Bericht über das RD7 Bush im Vergleich mit dem BK7 (Camillus)

Morales

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Heute möchte ich über ein Messer berichten, das ich mir mal "just for fun" bestellt habe vor einiger Zeit: Das Ready Detachment 7, das von Ontario hergestellt wird. Bei der Bestellung habe ich aber übersehen, dass es sich um die Bush-Variante handelt. Die "Bush" Messer sind nur knapp fünf Millimeter stark (die normalen RDs haben 7 Millimeter) und werden aus einem anderen Stahl hergestellt (1095). Der Hintergrund war eigentlich, dass ich einen kleineren Bruder für mein RD9 haben wollte, das allerdings noch von Justin selber hergestellt wurde.
Um diesen Bericht ein wenig interessanter zu gestalten, habe ich das RD mit dem BK7 verglichen, da beide Messer recht ähnlich sind, was ihre Philospohie und die Maße usw. (388 zu 390 Gramm) angeht. Bei dem RD7 handelt es sich um ein 'factory second', sprich es hatte einen kleinen Makel, so dass der VP entsprechend niedrig war. Der Makel an meinem war eine leicht nach rechts verbogene Spitze, ansonsten alles im Lack.


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1. Design
Ebenso wie das Becker ist das RD als einfaches Arbeitsmesser konzipiert, ohne Schnickschnack oder überflüssige Designkniffe. Die Farbe der Griffschalen ist eine willkommene Abwechslung zum allgegenwärtigen Schwarz (mein 9er ist komplett schwarz), sowie die Farbe der Beschichtung. Das ist bedeutet mehr als man im ersten Moment denkt, das Messer wirkt einfach anders, wohltuend anders.
Was allerdings auch auffällt beim Betrachten des Messer, ist die Form der Griffschalen...kann sowas ergonomisch sein? Antwort siehe unten.
Das RD7 hat im Gegensatz zum BK7 eine ziemlich große Fingermulde, die dann auch dazu führt, dass die Messer unterschiedlich lang sind. Der kleinstmögliche Abstand zwischen Schneide und Hand ist aber beim BK7 recht gering, so dass es wohl eher eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, welche Variante man bevorzugt.

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2. Funktion
2.1 Messer
Beide Messer schneiden hervorragend, wenn man die Schneide mal entsprechend geschärft hat; beim RD7 war einige Arbeit notwendig um die Schneide einigermaßen zu der Schärfe zu bringen zu der der Stahl in der Lage ist. Bei der Geometrie gibt es leichte Vorteile beim RD7, da hier der Flachschliff bis zum Klingenrücken geht, gut schneiden tun aber beide. Die Daumenrampe ist beim RD recht aggressiv, beim BK dagegen angenehmer zu greifen, ohne dass die Funktion eingeschränkt würde.
Die Beschichtungen geben bei beiden Messern nicht so schnell auf, allerdings fehlte auch effektiv "beschichtungmordendes" trockenes Holz zum Batoning. Naja, halb so wild, das passt schon, man macht es ja eh selten.

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2.2 Scheiden
Beide Scheiden sind vom Aufbau her ähnlich, Nylongewebe zusammengenäht mit einer kleiner Extratasche und einem Kunststoffeinsatz als Schnittschutz. Das BK7 sitzt fast schon zu eng in der Scheide, aber besser so als das RD7. Dies hat nämlich enorm viel Spiel in der Scheide und klappert herum wie nichts Gutes. Ohne den Riemen mit Klettverschluss gibt es nichts was das Messer an Ort und Stelle hält, doch auch der Riemen gibt mir zu denken. Er sitz relativ weit oben kurz vor Griffende und orientiert sich damit nicht an den Formen des Griffs. Der Druckknopf beim Becker sitzt direkt über dem Parierelement und hält das 7er sicher an seinem Platz...geht doch!

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3. Verarbeitung
Beim RD7 ließe sich bestimmt was an der Verarbeitung verbessern, allerdings wäre vieles für so ein "Arbeitstier" eigentlich sinnlos. Die Schärfe ab Werk wäre eine Sache, die zu verbessern wäre, denn egal ob Arbeitstier oder Safequeen für die Vitrine, (einigermaßen) scharf darf jedes Messer sein.
Der wichtigste Punkt ist allerdings der Zustand der Griffschalen und das ist für mich ein absolutes No-Go: Sie sind eigentlich nicht verarbeitet. Ok, die Kanten sind abgerundet, aber der Griff als solches ist dermaßen unbequem (is ja logisch is ja ein Block!), dass er quasi vom Benutzer verlangt, dass er bearbeitet wird. Im Prinzip wäre das ja kein schlechter Gedanke à la 'Ich passe den Griff an mich persönlich an', aber das Messer ist ab Werk so nur eingeschränkt brauchbar und das geht nicht. Bei anderen Messern wird ja mal der Griff vermurkst oder was anderes (man erinnere sich an das 'Condor Bushlore'), aber hier besteht ja nicht mal der Wille bzw. die Absicht etwas zu verbessern in Hinblick auf bessere Ergonomie.
Ich habe auf jeden Fall den Griff unter den mir bestmöglichen Arbeitsbedingungen (Micartastaub sollte auf keinen Fall eingeatmet werden!) bearbeitet und dann hat das RD7 gegen das BK7 eine Chance, aber auch nur dann.

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4. Fazit
Das Ontario RD7 Bush ist eigentlich ein gutes Messer, nur leider verhageln Kleinigkeiten die Bilanz: Der Griff ist ohne Nacharbeiten ein Grauen, die Scheide viel zu weit für das Messer und der Schliff ab Werk ist auch verbesserungswürdig.
Natürlich ist es nicht so wirklich nett, ein 'second' mit einem 'ordentlichen' Messer zu vergleichen, ein Versuch war es mir aber wert. :D

Fragen, Anmerkungen, Kritik? Immer her damit!

Gruß,
Carsten
 

Bärwald

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Hallo Morales.

Danke fürs Vorstellen!

Schön mal wieder was über ein Serienmesser dieser Gattung hier zu lesen - auch wenn die RD's nicht 100%ig meinen Geschmack treffen.

Auch der Vergleich mit dem Becker passt ganz gut (wobei es das RD7 da schon schwer hat).

Ich finde allerdings dass Daumenrampen auch eher was mit Design zu tun haben müssen, zumindest wenn mir da drauf schneller der Daumen weh tut als ohne sowas (rede vom BK7 wo mir die Daumenrampe optisch gut gefällt, mir aber kein technisch relevanter Grund für einfällt und das Ding außerdem unbequem ist).

Hatte mal das RD 4 in der Hand und mag ja eigendlich diesen grobschlächtigen Ontario-Charme, aber die Griffe der RD's sind wirklich nur in die allernötigste Form gebracht und optisch sind die Griffschalen fmG auch irgendwie zu kurz geraten. Gut, das lässt sich immer leicht ändern - wenn man den Rest mag und den Preis.

Willst Du den nicht auch mal das RD9 hier herzeigen? 7mm Klingendicke bei Serienprügel, sowas scheint zwar grad aus der Mode - aber niemalsnienicht bei mir!:D

Saludos

Bärwald

PS/OT: Hast Du schonmal die Spec Plus Gen II SP50 gesichtet? Auch nette Dinger...gegen diesen Eisenmangel. Mir fehlt aber noch der letzte "Stimulus" durch einen Alphatester...:hehe:
 

Morales

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Servus Bärwald,

danke Dir für deine Meinung! Bei den Daumenrampen kann es auch sein, dass die Ka-Bar Version des BK7 etwas gröber ist...ob man die jetzt braucht sei dahingestellt, ich persönlich würde wohl auch ohne zurecht kommen.

Das RD9 stelle ich sehr gerne vor, muss aber vorher noch ein paar Bilder machen, damit das nicht nur Text wird. Das RD9 ist eines meiner Lieblingsmesser in dieser Kategorie, allerdings hat das viel mit den Modifikationen zu tun, die das Messer erfahren hat, bevor es zu mir kam.

Die Spec-Plus Reihe habe ich auch schon länger im Blick, u.a. auch das SP-50, allerdings haben im Moment andere Messer Vorrang und Geld muss ja auch da sein...:D

Gruß,
Carsten