Bandschleifer erhitzt die Klinge

neo

Mitglied
Hallo !
Hab ich in einem buch gelesen, Was haltet ihr davon:
„Ein Mythos ist, dass der Bandschleifer die Stahlstruktur verändert, indem man die Schneide kurzfristig bis aus 800°C erhitzt. Dabei sollen die Kohlenstoffanteile verbrennen. Auch das ist nicht plausibel, denn dann müssten die handgeschmiedeten Klingen überhaupt nicht zu härten sein, da sie rotglühend sicherlich heißer sind als 800°C. der Kohlenstoff müsste demnach schon beim Schmieden verbrannt sein.“

Gruß neo
 

Moppekopp

Mitglied
Hi Neo,

ich hab nicht viel Ahnung vom Schmieden und kann das Problem daher nur aus thermodynamischer Sicht betrachten. Beim Erhitzen in der Esse diffundiert sicher Kohlenstoff aus dem Stahl heraus. Allerdings dürfte das nur oberflächlich sein. Außerdem herrscht in einer normalen kohlengefeuerten Esse eine hohe Kohlenstoffkonzentration. von daher müsste beim erhitzen auch kohlenstoff in den Stahl diffundieren. Wenn jetzt das Werkstück auf dem Bandschleifer bearbeitet wird, kann ich mir schon vorstellen, dass bei geringen Querschnitten wie der Schneide und Spitze die Konzentration an Kohlenstoff im Stahl abnimmt.

Gruß Tobi
 

kababear

Mitglied
das prob ist halt, dss der bandschleifer nur punktuell die klinge stark erhitzt und sich somit spannungen in der klinge aufbauen können, die beim härten zu einem verzug der klinge führen können.
auch ist das schleifen von gehärtetem stahl mittels bandschleifer bei grösseren sachen nicht zu empfehlen, da es hierbei pasieren kann, dass die anlasstemtertaur des stahls erreicht werden kann, was unverzüglich zu einem härteverlusst führt!
richtig bös wirds allerdings, wenn die klinge blau anläuft! das heisst in jedem fall "shit happened!" und klinge zum glühen geben
 

Rolf

Mitglied
Der Kohlenstoff verbrennt nicht, sondern ändert sein Gefüge.
Gut das du den Titel hier nicht erwähnt hast (Carsten Bothe).
Über sein Messer schärf Büchlein haben sich hier schon die Gemüter erhitzt.
Meine Meinung
Wer es wirklich kann sollte es so machen, das Ergebnis ist ok. Ein Laie sollte das mit dem Bandschleifer tunlichst sein lassen.
So!
jetzt geht`s wahrscheinlich wieder los mit der Diskussion um den Bandschleifer.
Aber ehe ihr los brüllt überlegt mal, jeder Messermacher benutzt das Teil auch.
Rolf
 

HankEr

Super Moderator
Ja da hat Rolf recht, zu diesem Thema wurde sicherlich schon nahezu alles gesagt. BILD Dir Deine Meinung :p

z.B. hier und um die Feinheit von Schneiden geht es z.B. da.
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo neo!


Die Diskussion hatten wir bestimmt schon ein paar mal. Du kannst ja mal in Romans Buch schauen, da steht das bestimmt gut erläutert drin. Die Klinge erfährt im Mikrobereich durch die hohe Temperatur eine Gefügeumwandlung und verliert genau dort die Härte, wo sie am wichtigsten ist, an der Schneide. Dadurch bekommst Du zwar die Schneide scharf, aber die Schärfe hält nicht so lange, da die Schneide weicher ist als bei einem Messer das mit Flüssigkeitskühlung geschliffen wurde.

Außerdem gibt es die Schleifsteine in feineren Körnungen als die Schleifbänder.

Ich würde aus diesen Gründen immer zu den Schleifsteinen greifen und nicht mit dem Bandschleifer Messer schärfen.

Zu demMesserschmieden: eine geschmiedete Messerklinge wird meistens nochmals mit dem Bandschleifer flächig abgeschliffen. Dadurch wird die entkohlte Schicht abgetragen. Daher soll man auch nach (Ed Fowler) eine Klinge nicht in zu vielen Wärmen umformen und auch nicht auf Endkontur, sondern so dass man noch einiges an Material abnehmen muss, um den frischen Stahl wieder zum Vorschein zu schleifen.

Gruß Leo.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
Tja, hier wurde vieles richtig gesagt. Ich persönlich bin der Ansicht, dass übermäßige Wärmeeinbringung in die Schneide prinzipiell schlecht ist. Zum einen werden vernünftige Messerstähle (rostend, :fack: :fack: :fack: ) bei unter oder um 200° angelassen, und mit der Schleiferei erreicht man das damit locker, anderersseits braucht ein Anlassvorgang halt Zeit, da es ein Diffusionsgesteurter Prozeß ist und nicht wie die Umwandlung Austenit-Martensit ein Umklappprozess. Könnte man meinen, die Zeit auf dem Bandschleifer reicht nicht für eine Anlassen, also unschädlich. Aber: wenn man wirklich 800° erreicht, dann erreicht man die Härtetemperatur solcher Stähle. Und man wandelt nicht vollständig in austenit um, und man kühlt nicht schnell genug ab, der resultierende Zustand also ziemlich erbärmlich.
Egal was die Wahrheit ist, es ist schlecht für die Schneide.

Bei den nicht so empfehlenswerten rostfreien stählen :fack: :fack: :fack: :fack: :fack: ist es schon wieder anders. Wenn die im sekundärhärtemaximum angelassen sind, dann kann man bei 800° ratzfatz die Karbide wieder auflösen, und wech ist die Härte.

Die Sache mit dem Kohlenstoff verbrennen ist schon stark mythisch verbrämt. Entkohlung ist der richtige Ausdrück. Und der Vergleich einer Schleifbehandlung mit dem Schmieden ist nicht richtig. Aber das wurde schon richtiggestellt, von Moppekopp, (schöner Öcher Ausdruck, muß ich schon sagen, ich als alter Aachener).

Summa summarum: ich würds nur mit Kühlung machen.
Und dran denken: gerade bei den hochlegierten (rostfreien) ist die Wärmeleitfähigkeit sehr schlecht, das heißt die Chance zur Lokalen Überhitzung halt noch ein bisschen größer.
 

neo

Mitglied
isch mehn och, dat dat kölsch wär!

hab mir die beiden oberen threats durchgelsesen und alle Klarheiten beseitigt!

vielen dank folks!!


Gruß neo