An alle die Micarta selber herstellen [Papier, Harz, Gefährlichkeit]

spyderbug

Mitglied
Hallo!

Da ich vorhabe in diese Richtung selber etwas zu experimentieren hab ich folgende Fragen an euch:

1) Welches Papier kann man dazu benutzen? Muss das ein besonders dünnes Papier sein, oder geht da "normales" 80g Papier auch?

2) Welches Epoxyd Harz sollte ich am besten nehmen?

3) Wie lange dauert es eigentlich bis es ausgehärtet ist? (Hab mit dem Zeug noch nie gearbeitet)

4)Ist Epoxyd Harz in irgendeiner Weise gefährlich? (Keine sorge, hab nicht vor es zu trinken :D )

Danke schon mal!

Grüße, Robert
 

C. Raiber

Mitglied
Hallo rfruehauf

Zu 1. 80g Papier geht locker, ich verarbeite sogar hauptsächlich dünneren Bastelkarton, vieviel g/qm der hat darfst du mich nicht fragen aber erheblich mehr. Voraussetzung und damit kommen wir zu 2. ein möglichst dünnflüßiges Harz verwenden, z.B. Laminierharz. Schau mal hier nach oder auch da .
Zu 3. Wenn möglich lange verarbeitungszeit so ab 40 min aufwärts sonst kanns ziemlich hektisch werden beim Verarbeiten. Gibt auch ne ziemliche sauerei beim verarbeiten, gut abdecken.
Zu 4. Giftig ist das Zeug leider auch noch ziemlich. Unbedingt immer Handschuhe tragen. Hab gelesen das vor allem der Härter ziemlich heftig sein kann. Bei Berührung mit der Haut zum Teil Leberschädigend.
Soviel meine bescheidenen Infos. Frag mal deadly edge der Experimentiert schon geraume Zeit damit rum.

Viel Spaß beim beim rumpanschen

Gruß Christoph
 
:"80g Papier geht locker, ich verarbeite sogar hauptsächlich dünneren Bastelkarton, vieviel g/qm der hat darfst du mich nicht fragen aber erheblich mehr. "

Ist schon spät, gell:lach:

Gute Nacht, Tim.
 

Moppekopp

Mitglied
Hi!

Ich hab für meinen ersten Micartaversuch normales 80 g/qm Papier genommen ( meine alten Matheübungsblätter)
Als Epoxi hab ich das Baumarkt-5min.epoxi verwendet. Man muss sich wirklich sehr beeilen, allerdings hab ich das Micarta in vier oder fünf Schichten aufgebaut. Das heißt, ungefähr 20 Mal Papier und Epoxi, dann zwischen Backpapier vorsichtig pressen, dann wieder 20 Schichten Papier mit Epoxi dazwischen....
Das Micarta hatte keine Luftblasen - es geht also mit dem Baumarktepoxi auch nur muss man sich mehr beeilen. Ich hab mir aber jetzt auch ríchtiges LAminierharz besorgt.
Die Druckerschwärze löst sich übrigens nicht im Epoxi, nur Kugelschreiber verschmiert ein bisschen. Es sind der Fantasie also da keine Grenzen gesetzt.


Gruß Tobi
 

Flaming-Moe

Mitglied
Ich nehm dazu das Harz L + Härter L. Funktioniert ganz gut. HT + Härter HT ist noch dünnflüssiger aber eigentlich nicht notwendig.
Verarbeitungszeit ist 45 Minuten, Aushärtzeit 24 Stunden. Kalthärtend.

Giftig ist das Zeug auf alle Fälle. Sorgfältig arbeiten und Handschuhe tragen.

Ich hab schon normale Papierdicken bis hin zum Fotokarton mit ca. 240 gr. genommen. Den sollte man etwas länger einweichen lassen.

Ich presse das ganze zwischen 2 Holzplatten, die an der Innenseite mit Kunstofffolie beklebt sind.
Achtung: Es funktioniert nicht mit jeder Folie. Mein erster Versuch (fast) in die Hose, weil die Folie mit verklebt wurde.
 

spyderbug

Mitglied
Hi! Danke für die vielen Tips!

Eine Frage noch an Moppekopp:

Warum das Backpapier? Kann man nicht in einem Arbeitsschritt alle Schichtem miteinander verkleben?

Grüße, Robert
 

ozelot

Mitglied
Zu der Folie:
Ich hab bei meinem Micarta Frischhaltefolie genommen. Sobald alles voll ausgehärtet ist, läßt sich die Folie einfsch abziehen.
 

Moppekopp

Mitglied
Hi rfruehauf!

Das BAckpapier ist dazu da, damit man die Holzplatten nachdem pressen auch wieder abbekommt. Alles auf einmal machen ist schlecht, da es einfach zu lange dauert, da ist das 5min Epoxi schon hart. Ich hab nach dem Aushärten von einem Packet von ungefähr 20 Lagen Papier einfach darauf weitergearbeitet - gab keine Zwischenräüme oder sichtbare Lücken.

Gruß Tobi
 

Blacky

Mitglied
hey,
wieviel habt ihr denn für das harz ausgegeben?
und wieviel ist so ne standardmenge?
und, das mit den mathe-klausuren ist ne nette idee... :haemisch:
allerdings wärechemie im moment angebrachter :teuflisch
sebastian
 

newtoolsmith

Mitglied
Wie wäre es denn mit Vakuumentlüftung? Gespielt habe ich mit dem Gedanken auch schon mal...

Lässt sich Papiermikarta gut polieren?

Wie empfindlich ist denn so eine Oberfläche - meine Messer sind halt alles Arbeitstiere und keine Vitrinenhocker (was nicht abwertend gemeint ist, immerhin sind einige meiner Werke auch eigentlich zu schade zum benutzen).

MfG
newtoolsmith
 

Erka

Mitglied
sanjuro schrieb:
Micarta wird mit Phenolharz hergestellt.

Was nicht heißen soll, dass man nicht auch mit Epoxidharz oder anderen Kunstharzen Stoffe oder Papier zu Griffschalen laminieren kann.
Meine persönliche Erfahrung mit selbsgemachten Baumwoll-Epoxi-Laminaten ist, dass es durchaus funktioniert. Allerdings schaffe ich keine so gute Tränkung der Fasern wie das zweifellos bei echtem, käuflichen Mikarta der Fall ist. Von daher auch nicht ganz so gut zu polieren. Mit Papier habe ich nur einmal ein Ministück zum ausprobieren gemacht, ist deutlich feiner (klar, hat ja keine so großen Fasern) und lässt sich daher schon polieren. Zumindest bei meinen selbstgemachten Sachen macht eine spiegelnde Politur aber eh keinen Sinn, dafür ist das Epoxi zu kratzempfindlich.

Grüße Rainer

P.S.: Hier noch ein Bild eines selbstlaminierten Griffs. Geht sicher auch schöner, aber für den Zweck hats gereicht.
Griff-Machete-2.JPG
 
Zuletzt bearbeitet:

Flaming-Moe

Mitglied
Deadly Edge ist einer der Micarta-Experten hier im Forum. Er hat schon welches mit "Wellendamast" Muster laminiert. Das Ergebnis wurde vor kurzem irgendwo im Forum gezeigt.
Ich selbst hab schon ganz unterschiedliche Sachen gemacht. Je nach verwendetem Gewebe wird das Ergebnis mittelprächtig bis sehr gut.
Grobes Leinen und Epoxidharz ist so ziemlich das stabilste. Ziemlich hart und übel zu verarbeiten, aber "unkaputtbar". Dauert etwas, bis man es auf Hochglanz hat.
Papiermicarta läßt sich gut polieren, wird aber wieder matt mit der Zeit und ist nicht so stabil. Für Messergriffe reicht es trotzdem.
Dem Farbspektrum sind keine Grenzen gesetzt. :D
Mit Polyestergewebe funktioniert es übrigens nicht, wie ich am Wochenende feststellen mußte. Das Harz haftet praktisch nicht an den Fasern.
 

Joe847

Mitglied
Hi ho,

wie darf man das ferstehn? mus man jedes blatt einzeln einstreichen oder legt man 5 oder 10 lagen übereinander und schmiert dan den kleber drüber ?
leider kann ich mir darunter nicht vorstellen
aber neugerig bin ich doch :glgl:


mfg.
Joe
 

Flaming-Moe

Mitglied
Du meinst vermutlich Papiermicarta. Ich hab jedes Blatt einzeln getränkt, ansonsten dringt das Harz nicht so gut zwischen die Lagen und in der Mitte kann es Luftblasen geben.
 
ich hab gestern meinen ersten versuch gemacht. Mit Epoxyd-Harz aus dem modelbauladen. als basis-material hab ich einen dieser Army Hosengürtel benutzt. dadurch hab ich mit nur fünf lagen eine dicke von etwa 12 mm errreicht. leider war das Harz recht dickflüssig und hat die Fasern nicht 100%ig durchtränkt. ich hab versucht eine kante abzufeilen, dabei kamen dann scheinbar vom harz unberührte fasern zum vorschein. der block ist aber trotzdem sehr stabil. also den hammertest hat er bestanden. und es fühlt sich auch irgendwie interresant an. aber als griffmaterial unbrauchbar.
jetzt hat mich der ehrgeiz gepackt. ich werd noch weitere versuche machen. vielleicht krieg ich ja mal was brauchbares hin.

gruss

oliver
 

Erka

Mitglied
Paar Tips dazu vom Laien an den Laien:
Dünneres Material lässt sich vermutlich leichter vollständig tränken.
Leichtes (!) Erwärmen des Harzes z.B. mit dem Fön macht es dünnflüssiger. (Zu starkes Erwärmen könnte aber dazu führen, dass die Reaktion zu schnell abläuft, im Extremfall fängt das zeug zu dampfen an und könnte sich evtl. sogar entzünden. Also nicht überteiben).
Wenn es nur bischen faserig ist: Je feiner dann geschliffen wird, um so mehr verschwinden diese Fasern. Die Fasern tzeigen sich bei mir übrigens nur beim Feilen und schleifen, wenn mit scharfen Werkzeugen abgetragen wird (Messer, Hobel, Fräse, Karosseriefeile) ist die Kante fast faserfrei.
Und zuletzt kann man, wenn der Griff endültig in Form gebracht und eingermaßen angeschliffen ist, das Ganze nochmal dünn mit Harz einstreichen, überschüssiges Harz kann nach kurzer "Einziehzeit" wieder abgewischt werden. Dadurch werden auch die letzten hartnäckigen oberflächennahen Fasern nochmal getränkt, und der letzte Feinschliff wird wesentlich glatter.

Gruß Rainer
 

McMordigan

Mitglied
Hallo, Leute

habe mit Interesse Eure Beiträge gelesen. Ich habe noch einen allgemeinen Tipp zu Färben von Harzen für Euch:

Man kann Kunstharze sehr gut mit Toner aus alten Laserdruckerkartuschen schwarz einfärben. (die entleeren sich nie komplett)
Karusche vorsichtig öffnen, das Tonerpulver entnehmen und vor dem Zugeben des Härters in den Binder einrühren. Das Pulver ist sehr ergiebig und einen nenenswerten Klebkraftverlust konnte ich auch noch nicht feststellen. Reste in staubsichtem Behälter sammeln (Filmdose)

Ich fertige mit dieser Mischung mosaic pins an, aber warum sollte das nicht beim Verkleben von Papier oder Stoff funktionieren.

Seid aber mit dem Toner vorsichtig; wie das Harz ist er nicht ohne! Tragt Handschuhe, Brille und Staubmaske, besonders beim Öffnen der Karusche. Ruiniert nicht Eure Wohnung, öffnet die Kartusche draussen :D