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Thema: Damaststahl von Rost befreien

  1. #1
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    Damaststahl von Rost befreien

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    Guten Abend,

    ich bin neu hier und hoffe, ihr könnt mir helfen.

    Ich habe ein Damastmesser, dessen Klinge aufgrund unsachgemäßer Lagerung Rost angesetzt hat. Auf der Oberfläche lies er sich noch relativ gut wegpolieren, allerdings sitzen immer noch Roststellen in der Maserung und ich habe das Gefühl, dass er sich dort ausbreitet. Es betrifft ca. 10% der Oberfläche. Welche Möglichkeiten gibt es, diesen Rost wieder zu entfernen und die Klinge danach zu versiegeln?

    Problem ist, die Klinge kann nicht vom Griff entfernt werden, d.h. alle Arbeitsschritte müssen so ausgeführt werden, dass der Griff nicht beschädigt wird. Weiterhin soll auch die Klinge selbst keinen weiteren Schaden nehmen. Das Messer hat einen hohen ideellen Wert. Im Zweifelsfall würde ich es daher lieber nicht bearbeiten, falls weitere Schäden zu befürchten wären. Eine 100%ige Wiederherstellung wäre allerdings das angestebte Ziel.

    Es wäre schön, wenn ihr mir helfen könnt.

    Viele Grüße

    Norbert

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  3. #2
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Ich empfehle, es mal mit einem feinen Schleifmittel auf weichem Untergrund zu versuchen. Micromesh in Körnung 4000 oder feiner könnte gehen. Aber ohne das Teil zu sehen ist das schwer zu sagen. Anschliessend neu ätzen.

  4. #3
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Damit der Rost nicht weiter frisst, muss Du diesen restlos entfernen. So wie du die Situation beschreibst, geht das nur chemisch, also mit Säure. Gehen tut es mit jeder Säure, egal ob z.B. Zitronensäure, Salzsäure, Phosporsäure oder Schwefelsäure. Nachher muss das Material mit heissem Wasser gut gespült, getrocknet und eingefettet werden.
    Damastklingen werden ja ohnehin geätzt, damit die schöne Zeichnung überhaupt erst sichtbar wird. Also muss du grundsätzlich nur nachätzen und gut ist.

    Konkrete Arbeitsschritte:

    - Spiegelseite des Griffes mit Isolierband abkleben, damit diese beim Schleifen nicht verkratzt wird
    - Klinge mit feinem Schleifleinen bearbeiten. Mit Körnung 120 oder 150 beginnen, über alle Stufen bis 400 oder noch feiner gehen. Das kostet Zeit und Muskelschmalz
    - Griff (vor allem die ersten paar Zentimerter zur Klinge hin) mit Vaseline schützen.
    - Schwefelsäure und eine schmale Blumenvase besorgen. Batteriesäure aus dem Baumarkt passt bestens
    - Säure evtl leicht verdünnen (erst Wasser, dann Säure!) und in die Vase einfüllen, etwas höher als die Klinge lang ist
    - Klinge gut entfetten, falls du sie nach dem Schleifen mit nackten Fingern berührt hast, sonst ist das nicht nötig
    - Klinge bis zum Griff in die Säure tauchen, etwa eine Minute warten, hinausziehen und das Resultat beurteilen
    - Schritt von vorhin wiederholen, bis es passt. Faustregel für neue Klingen und 35% Schwefelsäure, mit heissem Wasser erwärmt: 5 Minuten
    - Klinge mit heissem Wasser gründlich spülen und abtrocknen.
    - Zur Sicherheit kannst Du noch mit Natron (Backpulver) neutralisieren: In eine flache Schale legen, mit Backpulver bestreuen und etwas Wasser darübergeben.
    - Je nach gewünschtem Resultat noch mit ganz feinem Schleifleinen, über einen Klotz gespannt, die erhöhten Stellen aufhellen (eigentlich: oberflächlich polieren)
    - Griff mit Aceton oder Benzin entfetten
    - Klinge und evtl. Griff ölen

    Das Ganze geht auch mit jeder anderen Säure, je nach Art der Säure und deren Konzentration geht es länger, bis zu mehreren Tagen. Und das Resultat ist optisch nicht immer befriedigend. Wenn Du also Schiss hast vor konzentrierter Schwefelsäure, dann probiere was anderes. Aber zuerst mit einem Probestück mit einem möglichst ähnlichen und gehärteten Stahl. Mit Knete in die Säure hängen, damit Du nicht stundenlang dastehen musst.

    Übrigens; Schwefelsäure in einem geegneten Behälter aufbewahren oder korrekt entsorgen (Sonderabfall- Sammelstelle) oder mit sehr viel Wasser verdünnen und in den Ablauf schütten (ist nicht ganz korrekt, aber problemlos)

  5. #4
    Registrierter Teilnehmer MF-Mitglied Avatar von Zodiak
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Frisst die Säure nicht alles weg, also Höhen UND Tiefen?
    Wird da das Ergebnis nicht eine nur dünnere Klinge sein?

    Grüsse
    Zodiak
    Mensch werden ist eine Kunst
    - Novalis -

  6. #5
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Zitat Zitat von Zodiak Beitrag anzeigen
    Frisst die Säure nicht alles weg, also Höhen UND Tiefen?
    Wird da das Ergebnis nicht eine nur dünnere Klinge sein?
    Ja klar, die Säure frisst alles weg, nach einigen Stunden ist die Klinge nicht mehr dünn, sonder ganz weg. Aber die unterschiedlichen Stähle werden unterschiedlich rasch angegriffen, was dann die typische Oberfläche einer Damastklinge ergibt. Du spürst das, wenn Du mit dem Fingernagel darüber streichst. Allerdings sind das nur Bruchteile von Millimetern. Hängt mit der Legierung zusammen: je reineres Eisen, desto schneller, je mehr Legierungsanteile, desto langsamer.

  7. #6
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Ein Glasfaserpinsel, parallel zur "Maserung" geführt, wäre sicher auch einen Versuch wert bevor die chemische Keule ausgepackt wird.

  8. #7
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Mach das mal lieber so, wie ich gesagt habe. Das abschliessende neu ätzen reicht aus, um zu neutralisieren. 5 Minuten in Eisenchlorid oder eine Nacht in Kaffe reichen dafür aus. Danach abwaschen mit Spüli und Wasser , trocknen und neutralisieren mit Ballistol. Das ist nicht nur ölig sondern auch noch basisch, neutralisiert also auch alle Säurereste.

  9. #8
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Guten Morgenn
    ich habe zum gleichen Thema eine Frage:
    Damaststahlätzen mit Schwefelsäure ist mir vertraut.
    ich möchte ein Gyoto von J. Schanz aus seinem Damaststahl mit Wüsteneisenholzgriff in der Ätzung vertiefen.
    Da ich bislang nur Klingen (ohne angebrachten Griff) geätzt habe: Reicht der Schutz des Griffes mit Vaseline. wie oben genannt, um das Holz vor den Dämpfen zu schützen?

  10. #9
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Hallo,

    vielen Dank für eure schnellen und ausführlichen Antworten.

    Ich denke auch, dass das Abschleifen und neu Ätzen der wahrscheinlich sinnvollste Weg ist. Eine tolle Anleitung habt ihr ja schon gegeben.

    Wie ist es denn, wenn noch kleinere Rostpartikel auf der Klinge wären, wenn geätzt wird? Würde die Säure den kleinen Rostrest mit beseitigen, so dass sie danach trotzdem einwandfrei sauber wäre?

    Gruß

    Norbert

  11. #10
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Zitat Zitat von Norbert_N. Beitrag anzeigen
    Wie ist es denn, wenn noch kleinere Rostpartikel auf der Klinge wären, wenn geätzt wird? Würde die Säure den kleinen Rostrest mit beseitigen, so dass sie danach trotzdem einwandfrei sauber wäre?
    Definitiv ja: Säure löst den Rost. Und auch Hammerschlag / Schmiedehaut / Walzhaut. Und am Schluss den Stahl. In dieser Reihenfolge. Jede Säure tut das.

    Am schonendesten für den Stahl ist Phosphorsäure. Diese ist aber für Damast weniger geeignet, da die Oberfläche mit grauem Eisenphosphat überzogen wird. Was wiederum erwünscht ist, fall die entrostete Oberfläche nachher lackiert wird oder ohnehin eine Patina bekommen soll.

  12. #11
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Hallo,

    so, die benötigten Hilfsmittel habe ich nun besorgt und werde den Versuch der Neuätzung die Tage mal angehen.

    Balistol habe ich jetzt aber keines zur Hand. Was könnte man nach dem Ätzen und Abspülen stattdessen verwenden, um die Klinge vor neuem Rostbefall dauerhaft zu schützen?

    Gruß

    Norbert

  13. #12
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

    Ölen oder fetten zur Not mit frischem Motoröl alles hilft auch Traktorfett. Es geht auch mit Olivenöl, nur keine Bange.

  14. #13
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    AW: Damaststahl von Rost befreien

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    Zitat Zitat von Norbert_N. Beitrag anzeigen
    Balistol habe ich jetzt aber keines zur Hand. Was könnte man nach dem Ätzen und Abspülen stattdessen verwenden, um die Klinge vor neuem Rostbefall dauerhaft zu schützen?
    Ballistol schützt eher weniger. Es gab da ja mal einen Foristen, der einen Reihenversuch mit diversen Rostschutzmitteln machte. Ballistol gehörte zu den schlechtesten. Du musst damit öfter behandeln als mit anderen Mitteln, dafür ist es lebensmittelecht.

    Wenn Du das Messer fleissig benutzest, dann nimm Balistol oder ein Salatöl, wenn Du das Messer in die Virtine legen willst, dann nimm Vaseline oder Waffenfett oder Leinölfirnis oder Zaponlack ...

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