK ist ...
Mit dem PC entwerfen geht bei mir nicht gut, ich hab zu wenig Gefühl und auch zu wenig Ahnung dafür/davon. Beim 1:1 Zeichnen habe ich auch ein komisches Gefühl, was die Proportionen angeht, außerdem neige ich dann dazu, total primitive Formen zu zeichnen. Ein eindeutiger Nachteil von "meiner" Methode ist, daß man nicht ganz genau abschätzen kann, ob der Rohling aus einem Stück Stahl mit der Breite XX mm ausgeschnitten werden kann.
Also, lasst hören, wie Ihr das macht.
Aber bitte mehr Antworten :D
Grüsse,
Martin
 

Flaming-Moe

Mitglied
Am Anfang steht die Bleistiftskizze. Geht mir einfach viel leichter von der Hand und es dauert auch nur Sekunden bis ein Entwurf zu Papier gebracht ist.

Dann einscannen und im PC Maßstabsgetreu nachzeichnen. Der PC nimmt einem eigentlich keine Arbeit ab, aber man kann hie und da noch kleine Veränderungen vornehmen. Die Griffform etwas verändern, Klinge länger, kürzer, gebogener...

Und man kann den Entwurf auf den Millimeter genau auf ne bestimmte Breite (vorhandene Breite des Stahltückes) einpassen.

Funktioniert ganz gut.

Zu gut vielleicht, denn ich hab jetzt schon mehr Entwürfe zusammen, als ich in den nächsten 5 Jahren Messer bauen kann...
 

HankEr

Super Moderator
Vorzeichnen der Stahlbreite auf Papier (mit Filzstift) und dahinein kommt dann der Entwurf (mit Bleistift). Alles 1:1 und inkl. Anordnung Griffschalen, Platzierung Bohrungen, etc. und mit häufigem Einsatz des Radiergummis. Steht der Entwurf dann wird die Schablone ausgeschnitten und mit Folienschreiber auf den Stahl übertragen.

Habe ich den Stahl schon herumliegen, dann etwerfe ich auch mit Folienstift und Spiritus (für Korrekturen) gleich darauf.
 

zorro_43

Mitglied
Ich fang direkt mit AutoCAD an und mach mir ne 2D-Skizze, indem ich mit der spine-Funktion rumspiele. Vorher habe ich dann schon Wochenlang eine Idee im Kopf durchgekaut.

Die Skizze wird dann bemaßt und 1:1 ausgedruckt und dann auf den Stahl übertragen.
Besonders bei Klappmessern, wo ich auch fräse, ist es sehr angenehm direkt vernünftige Maße zu haben.

Die Grifform verändert sich meist beim bearbeiten noch etwas, die Klinge nicht.

Zorro
 

Leonardo75

Mitglied
Messerentwurf

Hallo Deadly Edge!

Ich mache es im Prinzip wie Hanker, also zuerst die Materialreste aufzeichnen und da hinein das Messer zeichnen (bisschen Platz lassen, weil die Abzeichnung vom Material größer ist als das original). Dann Ausschneiden und schauen, wie es in die Hand passt.
Jetzt die Klingenform abzeichnen und verschiedene Griffe dranzeichnen. Wenn es irgendwann gefällt, das ganze auf ein dünnes Stück Abfallholz (ich nehme immer Fichten-Paneele, davon habe ich noch genug rumliegen) aufzeichnen und aussägen. Dann Griffschalen dafür machen und die mit Schrauben am Holzmittelteil befestigen. Dann kann man gut die Griffkontur überprüfen. Die Griffschalen ruhig mit grober Raspel in Form bringen, sonst merkt man nicht, wo der Erl noch zu breit ist. Wenn der Griff gut in der Hand liegt nur noch das ganze auf den Stahl übertragen (ich reisse mit einer Reißnadel und ein wenig Übermaß an, damit es nicht verläuft, wenn ich mit der Handsäge und Kühlmittel säge). Auf den Anriss setze ich nun noch alle 2 cm einen leichten Körnerschlag, damit ich später beim Sägen überhaupt noch was sehe von der Linie. Aber wirklich nur so leicht, dass er im Übermaßbereich des Anrisses bleibt.

Dann wir die Kontur mit Säge und Bohrer herausgearbeitet.

Viel Spaß beim Sägen wünscht Euch der Leo.
 

Geist

Mitglied
Einen Entwurf mache ich immer Freihand 1:1 mit Bleistift auf Papier oder dünnem Karton. Dann wird gescannt und es kann noch das eine oder andere bearbeitet werden. Wenn ich ein Grafiktablett hätte, würde ich einen Entwurf gleich am Computer machen - mir der Maus hat man aber IMO einfach nicht so das feeling!

Entwürfe habe ich schon einige gemacht, nur noch kein Messer selbstgemacht :ack: Naja, Wolfgang Dell setzt einen meiner Entwürfe für mich um, das ist doch auch schon was :D :lechz:

Ciao Geist
 

Wolfgang Dell

Mitglied
@ Geist, der Wolfgang hat auch schon den Stahl daliegen, nur gesägt hatter noch nischt!

Aber zum Thema:
am Anfang steht die Handskizze, meist 1:1. Dann wird mit dem Kurvenlinial geglättet. Nach so vielen entwürfern kann ich schon sagen wie es in der Hand liegt.
Zu Beginn meiner Laufbahn (wau, das klingt) war das Modell aus Holz uns sogar aus Alu.
Nach der Skizze wird diese übertragen auf ein Alublech (le). Von dort wandert auf den Stahl (block). An den Abmessungen der diversen Stahlsorten habe ich mich natürlich vorher orientiert.

Ja inzwischen habe ich drei Zeichen/CAD-Programme auf dem PC. Beherrsche keines, spiele nur rum mit mangelhaften Ergebnissen. Sollte wohl einen Volkshochschulkurs machen, denn reizen würde es mich schon. Besonders für den Entwurf von Foldern. Das Arbeiten mit Stecknadel, Transparentpapier und viele rumprobieren nervt wirklich.

Ach ja nochwas, nachdem ich inzwischen zigfuffzig Schablonen an der Wand hängen habe, kann es vorkommen, dass ich die Klingenform von X mit der Griffform von Y einfach kombiniere. Da sind schon ganz nette Messer zustande gekommen.
Bis dann und fröhliches zeichnen.
Wolfgang

P.S. Der Cappuccino ruft
 

dcjs

Mitglied
ho,
ein sehr interessantes thema :)
ich bin mir recht sicher, dass es genauso viele techniken des entwerfens wie messermacher (bzw. "messer-entwerfer") gibt.
hier ist meine:
zuerst ist da natürlich irgendeine mehr oder weniger ausgegorene gehirnschwangerschaft, oft sehr vage.
dann schnappe ich mir meinen geliebten ganzmetall-TK-stift (der leider im moment kaputt ist :( ), einen layout-block (wichtig, denn auf diesem papier lässt sich rückstandslos radieren, und das 20x, ohne das papier zu beschädigen) und ein gutes radiergummi.
das radiergummi hat ungefähr genauso viel arbeit wie der bleistift, da ich zuerst mal etwas aufzeichne, und es mir dann dahingehend angucke, was ich ändern muss. das ist am anfang eine ganze menge ;) , und so taste ich mich immer mehr an die endgültige form heran.
entworfen wird grundsätzlich 1:1. wenn ein vorläufiges endergebnis vorliegt, mache ich mir unbedingt ein paar kopien, damit ich damit weiterexperimentieren oder modelle bauen kann.
diese vorläufige endgültige zeichnung gucke ich mir nun immer wieder an, schleppe sie mit mir rum, gucke sie mir noch mal an, und wenn ich mir sicher bin, dass sie so gut ist, lasse ich sie mindestens ne woche liegen und gucke sie mir dann noch mal an :D
dann wird, so sie mir denn immer ncoh gefällt, ein modell gebaut, bisher immer aus alublech (2mm).
die ganz feinen feinheiten in der formgebung lassen sich mit feile&schleifpapier am material imho noch besser abstimmen als mit bleistift&papier.
mit diesem modell kann man jetzt wunderbar die handlage testen, ausserdem kriegt es in aller regel noch griffschalen aus wachs.
dazu benutze ich beinenwachs von alten kerzen etc., dass sich handwarm sehr gut formen lässt, und auf zimmertemperatur schön fest ist, damit man den grioff auf griffigkeit testen kann.
auf diese weise kann ich ein sehr realistisches modell bauen, es fehlt eigentlich nur noch das gewicht und die balance, halt das "feeling" des späteren messers.
bei meinem ersten kalppmesserentwurf (das "übermesser" ;) ) hab ich für das modell 4mm starke polystyrolplatten verwendet. das ist ein weisser, säg- feil- schnitz- bohr- und schleifbarer kunststoff, neigt nicht zum brechen aber ist trotzdem recht stabil.
hiermit lässt sich ein kalppmessermodell in originaldicke, mit "clip", riffelungen und allem, was sonst noch zur handlage beiträgt, herstellen.
dieses modell liegt dann laaaaange bei mir rum, ich nehm es überall hin mit, befummel es 1000mal, und überlege mir halt, was man noch anders machen könnte.
interessant ist, dass ich den einen tag denke, dass man an dieser form rein gar nichts mehr verändern sollte, den anderen denke ich doch, dass das vielleicht nicht das optimum ist.
wenn ich nach ein paar monaten immer noch davon überzeugt bin, wird's gebaut :glgl:
interessant ist, dass ich bei aller planung und durchdachtheit ganz irrational handeln, kann, wenn das material erst mal vor mir liegt: da fängt man dann ganz impulsiv an, einfach ein messer zu bauen, der rest ergibt sich von selbst :lechz:
oder man merkt bei seinem wohldurchdachten und jahrelang geplanten entwurf auf halbem wege beim aussägen des stahls, dass die geplante clip-point-klinge als semiskinner auch ne gute figur machen täte, und schwupps, hat man ein ganz anderes messer (ist aber in diesem fall schön geworden, ich waaaarte ja ganz ungeduldig auf die gehärteten klingen...).
ich denke, diesen dreh, sich eine zeichnung gleich als fertiges messer vorstellen zu können, hat man erst nach einiger zeit raus.
wolfis fähigkeit, im entwurf schon das fertige opjekt sehen zu können, geht mir einigermassen ab.
interessanterweise gibt es viele geniale messer, die, als silhouette auf papier gezeichnet, bei mir nur den weg in die rundablage gefunden hätten ;) das stimmt mcih immer nachdenklich.

übrigens,m das "übermesser-modell" ist mitten in der "befummel-phase", und die wird noch einige zeit dauern... kann sein, dass ich einiges noch mal umschmeisse... *grübel*
 

herbert

MF Ehrenmitglied
@dcjs: so ungefähr geht es mir ja auch. Ich habe viele Sperrholzmodelle, hab aber für mein erstes Messer ein klassisches Modell gewählt, weil da schon Generationen von Leuten genau so dran gearbeitet haben. Sowas ist dann zeitlos. Und Leonardo hat mir eins seiner Modelle geliehen. Ich fummel da auch schon seit Monaten dran rum.
Und dann kommts drauf an, wie ich vorgehe. DE; beim Schmieden aus der Idee und dem Bauch, beim Stock removal plant man halt mehr, aber ich benutze nie den Rechner (immer nur nachher), sondern Papier, Bleistift, Radiergummi, und ZEIT ZEIT ZEIT (hi, dcjs).

@zorro 43: ich bewundere das immer, Leute, die Handwerk können, bringen das immer gleich in machbare und fertigungsgerechte Vorlagen. Mein Bruder ist Werkzeugmacher, und der zeigt mir auch immer wieder, wie man Kreativität und Machbarkeit gut zusammenbringt. Dir ist das ja auch immer wieder gelungen, ich denke da an Dein tolles Messer, das Du beim Schmiedetreffen dabeihattest, und natürlich an die Umsetzung Deines geschmiedeten Messers in das fertige Messer. Wir hatte den gleichen faszinierenden Gedanken, das Damastmuster, die Schmiedetextur, und da müssen natürliche Materialien heran. Hast Du ja prima umgesetzt.
Klasse.
 

Claymore

Mitglied
zu 95 % siehts bei mir so aus:

Stahl in der gewünschten länge vom 6 meter Stab abschneiden, Esse anwerfen, Damastpaket ansetzen, oder monostahl je nach dem und schmieden.

Die Form hab ich dabei im Kopf, oder Sie entsteht im geiste während des Schmiedens.

Im Nachhinein mache ich dann unter Umständen Schablonen der bereits fertigen Klingen um die Form zu als Vorlage zu haben.

Oder eben nach Vorgabe wenn eine bestimmte Form gewünscht wird.

Beim Schmieden bin ich nicht so an vorhandene Materialdimensionen gebunden.
Ich mach es passend
:steirer:


Peter
 

DeadlyEdge

Mitglied
Jo, es scheint wirklich so zu sein, daß jeder seine eigene Strategie hat. Daß man beim Zeichnen viel radiert ist ja völlig normal, bei Kunst-Zeichnen arbeitet man oft mehr mit dem Radiergummi als mit dem Stift.
von Claymore
...Oder eben nach Vorgabe wenn eine bestimmte Form gewünscht wird.


Beim Schmieden bin ich nicht so an vorhandene Materialdimensionen gebunden.
Ich mach es passend

Tatsächlich ;) . Das war das einzige Mal als ich ein Plexiglasmodel gebastelt habe, als ich mir den Schwertrohling von Peter schmieden lassen habe. Es war natürlich gut, eine Vorlage für die Form zu haben, da das Ganze aus einem Rundstab mit Durchmesser 25 mm ausgeschmiedet werden musste (bei Stockremoval hätte ich Flachmaterial mit einer Breite von > 10 cm, ja vielleich sogar über 11 cm gebrauchen müssen!) , und die Form, so wie die im Entwurf war, einzuhalten war nicht so supereinfach. Claymore hat es aber schon passend gemacht :) : wenn wir die Schablone 1:1 in Stahl umgesetzt hätten, wäre das Schwert nur etwas für Kafttraining. Für Fortgeschrittene. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt: eine Klinge aus Stahl wiegt nicht nur mehr als ein 1:1 Model aus Karton/Holz/Plastik/... , die wirkt auch rein optisch total wuchtiger! Vielleicht hat Stahl irgendeine besondere Aura :teuflisch
Grüße und kreatives Entwerfen!
Martin
 

Ulrich Wolf

Mitglied
Hallo

bei Klingen die aus Flachstahl fertige mache ich auch erst auf
Pappe eine Freihandzeichnung ( ändere bis diese gefällt ) und
übertrage dann per Filzstift auf den Flachstahl .
Beim schmieden arbeite ich ohne Vorlage - lasse mich vom Gefühl
leiten und schaue dann was am Ende entstanden ist - die Form
entsteht wie von selbst.

Gruß Uli