Anlaßfarben bei D-2

Tobse

Mitglied
Hallo allerseits,
Heute kam mein Neck knife zurück vom Härten (Material D-2, Wunschhärte 59HRC, tiefkühlbehandelt). Dies ist mein 2. Messer aus D-2, und ich staune darüber, daß die Anlaßfarbe jetzt ein heller Goldton ist - mein erstes Messer kam mit einem tiefblauen, fast violetten Farbton an. Liegt das an der Oberflächengüte, oder sind die Härtewerte stark unterschiedlich ?

Munter bleiben,
Tobse!
 

Schleifalot

Mitglied
Das kommt auf das Anlassverfahren an. Bei D2 glaube ich kommt HRC 59 zweimal im Anlassdiagramm vor. Einmal etwa bei 200°C (goldfarben) und bei 550°C (tiefblau). Das liegt daran dass D2 ein Dispersionshärter ist. Bis etwa 400!C verhält er sich ,,normal", ab dann werden Carbide mit den verschiedenen Legierungsmetallen zwischen den Körnern ausgeschieden.
Was im Zusammenhang mit tiefkühlen besser ist, weis ich leider nicht.
Das zweite, Dispersionshärten sorgt bei Werkzeugstählen für eine höhere Verschleißfestigkeit.
Hoffentlich hilft Dir das weiter.:steirer:
 

Leonardo75

Mitglied
Hallo Tobse!

Mit Herbert habe ich mal über das Thema gesprochen und er meinte, dass das Anlassen bei höherer Temperatur (auch Sekundärhärtemaximum genannt) zu einem feineren Gefüge führt. Bei D2 würde ich also immer versuchen, das Material dort anzulassen.
Dabei wird der Stahl wohl weniger rostfrei, weil sich mehr Chromkarbide bilden und weniger Chrom in freier Form in der Matrix vorliegt, aber D2 war ja eh nicht der Weltmeister in Sachen Rostbeständigkeit.

Frag aber lieber noch mal die Stahlprofis, die werden Dir sicherlich genauer Auskunft geben können.

Es grüßt Dich der Leo.
 

herbert

MF Ehrenmitglied
@tobse: leonardo75 und schleifalot haben das wesentliche schon gesagt. D2 ist ein Sekundärhärter, bei dem bei höheren Anlaßtemperaturen sich Sonderkarbide bilden (V, Cr, W...). Die entziehen der Matrix das für die Rostresistenz maßgebliche Cr, das zur Gewährleistung der Rostfreiheit in der Matrix gelöst bleiben muß. Andererseits sind die Karbide natürlich hervorragend geeignet, die Verschleißfestigkeit zu erhöhen. Hier ist übrigens eine Tiefkühlbehandlung nicht nötig, denn der Restaustenit zerfällt bei den höheren Anlaßtemperaturen ohnehin. Das ist der Fall "blau".
Im Falle Gold ist niedrig angelassen, es bilden sich keine Sonderkarbide, das Cr bleibt in der Matrix gelöst. Der Stahl ist sehr hart, enthält aber noch Restaustenit als metastabile Phase, und die muß weg. Das macht man mit Tiefkühlen. Um den gesamten Austenit umwandeln zu können, reicht bei nicht legierten oder einfachen C Stählen das Abschrecken und Anlassen, aber die höher legierten müßte man theoretisch noch tiefer kühlen. Das ist der Sinn des Tiefkühlens bei niedrigen Anlassvorgängen.
Kurz und gut, die Jungs haben alles richtig gemacht. Und denk dran, die Anlaßfarben haben bei den legierten Stählen nicht die gleiche Aussagekraft wie bei den C-Stählen, die Farbenbildenden Oxidschichten bilden sich später/bei anderen Temperaturen.
Und was die Sache mit der Sekundärhärterei angeht, hier ein kleine Graphik, die vielleicht weiterhilft. Ich seh gerade, die Graphik kommt nicht so toll rüber, also der D2 sind die blauen Dreiecke, die Hochachse ist die Rockwellhärte (startet mit 52 und endet bei 66, die Anlaßtemperaturen gehen von 0 bis 600° C.
 

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Tobse

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Vielen Dank an alle für die ausführliche Erklärung! Das Messer ist heute fertig geworden.

Munter bleiben,
Tobse!