Ein weiteres Deutsches Armeemesser....

Störtebeker

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Hallo Messerfreunde

Hier mal ein weiteres Deutsches Armee Messer,
welches ich extra nicht in Abu`s Beitrag gepostet habe,
weil es mir ein paar Rätzel aufgibt und sich von seinem Dittert Messer unterscheidet.

Das Messer ist geschlossen 9 cm lang und mit Hirschhorn Griffschalen versehen,
welche mit einem Riss versehen sind.

Die Messerklinge ist gemarkt mit : C.v.Eigen ...... der Hersteller oder ein Händler für Offiziers Bedarf??? Mir unbekannt.

Die Klinge verriegelt und ist mit dem daneben angeordneten Schraubendreher zu entriegeln, als ein Federdrücker.

Am Griffrücken ist ein ausklappbares Werkzeug mit innenliegender Rillenstruktur zur Funkenbildung mit Feuerstein, analog dem Reibrad an heutigen Einwegfeuerzeugen.
Dieses Teil ist aussen mit Deutsche Armee gestempelt.....mehr nicht da es von kurzer 5cm Länge ist und nicht über den obligatorischen Hufkratzer verfügt.
Zudem hat es seitlich einen Nagelhau zum ausklappen.

Desweiteren hat das Messer einen Korkenzieher und ein Locheisen auf der Rückseite.

An der Innenseite ist die große und kleine Klinge, der Schraubendreher, ein Bohrer, eine Säge und ein halbrundes Messer vorhanden.

Das Messer ist eigendlich sehr zierlich da es nur 9 cm lang ist.
Andere Modelle die ich gesehn habe,
waren größer und wuchtiger.

Vieleicht weiß ja einer mehr dazu??

Hier dann mal ein paar Bilder dazu.
Viel Spass beim ansehen.

Gruß
Michael




























 

Abu

Premium Mitglied
AW: Ein weiteres Deutsches Armee Messer....

Hallo Störtebeker,

Glückwunsch zu dem erneut erstklassigen Fund. Freut mich natürlich immer wieder, wenn so ein feines altes Teil aus der anonymen Versenkung geholt wird.:super:

C. v. Eigen war anscheinend ein Solinger Hersteller, taucht aber nur im Zusammenhang mit einem Markennamen auf, keine weiteren Hinweise. Vllt. eher selten?
Die Größe ist in der Tat gegenüber den üblichen Kloppern handlich, dezent. Bemerkenswert, was dort alles hineingepackt wurde. Die Hakenklinge ist übrigens ein Champagnerhaken, alles für den vornehmen Offizier. Die Riffelung auf der Rückseite des Huf-Hakens habe ich bisher als Feile gesehen, danke für den Hinweis als Feuerschläger. Müsste man doch herausfinden! Die waren tatsächlich damals üblich.
Ich denke doch, dass das mal ein „Hufhaken“ war, vmtl. abgebrochen und sehr kreativ umgestaltet incl. des Schriftzuges. Würd mich nicht darüber grämen, wäre sehr intelligent gelöst. Und bei 100 Jahren auf dem Buckel, sind ein paar Macken ja kein Makel. Ist jetzt nur meine Einschätzung, aber evtl. weiß jemand mehr.

Die Freude daran ist dir sicher.

Abu
 

thommy_l

Premium Mitglied
AW: Ein weiteres Deutsches Armee Messer....

Hallo,

ein schon lange verstorbener Großonkel war im WK2 Pionieroffizier und danach noch wenige Jahre als Sprengmeister tätig, bis ihn seine Verletzungen arbeitsunfähig machten. Der hatte ein Taschenmesser an dem so ein Nagelbohrer, ein Locheisen und ebenfalls so eine Reibe dran waren. Ein Messer und die Säge aber sonst nichts wenn ich mich richtig erinnere. Ich wollte das immer haben aber kam nicht dran.

Der erzählte uns Kindern, dieses Messer sei eines seiner Werkzeuge als Sprengfachmann gewesen. Mit dem Bohrer Löcher in "Gelatineblöcke" bohren, mit dem Locheisen "Zünder" anstechen und mit der Reibe "Zündschnur anreiben". Und dann rennen! Alles aus der Erinnerung, der Onkel ist seit fast 50 Jahren tot.

Grüße
Thommy
 

Rudi_57

Premium Mitglied
AW: Ein weiteres Deutsches Armee Messer....

Servus Thommy,
ja, so war das früher.
Ich habe selber eine Sprengberechtigung für seismische Arbeiten, muß da auch regelmäßig
Kurse machen, um die gültig zu erhalten.
Zündschnur wird heutzutage nur noch bei Schnee- und Eissprengungen eingesetzt.
Bei uns gibt's heute nur noch elektrische bzw. elektronische Zünder. In die üblichen Sprengpatronen
wird in einer Tasche am Oberteil der Patrone ein Loch mit einem Marlspieker - ähnlichen Werkzeug ein Loch
gebohrt, und der Zünder eingedrückt. Das Werkzeug selber besteht aus 'nicht funkenreißendem Material', Alu oder
Messing. Der Zünderdraht wird zu einer Zündmaschine geführt, und der Schuß elektrisch 'abgetan'.
In der Seismik wird der Zündmoment t0 normalerweise von der Meßapparatur per Funk gesendet.
Details stehen hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprengzünder
Gruß
Rudi
 

Störtebeker

Mitglied
AW: Ein weiteres Deutsches Armee Messer....

Hallo Abu,
Danke für Deine Antwort.

Ja, das Messer ist sehr handlich und sicherlich gut geeignet für die Hosentasche oder Jackentasche einer Offiziersuniform etc.



Hallo Störtebeker,
Ich denke doch, dass das mal ein „Hufhaken“ war, vmtl. abgebrochen und sehr kreativ umgestaltet incl. des Schriftzuges. Würd mich nicht darüber grämen, wäre sehr intelligent gelöst. Und bei 100 Jahren auf dem Buckel, sind ein paar Macken ja kein Makel. Ist jetzt nur meine Einschätzung, aber evtl. weiß jemand mehr.

Die Freude daran ist dir sicher.

Abu

Ob der sogenannte „Hufhaken“ wirklich mal da war,
mag ich eher bezweifeln, da das jetzige Ende des Werkzeugs absolut erstklassig bearbeitet ist.
Alles symetrisch und gratfrei etc.

Und nicht jeder Offizier oder auch Unteroffizier war ja per Pferd unterwegs, sprich beritten,
sodaß er solch einen „Hufhaken“ sicherlich nicht brauchte und dieser ggf. eher als hinderlich empfunden wurde am Messer.

Das mit dem Funkenreiben per Feuerstein funktioniert einwandfrei.
Mein Herlitzius Adelsmesser hat ein ähnliches Teil und das geht genauso.

Aber wie auch immer, es ist gepflegt und nicht vergammelt und hat nur einen 2-stelligen Euro Betrag gekostet.......da konnt ich nicht wiederstehn :p

Sowas bekommt man nicht alle Tage angeboten.

Gruß
Michael
 

Peter42

Mitglied
Hi,

einen schönen Fund hast Du da gemacht. das Messer ist sicher aus de Zeit. Was mich ein bisschen stört ist, die Gravur "Deutsche Armee" auch wenn sie sehr professionell gemacht ist. Viel Freude an dem Messer.

Gr.
Peter
 

Abu

Premium Mitglied
.....
....Der hatte ein Taschenmesser an dem so ein Nagelbohrer, ein Locheisen und ebenfalls so eine Reibe dran waren. Ein Messer und die Säge aber sonst nichts wenn ich mich richtig erinnere.

....Sprengfachmann gewesen. Mit dem Bohrer Löcher in "Gelatineblöcke" bohren, mit dem Locheisen "Zünder" anstechen und mit der Reibe "Zündschnur anreiben". ...

Thommy

Sehr interessant, wie multifunktional die Multifunktiosmesser eingesetzt wurden. Dazu müsste man sich erst wieder in die Zeit und technischen Möglickeiten zurückversetzen - und käme auf diese spezielle Anwendung wohl trotzdem nicht.



Ob der sogenannte „Hufhaken“ wirklich mal da war,
mag ich eher bezweifeln, da das jetzige Ende des Werkzeugs absolut erstklassig bearbeitet ist.
Alles symetrisch und gratfrei etc.

Und nicht jeder Offizier oder auch Unteroffizier war ja per Pferd unterwegs, sprich beritten,
sodaß er solch einen „Hufhaken“ sicherlich nicht brauchte ..

hat nur einen 2-stelligen Euro Betrag gekostet.......da konnt ich nicht wiederstehn


Ja, ein ECHTES Schnäppchen!
Stellt sich die Frage der Funktion des kurzen Teiles, außer innenliegender Reibe? Vorderer Anschliff wie bei einem Hebelwerkzeug. Macht aber wenig Sinn auf der Gegenseite eine Sollbruchstelle einzufeilen (im Schrfitzug).
Sollte das „erstklassig und symmetrisch“ nicht eher zu denken geben? Die einzige Stelle ohne Riefen und Kratzer am Messer, soweit ich das auf dem Bild sehe. Davor Spuren in den Rillen, im Metall am Gelenk kleine Kratzer in alle Richtungen - nur im Anschliff nach 100 Jahren Nutzung nichts?

Noch zu erwähnen, wenn auch bei so hochwertigen Messern üblich: die schön verzierten Ränder der Platinen!
Hab mir nochmals die kürzlich im anderen Thread gezeigten Katalogbilder und Beschreibungen angesehen, nirgends ein Hinweis auf den Nutzen der „Reibe“ auf der Innenseite des Hufhakens.


... Was mich ein bisschen stört ist, die Gravur "Deutsche Armee" auch wenn sie sehr professionell gemacht ist. .

Die Prägung ist sicher aus jener Zeit.
So wie sie ist, macht sie nmM aber wenig Sinn. Denn es ist ein Messer, nicht die „Deutsche Armee“ und auch kein Eigentumshinweis auf diese, denn offizielle Armeemesser dieser Art gab es nicht. Mein Argument, warum dort mal „Deutsches Armeemesser“ stand.

Gruß
Abu
 

porcupine

Super Moderator
Die Prägung ist sicher aus jener Zeit.
So wie sie ist, macht sie nmM aber wenig Sinn. Denn es ist ein Messer, nicht die „Deutsche Armee“ und auch kein Eigentumshinweis auf diese, denn offizielle Armeemesser dieser Art gab es nicht. Mein Argument, warum dort mal „Deutsches Armeemesser“ stand.
Würde ich auch denken. Siehe hier, post Nr. 3, das Bild zeigt eine vollständige Gravur/Prägung auf dem Hufkratzer.
 
Zuletzt bearbeitet:

cut

Premium Mitglied
Deutsches Armeemesser.... C. v. Eigen

Mit Verzögerung bringe ich mich gerne auch mit einigen Informationen und Gedanken in diesen thread ein.
Zunächst nur zur Klingenmarkierung "C. v. Eigen"

...C. v. Eigen war anscheinend ein Solinger Hersteller, ... Abu

In einer mir bekannten Patentschrift für ein Messer aus dem Jahr 1905 wird als Rechteinhaber eine "Firma C. v. EIGEN in SOLINGEN" benannt.
Es ist naheliegend, dass diese Firma als Hersteller oder Händler tätig war.

...C. v. Eigen ... taucht aber nur im Zusammenhang mit einem Markennamen auf, keine weiteren Hinweise. Vllt. eher selten?

Abu

@ Abu
Informationen über Messer von C. v. Eigen sind offensichtlich sehr rar.
Welcher "Markenname" ist Dir zu dieser Firma bekannt?

Grüße
cut
 

Abu

Premium Mitglied
AW: Deutsches Armeemesser.... C. v. Eigen

Welcher "Markenname" ist Dir zu dieser Firma bekannt?

cut

Hallo cut,

Prima, dass Du ein Auge auf unseren Beiträgen hast. Noch besser, wenn ich Dir mal einen Hinweis geben kann! :super:
Die Marke „Robur“ soll 1924 im Eigentum von C.v. Eigen gewesen sein. Ging dann anscheinend über in die Flocke & Co., Solingen. Damit hätten wir schon zwei Daten zur nebelhaften Firmenexistenz: 1905 Patent, 1924 Markenrecht.

Gruß
Abu
 

cut

Premium Mitglied
AW: Deutsches Armeemesser.... C. v. Eigen

... Die Marke „Robur“ soll 1924 im Eigentum von C.v. Eigen gewesen sein. ... Abu

Die Wortmarke "Robur" wurde beim Reichspatent- & Markenamt für die Warenklassen 5 und 9b unter der # 98611 für C.v.Eigen, Solingen registriert

Die Registrierungsnummer ist dem Jahr 1907 zuzuordnen.


... Die Marke „Robur“ ... .Ging dann anscheinend über in die Flocke & Co., Solingen. ... Abu

Dazu konnte ich bisher keine "amtlichen" Informationen recherchieren. Anthony Carters Standardwerk zu deutschen Messerherstellern benennt die von Dir angegebene Information.


Ein Verzeichnis aus dem Jahr 1929 listet "C. vom Eigen Stahlwarenfabrik F 250 Hochstraße 49" in der Stadt Solingen.

Der Firma ist offenbar der zweihundertfünfzigte Telefonanschluss in Solingen zugeordnet worden.

Grüße
cut
 

cut

Premium Mitglied
"Deutsche Armeee"

Am Griffrücken ist ein ausklappbares Werkzeug mit innenliegender Rillenstruktur zur Funkenbildung mit Feuerstein, analog dem Reibrad an heutigen Einwegfeuerzeugen.
Dieses Teil ist aussen mit Deutsche Armee gestempelt.....mehr nicht da es von kurzer 5cm Länge ist und nicht über den obligatorischen Hufkratzer verfügt.
Zudem hat es seitlich einen Nagelhau zum ausklappen. …



Gruß Michael [/QUOTE]

… Ich denke doch, dass das mal ein „Hufhaken“ war, vmtl. abgebrochen und sehr kreativ umgestaltet incl. des Schriftzuges. … Abu

… Ob der sogenannte „Hufhaken“ wirklich mal da war, mag ich eher bezweifeln, da das jetzige Ende des Werkzeugs absolut erstklassig bearbeitet ist. Alles symetrisch und gratfrei etc.
Und nicht jeder Offizier oder auch Unteroffizier war ja per Pferd unterwegs, sprich beritten, sodaß er solch einen „Hufhaken“ sicherlich nicht brauchte und dieser ggf. eher als hinderlich empfunden wurde am Messer.
Das mit dem Funkenreiben per Feuerstein funktioniert einwandfrei. …

Ich schließe mich Abus Vermutung aus mehreren Gründen an:

Feuerschlagmesser hatten üblicherweise –wie zum Beispiel auch frühe Westfälische Adelsmesser von Herlitzius- eine Rückenfeder, die bogenförmig über die Kontur des eigentlichen Messergriffs herausragte. Die Funktionalität derartiger Werkzeugteile war genial: sie mussten nicht zunächst aufgeklappt werden, waren dadurch direkt einsatzbereit und durch die fehlende Mechanik zum Klappen war eine derartige Konstruktion nicht störungsanfällig. Das Messer konnte zudem leichter gereinigt werden und nicht zuletzt waren die Herstellkosten niedriger als bei einem ausklappbaren „Funkenschläger“.

Die Markierung „DEUTSCHE ARMEE“ ist wenig plausibel. Eine „Deutsche Armee“ mit diesem Namen gab es um 1900 nicht, derartige Ausrüstungsgegenstände wurden Soldaten nicht zur Verfügung gestellt und die von unterschiedlichen Herstellern für den privaten Erwerb angebotenen vielfältigen Varianten von „Multifunktionsmessern“ zeigen in historischen Verkaufskatalogen ausnahmeslost Markierungen als DEUTSCHES ARMEEMESSER. Offenbar als Abgrenzung zu dem bereits damaligen „Schweizer Soldatenmesser“.

Die seitliche Kerbe hat nach meiner Interpretation keinen technischen Gebrauchsnutzen. Sie dient allenfalls als „dekoratives Element“: einzig um den den vormals vorhandenen Endbuchstaben „…S“ zu entfernen, wie dies ebenfalls mit der eleganten Verkürzung des Werkzeugteils erzielt wurde (durch das die zweite Worthälfte „…MESSER“ entfernt wurde).

Grüße
cut
 

cut

Premium Mitglied
Es hat lange gedauert, Störtebeker, aber manchmal hilft Kommissar Zufall:





In meinen Unterlagen habe ich bei der Erfassung vor längerer Zeit leider keine Quellenvermerke gemacht ... ich vermute aus einem Händlerkatalog um 1910.

Grüße
cut
 

Störtebeker

Mitglied
Hallo cut

Einen riesen Dank an Dich für`s identifizieren. :super::super::super::super::super::super:

Schon toll,
was man vor über 100 Jahren an Katalogabbildungen gemacht hat, wo es noch keine "Foto-Bücher" ala Otto-Katalog waren.

Und erstmal die Quallität der Messer...................einfach nur schön, dieses Messer.

Danke nochmals.

Gruß
Michael