Böker und das Waffenrecht

HankEr

Super Moderator
Da sich ja jetzt offensichtlich auch jemand aus dem Hause Böker hier befindet möchte ich nochmal die Frage aufwerfen wie es mit Böker und dem dt. Waffenrecht aussieht.

Herr Wieland vom Messermagazin hat hier bereits die Rolle von Böker bei der Novellierung des Waffenrechts gelobt, ich hingegen habe mehr den Eindruck, als ob es Böker nur darum ging sein eigenen Schäflein ins trockene zu bringen. So gehe ich davon aus, daß die Rückänderung der legalen Klingenlänge von 6,5 (aus dem ersten Entwurf) wieder auf 8,5cm nicht zuletzt im SpeedLock begründet war. Für einen großen dt. Hersteller hätte es doch ein leichtes sein sollen auch bei solche Kleinigkeiten wie den "durchgehenden Rücken der sich zur Schneide hin verjüngt", das Verbot von Faust- und Fallmessern etwas Einfluß geltend zu machen.

War es nicht so, daß Böker sich solange darum gekümmert hat, wie eigene Modell dadurch gefährdert waren und das Interesse nachdem das SpeedLock weiter erlaubt sein sollte schlagartig erloschen war? Kurzfristige Geschäftszahlen wichtiger waren als der Einsatz für die Gemeinschaft, wichtiger als der gesunde Menschenverstand?

Das ist zumindest mein Eindruck ...
 
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HankEr

Super Moderator
Meinungen, Gegendarstellungen, offizielle Stellungnahmen?
 
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HankEr

Super Moderator
Schweigen im Walde?

Ich schreibe das hier nicht unbedingt um nachzukarten, sondern vielmehr um abschätzen zu können was diesmal für Engagement in das Waffenrecht geflossen ist um eine Grundlage zu haben was man bei der nächsten Verschärfungs-/Verbotsrunde besser machen sollte.
 

Messerboerse

Mitglied
Layoutänderung Messermagazin

Bezugnehmend auf o.g. Messermagazin.

Komisch, "unser" Magazin verändert ausgerechnet jetzt, da es um die Änderung des Waffenrechts geht sein Layout. Und zwar dahingehen, dass es möglichst "unauffällig" im Zeitschriftenregal verschwindet.
Die ursprüngliche (auffällige) serifenbetonte Headline wurde kurzerhand in eine serifenlose Linearanktiqua geändert. Und die sogar in weiß. Nach dem Motto hier kann jeder reinmalen was er will. Ich kenne keine Zeitschrift, die unaffälliger einscheinen will als das Messermagazin. Im Gegenteil, Sonder- und Leuchtfarben sind hier an der Tagesordnung. Muss sich das Messermagazin wirklich verstecken??

cu
jens
 

TimM.

Mitglied
Hallo Herr Felix-Dalichow,
mich würde eine Stellungnahme zu diesem Thema auch interessieren.

Ich hab den starken Eindruck, dass hier von Böker niemand mehr mitliest, würde mich aber freuen, wenn es doch eine Antwort auch diesen Thread geben würde.
 

HeinrBoker

Moderator Forum Böker und CRKT
Zuerst habe ich mich offiziell zu diesem Thema nicht geäußert, da das neue Waffenrecht noch in den politischen Gremien verhandelt wurde.

Nun hat es den Bundesrat passiert, aber ich bin im Hinblick auf die Betriebsferien bei Böker, die heute beginnen, wirklich nicht dazu gekommen, eine ausführliche Stellungnahme zu diesem Thema abzugeben.

Ich verspreche, dies nachzuholen. Die kommenden Urlaubswochen geben mir hierzu reichlich Gelegenheit. Es ist mir ein Anliegen, einige Mißverständnisse klarzustellen.

Herzliche Grüße aus Solingen

E. W. Felix-Dalichow
 

HeinrBoker

Moderator Forum Böker und CRKT
Meine Stellungnahme zum neuen Waffengesetz

Keine Lex Speedlock!

Wir erinnern uns: Noch unter der CDU/FDP Regierung sah ein Bundesratsbeschluß vor, in der Waffenrechtsnovelle Springmesser, Wurfsterne, Faustdolche und Butterflies prinzipiell zu verbieten.

Viele Firmen der deutschen Schneidwarenindustrie sind im Industrieverband IVSH zusammengeschlossen. An einer Sondersitzung zu diesem Thema nahmen Firmen wie Herbertz, Hubertus, Evertz, Klaas, Piel und Böker teil.

Es wurde beschlossen, daß der Verband in Bonn vorstellig werde, um die Fragwürdigkeit der Gesetzesnovelle zum Thema Messer herauszustellen. Vor allem die Springmesser sollten nicht vom Markt verbannt werden, solange sie nicht in erster Linie Aggression abstrahlen.

Keine Frage, daß ich diesen Beschluß sehr befürwortete. Unsere Speedlock Modelle hatten einen erheblichen Anteil des Messerabsatzes erobert. Unser Wettbewerb war allerdings nicht untätig und hatte inzwischen nachgezogen und ebenfalls Springmesser erfolgreich auf den Markt gebracht – wenn auch die meisten keine Eigenentwicklung sondern Importe waren.

Man war sich auch einig, daß Wurfsterne, Faustdolche und Butterflies nicht zu halten seien im Hinblick auf die damalige stark emotional geführte Diskussion zur Jugendkriminalität, insbesondere an den Schulen.

Neben dem Verbandsgeschäftsführer Beckmann wurden Herr Hartkopf von Herbertz und ich als Vertreter der Industrie gebeten, einen Termin bei Mitgliedern des Innenausschusses in Bonn wahrzunehmen. Man zeigte damals großes Verständnis für unser Anliegen und sagte uns Unterstützung zu. Es kam sehr gut an, daß wir nicht den Gesetzesentwurf in Bausch und Bogen verteufelten.

Nachdem die Regierung Kohl die Novelle nicht mehr durchzog und man inzwischen nach Berlin umgezogen war, hat eine 2. IVSH Gesprächsrunde die „Bonner“ Strategie bestätigt, wie Herr Beckmann und ich versuchen sollten, auf die Politik Einfluß zu nehmen.

Dank großartiger Unterstützung des Solinger Bundestagsabgeordneten Bertl (SPD) kam es zu zwei Gesprächen im Bundesinnenministerium. Wir konnten die zuständigen Herren überzeugen, den Gesetzesentwurf in unserem Sinn abzuändern. Er ist dann in dieser Form durch die Gremien gegangen und unverändert als Gesetz verabschiedet worden.

Es hat also keine Lex Speedlock gegeben. Als privater Firmenchef wäre ich erstens nicht so weit vorgedrungen und hätte zweitens Null erreicht, weil sich die Politik nicht vor Einzelinteressen spannen läßt.

Ausschlaggebend war die Rührigkeit unseres Verbandes in Person von Herrn Beckmann als der Interessensvertreter einer ganzen Industrie.

Die betroffenen Mitglieder haben Herrn Beckmann und mich mit einer abgestimmten Strategie in die Verhandlungen entsandt. Über unseren Erfolg ist der gesamte Verband als auch der Handel erleichtert. Der engagierte Messerfreund sollte es auch sein.

Noch ein Letztes: Speedlock hat uns sehr geholfen, die politischen Entscheidungsträger dieses Gesetzes für unser Anliegen zu gewinnen. Das Messer wurde in Bonn und Berlin am Tisch herumgereicht und als wirklich formschönes, elegantes Messer akzeptiert, das man nicht als agressive Waffe bezeichnen könne.

Herzliche Grüße

E.-W. Felix-Dalichow