Ätzen mit Essig-Essenz ??

Nidan

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Hallo zusammen,

ich hab jetzt den Griff für meine erste Klinge vom Schmiedtreffen fast fertig und möchte am WE die Klinge einsetzen.

Allerdings überleg ich mir ob ich sie vorher noch einmal ein bisserl ätzen soll, das Muster kommt nicht soooo toll raus.Die Säure beim Ätzen war schon ein wenig kalt.

Allerdings mag ich es nicht mit Schwefelsäure machen, das Zeug stinkt dermaßen, da gibt es bei mir zu Hause nen Aufstand von meiner Frau ;)

Glaubt ihr es hat Sinn es mit Essig-Essenz zu machen, und welche Kozentration und welche Verweildauer der Klinge brauch ich da ? Und wie gefährlich ist das Zeug denn ?

Das Experiment von Leo mit dem Essig hab ich schon geafunden, aber ich denk mir mal mit Essig-Essenz müßte es doch noch beser gehen, oder ?
 

Moppekopp

Mitglied
Hi Nidan!

Ich habe eine Damastklinge mit warmen Essig geätzt, allerdings nur mit ca. 5% Säure. Die Klinge war vorher nicht mit Schwefelsäure geätzt. Das Muster ist dabei gut rausgekommen. Unter dem Link findest ein Bild.
http://www.messerforum.net/forum/showthread.php?threadid=6850

Allerdings habe ich auch mal versucht eine Klinge die schon mit Schwefelsäure geätzt war mit Essig nachzuätzen. Das Ergebnis war nicht so überzeugend. das lag wahrscheinlich daran, dass die einzelnen schichten durch die Schwefelsäure so stark angeätzt waren, das ich die Oxidschicht nicht wegpolieren konnte. Die Klinge hatte hinterher viele Flecken. Ich werde das aber nochmal versuchen.
Grundsätzlich geht das Ätzen mit Essig ganz gut, die Oberfläche ist nicht so beständig, muss halt öfter nachgeätzt werden. Wenn die Klinge partiell gehärtet ist sollte der gehärtete Bereich dunkler als der weichere Bereich sein. Kann aber von Stahl zu Stahl unterschiedlich sein.

Gruß Moppekopp
 

DeadlyEdge

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Original geschrieben von Nidan
Glaubt ihr es hat Sinn es mit Essig-Essenz zu machen, und welche Kozentration und welche Verweildauer der Klinge brauch ich da ?
NACH GESCHMACK! :glgl:
Und wie gefährlich ist das Zeug denn ?
Wenn man es pur trinkt oder gründlich in die Haut einmassiert ist es nicht ungefährlich. Wenn es kocht ist es mindestens genauso gefährlich wie kochendes Wasser. Und stinken tut es auch ganz gewaltig - nach Essig halt (besonders wenn es heiß ist). Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, wenn du die Klinge in kalter Es.-Es.(-Lösung) einlegst, kriegst du keinen so guten Kontrast - auch nach langer Einwirkzeit. Der 2842 wird da eher grau als schwarz, obwohl die Ätzung schon in die Tiefe geht. Bei heißer Säure ist die Zeichnung besser.
Bei Eisentrichlorid ist der Geruch nich so extrem (geruchslos oder schön duftend ist es aber auch nicht) und es ist ein beliebtes, effektives Ätzmittel. Gibts günstig bei Conrad.
Gruß,
DE
 
Zuletzt bearbeitet:

zorro_43

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Ich hab schon mal mit kalter Essig-Essenz geätzt. Das ergab bei relativ langer Einwirkzeit (mehrere Stunden) ein schönes Grau.

Ich werde das bei meinem Damaststück vom Schmiedetreffen mal Versuchen.

Da das ganze relativ undramatisch abläuft, glaube ich, dass man damit nix kaputtmachen kann.

Wenns nicht klappt kannst du ja immer noch mit Baterie-Säure Nachätzen.

Zorro
 

freagle

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Ich würd sagen wenn schon dann richtig.

Nidan du kannst es doch erst mal mit kalter Batteriesäure versuchen, das geht bei manchen Damastsorten sehr gut. Kalte Batteriesäure stinkt auch nicht so, einfach ins freie raus gehn. Was die Zeit angeht, einfach mal nach ner Minute schaun was sich tut, dann nach belieben weiterätzen.

freagle
 

Haudegen

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Original geschrieben von freagle
Ich würd sagen wenn schon dann richtig.

seh ich genauso.
ich hab vor kurzem eine klinge vom letzten balbachschmieden ca. 24 std. in essigessenz gehabt, aber mehr zum lösen der schmiedetextur. geäzt hat schon, ist aber kein vergleich zu gscheit.
( ein kleiner ausflug zu gefährlichkeit: hab vor kurzem für freagle frische batteriesäure umgefüllt. dummerweise gabs ein kleines mißgeschick. die säure war auf meiner hand, auf der hose :finger: u. der werkbank.
schnell griff ich einen lappen, - u. wischte erst mal die werkbank auf. [offensichtlich war ich unter schock.] :angst:
erst freagles einwurf: ehh, deine hand, brachte mich dazu, die hand mal in die regentonne zu tauchen. aber , nix passiert,...:D )

zurück zum thema, wenn der damast geil ist, sollte man sich mühe geben. zwischendurch mal fein abziehen, aceton, tauchen,.....
hol dir batteriesäure aus nem autohaus/werkstatt, schick die anita ins kino u. ätz deinen damast.
alternativ schick "sie" mir, ich steh auf ätzen.

grüsse,...............
 

Moppekopp

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Hi!

Hat einer von euch schon mal mit anderen Substanzen geätzt, als Essigsäure, Eisen(3)-chlorid oder Schwefelsäure? Geht sowas auch mit Mineralsäuren (HCl, Flusssäure...) oder mit Salpetersäure?

Gruß Tobi
 

xray

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Von Flusssäure würde ich abraten, da das zeug wirklich saugefährlich is!! ätzt so ziemlich alles weg, auch glas... daher wird es meist in Wachs-beschichteten Ampullen aufbewahrt (wachs ist komischweise nicht mit flusssäure ätzbar :argw: )

mfG
Flavio
 

DeadlyEdge

Mitglied
mit 25 % HCl habe ich schon versucht, na ja, kein so guter Kontrast. Wenn man "acid washed" bei einer Monosthlklinge machen will, geht es schon. Außerdem "verdampft" da extrem viel, wenn das Zeug heiß ist (HCl ist ja ein Gas), was die normallerweise im Vergleich zu Schwefelsäure (Batteriesäure) eher "milde" Salzsäure für diese Anwendung eher gefährlicher macht.
Salpetersäure habe ich auch mal probiert, geht gar nicht so schlecht und macht schön schwarz. Und die schönen gelben Flecken an den Fingern :irre: .... Ich habe mal irgendwo gelesen, daß man Salpetersäure in ziemlich niedriger Konzentration (5 - 10 %) in ethanolhaltiger Lösung zum Ätzen von Meteoriteneisen benutzt. Was genau das Alkohol bringt, weis ich nicht.
Flußsäure ist in kleinen Mengen in einigen Beizen zum Entzundern enthalten. Ätzt bestimmt auch, ist aber wirklich gefährlich. Und wo ich Entzundern erwähne: da soll Phosforsäure ganz gut geeignet sein, da die der Schlacke die Knochen bricht, den Stahl aber nicht so richtig anätzt.
mfg,
Martin
PS: ach ja, ich habe auch mit Vitamin C geätzt :lechz:
 
Zuletzt bearbeitet:

Moppekopp

Mitglied
Hi!

@ deadly Edge: Bei einer Mischung aus Alkohol und Salpetersäure, müsste eigendlich der entsprechende Salpetersäureester entstanden sein. Nur was der beim Ätzen bewirkt, weiß ich nicht.

Gruß Moppekopp
 

Nidan

Mitglied
So ich hab jetzt die Klinge ca 16 Stunden in 25 % Essigessenz gehabt. Die Essenz wurde nicht erwärmt und war in einer geschlossenen Tupper-Schüssel.

Das Ergenis war gar nicht so schlecht, die Damaststruktur kommt jetzt deutlich beser raus, insgesamt ist die Klinge etwas grau geworden, was mir aber recht gut gefällt.

Ich werds demnächst noch einmal versuchen und zwar mit einer Klinge die nur ein recht schwaches Muster hat. Bin gespannt obe es da auch hilft, sonst kommt Arbeit auf dich zu Haudegen ;)
 

Kevin Wilkins

Moderator Forum Kevin Wilkins
Ich habe Essig Essenz, Eisen3Chli. und Batteriesäre benutzt.

Essig Essenz geht wenn es gewärmt war für carbonstahl, hat tierisch gestunken, also weg damit...

Eisen3Chlor. benutze ich für den acid washed finish bei D2 Stahl und andere Cabonstähle, farbt sämtlich Tücher und Hosen Gelb Orang...

Batteriesäure benutze ich für Damasteel, aber nur in freie, Mit Dampfmaske und Schutzbrille!!!!
 

AchimW

Mitglied
Ätzen

Nach Versuchen mit diversen Substanzen verwende ich heute (fast) nur noch Eisen-III-Chlorid zum Ätzen. Ich nehme eine Lösung von 250 Gramm FeCl3 in 1 Liter Wasser. Stinkt nicht, greift nicht die Finger an und ist gut zu kontrollieren und und zu neutralisieren. Kippt mal ein gefäß um, ist es (bis auf die aggressive Gelbfärbung) auch keine unüberschaubare Katastrophe. Und das Ätzen geht schnell. Eine Klinge in dieser Lösung braucht maximal 10 Minuten für eine tiefe Reliefätzung. Ach ja, 1.2842 wird schön schwarz damit.

Einzige Ausnahme: Damasteel. Den ätze ich mit 34 % Salzsäure, was aber eine echte Sauerei ist. Vorsicht vor den wirklich gefährlichen Dämpfen!

Die Alkohol-Salpetersäure-Mischung nennt der Fachmann Nital. Wird vornehmlich zum Anätzen metallurgischer Schliffe für's Mikroskopieren und Fotografieren benutzt.

Achim
 

Nidan

Mitglied
So ich hab jetzt meine beiden andren Klingen vom Schmiedetreffen auch mit der Essig-Essenz nachgätzt und bin schon recht zufrieden damit. Eine hat ein sehr schönes Relief bekommen, die andere ist auch viel besser als vorher, obwohl ich glaub, daß da die Essenz nicht mehr ganz fit war ;)

Die Klingen schauen nach dem Ätzen sehr grau aus, aber das beommt man mit 1200er papier schnell und schonend weg.

Ich werd aber auf jeden Fall auch mal das Eisen3Chlorid probieren, wenn ich wieder Damst zum Ätzen hab.

@ Achim : Du schreibst der 1.2842er wird davon schwarz, gibt das ne brauchbare Beschichtung, oder geht die gleich wieder ab ?
 

AchimW

Mitglied
1.2842

Eine brauchbare Beschichtung gibt das natürlich NICHT. Was passiert, ist, das die Oberfläche weggefressen wird. Das geschieht natürlich nicht mit perfekter Gleichmäßigkeit, so daß die entstehende rauhe Oberfläche das Material matter (also dunkler) erscheinen läßt. Außerdem bildet sich eine Schicht schwarzes Eisenoxid, die aber beim Reinigen der Klinge zum größten Teil wieder entfernt wird. Die verbleibende Schicht entspricht in etwa der, die man auf gut gebrauchten Kohlenstoffstahl-Klingen vorfindet. Schaden tut das nix, aber eine Schutzschicht ist es ebenfalls nicht.

Achim