Empfehlung Härte N690 für Survivalmesser

Noise

Mitglied
Hallo Gemeinde

Bin neu hier dabei, komme aus der Schweiz, bin Maschinenbauer und tobe mich seit kurzem mit N690 aus.
Aktuell versuche ich mich an einem Survival/Bushcraft Messer. Gesamtlänge ca. 30 cm, Höhe des Klingenkörpers 4 cm und Materialstärke 5 mm. Die Klinge hat einen Flachschliff auf ca. 29 mm höhe. Sie soll gebraucht werden für allerlei Holzarbeiten, spalten, schnitzen, hacken, food etc.

Nun mache ich mir Gedanken darüber, wieviel HRC das Teil abkann ohne einen Bruch zu riskieren. Mein Härter und auch Böhler sagen 62 HRC sind möglich. Extrema Ratio macht meistens oder eigentlich immer 58 HRC.

Was gibt es hier für Erfahrungen? Gerne lese ich von Euch, was Ihr so denkt und umsetzt/umgesetzt habt, was euch zerbrochen ist und wo Ihr vielleicht verschenktes Potential seht.

Danke und Gruss

Andre
 

Taperedtang

Mitglied
Hallo Noise,

herzlich willkommen im Forum.

Ich halte N690 für einen leistungsfähigen Stahl, der bei entsprechend angepasster Wärmebehandlung für viele Anwendungen geeignet ist. Ich habe aus N690 schon einige Jagdmesser gebaut und habe dabei folgendes festgestellt. Die von deinem Härter und auch von Böhler (gem. deiner Aussage) getroffene Feststellung, dass beim N690 eine Härte von 62° HRC möglich ist kann ich bestätigen.

Ich hatte mal ein Jagdmesser (ich betone hatte ;)), das auf gemessene 62° HRC gehärtet war. Die Klinge war nur 2,5 mm stark und ist mir beim Aufbrechen eines Stück Schwarzwilds beim öffnen des Schlosses abgebrochen (ich habe wohl ein bisschen zuviel gehebelt). So etwas darf, auch bei ungeschicktem Einsatz, bei einem Jagdmesser nicht passieren.

Danach habe ich alle N690 Klingen immer auf 59° - 60° HRC härten lassen. Meistens habe ich sie mit einer Härte von 60° HRC zurück bekommen. Diese Härte kann ich für diesen Stahl auch empfehlen. Ich habe damit noch nie Probleme gehabt egal wie stark die Klinge war (2,5 - 4 mm). Das Schärfen ist bei dieser Härte auch noch gut möglich. Bei 62° HRC war dies deutlich schwieriger.

Ich halte auch die Schnitthaltigkeit bei einer Härte von 60° HRC für gut. Das Versorgen von zwei - drei Stück Rehwild oder 1 - 2 Stück Schwarzwild ist ohne nachzuschärfen möglich. Ich empfehle dir dein Survival/Buchcraftmesser auch auf 59° - 60° HRC härten zu lassen. Darüber würde ich nicht gehen aber auch nicht wesentlich darunter, da bei niedriger Härte die Schnitthaltigkeit nachlassen wird. Um wieviel kann ich dir nicht sagen, da ich hierzu noch keine Versuche unternommen habe. Insgesamt möchte ich noch feststellen, dass alle meine Aussagen nicht wissenschaftlich basiert sind, sondern nur aus meiner subjektiven Erfahrung heraus stammen.

Bei einer Klingenstärke von 5 mm wirst Du, bei entsprechend des Aufgabenbereichs deines Messers angepasster Wärmebehandlung, sicherlich keine Stabilitätsprobleme haben.

Es gibt natürlich, wenn man seinen Fokus ganz bewusst auf Zähigkeit in Verbindung mit hoher Schockbelastung legt, auch geeignetere Stähle wie z.B. 1.2235 und andere rostenden Stähle die empfehlenswert sind.

Als "Allrounder" halte ich den N690 für einen guten Stahl, der zudem sehr rostträge ist. Du wirst, unter Zuhilfenahme der Suchfunktion, auch jede Menge Beiträge finden die dir weiterhelfen. Manche dieser Beiträge sind zwar gut aber sehr theoretisch und nur teilweise hilfreich aber Du wirst auch sehr gute Beiträge mit Praxisbezug finden, die sehr hilfreich und lesenswert sind.

Ich hoffe ich konnte dir ein klein wenig helfen und wünsche dir noch viel Erfolg bei deinem Projekt.

Gruß

Matthias
 
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Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
N690 ist wie VG10, mit dem er vergleichbar ist, nicht erste Wahl für ein Survival- oder Buschkraftmesser, da er über keine guten Zähigkeitswerte (geringer als VG10) verfügt. Und insofern ist man - insbesondere, wenn es ums Hacken geht - gut beraten, es mit der Härte nicht zu übertreiben. Extrema Ratio weiß schon, warum man es bei 58 HRC bewenden läßt.

Die bessere Wahl wäre hier A2 Toolsteel, Wälzlagerstahl 52100, Federstahl 5160, 1.2235, CPM 3V, L6 …

R’n‘R
 

Wolfgang78

Mitglied
Hallo, mal ne Laienfrage weils gerade zum Thema passt, könnte man nicht die Zähigkeit verbessern indem man den dicken Klingenrücken wärmer anlässt als die Schneide, oder sollte man solche Experimente lieber vermeiden und wenn ja, warum? Grüsse aus Schweden
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Differentielle Härtung will ja erreichen, daß der obere Klingenteil weniger hart - also zäher - ist. Das soll Klingenbruch beim Hebeln verhindern. Die Härte der Schneide aber bleibt gleich. Und damit kommt beim Hacken die geringe Zähigkeit des N690 nach wie vor zum Tragen, was zu Ausbrüchen führen kann.

Wenn der N690 im Klingenbereich aus Sicherheitsgründen - zur Erhaltung einer gewissen Mindestzähigkeit - nur auf 58 HRC gehärtet wird, steigt zudem die Gefahr, daß die Schneide umklappt. Man haut die scharfe Schneide schlicht platt.

Es ist also sinnvoller, einen Stahl zu wählen, der über eine hohe Zähigkeit verfügt und den man dann ohne Risiko höher härten kann. So sinkt sowohl die Gefahr für Ausbrüche als auch die für Umklappen. Bei 5 mm Klingenstärke muß man sich über Klingenbruch nicht so viel Gedanken machen.

R’n‘R
 

pebe

Premium Mitglied
Servus,

Ich hatte mir von Andreas Holzer ein Outdoormesser ähnlicher Größe mit Vorgabe hacktauglich und rostträge anfertigen lassen. Andy ist Schmied im Böhler Hauptwerk und hat da eigentlich reichlich Auswahl und Erfahrung. Preislich gab es keine Vorgaben.

Er hat den N690 empfohlen und genommen, aus der Erinnerung auf 60 hrc gehärtet. Dass Extrema Ratio sich für ihre Hardcore beworbenen Messer etwas Reserve lässt, sollte eigentlich nicht verwundern.

Grüsse, pebe
 
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Noise

Mitglied
Guten Morgen und Danke für die ausführlichen Antworten.

Wenn ich also rnr und Matthias in einen Topf reinmach und gründlich umrühre, sollte ich also einen guten Kompromiss aus genügender Zähigkeit , Bruchsicherheit und Schneidhaltigkeit beim N690 mit HRC 59 - 60 erhalten, da die Klingenstärke von 5 mm mich in Punkto Bruchsicherheit recht gut schlafen lässt.

Dass es für meine Ausführung / Projekt sicher bessere Stähle gibt, ist mir klar. Aber leider gibts es CPM3V kaum in der Nähe in ausreichender Stärke zu kaufen.

Vielen Dank soweit und ich lese gerne weitere Meinungen zum Thema

Mit Gruss
Andre
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Bruchsicherheit und Schnitthaltigkeit gehen bei 5 mm N690 mit 59-60 HRC sicher in Ordnung. Um die Zähigkeit (Ausbruchgefahr beim Hacken) ist es dennoch aus den beschriebenen Gründen eher schlecht bestellt, wenn wir vergleichen. Grundsätzlich kann dieser Tatsache nur mit einer solideren Geometrie begegnet werden, d.h., mehr Speck hinter der Wate und größerem Gesamtschneidenwinkel. Dann hackt das Messer zwar ordentlich - aber es schneidet nicht mehr gut.

Diese Diskussion haben wir hier ja des öfteren. Und die „Vernünftigen“ unter den Outdoorfreunden verzichten auf Hacken und nehmen aus diesem Grund ein schneidfreudiges Messer mit schlanker Geometrie und eine leichte Klappsäge mit.

Will man aber - aus welchem Grund auch immer - ein hackfähiges Outdoormesser und es mit der Geometrie nicht übertreiben, kann man der Schneidfreude mit einem möglichst zähen Stahl zuarbeiten. Und da ist nun mal der N690 nicht der Stahl der Wahl.

Viele große Karbide sind der Zähigkeit Tod. Und N690 enthält 17 % Chrom und wird erschmolzen. Das führt zu vielen fetten Chromkarbiden, die zwar für Schnitthaltigkeit sorgen, aber der Zähigkeit erheblich abträglich sind.

CPM 3V - um bei dem Beispiel zu bleiben - enthält nur 7,5 % Chrom und dazu 2,75 % des um Faktor 1,7 härteren Vanadiums und 0,4 % Wolfram. Und - sehr erheblich - wird pulvermetallurgisch hergestellt. Das zusammen ergibt einen Stahl, der etwa gleich schnitthaltig, aber - aufgrund weniger und deutlich kleinerer Karbide - um Längen zäher ist als N690.

Damit kann man an Geometrie sparen und erhält eine hackfähiges Messer mit besseren Schneideigenschaften.

Die beiden Gefügebilder zeigen den Unterschied. Auf dem ersten Bild die fetten - ungleichmäßig verteilten - Karbid-Klumpen des N690 (hier VG10) und auf dem zweiten die feine Struktur von CPM 3V. Während die Größe der Karbide im ersten Fall 20 Micron erreicht, sind es bei CPM 3V gerade mal 2:

01 VG10-500X-resized2.jpg02 1000X-3V.jpg

N690 hat bei 62,5 HRC eine Zähigkeit von 4 ft-lbs, bei 60 HRC mögen es um die 10-12 ft-lbs sein. CPM 3V übersteigt diesen Wert bei 60 HRC mit 35 ft-lbs um den Faktor 3.

Aber leider gibt es CPM3V kaum in der Nähe in ausreichender Stärke zu kaufen.

Keine Ahnung, was Du mit „in der Nähe“ meinst. Bei Reinhard Müller in Good Old Germany gibt es das gute Zeug in 2,5 - 3,6 - 4,3 und 5,4 mm. Du könntest - bei gleicher Leistungsfähigkeit - die Klingendicke auf 3,6 oder zumindest auf 4,3 mm beschränken. Vielleicht bei einem Folgeprojekt ;)

EDIT:

Wie leistungsfähig ein Messer in der von Dir angepeilten Größe von 30 cm mit zähem Stahl ist, zeigt eindrucksvoll das Spyderco Province mit einer 17-cm-Klinge de Stärke 3,9 mm. Stahl ist hier der dem CPM 3V ähnliche CPM 4V (etwas schnitthaltiger, etwas weniger zäh). Eindrücke vom Messer gibt es hier.

R’n‘R
 
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Taperedtang

Mitglied
Es ist unstrittig, dass CPM 3V zäher als N690 ist und somit eine dünn geschliffene Schneide auch stabiler sein wird als bei einer N690 Klinge.

Die Frage ist, reicht das Leistungsniveau des N690 aus, um den Anforderungen eines Survivalmessers in vollem Umfang gerecht zu werden. Muss ich mit einem Survialmesser hauchdünne Gurkenscheibchen schneiden oder Haare spalten, muss ich härtere Materialien als Holz oder Knochen hacken? Ich behaupte mal - eher selten.

Ich behaupte, was natürlich im Rahmen eines Tests bewiesen werden müsste, dass eine 5 mm starke N690 Klinge mit moderater Härte und einer nicht zu dünn ausgeschliffenen Klingengeometrie (1 mm hinter der Wate ca. 0,5 - 0,6 mm bei 29 mm Höhe des Flachschliffs) allen Anforderungen gerecht wird.

Ein Punkt der auch erwähnt werden kann, sind die Kosten. Für CPM 3V ist min. das zwei bis dreifache Budget im Vergleich zu N690 anzusetzen, ohne Berücksichtigung einer eventuell zum Korrosionsschutz anzubringenden Klingenbeschichtung (DLC oder ähnliches).

Ich möchte hier nicht die Leistungsfähigkeit des CPM 3V schmälern (ich habe auch noch ein Stück herumliegen, das irgendwann mal zu einer Klinge wird). Ich zweifle auch nicht an, dass CPM 3V besser als N690 für Messer die großer Schockbelastung ausgesetzt sind geeignet ist.

Ich möchte nur darauf hinweisen, dass es viele Möglichkeiten gibt sein Ziel zu erreichen ohne große Abstriche machen zu müssen - u. a. auch mit N690 ;)

Gruß

Matthias
 
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Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Wie heißt es so schön - vieles geht mit vielem. Und ich hatte ja eingeräumt, daß bei geeigneter Geometrie auch mit N690 gearbeitet werden kann. Nur besteht bei den Anforderungen des TO bereits ein grundsätzlicher Widerspruch:

Sie soll gebraucht werden für allerlei Holzarbeiten, spalten, schnitzen, hacken, food etc.

Spalten und hacken erfordern eine solide Geometrie, schnitzen und food eine schlanke (von Haarespalten war hier nirgends die Rede). Daher kann ich Deine Aussage, daß eine vom TO ins Auge gefaßte Klinge „allen Anforderungen gerecht wird“ schon grundsätzlich nicht teilen, ganz unabhängig vom Stahl.

Was Deinen Geometrievorschlag bezüglich N690 angeht - 0,5-0,6 mm hinter der Wate bei einer Klingenhöhe von 29 mm Flachschliff - und die diesbezügliche Stabilität bei Belastung, habe ich zufällig ein Beispiel aus der Praxis.

Vor etwa 2 Wochen habe ich anläßlich eines vergleichenden Klingentests (etwa 1 Stunde hartes Holz - Eukalyptus und Olive - schneiden, Verästelungen wegschneiden, kein Hacken) vergleichsweise mein Fällkniven F1 hinzugezogen. Bei der Gelegenheit habe ich mit der VG10-Klinge des F1 am Ende noch vielleicht 3 Minuten an einem Knochen geschnitzt. Die Klinge ist 26,3 mm hoch, 4,35 mm stark und hat 0,5 mm hinter der Wate 1 mm oberhalb der scharfen Schneide. Der Schliff ist ballig, was die Schneide stabilisiert.

Nach dieser eher moderaten Belastungsprobe sah die zuvor sauber abgezogene Klinge des F1 unter dem Mikroskop so aus (Bild 01 vorher, Bild 02 nachher):

01 VG10 6.000 Grit.jpg02 VG10 nach der Arbeit.jpg

VG10 ist quasi identisch mit N690. Und mit sowas bei den gegebenen Maßen überfordert. Man kann jetzt die Geometrie weiter verstärken (und die Schneidfreudigkeit verschlechtern) oder einen geeigneteren Stahl nehmen.

As you like …

R’n‘R
 

pebe

Premium Mitglied
Hm,

die Ursprungsfrage bezog sich auf das Bruchrisiko bei zu hoher Härte.

Wir wollen mal davon ausgehen, dass sich der TO im Vorfeld Gedanken gemacht und sich bewusst für einen rostträgen Stahl entschieden hat.

Die Unterschiede sollten sich eher im Bereich Mehr oder Weniger denn Sekt oder Selters bewegen. Es ist jetzt nicht so, dass ich Probleme hätte, meine 3V Klingen im Kücheneinsatz zu überfordern.

Die angegebenen 30cm lassen auf eine Klinge mit ca. 17cm schliessen. Da würde ich eher darüber sinnieren, ob die dünn wie ein deutsches Küchenmesser hinter der Wate sein muss, wenn es besonders hackstabil sein soll. Das A1 in der Größe hat da auch etwas mehr Fleisch als das F1.

Grüsse, pebe
 
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Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Wir wollen mal davon ausgehen, dass sich der TO im Vorfeld Gedanken gemacht und sich bewusst für einen rostträgen Stahl entschieden hat.

Gegen den CPM 3V hat er ja nichts, er hatte lediglich die schlechte Beschaffbarkeit angesprochen.

Die Unterschiede sollten sich eher im Bereich Mehr oder Weniger denn Sekt oder Selters bewegen. Es ist jetzt nicht so, dass ich Probleme hätte, meine 3V Klingen im Kücheneinsatz zu überfordern.

Kaputt kriegt man alles. Klingen im Kücheneinsatz haben aber keine 5 mm und auch eher weniger als 0,5-0,6 mm hinter der Wate.

Die angegebenen 30cm lassen auf eine Klinge mit ca. 17cm schliessen. Da würde ich eher darüber sinnieren, ob die dünn wie ein deutsches Küchenmesser hinter der Wate sein muss, wenn es besonders hackstabil sein soll.

Das hatten wir ja schon mehrfach jetzt. Beides gleichzeitig schließt sich aus. Aber dann noch einen wenig geeigneten - eher spröden - Stahl für ein solches Messer zu nehmen, verschlimmert die Situation, da man mit der Geometrie noch weiter raufgehen muß.


Ich habe in der Zwischenzeit mal einen kleinen Test gemacht. Mit meinem N690-Custom von Gerd Haslauer ein 2 cm dickes Rundholz (keine Eisenstange ;)) an beiden Seiten durch Hacken angespitzt - auf einer Holzbank aufgestützt. Dann ganz kurz noch etwas am oben bereits erwähnten Knochen geschnitzt. Alles zusammen etwa 5 Minuten Dauer.

01 DSC06222.jpg02 DSC06223.jpg

Das Haslauer hat eine Klingenstärke von 4 mm. Hinter der Wate sehen wir 1 mm oberhalb der scharfen Schneide 0,8 mm. Die V-Fase hat 40 Grad Gesamtschneidenwinkel. So sieht die Klinge nach den 5 Minuten aus:

03 N690.jpg04 N690.jpg

Die kleinen Ausbrüche kann man mit bloßem Auge sehen, wenn man von oben auf die Klinge schaut und sie auf dem Daumennagel spüren. Möchte nicht wissen, wie das nach 1 Stunde aussieht …

R’n‘R
 

Taperedtang

Mitglied
@pebe: Ich stimme dir in vollem Umfang zu!

@R'n'R: Ich habe von dir schon viel gelesen, überwiegend war dies für mich sehr interessant und auch hilfreich aber jetzt machst Du das, was Du anderen als nicht aussagekräftig vorwirfst.

Du führst einen, von dir durchgeführten Test an, der zum betrachtenden Thema nicht aussagekräftig ist. Es fehlt hierbei an der Vergleichbarkeit. Wie sieht eine CPM 3V Klinge bei genau der gleichen Belastung unter dem Mikroskop aus? Welche Härte (gemessen) hat die Klinge des F1? etc...

Die unter dem Mikroskop gemachten Bilder sind toll gemacht. Man erkennt, dass nach der Belastung die Schneide nicht mehr geschlossen ist, man erkennt feinste Ausbrüche. Was sagt das aus? Kann das Messer damit seine Aufgabe nicht mehr erfüllen?

Pebe sagt es, es geht hier nicht um Sekt oder Selters, sondern um Mehr oder Weniger. Sicher ist, wie ich auch schon geschrieben habe der CPM 3V bei Schockbelastung dem N690 überlegen und ja - er lässt sich feiner ausschleifen.

Ich behaupte aber nach wie vor N690 ist, insbesondere mit einer Klingenstärke von 5 mm, für ein Survivalmesser nicht ungeeignet. Und um nochmal zur Ursprungsfrage zu kommen, unter halbwegs realistischen Bedingungen ist ein Bruch der N690 Klinge relativ unwahrscheinlich.

Gruß

Matthias

meine Antwort bezieht sich auf post # 10
 
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Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Du führst einen, von dir durchgeführten Test an, der zum betrachtenden Thema nicht aussagekräftig ist. Es fehlt hierbei an der Vergleichbarkeit. Wie sieht eine CPM 3V Klinge bei genau der gleichen Belastung unter dem Mikroskop aus? Welche Härte (gemessen) hat die Klinge des F1? etc...

Ich erhebe an keiner Stelle in diesem Faden den Anspruch, wissenschaftliche Beweise anzutreten, sondern zeige lediglich an mittlerweile 2 Beispielen, wie VG10 und N690 sich bei konkreten Geometrien in einer bestimmten Belastungssituation bei mir verhalten. Und das ist wenig überzeugend.

Wissenschaftliche Nachweise über die Beschaffenheit von N690, VG10 und CPM3V - wie auch bezüglich vieler anderer Stähle - muß ich auch nicht bringen. Die gibt es ausreichend. Ich verweise hier beispielsweise auf den Blog von Larrin Thomas. Es ist absolut unbestritten, daß geringe Zähigkeit Chipping fördert und mangelnde Härte für plastische Verformung verantwortlich ist. Ebenso, daß N690 bezüglich seiner Zähigkeit weit unten angeordnet ist. Da muß ich nix beweisen.

Hierzu gibt es konkrete Versuche von Metallurgen und Herstellern, die die Möglichkeiten dazu haben. Weder ich noch Du sind in der Lage, wissenschaftlich haltbare Aussagen zu machen, da keiner von uns zwei absolut identische Messer in zwei verschiedenen Klingenstählen zur Hand hat und ebensowenig die Ausrüstung für solche Tests.


Man erkennt, dass nach der Belastung die Schneide nicht mehr geschlossen ist, man erkennt feinste Ausbrüche. Was sagt das aus? Kann das Messer damit seine Aufgabe nicht mehr erfüllen?

Das sagt in meinen beiden konkreten Beispielen aus, daß das Messer bereits nach relativ geringer Belastung - und vor allem sehr kurzer Zeit - einem Zerstörungsprozeß unterliegt, der sich - wenn er einmal angefangen hat - schnell weiter fortsetzt und die Schneidfähigkeit, was schnitzen anbetrifft, zunehmend beeinträchtigt gegenüber einem Messer, bei dem die Schneide noch fein geschlossen wäre. Aber das weißt Du ja aus eigener Erfahrung …


Ich behaupte aber nach wie vor N690 ist, insbesondere mit einer Klingenstärke von 5 mm, für ein Survivalmesser nicht ungeeignet. Und um nochmal zur Ursprungsfrage zu kommen, unter halbwegs realistischen Bedingungen ist ein Bruch der N690 Klinge relativ unwahrscheinlich.

Bei 5 mm kannst Du so gut wie jeden Stahl nehmen und mußt Dich um Durchbrechen bei sachgerechtem Gebrauch nicht sorgen. Und ob N690 für ein Survivalmesser geeignet ist oder nicht, hängt davon ab, was der User unter Survivalmesser versteht. In diesem Fall ist das ja definiert: spalten, schnitzen, hacken, food.

Schnitzen geht bei schlanker Geometrie gut mit N690, da er schön scharf wird. Das gilt auch für food. Spalten macht die Geometrie. 5 mm sind gut, balliger Schliff wäre hier besser. Hacken - und das ist im wesentlichen mein Thema in diesem Faden - ist sehr anspruchsvoll und erfordert einen dafür ausgelegten zähen Stahl oder eine fette Geometrie. Und da ist der N690 ganz grundsätzlich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen - gänzlich ohne meine Beispiele - weniger geeignet. Man muß dem deshalb mit robusterer Geometrie abhelfen und kommt in den Widerspruch zum Schnitzen. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Für ein Haumesser, Survival - oder was auch immer - wäre der N690 nach meiner persönlichen Erfahrung, den Erfahrungen anderer und insbesondere den Informationen, die ich aus der wissenschaftlichen Ecke habe, meine letzte Wahl. Schönes - ganz unwissenschaftliches - Video zu diesem Thema: Gegenüberstellung Fällkniven A1 (VG10) und Von Tempsky Ranger (15N20)

R’n‘R
 
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Taperedtang

Mitglied
Es ist schön, dass jeder hier im Forum seine eigene Meinung haben darf. Ich wünsche dir noch einen angenehmen Abend.

Gruß

Matthias
 

pebe

Premium Mitglied
@RnR

Ich bin ganz bei Dir, wenn man die Frage nach Rosträgheit aussen vor lässt, dann ist N690 in Summe weniger für ein Outdoormesser geeignet als 3V.

Aber zum einen liest sich das bei Dir nicht nach weniger sondern nach wenig geeignet und zum anderen hatte eben niemand im thread nach dem besten Stahl gefragt, um in dieser Ausführlichkeit vorgeführt zu werden. Zumal es sich in dieser Eindeutigkeit gar nicht verallgemeinern lässt, auch wenn Du persönlich hier eine andere Meinung dazu hast.

Was antwortet man auf die Frage, was das Outdoormesser können soll, wenn es gar keine zweckgebundene Aufgabe gibt? Eben.

Vorwiegend hacken war nicht aufgeführt. Vorwiegend Schnitzen mit Klopper auch nicht. Vorwiegend Fisch filetierend auch nicht.

Manche mögen einfach einen ordentlichen Klopper für Draußen und nicht ein technisch optimiertes Schneidgerät nach Tabellenvorgabe. So what?

Und ja, Fällkniven, Extrema u.v.a. stellen erfolgreich Outdoormesser aus explizit diesem Stahl her. Scheint sich in Summe mit den vorherrschenden Vorstellungen über Outdoormesser zu decken. Muss man ja nicht mögen aber doch sehen und teurer geht wie immer auch.

Ungefragt „ meine letzte Wahl“. Schade, dass der thread zu Lasten des TO so endet. Kenne ich von Dir so eigentlich gar nicht.

Grüsse, pebe
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Es ist schön, dass jeder hier im Forum seine eigene Meinung haben darf. Ich wünsche dir noch einen angenehmen Abend.

:p

Ungefragt „meine letzte Wahl“. Schade, dass der thread zu Lasten des TO so endet. Kenne ich von Dir so eigentlich gar nicht.

Was z.B. stellt ein Problem dar, wenn ich sage, daß dieser Stahl nach meiner Kenntnis und Erfahrung letzte Wahl für so ein Messer ist? Aus dem Spektrum der von mir vorgeschlagenen Alternativen.
Was bitteschön ist das Problem ausgiebiger Information? Wieso geht irgendwas zu Lasten des TO? Der TO schreibt:

„Dass es für meine Ausführung / Projekt sicher bessere Stähle gibt, ist mir klar. Aber leider gibts es CPM3V kaum in der Nähe in ausreichender Stärke zu kaufen.
Vielen Dank soweit und ich lese gerne weitere Meinungen zum Thema.“


Hat er bekommen. Er muß sich ja keiner Auffassung anschließen, sondern kann Brauchbares heraussuchen und unvoreingenommen seine Schlußfolgerungen ziehen.


„Vorwiegend hacken war nicht aufgeführt. Vorwiegend Schnitzen mit Klopper auch nicht. Vorwiegend Fisch filetierend auch nicht.

Manche mögen einfach einen ordentlichen Klopper für Draußen und nicht ein technisch optimiertes Schneidgerät nach Tabellenvorgabe. So what?

Der TO wird - im Gegensatz zu Dir oder mir - genau wissen, wo sein Schwerpunkt liegt oder ob es überhaupt einen gibt. Und die gelieferten Informationen und Einschätzungen danach bewerten. Selbst „ordentliche Klopper für draußen“ lassen sich optimieren. Falls man daran interessiert ist …


Generell ist das Thema ja nicht neu. Wenn man mal Stahl für Haumesser googelt, landet man z.B. 2003 hier und 2005 hier im messerforum.

Da haben sich damals schon unter anderem die Experten wie beispielsweise Roman Landes, herbert und U.Gerfin ausgetauscht über sequentielles Anlassen und Stähle, die sich bei welchen Geometrien für Hacken und Hauen eignen. Und welche nicht. Sehr interessant, da mal einen Blick reinzuwerfen. Wenn es einen nicht überfordert ;). Die Experten liefern mit ihrem Fachwissen insgesamt sehr gute Info …

R’n‘R
 
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pebe

Premium Mitglied
@RnR Ganz einfach.

Es gibt mit Sicherheit eine konkrete Wärmebehandlung mit zugehörigem Härtegrad plus Geometrievorgabe, die optimal zum N690 für die jeweilige Vorgaben passt. Erfahrung und Berichte hierzu war aus meiner Sicht das Anliegen.

Grüsse, pebe
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Ganz einfach.

Es gibt mit Sicherheit eine konkrete Wärmebehandlung mit zugehörigem Härtegrad plus Geometrievorgabe, die optimal zum N690 für die jeweilige Vorgaben passt. Erfahrung und Berichte hierzu war aus meiner Sicht das Anliegen.


Bei Larrin kann man in aller Ausführlichkeit über den komplexen Wirk-Zusammenhang von Geometrie, Stahlsorte und Wärmebehandlung nachlesen: What a Good Heat Treatment Can and Cannot Do

Zentrale Einflußgröße ist die Geometrie. Sie schneidet. Stahl und Wärmebehandlung entscheiden, wie lange. Es gilt:

„Changing to a different steel makes a bigger difference in steel properties than improving the heat treatment.“

UND

„… using a “tough” steel is going to provide much more toughness than doing a toughness-centered heat treatment on a highly wear resistant steel.“

R’n‘R
 

Noise

Mitglied
Morgen

Nochmals danke für die Antworten.

Ich bin seit Jahren Sammler, der sich seine Stücke nach wechselnden Aspekten aussucht und kauft. Jetzt wollte ich mal was selbst machen und habe mich an was orientiert, was ich kenne (ER Selvans, BR Bravo 1) und habe es kombiniert mit etwas, das ich gerne hätte(TRC Apocalypse). CPM 3 V wäre meine erste Wahl gewesen. Aber da das Material im Verhältnis eher teuer in die Schweiz zu kriegen ist (kein Händler in CH) und auch selbst recht teuer ist, muss man manchmal mit dem arbeiten, was man bekommt.

Der Hauptgrund für diesen Thread ist eigentlich nur, dass ich vermeiden will, all diese schönen Stunden mit Feile und Schleifpapier beim ersten Versuch ein Scheit zu spalten in paar Teile zu zerfallen sehen. Und ich denke, dass ich das hiermit erreicht habe. Danke dafür.

Bekanntlich wer einmal Blut geleckt hat, ... . Somit ist all diese Info hier für das nächste mal hilfreich.

Mit Gruss
André