Endlich ein Claymore-Messer

herbert

MF Ehrenmitglied
So, beim ersten Schmiedetreffen im Januar hatte Claymore mir versprochen, einen Rohling aus 100 Cr 6 zu schmieden. Das ist ein Stahl, von dem ich sehr viel halte. So sah der Rohling dann aus:
 

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herbert

MF Ehrenmitglied
Na ja, die Zwischenstufen erspar ich Euch, aber jetzt ist es fast fertig. Geschliffen muß es noch werden, ballig, klar, paßt ja am besten zum Stil. Die Schmiedetextur ist erhalten, und das Messer wurde beim zweiten Schmiedetreffen in Laubuseschbach von Claymore persönlich gehärtet, und zwar in der Esse. Ich bin zwar ein Vertreter des Ofens, aber zu so einem Messer paßt das Härten in der Esse einfach besser. Und die Wärmebehandlung ist schon klasse, mehrfach normalisiert, vorgehärtet, endgehärtet, angelassen, super. Hart isses, schwer und es liegt einfach super in der Hand, leicht Klingenlastig. Der Griff ist aus Buchenholz, auch von Claymore, nur mit Stahlwolle behandelt, dann gewachst. Die groben Strukturen von dem Zufeilen habe ich teils erhalten, da sie den Eindruck des "Gebrauchtseins" vermitteln, der Griff ist ansonsten sehr glatt und dennoch griffig, Buche ist da echt Klasse, und der Griff ist asymmetrisch, auf der rechten Seite fünfeckig, das füllt die Hand gut aus. Mit dem Daumen kann man auf den fileworks gut Druck ausüben beim Schneiden, durch die Schmiedestruktur fallen z.B. Gurkenscheiben einfach ab und kleben nicht. Die Ballige Schneide ist universell einsetzbar und glatt poliert, aber auch nicht spiegelig. Ich nenn den Stil archaisch, hatte das mal bei Claymore gesehen, sowas wollte ich auch. Feinarbeiten kommen noch. Erst mal Bilder, ich kann es nicht mehr aufhalten, ich find das Messer einfach gut.
 

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herbert

MF Ehrenmitglied
so sieht die andere Seite aus, die mit der glatten Griffschale
 

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herbert

MF Ehrenmitglied
Und der Rücken kann auch entzücken.
Ach ja, und die Klinge ist differentiell gehärtet, also etwa entlang der dunklen Kontur. An der Schneide greift keine Feile, am Rücken aber wohl. Keine Härtemessung. Paßt auch nicht zum Stil des Messers. Archaisch, halt. Für die Scheide hab ich schwarzes 6 mm starkes Leder besorgt. Mal sehen.
 

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herbert

MF Ehrenmitglied
Die file works kommen nicht zur Geltung, aber am Halbrohling vielleicht. Ich hab sie "Kullen" genannt, das sind sie wohl technisch auch:
 

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C. Raiber

Mitglied
Hallo herbert
Gefällt mir ausgesrochen gut das Messer. Ist das jetzt ein Messer für Messermacher, Hausfrauen, oder Söhne?:D :fack:
Zeig doch noch etwas mehr von der Filework am Klingenrücken!!
Erst scharf machen und dann kneifen :D

Gruß Christoph
 

herbert

MF Ehrenmitglied
HI, Christoph, das ist ganz klar ein Messer NUR FÜR MICH!!!!!!!!!!
Hat Wucht, der Stahlrohling wog allein 265 g. Und mit der wuchtigen Scheide aus dem dicke Leder ist das in der Tat ein Messer, das nicht an den Gürtel einer Anzughose passt, obwohl.......
Meine Frau denkt inzwischen auch etwas anders über Messer, zuerst dachte sie, das wesentliche Kriterium für die Güte sei, dass man das Dings in die Spülmaschine stecken kann. Aber seit dem Handwerkermarkt in Aachen, wo AchimW ihr mal demonstrierte, wie ein cooles scharfes Messer aussieht (ne alte Feile, war noch zu erkennten, aber eben rasiermesserscharf), da sieht sie mein neues doch mit anderen Augen. Geb ich aber nicht her.

Das Messer lebt vom Gegensatz: einfacher Holzgriff, grobe Klinge,mit Schmiedetextur, aber die eigentliche Schneide sehr glatt, poliert, die Schärfe soll rasiermesserähnlich werden, und der Klingenrücken ist blank, die fileworks sind alle gerundet und nicht kantig.

Ich glaube,ich hab meinen Stil dahin gelegt. Es fing ja schon beim ersten Schmiedetreffen an, wo ich die Textur teils auf der Damastklinge ließ.

Bald ist ja auch mein Balbach-Messer vom August fertig. Der Griff ist aus Deiner Robinie, Christoph.
Bald mehr.
 
Zuletzt bearbeitet:

Haudegen

Mitglied
obwohl es ein claymoremesser ist, sollten wir doch bald mal bei markus wieder mal zusammenkommen.---


weiches eisen klopfen,------:angst: ,...
 

herbert

MF Ehrenmitglied
freu mich schon drauf, Haudegen!
Hat mich beim zweiten Mal ja genauso gefreut wie beim ersten mal.
Herbert
 

Haudegen

Mitglied
ot:
und drum hab ich heut mal nachgefragt.
hoffe du bist nicht bös, dass ich dein thread,....
ot:

markus, sei gnädig,...
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Genau, Geist, Dieses Messer von Dir war der Auslöser. Der Stil wäre mir früher nicht untergekommen, aber ich habe irgendwann dieses Bild mal gesehen, und da war es geschehen. Und beim Schmiedetreffen im Januar hab ich dann mit Claymore gesprochen.
Jetzt weiß ich endlich, woher dieses innere Bild herkommt.
Tut mir leid, wenn jetzt zwei von der Sorte existieren, aber jedes hat ja wohl sein Eigenleben. Und auch meins wird wohl immer dabei sein.
 

Geist

Mitglied
Jaja der Virus den man nicht mehr los wird :D

herbert, es macht mir überhaupt nix aus das du ein Messer von Peter hast das meinem ähnlich ist, es bleiben trotzdem jedes für sich ein Einzelstück und das dir diese Art Messer auch gut gefallen, kann ich nur zu gut verstehen :hehe: :)
 

Leonardo75

Mitglied
Tja Herbert, Du kannst einen echt neidisch machen!

Ich glaube so ein Messer sollte ich auch mal versuchen zu schmieden.

Beim Schrottplatz habe ich neulich ein altes Rollenlager gefunden. Die Laufringe sind recht breit, daraus könnte auch sowas werden.

Wie behandle ich eigentlich den 1.3505 Stahl zum Härten? Einfach wie einen normalen Ölhärter geht wohl nicht. Auf dem Schmiedetreffen meintest Du ja, dafür müsste man bestimmte Sachen anders machen.

Was denn genau, nur für den Fall, weiß Du ;) ?

Viele Grüße sendet Dir der Leo.
 

Claymore

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Hallo Herbert,


ist ein schmuckes teilchen geworden.
Und es ist ein Unikat.
Selbst wenn man mehrere Klingen vom gleichen Format und Stil schmiedet, bleibt doch jedes ein wenig anders als die anderen.
So 'gleich' wie beim Stockremoval werden geschmiedete Teile, besonders wenn die Schmiedehaut stehenbleibt halt nie.


@Leonardo:
den 3505 kannst du schon wie einen 'normalen' Ölhärter behandeln, es ist schließlich einer.
Aber einer, der beim Glühen, normalisieren evtl. ein wenig mehr zuwendung, sprich Aufwand haben möchte um sein Potential ausschöpfen zu können.



gruß

Peter
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Danke, Peter!
Und das Messer macht schon Spaß. Hab gestern endlich die Scheide gemacht, muß noch verfeinert werden. 6 mm starkes schwarzes Leder, im Griffbereich hab ich 4 Lagen genäht (doppelter Keder, wegen des doch recht massiven Griffes). Da hab ich die Vorteile eines neulich auf dem Flohmarkt beschaften Nähklobens deutlich gefüht. Und ich näh mit Stahlborsten, nie wieder nehm ich was anderes. Aber gepechten Faden durch 4 Lagen, und der klebt ja, und ich hab diesmal auch mit der Ahle und nur gelegentlich mit dem Dremel (der eigentlich ein Proxxon ist) vorgearbeitet, das war schon heftig. Manchmal dachte ich es zerschneidet die Finger. Wenn die Scheide soweit ist, dann gibts ein Bild, klar. Sieht cool aus, das helle Holz in der scharzen schweren Scheide. Das Gesamtgewicht von Scheide und Messer ist schon einiges, aber echt cool. Und dieser archaische Stil "is wat".


@Leo: kannst die Werte aus dem Stahlschlüssel nehmen, aber wenn Du in der Esse härten willst, dann solltest Du Dich an claymore wenden, da hab ich nur "Zuguckerfahrung".
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Ach, noch etwas: der Erl verjüngt sich nach hinten und auch nach unten zur Schneide hin. Das macht Griffnieten setzen etwas frickelig. Hab aber gar nicht erst welche gemacht, wegen der Kante, und wegen des Gesamteindrucks. Das einzig farbige ist die Fibereinlage zwischen Holz und Erl. Fangriemenloch und Griffnieten würden etwas viel auf dem Griff sein und vom Klingenmuster ablenken.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Jetzt isses auch noch scharf, und wie!!!!

So, jetzt hammers. Vier Stunden mit dem Lansky hab ich gebraucht um das üDings zum Schneiden zu bewegen. Danach noch ne extra Sitzung mit Leder und Chromoxidfarbe und Glattleder. Aber jetzt! Mann oh mann! Es fasst die Haare am Unterarm über der Haut, nicht auf der Haut (sieht vielleicht blöd aus, nur Haare auf dem rechten Arm). Papier läßt sich damit durch reinen Druckschnitt schneiden, und man kann auch beim Schneiden die Richtung wechseln. Hat sich schon gut eingeführt, das Messer! Wie meinte ein Bekannter: ist das eigentlich scharfautsch. Hähä. Soll die Finger davon lassen.
Ne Scheide hats auch. Aus 6 mm Leder, im Griffbereicht vierlagig (hab mir fast die Finger mit dem Faden zerschnitten, nie wieder ohne Stahlborsten). Bilder kommen noch, Digikam war krank, demnächst wieder. ABer ich kann nur sagen, ich sammel ab sofort alte Kugellager,wegen 1.3505 natürlich.