Brauche Hilfe/Infos zu Stahl XB5/Diamantstahl

Hallo,
Von einem Kollegen bekam ich ein Stück Stahl aus Russland mitgebracht, mit der Bezeichnung XB5, oder wie er sagte "Diamantstahl".
Nun, bei der Suche zur Wärmebehandlung und der chemischen Analyse, fand ich leider keine brauchbaren Informationen im Netz, so das ich auf die Hilfe von Euch Experten hoffe.

Kann mir vlt jemand an dieser Stelle weiterhelfen?
Deutsche Werkstoffnummer, Wärmebehandlungshinweise oder Links wo ich einige Infos darüber erhalte?

Ausser der Bezeichnung XB5 (?CHV5?) habe ich leider nichts was mir weiterhelfen könnte...

Viele danke im Voraus!
 

tobsucht_

Mitglied
Schau mal hier

Dürfte ein Russischer Stahl mit ca 1.4%C, 0.6% Cr und 5%W sein. Ein Äquivalent dazu habe ich gerade nicht gefunden, mein Stahlschlüssel kugelt irgendwo herum^^ Aber damit solltest du einmal weiterkommen.

LG Oliver
 
Danke,
Dies war mir bei meinen Suchen bisher nicht begegnet.

Damit lässt sich nun schon einiges herleiten!

Danke vielmals!!!

Gruss
 
Hallo,
nachdem ich mich in der vergangenen Zeit mit ein paar anderen Stählen auseinandersetzte, muss ich hier noch einmal nachfragen.

Einen direkt identischen Stahl habe ich in den Tabellen nicht entdecken können, jedoch das der o.g Stahl eine Mischung aus 1.2562 und 1.2453 darstellt.

1.2453 hat C 1.3, Si 0.2, Mn 0.3, Cr 0.2 und W 5.0
1.2562 hat C 1,4, Si 0.02, Mn 0.3, Cr 0.3, V 0.25 und W 3,0
XB5 hat C 1,4, Si 0.16, S 0.007, P 0.011, Mn 0.11, Cr 0.6, Ni 0.003, V 0.18 und W 5.0

Somit würde ich entsprechend der WB Werte der beiden Stähle bei 810°C härten, in vorgewärmten Öl abschrecken und bei 170°C 2x 1h anlassen, und käme dann auf etwa 62-64 Hrc.
Kann ich dies so machen, oder hat sich ein Denkfehler eingeschlichen?

Und nun zum Einsatzgebiet:
Wie sähe es aus diesen Stahl in einem Klappmesser mit dem Haupteinsatzgebiet Schnitzen (primär Obst und Nusshölzer) einzusetzten?
Würde dies den Stahl bei 0.2 - 0.3mm in etwa 1 mm über der Schneide, bei einem gesamten Schneidenwinkel von ca.25° überfordern?

In den Beiträgen über 1.2453/1.2562 las ich über die Anfälligkeit bei Missbrauch, zum hacken, brechen etc käme es bei meiner gewollten Arbeitsweise nicht, jedoch ein leichteres Verkanten bei eher dünnen Holzspänen bestimmt hin und wieder.

Danke im voraus!
P.S.: ich bin Tag für Tag begeistert von diesem Forum, dem geballten Fachwissen und der Bereitschaft, so vieler Leute, dieses mit anderen zu Teilen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Bei Mißbrauch sind alle Stähle irgendwann überfordert. Wer mit Messern umzugehen weiß, kann sich an sehr delikaten Geometrien erfreuen. Wie delikat, hängt - geeignete Wärmebehandlung vorausgesetzt - wesentlich von der Zähigkeit des Stahls ab. Und die wird überwiegend vom C-Gehalt, den Karbiden, der Korngröße und der Härte bestimmt.

Die verläßlichsten theoretischen Daten zur Zähigkeit von Wolframstählen liefert aktuell Larrin Thomas:

Toughness a.jpgToughness b.jpg

Wie wir sehen, ist es mit der Zähigkeit von 1.2562 (bei einer Härte von 65,3 HRC) nicht besonders weit her. Aber auch 1.2442 beispielsweise ist deutlich im unteren Bereich angesiedelt. Und damit und mit anderen niedrig legierten Wolframstählen habe ich dennoch sehr gute Erfahrungen gemacht.

Diverse Messer (Klapper und Fixed) von Attila Kovács, Daniel Boll und Thomas Froberg sowie Jean-José Tritz mit filigraner Geometrie machen bei der Holzbearbeitung (im wesentlichen Eukalyptus und Olive) null Probleme.

Boll-Fixed TNT666 (64 HRC): 0,25-0,30 mm hinter der Wate, Gesamtschneidenwinkel 22 Grad
Boll-Fixed 1.2516: 0,2-0,3 mm hinter der Wate, Gesamtschneidenwinkel 22 Grad
2 Froberg-Klapper 1.2442: 0,3 mm hinter der Wate, Gesamtschneidenwinkel 20 Grad
Boll-Klapper Wolframdamast: 0,2 mm hinter der Wate, Gesamtschneidenwinkel knapp 20 Grad
Tritz-Puukko 1.2516: 0,25 mm hinter der Wate, Gesamtschneidenwinkel 16,5 Grad
Boll-Puukko 1.2552: 0,25 mm hinter der Wate, Gesamtschneidenwinkel 15 Grad
Attila-Kovàcs-Klapper 1.2442: 0,16 mm hinter der Wate, Gesamtschneidenwinkel 18 Grad

Auch der Attila-Klapper mit seiner ultrafeinen Geometrie zeigt bisher keine Blessuren bei diverser Holzbearbeitung. Hier ein Bild:

DSC06962.jpg

Wenn also das geplante Messer 0,2 - 0,3 mm hinter der Wate und einen Gesamtschneidenwinkel von 25 Grad haben soll, sehe ich das nach meiner Erfahrung bei dem vorgesehenen Gebrauch auch für den etwas höher legierten Stahl als unproblematisch an. Zumal, wenn die Härte nicht ausgereizt wird. Sollten sich dennoch Mikro-Ausbrüche einstellen, ist es ja kein Problem, der Klinge beispielsweise ein paar Züge über den Sinter-Rubin zu verabreichen und sie anschließend wieder abzuziehen. Gerne etwas ballig, was der Stabilisierung dient :super:

R’n‘R
 
Danke für die Grafiken R&R!

Habe hier über die beiden Stähle nur so vieles gelesen, dass es schon verunsicherte, zumal ich nur recht wenig zur Verfügung habe...

Daher stand für mich die Frage im Raum ob ich es mit einem / zwei Klapper für den "eher sachgemäßen" Umgang mit Holz verwenden könnte, oder doch lieber ein etwas grösseres Küchenmesser mit weit weniger Missbrauchgefahr daraus fertige.

Das es ohnehin ein leicht konvexer Anschliff auf Null werden sollte vergass ich leider vorher zu erwähnen:super:
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Ich würde Klapper daraus machen. Wie mehrere Diskussionen mit güNef gezeigt haben, ist bei etwa gleicher Geometrie eine Küchenmesserklinge des Brettkontakts wegen eher gefährdet, insbesondere, wenn man choppt. Die Klinge „knallt“ aber gelegentlich auch unbeabsichtigt auf das Brett - beispielsweise einfach dann, wenn man harte Möhren schneidet - und wird so stark belastet.

Bei einem mit Bedacht eingesetzten Klappmesser zum Schnitzen ist diese Belastung geringer.

R’n‘R
 
Das werde ich auch so machen!:steirer:

Habe ohnehin derzeit mehr Ambitionen Klapper zu Bauen, als noch mehr Küchrnmesser, habe jetzt schon mehr Messer als Lebensmittel in der Küche liegen:irre:...

Jedenfalls danke für die Mutmachenden Worte, in einer etwas verunsicherten Situation. Ebenso für die Informationen und selbstverständlich für die stets unterhaltsamen Beiträge und Photostrecken, Rock&Roll!!!

Auch wenn es bis zur Fertigstellung noch ein paar Wochen dauern wird, freue ich mich schon darauf, die immer wiederkehrenden Herausforderungen eines Klappers ( wird's ein Slipjoint? Wird's ein Backlock? Ich weis es noch nicht..) zu bewältigen.

Genauso wie es mich Mal für Mal freut, die erhellenden Weisheiten des Messerwesens hier bei und mit Euch allen ergründen zu können, bzw. diese auf die Schwammartigste Weise aufnehmen zu dürfen!!!
 
Morgen,

Bilder und ein entsprechender Erfahrungsbericht werden definitiv folgen:super:

Auch wenn Arbeit und Weiterbildung zur Zeit weniger Messerfreiraum lassen, als ich es gern hätte, aber........

Werde mich jedenfalls dazu Melden!