Bericht über ein Borger Seminar

Woodman

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Es war ein grauer stürmischer Samstag morgen. Typisch für den Januar. Aber dieser Tag hatte etwas besonderes. Ich fieberte ihm schon seit Weihnachten entgegen. Denn heute sollte der Tag sein, an dem ich endlich meinen Gutschein über ein Messerseminar bei Wolf Borger einlösen durfte. Dieser Gutschein war, nach meiner Tochter, das zweitschönste Geschenk, daß mir meine Frau bisher gemacht hat.
Nun der Wecker klingelte um 7.30h. Es muß ja noch ein Besuch im Bad gemacht und gefrühstückt werden. Aber die Vorfreunde auf das was kommen sollte trieb mich zu einer Geschwindigkeit an, die für normalsterbliche Mitteleuropäer an Samstagen eher die Ausnahme ist. Schnellwaschgang, Tasse Kaffee und fertig. Punkt 8.00h war ich dann auch soweit. Nur das Seminar geht erst um 9.15h los. Der Vorteil einer Anreisezeit zu Wolf Borger von ca. 15 min. entpuppte sich zu dieser Zeit als eine Höllenqual. Na gut noch mal hingesetzt und den Entwurf betrachtet und geträumt. Dann war es soweit, Abfahrt.
Pünktlich um 9.00h stand ich bei Wolf Borger vor der Tür. Ein Bekannter, der auch teilnahm war schon da. Wen wunderts...
Nun genug der Vorreden. Man stellte sich kurz vor und bewunderte noch die schönen Stücke in der Auslage. Punkt 9.15h wechselte die versammelte Mannschaft vom Ausstellungsraum in die Werkstatt über. Es ging endlich los.
Zuerst wurden die einzelnen Entwürfe auch Ihre Machbarkeit überprüft und gegebenenfalls geändert bzw. angepaßt. Schon dort sah man den Unterschied zwischen „was kann ich malen/zeichen und was kann ich bauen“.
Nachdem auch die entsprechenden Materialien für die Klinge auserwählt waren ginge es los. Erstmal wurde mittels der mitgebrachten Pappschablone der Entwurf auf den Stahl übertragen. Dann ging es an die Bandsäge. Nach kurzer Einweisung an den Maschinen durften wir loslegen. Nach ca. einer halben Stunde hatte jeder ein Stück Stahl ausgesägt. Mit viel Phantasie konnte man sich schon ein Messer darunter vorstellen. Dann ging es an die Schleifmaschinen, um die Konturen fein herauszuarbeiten. Auch dies war innerhalb einer weiteren halben Stunde erledigt. Während der ganzen Zeit sind Wolf Borger und sind nicht weniger fähiger Assistent Thomas zwischen uns Greenhorns umhergelaufen und haben uns wo es nur ging Tips gegeben, oder auch mal unter die Arme gegriffen. Nach dem Schleifen wählten wir unsere Griffmaterialien aus. Ich war besonders schnell, da ich meines schon mitgebracht habe. Mein Messer sollte eine einfach Schnurwicklung als Griff bekommen.
Darauf hin wurden dann die entsprechenden Löcher und sonstigen Aussparungen an den Messerrohlingen angebracht bzw. gebohrt. Alles schön entgratet und es sah nun wirklich schon fast wie ein Messer aus.
Zwischendurch immer wieder kontrollierende Blicke der beiden Betreuer.
Und was war das, auf einmal ein Hund in der Werkstatt und dazu ein freundliches „Guten Morgen“. Frau Borger war gekommen, um uns ein paar Getränke zu bringen. Aber zu Frau Borger später mehr. Der weitere Verlauf bestand aus schleifen hier und schleifen da. Dort ein bisschen hier ein bisschen. Richtig ins schwitzen kam ich, als ich am Griffrücken mittels einer Kantellierfeile eine Riffelung angebracht habe. Dann ging es an die Klinge, aber dank modernster Technik war der Flachschliff innerhalb weniger Minuten erledigt. Nun kamen unsere Betreuer aber mal richtig ins Schwitzen. Denn die Fräsmaschine weiß ja nicht daß es sich hier um ein Messer handelt. Also musst der Flachschliff zur Spitze hin händisch auf dem Bandschleifer fertiggestellt werden. Alleine hätte ich das niemals geschafft, und wenn doch, dann sicherlich nicht so sauber.
Jetzt sah es schon wie ein Messer aus. Jetzt kam eine Arbeit an meinem Messer, die Wolf Borger etwas Kopfzerbrechen bereitete. Ich wollte unbedingt einen Seilkapphaken am Klingenrücken. Aber nach ein paar Versuchen mit verschiedenen Werkzeugen war auch diese Hürde genommen. Die Uhr zeigte inzwischen 13.00h und die Messer waren grade auf dem Weg in den Ofen zum härten. Da kam der Aufruf zum Essen.
Nun schlug die Stunde einer Person, derer ich hier erst einen Satz gegönnt habe. Frau Borger beglückte uns mit selbst gekochtem Elchgulasch und handgeschabten Spätzle. Dazu gab es auch noch einen sehr guten Feldsalat. Wenn ich an das Schweigen während des Essens zurückdenke kann ich nur eines feststellen. Es war deswegen so leise, weil das Essen einfach hervorragend war. Nochmals ein großes Lob an Frau Borger. Die Unterhaltung kam erst nach dem Essen erst richtig in Gang, da wir bis 14.00h Zeit hatten. Solange mußten die Messer im Ofen bleiben. Man erfuhr etwas über die anderen Teilnehmer und unterhielt sich über Gott und die Welt. Dann war es endlich soweit. Der Härtvorgang war zu ende und des konnte weiter gearbeitet werden. Die Klingen waren noch heiß vom Ofen als die beiden Betreuer sie schon überprüfen und die gröbsten Verformungen beseitigten. Die Feinarbeit kam dann etwas später am Amboß. Als alle Klingen einwandfrei lagen wurden sie in die Schleifmaschine eingespannt und plan geschliffen. In dieser Zeit kümmerten sich die anderen bereits um Ihre Griffmaterialien. Nachdem alle Klinge soweit plan waren Ging es an die Oberfläche. Auch hier war ich gegenüber den anderen im Vorteil. Ich hatte mich dazu entschlossen, das Messer erst sandzustrahlen und im zweiten Gang mit Glasperlen zu bestrahlen. Nachdem auch dies nach mehrfachen Kontrollen fertig war kam der letzte Schritt. Jetzt wurde die Klinge geschärft. Ich muß sagen, so ein Bandschleifer ist echt nicht schlecht. In ca. einer Minute war mein Messer scharf wie eine Rasierklingen. Die anderen kümmerten sich noch um ihre Griffe oder ätzen den Damast.
Gegen 18.00h war dann aber auch jeder fertig und wir bestaunten gegenseitig unsere Werke. Auch die Betreuer würdigten unsere Arbeiten. Zum Schluß war noch das obligatorische Fotoshooting für die Kartei.

Fazit: Jeder, der es mal selbst versuchen möchte, aber dennoch etwas gelenkt und unterstützt werden will ist bei Wolf Borger und seiner Frau!!! in de richtigen Händen. In den Seminargebühren ist alles was für ein normales Messer benötigt wird enthalten, je nach Sonderwunsch wird es halt etwas teurer. Nichtsdestotrotz war und ist es eine sinnvolle Investition gewesen. Und es war bestimmt nicht das letzte Mal.

Auf diesem Wege nochmals vielen Dank an Wolf Borger, Thomas und natürlich an Frau Borger.

Patrick Arend aka Woodman

Ach ja, die Messer sind zu finden unter:
http://www.wolf-borger-messer.de/sem2001.pdf
 

Claymore

Mitglied
Hallo Woodmann,

nicht übel dein Bericht, hat mir gut gefallen.
kompliment, dein Messer kommt wirklich gut.
Da komm ich ins grübeln auch mal einen Kurs bei Wolf zu machen .

Peter
 

Woodman

Mitglied
Hi Peter,

ich kann es dir nur empfehlen. Nur bin ich meines Erachtens nur genug auf die SUCHTGEFAHR eingegangen ;)

Aber wenn du dieses Jahr einen Kurs machen willst, solltest du dich beeilen. Die Terminliste ist schon ziemlich voll...

So far

Wood