"eisgehärtet"

zorro_43

Mitglied
Hi,
in der Werbung für Küchenmesser taucht oft der Begriff "eisgehärtet" auf.
Weiß jemand was das bedeuten soll?

Zorro
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Manche ("rostfreien") Stähle schließen die Umwandlung vom Austenit in Martensit vollständig erst deutlich unter Raumtemperatur ab. Die kühlt man dann runter, macht man oft mit flüssigem Stickstoff, oder mit gekühltem Spiritus, manche mit Eis. Auf jeden Fall muß man das bei den Sorten machen, die infolge ihrer Legierungsgehalte den Austenit stabilisieren und erst bei tiefen Temperaturen alles umwandeln, sonst nutzt man das Potential nicht aus, und man hat einen unbefriedigenden Gefügezustand mit Restaustenit.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Ach so, ja, die Werbefritzen machen dann natürlich aus der Not eine tugend. Es soll ja Messerstähle geben, bei denen das nicht ganz so nötig sein soll, wenn ich nur wüßte, welche.........
 

Claymore

Mitglied
na bei allen GUTEN Stählen ist das net notwendig
Feile, 100CR6 1.2519, usw, usw....:steirer:

übrigens dein päckchen ist angekommen.
ist ja ein mordsbrocken.
dank dir nochmals.


peter
 

zorro_43

Mitglied
Also gehe ich recht in der Annahme das das nur Werbe-bla-bla ist, oder?

Das Tiefkühlen z.B. bei RWL 34 kenne ich ja, aber das ist doch wohl was anderes als "eisgehärtet"!

Zorro
 

AchimW

Mitglied
Cryo

Nein, nicht NUR Werbe-Blabla. Das ist bei den in der Industrie regelmäßig eingesetzten billigen rostfreien Stählen (a la 1.4034 u.ä.)schon nützlich, um etwas mehr Leistung 'rauszuholen. Wenn man natürlich gleich mit einem vernünftigen Stahl anfangen würde........

@ zorro_43: Die Cryo-Behandlung bei RWL 34 und seinen Verwandten ist exakt das gleiche Verfahren mit demselben Ziel.

Entwickelt und patentiert wurde das Verfahren übrigen schon vor dem 2. Weltkrieg, meines Wissens nach von Käthe Harnecker. Die war Chefmetallurgin bei Henckels (Zwilling!). Leider hatte die Firma wegen des Krieges von dem Panent nix gehabt. Als die Produktion wieder richtig anlief, war die Schutzzeit abgelaufen und jeder Hersteller konnte sich bedienen.

@ claymore: beim 100Cr6 ist das übrigens ganz und gar nicht unnütz. Da kann man mit einer guten Tiefkühl-Behandlung immer noch was mehr rausholen.

Achim
 

Claymore

Mitglied
nein Zorro,

nicht nur Werbeblabal,

das Tiefkühlen macht dann sinn, wenn der Martensit sich bei Raumtemperatur nicht kommplett ausbilden kann und ein Restaustenit verbleibt.
Das hat man auch bei 'hochwertigen' 'rostfreien stählen'
Den bekommt man weg indem man tiefkühlt.
Man verlängert sozusagen das Abschrecken aus der Härtetemperatur in den Bereich von minusgraden.
Gaanz weit tiefkühlen (flüssiger Stickstoff bei -196 ° C) bringt aber unter Umständen wieder die Gefahr von Spannungen die sich dann aufbauen, bei einem geringeren Vorteil der Umwandlung.
Der 'effektivste' und materialschonendste bereich liegt glaub ich bei -78 ° C .


@Achim
shau schon klar.
Nun, Der 100Cr6 sieht vom Isothermischen ZTU diagramm
je recht ungefährlich aus.
Und wenn ich dem Chrom vor dem Schmieden das austenitstabilisieren verbiete
:steirer:
dann gehts schon.
Man muss doch ab und an ein paar diskussionsbrocken hinwerfen.
:D


Peter
 

luftauge

Mitglied
-78°C

Könnte man nicht auch CO2 Feuerlöscher benutzen (bzw. CO2 aus dem Druckbehälter), um den Stahl runterzukühlen ?
Vor einiger Zeit hatten wir eine Feuerlöscheinweisung, und es wurden auch verschiedene Löscher vorgeführt, beim CO2 fiel mir als erstes das Tiefkühlen nach dem Härten ein, weil es damit recht einfach zu machen wäre (für den Hausgebrauch zumindest).

Gruß Andreas/L
 

zorro_43

Mitglied
Hi Luftauge!

Ich denk mal die Methode mit dem CO2 ist viel zu schnell. Das würde dann Spannungsrisse geben.
Ich hab mal ne Beschreibung zum Tiefkühlen mit Stickstoff gelesen, da lag das Messer auf einem Gitter über einer Styropor-Schale in die dann gaaanz langsam der Stickstoff geträufelt wurde.

Zorro
 

herbert

MF Ehrenmitglied
@AchimW: Käthe Harnacker, ist das dann auch die Dame, die 1924 einen hochinteressanten Artikel in "Eisen und stahl" veröffentlicht hat über Wootz-Stahl? Da stand nur "K. Harnacker", und keine weitere Info zum Autor. Von der Zeit her könnte es passen, denke ich mal.
wir hatten neulich (caerballhain und ich) im Beitrag "Krümmung japanischer Schwerter" einen Gedankenaustausch, er meinte, es sei Käthe Harnacker, ich hatte "herr" harnacker vermutet. Den Artikel hab ich übrigens in Kopie, bei Interesse mail mich mal an (Ich denke aber, Du hast den längst). Ich müßte eh mal eine Liste meiner gesammelten Artikel über Damast aller Art machen (Start bei ca. 1890).
 

luftauge

Mitglied
Hallo Zorro !

Den Gedanken hatte ich auch schon, allerdings könnte man diese Methode vielleicht irgendwie entschärfen, indem man ein weiteres Medium wie Wasser + "Abschirmung" zur indirekten/verlangsamten Temperatursenkung benutzt, die Grundidee ging hauptsächlich um das CO2 ansich, nur ob dann der Kühleffekt noch zur Wirkung kommt, ist eine andere Frage.
Aber das sollten besser erst experimentelle Profis testen ;)

Gruß Andreas/L