2 Fragen zur WB nicht geschmiedeter Klingen

xtorsten

Mitglied
Für geschmiedete Klingen ist das ja alles hier schon ausführlich erläutert worden, nur weiß ich nicht so recht, ob Normalisieren/Einformen der Karbide bei
1. weichgeglühtem Werkzeugstahl (z.B. 1.2510)
2. gehärteten Feilen
notwendig ist.
zu 1.: Kann man in der Praxis davon ausgehen, daß das Material wirklich in einem gutem Zustand für eine Härtung als Messer mit feiner Schneide geliefert wird ?
zu 2.: Reicht bei den Feilen ein Weichglühen unter Ac1 um ein gutes Ausgangsgefüge für eine Härtung zu bekommen?
Habe zwar Romans Buch gelesen, aber diese beiden Punkte sind mir noch nicht klar geworden.
Gruß,
xtorsten
 

roman

MF Ehrenmitglied
1 in der regel ist der zustand gut und für unsere zwecke genau richtig

2 Weichglühen ist genau das was man da tut
 

xtorsten

Mitglied
2 weichglühen ist genau das was man da tut

hm, leicht mißverständliche formulierung. Beziehst Du das auf nur glühen unter Ac1 oder mit vorherigem Austenitisieren/Pendelglühen?
gruß,
xtorsten
 

Guenter

MF Ehrenmitglied
Der Zustand der Stähle bei 1) ist, wie Roman sagt, zwar gut, aber ein Spannungsfrei glühen sollte man trotzdem vorsehen, um die Gefahr eines Verzuges zu minimieren.
 

xtorsten

Mitglied
ich strapaziere Euch hier auf`s äußerste,was?
Pendeln dient dem Einformen, oder?
Mir gimg`s darum: Hatte vermutet, daß, wenn ich eine gehärtete Feile habe, im Gefüge der Kohlenstoff nicht als schalenförmiger Korngrenzzementit vorliegt, und deshalb der Zustand des körnigen Perlits durch einfaches Weichglühen erreicht werden kann.
Da ich aber zu wenig Ahnung habe, wie und wo sich der Kohlenstoff aus dem Gefüge ausscheidet und das auch nirgends explizit, in Bezug auf Feilenstahl, nachlesen konnte, habe ich gedacht, fragen is besser wie vermuten. Bitte nicht schlagen wegen so einer Nervfrage.
Und natürlich Danke für Antworten und Geduld.
Gruß,
xtorsten
 

roman

MF Ehrenmitglied
Also fragen sollst Du ja möglichst Löcher in den Bauch dazu hab ich ja auch aufgefordert ;-)))

Also weichglühen bleibt weichglühen der zementit scheidet sich dabei körnig ab. so einfach ist es!

Also dranbleiben wer färgt führt eine Konversation!!!!!!!

Grüße Roman
 
Zuletzt bearbeitet:

xtorsten

Mitglied
Prima, daß das so einfach ist!!! Vielen Dank.
Dann muß ich noch Härtefolie besorgen und dann geht das recyclen von alten Feilen los.
Und dranbleiben werde ich, und wie!
Erst mal morgen in die Bibliothek und Literatur holen.
Kennst Du eigentlich Handbuch der Sonderstahlkunde von E. Houdremont?
Taugt das was?
Zwei Sachen noch zu Deinem Buch:
1. in dem Kennfelddatenblatt von 1.2842 steht bei den Richtwerten der Analyse P und S 0,3%, bei mir ( Atlas zur WB der stähle) steht da 0,03. Druckfehler? Wenn ja, hast Du es wahrscheinlich eh schon gesehen.
2. In dem Kennfelddatenblatt von 1.2842 ist die Anfangsschärfe im Verhältnis zu Feile/Kugellager/c75 niedriger eingestuft, obwohl die Karbide nicht größer aussehen, als bei Feile Kugellager. Wie kommt das?
Gruß,
xtorsten
 

roman

MF Ehrenmitglied
Houdremont kenn ich der ist mir ein wenig zu theoretisch. Ich bin da besser mit dem Rapatz gefahren.
Die 0,3% sind ein Fehler das ist richtig genauso wie bei Chronidur die 0,4% N verlorengegangen sind???
Nun 2842 ist zwar ein guter Stahl den ich auch selber benutze. Nur wird er von so vielen Herstellen angeboten und die Streuung der Qualitäten ist so groß das ich desshalb ein wenig pessimistischer bin. Wie bereits im Buch gesagt sind das was ich angegeben habe Anhaltswerte und die können streuen je nach Herstellungsverfahren exakte Chemie und WB
 

xtorsten

Mitglied
super, vielen Dank. Ab dem 2. Jenner ist die Bib. wieder geöffnet, dann werde ich mal sehen, womit ich mir die Freizeit noch ein wenig theoretischer gestalten kann ;-)
Allmählich gehen mir die Fragen aus, aber das ist ja auch nicht das schlimmste oder? Mal sehen wie lang das andauert.
Eins würde mich noch sehr interessieren. Und zwar ein Vergleich Feile/Shiro Gami. Bei Dick im Katalog wird S kleiner 0,004 angegeben. Ich weiß, daß weniger S ist immer gut und genaueres wird sich wohl erst unter dem Mikroskop und in Testreihen ergeben - und das ist `ne Menge Aufwand. Aber wäre das nicht mal interessant? Oder gibt es da schon Untersuchungen über weiter reduzierte Gehalte an stahlbegleitende Elemente?
Sorry für OT, aber neues Thema deswegen lohnt wohl nicht, oder?
Gruß,
xtorsten
 

Claymore

Mitglied
Das Pendelglühen findet man in der entsprechendenLiteratur zur Wärmebehandlung des öfteren als zusatz zur Beschreibung zum Weichglühen/Einformen des in Lamellenform vorliegenden Zementits in kugeligen/körnigen/globularen Zementits.
Die gewünschte Gefügeänderung lässt sich durch ein langzeitiges Glühen (Weichglühen) oder ein ,
bevorzugt bei Wälzlagerstählen,Pendeln um die AC1 Temparatur erzielen.

Stark vereinfacht gesagt, durch ein wiederholtes Glühen/Normalisieren erreicht man ein feinkörniges Gefüge. Vorhander grober Zementit, oder Korngrenzenzementit wird durch die Kornneubildung "aufgebrochen" und kann beim Weichglühen leichter gelöst werden.
=> ein zerbröseltes Stück Würfelzucker löst sich auch schneller auf als das intakte Stück zucker.


gruß

Peter