Abschlussarbeit Messer weltweit

IceHawk

Mitglied
Tag Zusammen!

Ich werde im laufe der nächsten acht Monate meine Maturaarbeit(Die Matur ist das Schweizer Abi, also die Abi-Abschlussarbeit) schreiben bzw. machen. Da ich gerne auch mal was praktisches mache, und das von unserer Schule her kein problem ist, habe ich michdazu entschieden. Allerdings muss die Arbeit auch einen Bezug zu einem unserer Schulfächer haben.

Deshalb bin ich auf die Idee gekommen historische Messer herzustellen. Und zwar möglichst für jeden Kontinent eins. Zum Beispiel für Asien ein Tanto.

Die Messer sollen keinesfalls den Anspruch stellen in Traditioneller Form hergestellt zu sein. Es sollen halt Nachbauten werden die, wenn möglich funktionstüchtig, mindestens aber Optisch vergleichbar sind.

Ich habe die möglichkeit Esse und Ambos selber zu Konstruieren, also möglicherweise auch etwas zu Schmieden. Mein Vater hat Schmiedeerfahrung aus seiner Ausbildung und könnte mir dabei sicher helfen.

Haltet Ihr so etwas in dieser Zeit für machbar? (Ohne "Messererfahrung")

Gibt es für jeden Kontinent typische Messerformen, und wenn ja, welche? (Falls nicht, ist es auch möglich die Arbeit auf z.B drei Kontinente einzuschränken.)

Danke schon mal im voraus für eure Antworten!

mfG

Ice
 
Zuletzt bearbeitet:

Tomcat II

Mitglied
AW: Abschlussarbeit Messer Weltweit

Hallo Icehawk!
Kannst Du einschätzen, in wie weit Deine Arbeit präzise sein muss? Also welchen Anspruch Deine Prüfer daran stellen würden?
Sowohl historisch als auch handwerklich bewegt man sich hier nämlich schnell auf sehr dünnem Eis. Du sagtst zwar, dass es nicht um die Genauigkeit und die Herstellungsmethoden geht, aber unterschätze mal die Prüfer da nicht ...

Allein die repräsentative Auswahl der Messer dürfte schwierig werden und müsste 'frei Schnauze' erfolgen. Warum ist gerade ein Tanto so repräsentativ für (ganz) Asien?

Eine handwerklich korrekte Herstellung würde, wenn nicht nur ein ähnlich aussehendes Fake entstehen soll, schon bei den traditionellen handwerklichen Methoden beginnen. Darüber kann man sich hervorragend hervorragend streiten. Vielleicht sehen das Deine Prüfer anders als Du denkst ...

Und als letzter Punkt: Allein um meine Schmiede gut brauchbar und praktikabel einzurichten hat mich mehr als ein Jahr und viel Aufwand gekostet. Sowas kann man, vor allem wenn es eng an einen Abgabetermin herangeht, nicht brauchen...

Fazit: Schnell ein paar plakative Messermodelle ohne größeren Anspruch auf richtigkeit und authentizität rausflexen geht sicher.

Authentisch erarbeitet und fundiert theoretisch diskutiert einen Querschnitt durch die Schnittweerkzeuge der Welt herzustellen ist extrem viel Arbeit.

Interessant ist dieses Vorhaben in jedem Fall!

mfg
Tct
 
AW: Abschlussarbeit Messer Weltweit

Mein deutsches Abi ist zwar schon über 30 Jahre her, und ich weiß nicht wie das heute in Schweiz gehandhabt wird, aber soviel ich weiß ist dieser Abschluss mal in erster Linie ein Abfragen von Gewußtem und Erlernten, bzw. Erarbeitetem.

Ich hatte damals u.A. Kunst als Prüfungsfach, und da sollte ich auch kein Bild malen oder eine schöne Skulptur gestalten, sonders erzählen und aufschreiben, was ich damals so über (in meinem Fall) Architektur wußte.

Ein praktisches Stück kann durchaus ergänzend bei sowas helfen, aber es wird wohl kaum einne eheblichen Teil der Anforderungen an einen solchen Abschluss ausmachen oder? Anders ist es natürlich bei einem handwerklichen Abschluss, Gesellen- oder Meisterbrief z.B.

Oder bin ich alter Sack schon soweit hinterm Mond?

Daher weiß ich nicht, ob es sich lohnt, wie du es beschreibst bei Null angefangen sich in eine für dich wie es scheint komplett fremde Materie einzuarbeiten, wenn es von manuellen her gesehen praktisch kaum von Nutzen für die Gesamtarbeit ist.

PP
 

natto

Mitglied
AW: Abschlussarbeit Messer Weltweit

Deshalb bin ich auf die Idee gekommen historische Messer herzustellen. Und zwar möglichst für jeden Kontinent eins. Zum Beispiel für Asien ein Tanto....Ich habe die möglichkeit Esse und Ambos selber zu Konstruieren, ...

Wo läge denn der Schwerpunkt der Arbeit? Nach welchen Kriterien wird bewertet? Ohne diese Angaben sind die Erfolgsaussichten für mich nur schwer einzuschätzen.

Das Messermachen zu erlernen, und 7 Messer in unterschiedlichen Formen herzustellen, dauert keine 8 Monate. Nach etwa 4 Wochen können die grundlegenden Kenntnisse angelesen-, und ein Testmesser fertig sein, +/- 3dB;)

Als erstes Werkzeuge zu konstuieren ist ein ziemlich weiter Weg:confused:


Gruß Holger
 

Walter2929

Mitglied
AW: Abschlussarbeit Messer Weltweit

Gibt es für jeden Kontinent typische Messerformen, und wenn ja, welche? (Falls nicht, ist es auch möglich die Arbeit auf z.B drei Kontinente einzuschränken.)

Ähh...... Jein,
natürlich gibt es Messer die man "Kontinenten" zuordnen könnte aber die Grenzen sind derartig fliessend das es sehr schwer sein wird den Ursprung eines Designs einem Kontinent zu zuordnen. Tanto für Asien wäre sehr gewagt. Kukuries kommen auch aus Asien, sind aber der Klingenform Tanto nicht ähnlich. Länderspezifisch ist da schon einfacher.
Wie auch immer, ich denke EIN Messer pro Kontinent ist nicht darstellbar, würde Dir aber empfehlen ein historisches Messer auszuwählen, und das in Deiner Matura-Arbeit (auch als nachgestelltes Model) darzustellen. Das wird ein Prüfer sicher anerkennen wennn dann der theoretische Teil (History, Entstehungsgeschichte, Verbreitung ect.) zu dem praktischen Teil (Messer - Model) passt. Sollte die "praktische" Arbeit dann geringfügig abweichen (Material, Schmiedeverfahren oder was auch immer) ist das für die Bewertung nicht mehr prekär. Aber, das ist nur ein kleiner Vorschlag. "Think big" ist OK, aber reduzieren auf das wesentliche finde ich besser.
Wenn Du Dich für EIN Projekt entscheidest das den Forums-Mitgliedern umsetzbar erscheint, wirst Du jede Unterstützung bekommen die Möglich ist. Nicht aufgeben, die Idee ist gut.
Walter
 

Bärwald

Mitglied
Haltet Ihr so etwas in dieser Zeit für machbar? (Ohne "Messererfahrung")

für jeden Kontinent typische Messerformen...


Hab ich das richtig verstanden: schriftliche Abschlussarbeit PLUS Messer als Anschauungsobjekte?

Geschichtlich queer durch beliebige Epochen UND geographisch nur auf Kontinente eingegrenzt?

Hast Du diese acht Monate ausschließlich für diese Abschlussarbeit zur Verfügung oder läuft da nicht noch anderer Stoff z. B. Prüfungen etc.?


Vorschlag in der Annäherung ans Messerthema

Verschaff Dir erstmal einen groben (Literatur-) Überblick (da wirst Du von rein handwerklich-technischen bis zu militärischen, kulturellen, historischen, ethnischen oder sogar Publikationen mit soziologischem Hintergrund vieles finden - besonders wenn du dann noch englishe Literatur mit reinnehmen willst/musst).

Da bist du aber noch nicht 1mm weiter in Sachen Messermachen. Das käme dann auch noch (wir brauchen einen verzweifelten Smiley mit dicken Schweißtropfen);).

Worauf ich hinaus will. Das ist ein schönes und ehrgeiziges Projekt!

Damit sowas gut gelingen kann, ist es m.E. wichtig, es vorher so genau wie möglich einzugrenzen. Es kommt immer besser an, weniger mit richtig Qualität zu machen, als zu Versuchen, alles oder von allem Etwas reinzubringen.

Ich würde (in Absprache mit dem betreuenden Lehrer) so herangehen:

Ein Land, eine fundierte kulturell-historische Rahmenhandlung - ein Messer.

Oder, was häufig auch gemacht wird, Zwei miteinander vergleichen.

(Kategorien wären dann: Kontinent, Land, Gleiche Epoche/Zeit, Kultur, Religion, Gesellschaftsform, Werkzeuge, Messer)

Beispiel: Die spanische Eroberung des Inkareiches.

Europa: Spanien, Königreich, Katholiken, Seefahrernation, Eroberer, Franzisko Pizarro.....................Dolch aus Toledo.

Südamerika: Reich der Inka (heute):p:eru, Ecuador usw. - Sonnegott Inti, Götteropfer, Agrargesllschaft-Hochkultur, göttlicher Herrscher Atahualpa....................Steinmesser aus Obsidian oder Ritualmesser aus Bronze (Tumi)

Kann man wunderbar ausfüllen ohne sich zu verzetteln.

Hoffe goholfen zu haben.

Gruß und viel Erfolg
 

chamenos

Super Moderator
Allerdings muss die Arbeit auch einen Bezug zu einem unserer Schulfächer haben.

Moin

Mal die ganzen netten Vorschläge außen vor.... welcher Bezug zu welchem Schulfach soll denn da vorhanden sein?

Geographie und Geschichte doch wohl eher nicht:hmpf:

Tu dir selber einen Gefallen: Wenn du Messer machen möchtest, dann mach das am Wochenende, wenn du deinen Schulkram erledigt hast.
Und für deine Maturaarbeit suche dir was aus, was du entspannt und ohne großartiges Gerödel erledigen kannst.

Gruß
chamenos
 

IceHawk

Mitglied
Danke fürs schnelle Antworten!

Ich weiss nicht wie es vor 30 Jahren in Deutschland war, aber in meinem Fall gibt es zwei möglichkeiten:

1. Theoretische Arbeit, also eine Thema auswählen und möglichst viel Wissen darüber Sammeln. Also ähnlich wie painless potter's Arbeit.

2. Praktische Arbeit, sich in ein Thema einarbeiten, und möglichst viel Wissen sammeln, dieses Wissen dann aber nur grob festhalten und dafür praktisch umsetzen.

Die Arbeit zählt bei uns zu der Benotung dazu. Alle Prüfungen (Also pro Fach eine, teilweise zählt auch die Zeugnisnote, dafür haben wir dann in diesen Fächern keine Prüfung.) müssen einen genügenden Schnitt ergeben, Noten unter einer vier (Schweizer Bewertung ist umgekehrt zur Deutschen), also ungenügende zählen doppelt negativ. Die Arbeit ist dann die 13te Note zählt also wie ein ganzes Fach.

Hoffentlich war das jetzt verständlich :confused:

Die Bewertungskriterien der Arbeit selbst sind grob: Korrektheit der Angaben, Umfang Gesamteindruck usw.

Genau kann ich die Bewertung jetzt noch nicht einschätzen, aber wir arbeiten sehr eng mit einer betreuenden Lehrkraft zusammen, so dass ziemlich gut rüberkommen sollte was diese verlangt.

Ihr würdet mir also empfehlen die Arbeit auf ein Messer(typen) einzuschränken, und dieses dann möglichst "Originalgetreu" bzw. nach traditionellen Methoden herzustellen und eher im Historischen als im Geographischen Rahmen zu präsentieren?

Oder eben zwei Messer zu vergleichen, was ich persönlich auch spannend fände.

Danke erst mal für die Hilfe. Ich werde mich weiter Informieren und mich erstmal für einen Messertypen entscheiden. Ich denke es wird was Asiatisches, evtl. eben ein Tanto.
mfG

Ice
 

Geonohl

Mitglied
Interessant währe für mich die Frage wieso alle möglichen abgebrochenen;) und nachgeschliffenen Spitzen Tanto genannt werden.
So weit ich weis ist das doch so, weil Amerikaner sich so Japanische Klingen Vorstellten, oder?
 

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Zum Beitrag 9:

Das ist doch ganz einfach !.
Wie kann man am schnellsten und billigsten ein messerähnliches Gerät bauen ?.
Man nimmt ein Stück Flachstahl, schleift einen groben Schneidenwinkel an, umwickelt die Handhabe mit einem geflochtenen Band- kreuzweise- und versucht das zu verkaufen. Dieser Versuch würde normalerweise fehlschlagen, deshalb muß ein Kaufanreiz geschaffen werden.
Das geschieht, indem man eine schräge Meißelspitze anschleift und das Opus als japanische Spezialität ausgibt.
Bei entsprechender Materialwahl ist das Gerät auch tatsächlich so stabil wie ein Meißel und man kann damit "eindrucksvolle" Demonstrationen, wie das Durchbohren einer Autotür machen.
Mit einem klassischen tanto hat das natürlich nichts zu tun.
Schneiden kann man damit auch nicht.

Zurück zu dem jungen Mann, der ein Thema für eine praxisorienteierte Maturarbeit sucht.

Hier muß man ganz klar sagen: Weniger wäre mehr- soweit man einen objektiven Standpunkt anlegt.
Auf den wird es aber vielleicht gar nicht so sehr ankommen.
Entscheidend dürfte die Frage sein, was denn der Prüfer erwartet.
Das würde ich zuallererst mit ihm abklären.

Das Thema "Messer weltweit" reicht jedenfalls für eine siebenbändige Monographie.
Man müßte überlegen, ob allein der Werkzeugcharakter berücksichtigt werden soll, oder ob auch die Waffe mit umfasst ist.
Nach welchen Kriterien für die einzelnen Kontinente e i n Messer herausgesucht werden soll, müßte auch irgendwie festgelegt werden.

Nur mal als Beispiel: In Europa könnte man vom Ulu der Inuit bis zum Stilett eines südländischen Meuchelmörders der Renaissancezeit sicher einige hundert Typen zusammenbringen-irgendwo dazwischen wäre dann auch der "Schweizerdolch" zu finden-wäre das ein geeigneter Gegenstand ?.
Für Asien wäre die Palette noch reicher- vom Kukri über den Parang, zum Kris, Tanto, Katar bis hin zum gezackten Knochendolch aus Kasuarbein.

Eine bestimmte Art zu wählen, ist ein erfolgversprechenderer Ansatz.

Muß es aber wirklich ein tanto sein ?. Zu seiner Entstehungsgeschichte und Funktion läßt sich sicher einiges an Literatur finden.
Die praktische Arbeit- ein einigermaßen authentischer Nachbau- wäre aber nicht so einfach.
Wie ich es oben beschrieben habe: Flachstahl anschleifen und mit schräger Meißelspitze versehen, wäre für mich eindeutig "ungenügend.

Gehen wir mal durch, wie Deine Arbeit aussehen könnte, wenn Du tatsächlich den tanto wählst:

I. Theoretischer Teil
a) Definition und Funktion, Erklärung und Beschreibung der einzelnen Teile
b) Geschichtliche Entwicklung
c) Begründung der Auswahl für einen bestimmten Tantotyp

II. Das Material
a) Kurze Erklärung des Unterschieds japanischer Stähle zu modernen europäischen Stählen -hierzu findest Du eine sehr gute Zusammenfassung in dem thread über die Zusammensetzung der Erze für die tatara - die Fa. Hitachi beschreibt das sehr genau.
b) Erklärung, weshalb Du keine tatara fahren willst.
c) Festlegung auf einen Stahl, der "tantogeeignet" sein könnte.
Hier bietet sich schon an, daß Du mit einem der hier zahl- und kenntnisreich vertretenen Rennfeuerleute in Kontakt trittst und von ihm einen geeigneten Stahl erwirbst. Die sind meist sehr nett und keine -finanziellen- Halsabschneider

III. Die Schmiedearbeit
Hier solltest Du Dir die Sache nach Möglichkeit leicht machen. Es wäre keine Schande, eine vorgeschmiedete Stange zu verwenden.
Ein Schmieden auf "Ähnlichkeit" mit der Endform sollte aber schon sein.

IV. Die Schleifarbeit
Hier ist es sicher legitim, mit modernen Mitteln zu arbeiten- Du willst ja in diesem Leben noch fertig werden.
Feilarbeit oder ein paar Stunden Arbeit mit dem Sen wären aber authenticher und würden sich gut machen.

V. Das Härten
Beschreibung des grundsätzlichen Geschehens beim Härten.
Begründung des speziellen Vorgehens- partielle Härtung mit Lehmmantel-angewärmtem Wasser, Unterbrechen des Abschreckens bei Zischwärme.
Anlassen.

VI. Feinschliff und Montierung
Auch hier würde sich eine kurze Erörterung der japanischen Technik zur Hervorhebung der Stahlstruktur gut machen. Du darft die praktische Arbeit aber mit modernen Hilfsmitteln machen-Grund siehe oben.
Die Feinheiten der Montierung lasse ich jetzt mal beiseite. Es gibt dazu umfangreiche und gute Literatur.

Wenn Du jetzt wirklich noch- nach Abstimmung mit dem betreuenden Prüfer- einen tanto machen willst- viel Spaß und Erfolg !

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 

IceHawk

Mitglied
Guten Abend!

Ich habe mich per E-Mail mit Sanjuro besprochen, und von Ihm den Tip erhalten eine Regionalere (und vor allem etwas einfachere) Messerform zu wählen.

Am Dienstag habe ich meinen Betreuer getroffen, und auch er hat sich für dieses Projekt begeistern lassen :super:
Er hat mir empfohlen mich mit einem ehemaligen Lehrer unserer Schule in Kontakt zu setzen, da dieser als Hobby Messer schmiedet.

Zur Messerform:

Ich möchte aus den oben genannten Gründen einen Regionalen (Schweiz, Österreich, Norditalien, Süddeutschland) Messertypen zum Thema meiner Arbeit machen.

Was gäbe es da für möglichkeiten? (Gegoogelt hab ich schon, ist aber schwer was zu finden weil immer das Schweizer Taschenmesser kommt.)
Der Schweizerdolch wurde ja bereits erwähnt, aber ich würde gerne noch alternativen abwägen.

Danke für eure Unterstützung!

freundliche Grüsse

Ice
 

natto

Mitglied
nabend, Deine Abschlußarbeit wird eine Publikation, und da sollte man auch auf das Publikum achten. Einen Dolch, oder gar ein Tantoo, bieten für die Bewertung ungünstige Assoziationen an. Wie wäre es mit einem Jausen- oder Brotzeitmesser? Dabei denke ich an ein EDC, das jeder mit schönen Bergen, Sennerinen und Urlauben verbindet- anscheinend wird die Arbeit von einem Herren benotet. Leider kenne ich mich mit Euren regionalen Messerspezialitäten nicht so aus, ich bin eher ein Fischkopp, aber da finden sich bestimmt Messertypen mit günstigen Aszendenten.


Gruß Holger
 

IceHawk

Mitglied
Tag zusammen!

Erstmal Danke für Eure vorschläge!

Leider kommen die meisten nicht in frage...
Sichel, Gertel und Hippe sind nicht wirklich typisch für diese Region. Ausserdem sind sie für einen Schweizer nicht wirklich historisch, da sie immer noch in gebrauch sind. Ich selber benutze öfters einen Gertel für Waldarbeiten.
Taschenfeitel und Schweizer Taschenmesser fallen ebenfalls weg, da ich eher an ein feststehendes Messer gedacht habe, und wenn möglich auch älteres.
Das Fuhrmannsbesteck finde ich persönlich sehr Interessant, unnd auch schön, aber ich denke es ist für einen Anfänger zu filigran.

Beim suchen bin ich auf ein sogenanntes Ringknaufmesser gestossen, wie es wohl die Kelten und die Helvetier, also die vorfahren der Eidgenossen hatten.
Ich halte diese form für Ideal, da sie sehr alt ist, und kaum verzierungen oder ähnliches hat.
Gestern habe ich nun ein nahes Römermuseeum angeschrieben, ob sie solche Funde haben, so dass ich einen konkreten Fund rekonstruieren könnte.

Falls Ihr alternative Ideen habt, die in eine ähnliche Richtung gehen, sind vorschläge aber immernoch sehr wilkommen!


Vielen Dank für Eure Hilfe!

mfG

Ice
 

jafi

Mitglied
Hallo Ice,

das Ringknaufmesser ist bestimmt eine schöne Alternative, allerdings muß das wirklich geschmiedet werden um authentisch zu wirken.

Auch wenn du kein Tanto machst, nimm dir U.Gerfins Beitrag zu Herzen, insbesondere die Unterthemen mit denen du dich beschäftigen kannst / solltest. In erster Linie sollst du ja mit der praktischen Ausführung belegen, dass du dich theoretisch intensiv mit einem weiten Themengebiet auseinandergesetzt hast.

Was mir nicht ganz klar ist: Willst du den Fokus eher auf Kulturgeschichte legen, oder auf den Themenkomplex Metallurgie / Chemie / Physik / Technologie?
Als Prüfer würde ich etwas sehr unterschiedliches erwarten, je nachdem was die Zielvorstellung war.

Du schriebst eingangs, es ginge dir darum, historische Messer nachzuempfinden. Das halte ich für eine Gradwanderung...

Steht der technologische Aspekt im Vordergrund, könntest du z.B. zwei oder drei Messer aus sehr unterschiedlichen Stählen mit sehr unterschiedlichen Schneidengeometrien für unterschiedliche Aufgaben wählen, etwa:
- ein sehr fein ausgeschliffenes Küchenmesser aus einem reinen Kohlenstoffstahl mit einer Steckangel und Holzgriff
- ein robustes 'rostfreies' Alltagsmesser aus einem hochlegierten Stahl mit Flachangel
- und vielleicht noch was pulvermetallurgisches mit großem 'Schneid'winkel und Paracordumwicklung.

damit hättest du eine weite theoretische Ebene aufgespannt, in der du dich austoben kannst: Eisen-Kohlenstoff-Diagramm, Legierungen allgemein, Einfluß von Legierungselementen, Carbidbildung, Vorgänge beim Härten, Bedeutung der Klingengeometrie etc. etc. aber auch: Druckschnitt vs. Zugschnitt, Belastungen der Klinge bei unterschiedlichen Aufgaben etc.
Finde ich persönlich interessanter als eine 'historisierende' Betrachtung...

wie auch immer, ein schönes Projekt! Bitte berichte weiter.

viele Grüße,
Jan.
 

IceHawk

Mitglied
Tag Zusammen!

So, nach einer längeren Phase des Schweigens möchte ich Euch wieder mal über den Stand der Dinge aufklären.
Ich habe mich nach längerer Beratung mit meinem Betreuer dafür entschieden ein Keltisches Ringknaufmesser zu Rekonstruieren.

Hier erstmal mein Konzept:

Konzept

Einleitung

Ich möchte im Rahmen meiner Maturaarbeit ein keltisches Ringknaufmesser reproduzieren. Es sollen möglichst die selben Materialien und Verfahren benutzt werden, die auch die Kelten benutzt haben. Ich habe mich für dieses Thema entschieden weil mich das Messer als Werkzeug und Waffe schon seit langem fasziniert. Es ist das älteste Werkzeug des Menschen und doch bis heute unentbehrlich. Das meine Maturaarbeit einen praktischen Teil enthalten soll, stand für mich von vornherein fest da ich ein eher praxisorientierter Typ bin, und das gelernte gerne anwende.

Thema:

Keltenmesser - Die Reproduktion eines keltischen Ringknaufmessers

Zeitplan:

Frühlingsferien: - Beschaffen d. Literatur
- Einlesen ins Thema
- Vorbereiten d. Interviews
- Suchen und dokumentieren eines bestimmten Fundes (3. W. -> Latenium)

bis 25.4 - Interview
- Abschluss der Recherchen, beginn Schreiben
- Schreiben 1. Teil (historisch)

bis 23.5 - Schreiben 2.Teil (Technisch/Chemisch)

Maturaarbeitswoche - praktische Arbeit
- Kommentar zur pA

(Die Daten sind nur als grobe Orientierung gedacht, also auch tendenziell knapp angesetzt.)

Inhalt:

historisch: - Dokumentation und Nachbau eines bestimmten Fundes
- Hintergrundinfos zum Fund (Was war dort?, Wozu wurde er benutzt?, Kelten)

technisch: - Entwicklungsstand der Metallverarbeitung
- Material an sich (Zusammensetzung, herstellungsprozesse ...)
- Umsetzungsmöglichkeiten der damaligen Methoden
- aneignen der benötigen Technischen Fähigkeiten (Schmieden usw.)


Das ist alles jetzt nur mal ein erster Entwurf, ich werde im laufe der Recherchen noch Themen streichen bzw. auswechseln, je nach dem was machbar ist und was nicht. Meine betreuende Lehrkraft hat mich angehalten selber Esse und Amboss zu konstruieren, da ich dadurch leicht zu weiterem gut verarbeitbarem Schreib-Material komme. Ich werde diese konstruktionen möglichst einfach halten, evtl. sogar eher etwas Lehmofenartiges bauen. Ich habe mir jetzt erstmal Literatur über die Eisenzeit und die Kelten in der Schweiz beschafft, werde mich nun einlesen und dann entscheiden wie nahe an ihre "Schmiede" meine Konstruktion kommen soll. Einen Amboss kann ich von meinem Lehrer leihen.

mfG

Ice
 

WalterH

Mitglied
Klingt beim Querlesen gut. Zur Theorie fiele mir noch ein:

- Damalige Handelsbeziehungen, Import von Erz und Barren (Stichwort auch: "Keltenmeteorit" :hehe: )
- Historische Entwicklung des Messertyps (wenn schon so was spezielles wie Ringmesser)

Aber übertreibs auch nicht mit der Theorie. ist ja keine Dissertation... ;)

-Walter