Eisengewinnung in Afrika

dermike

Mitglied
Auch in Afrika gibt es sowas wie Freilichtmuseen.
Dachte zuerst die machen das noch immer so.
Der Amboss zum Schluss des Filmes finde ich genial.
Und von Arbeitsschutz wissen die auch noch nicht viel. Mit nackten Füssen neben glühendem Eisen.
Was will man dazu sagen.

dermike
 

chamenos

Super Moderator
Moin

Dachte zuerst die machen das noch immer so.

Machen sie ;)

Ich war 2002 im Rahmen eines UNESCO-Projektes in Mali.... und zwar mitten im Land, abseits von eigentlich allem.

Auf die Jagd geht man dort mit Vorderladern aus der frühen Kolonialzeit. Und wenn da was kaputt geht, dann schmiedet der Dorfschmied das aus Schrotteilen nach. Ein Vorschlaghammerkopf in einem Stück Hartholz auf dem Boden ist der gängige Amboss. Schuhe kann sich da niemand leisten. Die Menschen laufen da über den glühenden Sand auf einem guten Zentimeter rissiger Hornhaut.
Die Schmiede, die ich da erlebt habe, hatten aber ihre 8 oder 9jährigen Söhne an den Blasebälgen aus Ziegenleder. Da ist man scheinbar bei einer "Vorführung" wie in dem Film, zurückhaltender.

Ein Bekannter von mir ist da jedes Jahr..... das läuft da immer noch so.

Das bevorzuge Werkzeug der Landbevölkerung ist das Tüllenbeil. Ich habe mir eins aus einem Stück Blattfeder schmieden lassen.
Werkzeug war der Amboss, ein Hammer, ein Meissel, eine Rohrzange, so eine simple Erdesse und eine Drahtbürste.
Das hat mit Härten und Anlassen eine knappe Stunde gedauert und er wollte dann, sichtlich verlegen, umgerechnet 2,-€ dafür haben. Ist ein schönes und wirklich brauchbares Werkzeug.
Mehr Geld wollte er nicht annehmen, hat dann aber, und sich dafür etliche Male bedankend akzeptiert, dass ich seinem Sohn eine kleine, bebilderte Englisch-Fibel für Erstklässler schenke.

Ich war dort auch beim Gießen von Bronze dabei...... da wäre jeder von der Berufsgenossenschaft einfach ohnmächtig umgefallen ;)

Leider hatte ich keinen Blitz mit und die Fotos sind allesamt nichts geworden... aber soviel sei verraten: wo bei uns der Gießer einen Asbestanzug und einen Helm mit Kitzeschild trägt, hatten die Jungs da ein nasses Ziegenfell umgebunden und trugen Masken aus Hartholz.

Gruß
chamenos
 

ghostwriter

Mitglied
Wow, danke für die Story :)
Zwar off–topic, aber hast du vielleicht Photos von dem Beil?

Quasi als Endergebnis der „Eisengewinnung in Afrika“; dann würde es ja doch hier rein passen. ;)
 

chamenos

Super Moderator
bin in der Werkstatt.... Beil liegt zuhause ;)

Ich sehe mal zu, dass ich da nachher oder morgen dran denke
 

dermike

Mitglied
Ich glaube inzwischen, dass es im tiefen Afrika noch so zugeht.
Hier im Film stehen jedoch viele gut gewandete Menschen drum herum.
Sieht doch nach Vorführung aus.
Trotzdem können die noch was, zu mindestens handwerklich.
Und auf ein Bild des importierten Tüllen Beil bin ich gespannt.

dermike
 

blackfox

Premium Mitglied
...
Sieht doch nach Vorführung aus.
...

A CULTURAL RECREATION !! THIS WAS DONE FOR ME TO FILM. THEY DO NOT SMELT IRON LIKE THIS ANYMORE.
steht auf der YT-Seite.
Im Film heißt es, dass sie das seit den sechziger Jahren nicht mehr gemacht haben. (Der Ofen daneben war von einem Probelauf.) Die große Zeit der Eisenerzverhüttung endete, als in den zwanziger Jahren ein Franzose sein Auto vor einen Baum fuhr: Gutes Material im Überfluss.
Geschmiedet wurde weiterhin, verhüttet nur noch selten und seit den sechziger Jahren gar nicht mehr.

...
Hier im Film stehen jedoch viele gut gewandete Menschen drum herum.
...

Die Menschen dort sind sehr an ihrer Kultur interessiert. Daher kamen zu diesem Ereignis zahlreiche Menschen aus den umliegenden Ortschaften und aus der 150km entfernten Hauptstadt, insbesondere auch Studenten der dortigen Universität, zusammen.
 

maku

Mitglied
Wenn bei uns die zeitgemäße Eisengewinnung eines Tages nicht mehr funktioniert dann sind die Menschen in diesem Film dem klar im Vorteil, würde ich mal behaupten. Es gibt auf YT etwas ähnliches, da wird Stahl für Katanas nach dem alten Verfahren gewonnen. Beides gleicher Maßen beeindruckend.
 

chamenos

Super Moderator
sodele

Bildchen und Maße:

Länge: 14,3cm
Breite der Schneide: 5,1cm


Gruß
chamenos
 

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dermike

Mitglied
Das Tüllenbeil sieht perfekt aus. Ist gut gelungen.
Die Frage stellt sich nun wie wird so ein Werkzeug angeschliffen ?
Von Außen oder von Innen.
Oder ist beides möglich ?
Mir hat mal einer erzählt, dass es beide Optionen gibt. Einen Grund kannte er aber auch nicht.


dermike
 

olli16

Mitglied
Moin,

das hängt, wie bei vielen Holzwerkzeugen, davon ab, wie Du das Werkstück bearbeiten musst. Z.B: um aus einem Baumstamm ein Boot zu "schnitzen" würde sich zum aushöhlen des Stammes ein Anschliff von aussen anbieten (=Hohlbeitel).

Wenn Du einen Stamm aussen begradigen willst, wäre ein Anschliff von innen (=Stecheisen) (oder auch aussen) sinnvoll oder ggf. eine Kombination aus beiden.

Gruß
Olli