Eigenschaften X60CrMoV15

Paulus

Mitglied
Hallo Werkstoffkundige,

welche Eigenschaften hat denn der X60CrMoV15.

Mich interessieren besonders Angaben zur Wärmebehandlung sowie zur Gefügestruktur. Weniger interessant sind erreichbare Härte und Rostfreiheit.

Also wer weiß Bescheid ?

Paulus
 

kababear

Mitglied
da gibts nur ein kleines problem. wie mic schon gesagt hat, ist es kein standartstahl..
anhand der "verwandten" stähle 1.4116 und 1.4111 würde ich die härtetemperatur mit 1030°C ansetzen. bei 200° angelassen solltest du dann bei ca 58hrc liegen.
 

micknives

Mitglied
x60CrMo15 kleines Datenblatt

X60CrMo15

C 0,60 –0,75% Cr 15-17% Mn 1% Mo ~0,75% S ~0,80% V 0,15%
Härten bei 980°C – 1030°C (auch bis 1050°C) HRC 59

Anlassen bei 100°C – 200°C

Gebrauchshärte nach Anlassen: 56- 58 HRC
Wärmebehandlung ähnlich wie 1.4116


noch etwas zur geschichte;
Keine Werkstoffnummer vorhanden, da Sonderschmelze der ehemaligen
Messerschmiede Leegebruch(ehmal.DDR).
Der Stahl wurde in Freiberg bei Dresden erschmolzen und gewalzt in Burg bei Brandenburg.
 

micknives

Mitglied
haltezeit ca. 15min. sind es ein paar minuten mehr ist es auch nicht
tragisch.
schau mal bei der wärmebehandlung für 1.4116 kannst so übernehmen.
 

roman

MF Ehrenmitglied
Also die Angaben sind so nicht ganz zufriedenstellend.

Härten bei 1040°C/ Halten 10-15min
Abschrecken in Öl oder 4 bar N2
Dann was vorher nicht gesagt wurde die Dinger müssen Tiefgekühlt werden (von -80 bis -196) was da halt zur verfügung steht
dann anlassen 150° 1 Stunde und abschrecken in wasser
dann nochmal TK
Dann Anlassen bei 180-190°C Abschrecken in Wasser
wenn möglich nochmal TK und nochmal Anlassen
sollten bei den Querschnitten gute 60HRC vielleicht wenn man Glück hat kann das sogar ein wenig mehr ergeben.

Grundsätzlich gilt als Zielhärte bei diesen einfachen rostbeständigen Legierungen sollte immer 60+ angestrebt werden damit die Schneidhaltigkeit gut ist.

Als ich noch mit den Rostbeständigen gearbeitet habe hatte ich auch bei ATS Klingen 60-62HRC und das bei 0,2mm Ausschliff bei Küchenmessern
 

micknives

Mitglied
hast recht roman,
hab die hälfte vergessen.
gehalten wurde der stahl bis 1050°C*
abgeschreckt in öl o. luft. (auch ohne N2)
tiefkühlen -80C sind ausreichend.
wenn möglich nicht über 180°C anlassen.zu grosser GH-verlust.

*angaben von damal. schmiede-leegebruch.

vorschlag zur güte.
viellecht könnt ihr ein stück des x60... zu roman zur
genaueren analyse senden.

habe noch ein messer aus der alten legebucher produktion (x60...)
ist exelent scharf.
 

roman

MF Ehrenmitglied
Die N2 damit ist gemeitn wenn man Vakuumhärten lässt das mit diesem Druck oder höher und N2 Medium gearbeitet werden soll.
 
Hallo roman,

ist das Tiefkühlen ein Muß bei diesem Stahl ?
Meine Klingen härtet einen Härterei im Vakuumverfahren. Die erhalten von mir die Klingen mit der Stahlangabe und der gewünschten Härte. Bisher habe ich saubere Ergebnisse erhalten.


Gruß Kuno
 
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luftauge

Mitglied
Moin Concho:
Ich bin zwar nicht Roman, versuche es aber mal - diese Stähle, ab einer bestimmten Zusammenstezung werden beim Abschrecken von "heiß auf kalt" nicht vollständig von Austenit-Gefüge in Martensit-Gefüge umgewandelt -> Restaustenit mus weg (so wäre die ganz stark vereinfachte Erklärung).

Dazu werden sie dann "ganz kalt" gemacht, was bei gewöhnlicher Kälte nicht möglich ist, das besorgt dann der Bereich von -80 bis -196°C in Stickstoff oder anderen extrem kalten Mitteln.

Ich habe aber auch eine Frage an Roman:
Du sagst, bei 1050°C in Öl abschrecken, das irritiert mich etwas, im Grodke oder im Tabellenbuch Metall beispielsweise steht, dass man bei höheren Härtetemperaturen das mildere Abschreckmittel (Luft/Gas unter Druck) nehmen sollte, und bei den niedrigeren Temperaturen das Schroffere (erwärmtes Öl) benutzen kann - wie passt das jetzt zusammen ? (wie gesagt, etwas irritierend)

Gruß Andreas
 

micknives

Mitglied
@luftauge;
natürlich ist es erwärmtes öl.
wenn ihr den stahl selbst härten wollt, gesetzt ihr habt das notwendige gerät dafür ist es schon empfehlenswert den stahl
tiefzukühlen.
in der regel wird der stahl doch eher in einer härterei
gehärtet. die härterei wird den stahl schon im angegebenen
bereich härten. aber härten nicht als einzelstück sondern in einer charge mit
einem andern stahl der etwa gleiche temperaturen benötigt.
tiefkühlen wird keine härterei die einzelstücke. werdet ihr
wohl nicht betzahlen wollen wenn jedes einzelne messer seperat
wärmebehandelt werden soll.
 
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luftauge

Mitglied
@Micknives:
Nachdem Du die Analyse gepostet hattest, bin ich gerade wegen des Mn-Gehalts hellhörig geworden, weil Mn u.A. für die Ölhärtbarkeit zuständig ist.

Nur habe ich so direkt noch keinen Hinweis in den mir verfügbaren Unterlagen gefunden, dass das warme Öl vergleichbar "milde" Abschreckeigenschaften hat, wie beispielsweise Druckgas, deswegen die Nachfrage.
Wenn dadurch keine schädigenden Spannungen entstehen, wäre es eine Überlegung wert, natürlich vorrausgesetzt, man kann die TK sicherstellen.
Würde eigentlich einen CO-Feuerlöscher (-78°C an Raumluft) oder Stickstoff aus der Gasflasche ausreichen ? Im Forum wurde auch schon mal über die Dauer des Tiefkühlens gesprochen, ca. 1 - 2h war es wohl pro Durchgang, das wird die Sache wohl unmöglich machen.
Bei Wallner zahlt man z.B. einen Pauschalbetrag für TK, macht sich bei mehreren Klingen nicht wesentlich bemerkbar.

Gruß Andreas
 

micknives

Mitglied
@luftauge
tiefkühlen mit flüssigem stickstoff o. trockeneis.
kühlen mit trockeneis wäre weitaus einfacher.
stickstoff aus gasflasche ist eher ungeeignet,
du benötigtst für flüssigen stickstoff einen spez.
thermosbehälter in dem du die klinge einhängst.
diese behälter bekommst du manchmal in laboren von
krankenhäusern, alte behälter schmeissen die oft
in schrott.
 
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roman

MF Ehrenmitglied
Also ein TK ist bei rostbeständigen Legierungen immer zu machen
luftauge hat das schon gut beschrieben.
Auch das was micknives sagt stimmt so.

Bemerken wirst Du erst einen Unterschied wenn Du auch feine Geometrien hast. Wenn das Ding 40 50 60° Schneidwinkel hat wirst noch nicht mal einen Unterschied zu einem D2 großartig feststellen

ICh benutze immer warmes ÖL. Mit den Schroffen und milden Medien das ist bei komplizierten Werkstücken wichtig bei unseren Messern tut das nicht viel. Diese allgemeinen Härteangaben in solchen beschreibungen sind immer unter dem aspekt zu sehen das ein genereller Hinweis für allgemeine Wekstücke ist. Unsere Messer sind ja sehr dünn und daher ist es fast wurscht ob das öl 30 oder 80 °C hat nur bei extradünnen 1mm Querschnitten kanns vielleicht was ausmachen bei der Verzugsanfälligkeit